Worte zum Wochenende

More harm has been done by people panicked over social decline than social decline ever did.

Randall Munroe, xkcd
// Idiocracy

Es gab einfach ein paar Ermüdungserscheinungen. Wir haben so viel erklärt, wie „Bild“ funktioniert. Wir hatten irgendwann das Gefühl, wir wiederholen uns.

Stefan Niggemeier, in einem Artikel des Rheinischen Merkur
// Alles Müll oder was?

Google erbringt mit der Verlinkung eine Dienstleistung. Hierfür als Verlag die Hand auf zu halten, wäre genauso absurd, wie von Kioskbesitzern eine Abgabe dafür zu verlangen, dass der Focus in der Auslage liegt.

Ulrike Langer, Media Digital
// Dann boykottiert doch Google!

But please notice that I’m not saying there has never been a more lucrative or prestigious time to become a journalist. The cash and status associated with the profession are fairly recent. Until the early 1970s or thereabouts, the average journalist made an average salary (if that), and his societal standing was modest.

Jack Shafer, Slate
// Keeping the Fizz in the Journalism Biz

Generation #

Ich glaube es war dieser Beitrag bei Carta, bei dem mir zum ersten mal deutlich auffiel, wie sehr ein neues typografisches Zeichen vom Internet Besitz ergriffen hat. Dank Twitter ist der “Hashtag” plötzlich überall – die Diskussion heißt nicht “Zensursula-Debatte” sondern “#zensursula-Debatte”.

Mit dem # – englisch: hash (“Gatter”), früher auch gerne “Raute”, “Doppelkreuz” oder “Lattenzaun” genannt – markieren und verschlagworten Twitter-User ihre Tweets, wenn sie damit Stellung zu bestimmten Themenkomplexen nehmen wollen. Damit vereinen sich alle Tweets unter einem Banner, was dann über die Twitter Search leichter zu finden ist.

Wenn Twitter und seine Epigonen (wer weiß, was Google da mit “Wave” zusammenkocht) noch an Popularität gewinnen, könnte das # das typografische Erkennungszeichen der twitternden Generation werden, so wie das @ (oder “at” – zu dem heute wohl kaum noch jemand “Klammeraffe” oder “Affenschwanz” sagt) Zeichen der ersten Internet-Generation wurde (Wikipedia zu den auch mir bisher unbekannten Ursprüngen des Symbols).

Mit der Verortung des @ als fester Bestandteil von E-Mail-Adressen und der steigenden Hipness des Netzes, tauchte der Klammeraffe nämlich plötzlich auch in den abstrusesten anderen Techno-Kontexten auf. Vom einfachen Ersetzen des Buchstaben A in technologischen Wörtern (“E-M@il”) bis hin zu der Aufschrift auf einem Internet-Café in der nähe meiner alten Bushaltestelle, das “Call @ home” und “Surf @ here” versprach, beides natürlich grammatikalisch völliger Blödsinn.

Ich warte nur darauf, dass in Berlin die erste Bar namens #alkohol aufmacht.

Eingemauert!

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls hat das Fernsehprogramm der Deutschen Welle eine Computeranimation in Auftrag gegeben, die die Grenzstreifen in Berlin und an der Innerdeutschen Grenze rekonstruiert. Das Ergebnis mit dem Titel “Eingemauert!” soll demnächst im DW-TV eingebettet in einen längeren Beitrag laufen, online kann man es sich den zehnminütigen Beitrag bereits bei YouTube angucken. Ein Making Of gibts auch dazu.

Der Film, dessen Simulation meiner Ansicht nach wirklich gut gelungen ist – genau in der richtigen Balance zwischen Erklärgrafik und Fotorealismus – zeigt eindrucksvoll, wie die Grenzen zwischen der DDR und Deutschland funktioniert haben – und wie sie sich ins Gesamtbild der Stadt bzw. der Gegend einfügten. Da ich erst 1983 geboren bin, habe ich von der Mauer nicht mehr viel mitbekommen. Und auch wenn ich über das System schon mehrere Grafiken gesehen und Beschreibungen gelesen habe – beim Ansehen dieses Films ist mir zum ersten Mal wirklich einigermaßen aufgegangen, was es geheißen haben muss, in der Daueransicht dieses Bollwerks zu leben. Ich habe es sozusagen auch mal “erfühlt”.

In den Film kann man tatsächlich eintauchen, er ist simpel genug um alles zu verstehen und dennoch vereinfacht er wenig. Kleine Details wie die fahrenden Autos und bellenden Hunde, sowie die übersichtlichen Kameraflüge, machen das Gesamtkonstrukt glaubwürdiger.

Meiner Ansicht nach ein perfektes Beispiel dafür, wie die Simulakren der Computersimulation nicht immer nur Unterhaltungswert bieten können, sondern mit Rekonstruktionen wie diesen auch einen “objektiven” und pädagogischen aber dennoch anschaulichen Blick auf die Geschichte werfen können.

Pop-Taubheit bei der ARD

Dank diesem Artikel bin ich gerade auf diese Abstimmung aufmerksam geworden und kann nur den Kopf schütteln. Steckt hinter dieser vollkommen willkürlichen Liste irgendeine Systematik – außer “möglichst Weichspülerhaft”? “HR4-geeignet + Tokio Hotel”?

Wo ist die Hälfte der NDW? Wo sind Ärzte, Hosen, Neubauten? Wo ist die DDR? Wo sind selbst Dancefloor-Deppen wie Blümchen? Dafür ist ausgerechnet Stefan Raab gleich zweimal dabei – unter anderem auch (oh Wunder!) mit seinem ARD-Titel “Hier kommt die Maus” (in die gleiche Kategorie fällt wohl auch “Schnappi”, der ganz bestimmt nicht zu den wichtigsten deutschen Hits der letzten 10 Jahre zählt). Dafür fehlt dann wiederum Guildo Horn. Und zwei Drittel der deutschen Musikgeschichte scheinen sich in den Siebzigern abgespielt zu haben.

Und am Ende wird das ganze dann als ernsthaftes Ranking “Die schönsten Hits der Deutschen” verkauft. Und mich fragt wirklich noch jemand, warum ich nur noch Filme auf DVD und “Daily Show”-Folgen im Netz gucke?

Vorschlag-Hammer

Nachdem man seine Ausstrahlung jetzt nicht mehr verhindern kann, werden in den Nachwehen des ganzen “Erwachsen auf Probe”-Buheis jetzt die Vorschläge aus der Politik ausgepackt. Manche erscheinen ganz sinnvoll, wie der Vorschlag, endlich verbindliche Gesetzgebung für unter 3-Jährige in Medienproduktionen einzuführen. Andere klingen hauptsächlich gut, sind allerdings schon auf den zweiten Blick als politische Worthülsen zu erkennen.

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestags, einer der ersten Zu-Wort-Melder in der EaP-Debatte, hat in einer Pressemeldung (eigentlich nur in einem Nebensatz) die Einrichtung eines Ethikbeirates für die Produktion von Rundfunksendungen angeregt. Da das so ziemlich das einzig neue in der Mitteilung war, haben die Mediendienste prompt reagiert.

Eine Nachfrage bei der Kinderkommission ergibt allerdings: Niemand, weiß, was die obige Formulierung eigentlich bedeuten soll. Mir konnte niemand erklären, was genau der Ethikbeirat machen soll, welche Kompetenzen er haben könnte, wer drin sitzen könnte (Politiker? Verbände? Medienmacher?) oder an welche Institution er angegliedert werden könnte. Selbst auf den Versuch, auch nur ein Minimum zu erfahren (“Aber irgendwelche Gedanken darüber, was so ein Ethikbeirat sein soll, wenn Sie ihn schon anregen, müssen Sie sich doch gemacht haben.”) wurde hilflos und achselzuckend reagiert. Der Vorschlag sei ja für Kulturstaatsminister Bernd Neumann gemacht worden, der müsse jetzt wissen, was er damit anfängt.

Na, wenn man schon mit so klaren Ideen reingeht, dann kann das Ergebnis ja auch nur die Schneidekraft einer Samuraiklinge besitzen.

Etwas ähnliches hatte ich übrigens auch bei NRW-Familienminister Armin Laschets Vorschlag eine Alterskennzeichnung fürs Internet einzuführen vermutet. Typisches Wahlkampfgebrabbel, dachte ich. Wie das funktionieren soll, hat sich noch niemand überlegt, dachte ich.

Hier wurde ich allerdings eines Besseren belehrt. Zwar hatte ich mit dem Wahlkampfgebrabbel recht, denn der Vorschlag ist nicht plötzlich Herrn Laschet ins Hirn gesprungen. Aber die Arbeit daran läuft bereits. Seit Jahren beschäftigt sich im Bundestag ein Runder Tisch mit dem Thema, wie man Altesfreigabegrundsätze von Offline-Medien auf die Netzwelt übertragen kann. In der Vergangenheit hat der Verantwortliche beim Beauftragten für Kultur und Medien, Hans Ernst Hanten, bereits ein so erfolgreiches Projekt wie Ein Netz für Kinder auf die Beine gestellt. Es klang, als könnte die Jugendschutzgeschichte auch klappen, man hat sich immerhin inzwischen auf einen Kriterienkatalog geeinigt.

Hanten konnte mir jedenfalls sehr konkret erklären, wie genau das alles funktionieren soll. Im Gegensatz zu Laschets wässrigen Formulierungen in der Pressemitteilung. Warum können nicht einfach die Leute mit Ahnung die Politik machen?