Film-Blog-Adventskalender – 4 – Henning Hönicke

Das vierte Türchen ist ein Wurmloch, das wieder zurück in dieses Blog führt. Unser heutiger Adventskalender-Wichtel, Henning Hönicke, ist Redakteur bei “Ygritte online”, Verzeihung, “Brigitte online”, und hat bisher nur ein Mikroblog unter twitter.com/hhoenicke, in das der Geschenktipp platzmäßig nicht so gut hineingepast hätte. Henning freut sich über Links zu Abrams-Trailer-Remixen und Lightsaber-Memes und hat mir versprochen, sich sehr bald ein Makro-Blog zuzulegen.

Es ist mal wieder soweit: Ein neuer Star-Wars-Trailer taucht auf, und die halbe Welt zebricht sich den Kopf, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Immerhin wurden zu viele Fans schon einmal aufs Härteste von dem „Es gibt wieder Star Wars“-Versprechen enttäuscht (oder auch nicht, je nach Alter). In der endlosen Debatte darüber, ob jetzt die Star-Wars-Prequels sehens- oder hassenswert sind, kommt eines meiner Lieblingsargumente aus der aufwändigen Abrechnung des Redletter-Media-Teams.

Gleich zu Beginn der Kritik von Episode 1 werden Menschen gebeten, doch mal die Protagonisten kurz zu beschreiben. Und, oh Wunder, keiner Sau fällt irgendwas ein, was man zu Queen Amidala, Anakin Skywalker oder Darth Maul sagen könnte. Bei der Original-Trilogie hingegen hat niemand Probleme sofort zu beschreiben, was man sich denn so unter „Han Solo“ vorstellen kann.
An so einem Punkt merkt man dann wieder: Die Original-Trilogie steht vor allem auch deshalb noch so hoch im Kurs, weil sie einfach eine gute Story mit interessanten Figuren erzählt (eingesprenkelte Ewoks jetzt mal ausgenommen). Und diese Story funktioniert, Achtung, Blasphemie, fast noch besser ohne Bild.

Klingt eher unwahrscheinlich, die Filme sind ja aus gutem Grund für die bahnbrechenden Special Effects, detailverliebte Ausstattung und Metall-Bikinis bekannt. Das wusste man natürlich auch vor etlichen Jahrzehnten beim National Public Radio – und sagte sich spontan: „Egal, machen wir jetzt“. Ergebnis: “Star Wars – The Original Radio Drama”.

Dass Star Wars in der Hörspielfassung so unglaublich gut ist, liegt an mehreren Dingen:

1. Star Wars hat schon immer sehr stark über das Ohr funktioniert, nicht nur wegen John Williams. In der Hör-Fassung entdeckt man noch einmal ganz neu, was für eine enorme Leistung es von Sounddesigner Ben Burtt war, ein komplettes Science-Fiction-Universum zu vertonen. Brummende Laserschwerter, kreischende Tie-Fighter, brüllende Wookies – mir fällt kein anderer Film ein, wo es so eine Masse von Sound-Effekten gibt, die gleich ein so starkes Bild im Kopf erzeugen.

2. Die Besetzung ist unglaublich gut. Mark Hamill, Anthony Daniels und Billy Dee Williams haben ihre Rollen sogar noch einmal komplett selbst neu fürs Radio gespielt und auch der Rest ist perfekt getroffen – Perry „Trio mit vier Fäusten“ King ist ein sehr überzeugender Han Solo, und John Lithgow ist fast noch Yoda-hafter als das Original (selbst Lisa-Simpson-Darstellerin Yeardley Smith ist in einer Nebenrolle dabei).

3. Die Story – jaja, habe ich schon erwähnt. Aber da Star Wars so nachhaltig von Flash-Gordon-Serials der Dreißiger inspiriert war, funktioniert die Geschichte auch umgekehrt hervorragend in halbstündigen Radio-Drama-Episoden mit Cliffhanger am Ende. Außerdem ist in der Radiofassung genug Zeit für Handlungsstränge, die aus dem Film gekürzt wurden. Wie deprimierend ist Lukes Alltag auf Tattooine? Wie lebt es sich so als Prinzessin auf Alderaan? Gar nicht erst nach Fan-Fiction suchen, die diese Fragen beantwortet – das Radio Drama ist offiziell von Lucasfilm als Kanon abgesegnet worden.

Falls ich mal wieder stundenlang Auto fahren oder den Kessel Run in 12 Parsecs reißen muss – ich weiß schon, was ich mir dabei anhören werde.

Film-Blog-Adventskalender – 1 – Real Virtuality

Ich habe gedacht, ich mache dieses Jahr mal den Anfang und empfehle einfach ganz schnöde ein Buch, das mir in diesem Jahr viel Freude bereitet hat. “Marvel Comics: The Untold Story” von Sean Howe ist die Art journalistisches Sachbuch, die man wegliest wie einen guten Krimi. Man muss sich nicht einmal zwangsläufig mit Comics auskennen (was ich ja auch nur mäßig tue), um an dieser Firmengeschichte durch die Jahrzehnte Spaß zu haben.

Howe hat unzählige Interviews geführt mit so ziemlich jedem, der mal bei Marvel gearbeitet hat. Außerdem hat er sehr tief gegraben, um die Vorläufer heutiger Internetforen und Blogs – Fanzines und andere Amateur-Publikationen – ausfindig zu machen, die im Zeitalter vor dem Mainstream-Boom des Mediums so ziemlich die einzige Quelle zum Thema waren. Aufgeschrieben wird das Ganze zu einer Achterbahnfahrt, welche die turbulente Geschichte des Unternehmens nachzeichnet, von den Anfängen in den Vierzigern, zum Lee/Kirby-Aufstieg in den Sechzigern und den psychedelischen Siebzigern und schließlich zum Totalausverkauf oder der Rettung des Mediums in den Achtzigern und Neunzigern (je nachdem, wen man fragt). Ich hab beim Lesen eine Menge gelernt, gut unterhalten wurde ich auch noch und ab sofort kenne ich beim Entdecken neuer Marvel-Comics wenigstens den historischen Zusammenhang. Also wenn ihr Comicfans kennt – ein todsicherer Tipp.

Dieser Eintrag ist Teil des Filmblog-Adventskalenders 2014. 24 Türchen, 24 Blogs, 24 Geschenke.

Filmblog-Adventskalender 2014

Nachdem der von Filmblogger_innen gestaltete Adventskalender im letzten Jahr hoffentlich nicht nur mir viel Spaß gemacht hat, wird es dieses Jahr wieder einen geben: 24 Tage, 24 Blogger_innen, 24 Geschenkideen.

Aber weil man ja auch immer neue Dinge ausprobieren soll, wird es dieses Jahr ein kleines bisschen anders. Die Teilnehmenden publizieren Ihre Türchen-Artikel nicht hier im Blog, sondern in ihren eigenen Blogs. Ich verlinke nur. Täglich hier im Blog, überblicksweise in diesem Post.

Ich wünsche eine schöne Adventszeit.