“Mythos Blogosphäre” auf der re:publica 2026

Gestern Abend fand das angekündigte Panelgespräch zum Thema “Mythos Blogosphäre” auf der re:publica statt und ich bin mittelzufrieden. Zum einen habe ich Kritik an mir selbst als Moderator. Ich habe den Fehler gemacht, mich mitten zwischen meine Gäste zu setzen, was zwangsläufig immer dazu führt, dass, wenn ich eine Seite anschaue, die andere für mich unsichtbar wird. Das ist super unangenehm. Besser wäre es gewesen, ich hätte mich an eins der beiden Ränder gesetzt.

Außerdem hat sich schon in der Vorstellung der Gäste ein peinlicher Fehler in meiner Vorbereitung offenbart: Ich habe Inés, der Kaltmamsell, zugeschrieben, dass ich von ihr den Wahlspruch “Blog like no one’s watching” beherzigt habe, der allerdings – wie Inés sofort anmerkte – von Anke Gröner stammt. Er ist sogar das Motto ihres Blogs, das leider zurzeit offline ist. Ich will nicht ausschließen, dass Inés mal auf Anke verwiesen hat und ich den Spruch tatsächlich über sie wahrgenommen habe, aber das hätte ich einfach besser recherchieren können. Kein guter Start also. Entschuldige, Inés.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs hatte ich dann aber auch immer wieder das Gefühl, mit meinen Fragen ein wenig auf Grund zu laufen. Vieles von dem, was mich interessiert – gab es eine Selbst-Identifikation als Blogger:in innerhalb einer größeren Blogosphäre? Haben sich erste Blogger:innen-Treffen wie “Blog mich” oder re:publica wie besondere Momente angefühlt? Habt ihr beobachtet wie andere auf euch reagiert haben? Wie bewertet ihr eure Pionierrolle im Nachhinein? – wurde weder bejaht und erklärt, noch wurde ihm so richtig widersprochen. Bei mir hat sich ein großes Gefühl von “Es war alles sehr schön, aber mehr auch nicht” breitgemacht. Und das, obwohl ich nach kleinen Vorgesprächen mit Felix (mündlich) und Franziska (schriftlich) eigentlich ganz guter Dinge war.

Ich will ganz deutlich sein: Keine der anwesenden Personen schuldet mir oder irgendwem eine Deutung oder Einordnung ihres eigenen Tuns. Vielmehr ist das ja genau mein Projekt. Es braucht eventuell auch genau diese Zuschreibungen von Nachfolgenden, um dem ganzen Sinn und Form zu geben.

Ich glaube, ich bin darüber nur immer wieder irritiert, weil es diese Bedeutungszuweisungen ja durchaus zu der Zeit, über die wir sprechen, bereits gab. Blogger:innen haben auch immer schon gerne über das Bloggen gebloggt. Und Bücher wie Wir nennen es Arbeit von Holm Friebe und Sascha Lobo, das 2006 erschienen ist, haben den Mythos, auf den ich immer wieder referenziere, aktiv befeuert. Friebe und Lobo schreiben von “Blogrevolution” und “Spirit der Blogs” und beschreiben “das diffuse Wir-Gefühl einer angenehmen Schankwirtschaft, gepaart mit der offensiven Proklamation eines öffentlichen Plakatanschlags; und schließlich das Gefühl, im Lokalteil umfassend über den Nahbereich informiert zu werden, während die große Welt eher gefiltert eindringt” (S. 206, aktualisierte Taschenbuchausgabe).

Es ist also etwas passiert, damals, aber hier sind wir wieder an dem Punkt, dass Menschen, die Geschichte erleben, das im Moment selbst oft nicht merken. Ich glaube meinen Gästen, dass es für sie damals vor allem darum ging, einem Spaß am öffentlichen Schreiben zu folgen und sich mit anderen Leuten auszutauschen, und sie dann auch persönlich zu treffen, deren Texte sie sympathisch fanden. Genausoviele andere Blogger:innen waren ihnen aber egal, genau wie das von manchen Kommentator:innen oder eben cleveren Selbstvermarktern wie Friebe und Lobo zugewiesene Etikett “Blogosphäre”. Die Blogosphäre, insbesondere die frühe, war eben kein Druidenzirkel, in den man eingeschworen wurde, sondern ein amorphes Zusammenspiel von Menschen und ihren Medien, das aus jedem Blickwinkel anders aussah.

Damit ist das Thema aber nicht tot. Ich war besonders froh, dass sich mehrere Menschen im letzten Drittel des Gesprächs mit Wortbeiträgen meldeten, und mich dann doch eher bestätigten: “Es gab sehr wohl eine Blogosphäre und als Randfigur war ich total happy, dabei zu sein.” “Wenn es euch nicht gegeben hätte, hätte ich selbst nie mit dem Podcasten angefangen, ihr dürft also durchaus stolz sein.” – alle diese Beiträge kamen von Leuten, die, wie ich, etwas später, ab etwa 2009 dazukamen.

Eventuell ist das ein wichtiger Punkt: Damals hatte sich der Mythos, die Aura der Blogosphäre durch die vielen Berichte darüber schon gebildet. Aber erst durch die Menschen, die diesem Mythos folgten, wurde er erst so richtig real. Ähnlich wie ich öfter schon gelesen habe, dass der Mythos von Woodstock erst durch Michael Wadleighs Film wirklich kodifiziert wurde. Ich bin kein Historiker, aber ich glaube, diese Wahrnehmungsverschiebung ist ein typisches Phänomen.

Und dennoch glaube ich nach wie vor, dass in dieser Zeit auch eine Geschichte steckt. Das haben mir die diversen Gespräche mit Menschen abseits der Bühne in den letzten Tagen immer wieder gezeigt. Es gab – eventuell nicht ganz zu Anfang der 2000er aber spätestens zwischen 2005 und 2008 – einen Moment, wo sich in Blogs und in Veranstaltungen wie der re:publica eine fruchtbare Zusammenkunft aus Technik-Nerdtum und popliterarischem Feuilleton Bahn brach.

Dieser Moment war besonders, weil dieses Zusammentreffen so nur in diesem zeitlichen Moment mit genau diesen Leuten möglich war. Und weil er eben viele inspirierte, die damals noch zuschauten, weil sie zu jung waren oder sich noch nicht selbst getraut hatten, mitzumachen. Und ich hoffe, es gelingt mir noch, ihn irgendwie einzufangen. Wahrscheinlich muss ich einfach noch viel mehr Gespräche führen.

Bild: Rebecca van der Meyden

ABBA Voyage: Das uncannyeste aller Valleys

Seit ich das erste Mal von ABBA Voyage gehört habe, wollte ich hingehen. Nicht, weil ich so ein riesiger ABBA-Fan bin — ich mag viele ihrer Lieder wegen ihrer grandiosen Pop-Hooks, aber mich verbindet nichts mit der Band (nicht mal Mamma Mia!) – sondern, weil ich von Anfang wissen wollte, zu welcher Art von Konzerterlebnis heutige Computertechnik fähig ist. Ob Gebräue wie ABBA Voyage gar die Zukunft des Konzerts in sich tragen. 

Vor kurzem war ich für ein paar Tage in London (zum ersten Mal seit 1993, es war super!). Ich habe ABBA Voyage gesehen und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall aber bin ich an meine semiotischen Grenzen gestoßen.

Nach so großen Worten sollte ich vermutlich kurz erklären, worum es geht. Obwohl die Story damals vor rund vier Jahren groß durch die Medien ging, habe ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass kaum jemand wusste, wovon ich sprach. ABBA Voyage ist ein Konzerterlebnis, das im Mai 2022 gestartet ist und einem die Möglichkeit gibt, ein ABBA-Konzert zu erleben, ohne dass die vier Mitglieder der Gruppe anwesend sind.

Zu diesem Zweck haben ABBA mit Industrial Light and Magic zusammengearbeitet, um digitale Versionen ihrer jüngeren Ichs aus den 1970ern zu generieren, die sogenannten ABBAtare. Diese performen ein 100-minütiges, virtuelles Konzert ihrer größten Hits auf einer riesigen, hochauflösenden LED-Wand in einer eigens dafür errichteten “ABBA Arena” im Nordosten Londons, für das Agnetha, Benni, Björn und Annifrid selbst große Teile des Motion Capturing und ihre eigenen Stimmen aufgenommen haben.

Die Grenzen verschwimmen

Ok, ein computeranimierter Konzertfilm ist jetzt nichts wirklich Besonderes, könnte man sagen. Nicht im Zeitalter von, zum Beispiel, K-Pop Demon Hunters. Das Besondere aber ist, dass ABBA Voyage alles daran setzt, die Grenzen zwischen der künstlichen und der echten Welt maximal verschwimmen zu lassen, bis man als Zuschauer endgültig ins uncannyeste aller Valleys abgetaucht ist.

Sehr viele Entscheidungen rund um ABBA Voyage sind so getroffen worden, dass das Erlebnis möglichst stark an ein echtes Konzert erinnert. Die Arena hat zum Beispiel in der Mitte einen Stehplatz-”Dancefloor”. Effekte auf dem Screen sind nahtlos integriert mit realen Geschehnissen (Lichtern, Spiegeln, Bühneneffekten) im Saal. Jedes ABBA-Mitglied bekommt Solo-Spots im Set, in denen sie kleine Geschichten erzählen und das Publikum ansprechen. Und schließlich ist da eine zehnköpfige Live-Band am vorderen linken Bühnenrand, die jeden Abend die Musik zum eingespielten Gesang liefert.

Auch die Art und Weise, wie die ABBAtare präsentiert werden, ist einem Live-Konzert nachempfunden. Man sieht die vier Mitglieder am unteren Rand des Screens stehen, so dass der Eindruck entsteht, sie stünden weiter hinten auf der Bühne, während am linken und rechten Rand große Nahaufnahmen an typische Konzert-Kameras erinnern. Den Gipfel der Konzert-Simulation fand ich, dass sich bei schunkeligeren Songs wie “Chiquitita” oder “Fernando” Mitarbeitende des Theaters vor die Zuschauerränge stellen, um die anwesenden Fans zum rhythmischen Winken zu animieren. Für eine Musikgruppe, die nicht wirklich da ist. Es zählt alleine das Gefühl “Konzert”.

Abstraktionsebenen

Das wiederum hält ABBA Voyage aber nicht über 100 Minuten durch und dringt daher von Zeit zu Zeit auf eine andere Abstraktionsebene vor. Etwa beim dritten oder vierten Song schon wechselt die Darstellung auf dem Screen von der Konzertsimulation zum Musikvideo. Immer noch mit den ABBAtaren, die nun aber abstrahiert an ganz unterschiedlichen Stellen auf der Leinwand auftauchen und sich bewegen – ganz ohne dass die Gruppe als reale “Referenz” auf Bühnenhöhe zu sehen ist. In der Mitte des Sets wird es sogar noch abstrakter: Zu einer Sequenz mit Songs wie “Eagle” und “Summer Night City” wird eine animierte Geschichte über eine Abenteurerfigur gezeigt, die durch die Wüste reist, um einen Tempel zu finden, in dessen Zentrum riesige ABBA-Ebenbilder stehen. Anschließend aber kehrt man wieder zur Konzertsimulation zurück, nur mit anderen “Kostümen”.

Aber die semiotische Uneindeutigkeit (Ist es ein Konzert? Ist es ein 4D-Musikvideo?) hört hier noch nicht auf. Während die ABBAtare ganz bewusst so aussehen wie ABBA in ihren besten Jahren – wie ich gelesen habe, wollten die Mitglieder der Gruppe gerne, dass die Fans sie wie zu ihren imperialen Zeiten erleben können – sprechen sie aus dem Jetzt zu den Zuschauenden. Björn macht einen Witz darüber, dass er sich einfach sehr gut gehalten hätte. Agnetha sagt, dass es ja doch irgendwie unglaublich sei, dass sie nach all der Zeit noch einmal zusammen ins Studio gegangen sind. Ein Teil des Sets ist der Song “I still have faith in you”, der erst 2021 veröffentlicht wurde. Wo also befinden wir uns? 1979 oder 2021? Und warum gelingt es anscheinend allen anderen, das einfach so zu akzeptieren?

Gelernte Ambiguität

Ich habe das hier im Blog einmal mit Bezug auf Alanis Morissette erwähnt: Konzerte großer Künstler:innen enttäuschen mich immer wieder. Weil das, was eigentlich ein Live-Konzert ausmacht, nämlich den gleichen Raum mit Menschen zu teilen, die performen und dafür eine Rückkopplung aus dem Publikum erhalten, automatisch verloren geht, sobald dieser geteilte Raum eine gewisse Größe überschreitet. Also muss auf Kameras und ergänzende “Visuals” gesetzt werden, um auch die Leute weiter hinten bei Laune zu halten. Also muss die Ton- und Lichttechnik so gestaltet werden, dass überall Konzert stattfindet, unabhängig von seiner Quelle auf der Bühne. De facto ist es bei vielen großen Konzerten, wenn man nicht gerade direkt an der Bühne steht, egal, ob Performance und Ton live sind oder nicht. Irgendwann merkt man den Unterschied sowieso nicht mehr. Auf diese gelernte Ambiguität setzt ABBA Voyage.

Und auch in Sachen “Konzerte alter Künstler:innen aus den 70ern” habe ich schon einiges erlebt. In den 2000ern war ich mehrfach auf Konzerten von The Musical Box, einer Coverband, die Genesis-Konzerte aus den 1970ern haargenau nachbildete, inklusive Perücken und Kostümen. Als ich in den 2010ern mal Roger Waters’ The Wall gesehen habe (bevor Waters seinem Antisemitismus endgültig freie Bahn ließ), erschien es mir schon total absurd, dass hier ein 70-Jähriger ungebrochen eine Geschichte nachspielte, die aus der Wut und Einsamkeit eines 35-Jährigen entstanden war. Ähnlich traurig waren auch Queen mit Adam Lambert, in der die Freude darüber, Roger Taylor und Brian May live spielen zu sehen, dadurch konterkariert wurde, dass Adam Lambert sich ständig dafür entschuldigte, nicht Freddie Mercury zu sein. Ähnlich Yes, deren neuer Sänger zuvor Sänger einer Yes-Coverband war.  Vielleicht ist ein virtuelles Konzert, das nur zur Hälfte wirklich ein Konzert ist, dann doch die bessere Wahl.

Paradesimulakrum

Für mich ist ABBA Voyage das Paradebeispiel für ein Simulakrum im Sinne Jean Baudrillards. Es ist eine gigantomanische Sammlung von Zeichen, für die es kein Bezeichnetes gibt. Es ist keine Nachbildung eines realen Konzerts (wie bei The Musical Box), es ist keine aufgemotzte Version eines alten Show-Konzepts (wie bei The Wall), es ist nicht mal ein richtiges Konzert, Live-Band hin oder her. Aber trotzdem tut es alles dafür, den Anschein zu erwecken, man könnte jeden Abend ein perfektes ABBA-Konzert besuchen. Ein Konzert, das es so nie gegeben hat und das deswegen sogar besser ist als jedes Original. Das demnach, genau wie Baudrillard schrieb, das Bezeichnete ersetzt, mindestens für sämtliche Generationen, die die Original-ABBA nie live sehen konnten.

Eins muss ich allerdings zugeben: ABBA Voyage ist es durchaus gelungen, mir eine neue Wertschätzung für ABBAs Musik mitzugeben. “SOS” und “Waterloo” gingen mir über Tage nicht aus dem Kopf. Und “Eagle” war ein kleinerer Hit, den ich gar nicht kannte und wirklich mag.

Bild Copyright: ABBA Voygae

Es ist wahr: Ich beschäftige mich wieder mit der Blogosphäre

„Der Begriff Blogosphäre kommt mir unappetitlich vor. Weil das so ein Insidertum suggeriert, von dem ich zur Hälfte glaube, dass es das gar nicht gab und zur anderen Hälfte nicht Teil davon sein wollte.“

Kathrin Passig

Ich glaube, ein nicht unwesentlicher Teil meiner geringen Internet-Bekanntheit hängt mit einem Blogpost zusammen, den ich Anfang 2013 geschrieben habe, mit dem Titel “Vier Thesen zur deutschen Filmblogosphäre“. Ich hatte dafür diverse Filmblogger:innen per Fragebogen interviewt und sie gefragt, warum sie eigentlich mit anderen Blogger:innen nicht besser vernetzt sind.

Darauf folgte eine jahrelange Bemühung bei mir, die Leute noch mehr zusammenzubringen, mit Blogparaden und Festivaltreffen. Ich glaube, eine Blogosphäre habe ich dadurch nicht geschaffen, aber ich selbst habe mir darüber ein Netzwerk aus Kontakten und Freundschaften erschlossen, das bis heute nachwirkt. Mit Sascha und Lucas habe ich jahrelang einen Podcast gemacht. Mit Sonja bin ich noch immer gut befreundet. Olivier schickt mir regelmäßig die tollsten selbstgemachten Adventskalender. Den Rest sehe ich manchmal in Arbeitskontexten oder er weiß zumindest, wer ich bin.

Das war 2013. Da war Bloggen schon beinahe wieder out. Aber meine Beschäftigung mit dem Begriff und Konzept “Blogosphäre” kam nicht von ungefähr. Seit ich Blogs für mich entdeckt hatte, war bei mir dieser Eindruck entstanden, dass es da draußen wirklich eine virtuelle Gemeinschaft von interessanten Menschen gibt, die ständig im Internet zusammen abhängen. Als jemand, der mit solchen Gemeinschaften in den 1990ern in Foren großgeworden war, hat mich das immer fasziniert. Und natürlich wollte ich auch immer dazugehören.

Das galt nicht nur für Leute, die über Film bloggen. Im Intro des “Vier Thesen”-Artikels schreibe ich sogar folgendes (und das hatte ich ganz vergessen, bevor ich anfing, diesen Post zu schreiben):

Wenn man von der “deutschen Blogosphäre” spricht, denken doch hoffentlich alle ungefähr an dasselbe. Die deutsche Blogosphäre, das sind die, die sich jedes Jahr auf der re:publica treffen, ihre Gallionsfiguren sind Leute wie Lobo, Beckedahl, Gröner, Häusler, Borchert – unsere digitale Bohème. Die gehören irgendwie zusammen, denkt man sich so. Die reden miteinander und hecken bestimmt gemeinsam einen Plan aus

Diese Faszination war also damals schon da. Mein erster Talk auf meiner ersten re:publica, “Wie ich ganz alleine die deutsche Filmblogosphäre erschuf“, drehte sich ein Jahr später um genau das Thema. Über die Zeit ist die Neugier nur gewachsen.

In Richard Linklaters Nouvelle Vague über die Entstehung von À Bout de Souffle gibt es relativ am Anfang eine Szene auf einer Filmpremiere, wo all die Personen, die man heute als die Nouvelle Vague kennt, auf einer Terrasse beieinandersitzen, rauchen und über Filme reden. So habe ich mir die deutsche Blogosphäre in den 2000ern in Berlin auch immer vorgestellt – wie so eine coole Subkultur für das digitale Zeitalter.

Ich muss schon zugeben, dass diese Vorstellung immer mehr infrage gestellt wurde, vor allem, seitdem ich im Laufe der Jahre einige der Hauptakteure interviewen und persönlich kennenlernen konnte, mit manchen sogar locker befreundet bin. Aber ich hatte trotzdem diesen Gedanken: Eines Tages sollte jemand mal die Geschichte dieser Zeit erzählen. (Das sage ich auch als Fan von Sachbüchern und Oral Histories wie Easy Riders, Raging Bulls und Der Klang der Familie.)

Inzwischen ist mir klar, dass ich dieser Jemand sein sollte. Deswegen habe ich verschiedene Schritte ergriffen. Erstens habe ich begonnen, Blogger:innen zu interviewen. Mit Patricia Cammarata, Dirk von Gehlen und Kathrin Passig habe ich schon gesprochen. Sie sagen alle tolle Sachen und haben mich schon auf Pfade geführt, an die ich vorher noch gar nicht gedacht hatte: Bloglesungen, Popliteratur, Gen X!

„Ich glaube, das Geheimnis war immer diese Verknüpfung zwischen Online und Offline. Also diese Kohlenstoffwelt hat es gebraucht. Wenn man sich auf der re:publica getroffen hat oder einfach mal auf einen Kaffee, das hat anders verbunden. Und das war in Berlin natürlich einfacher, weil sich vieles dort konzentriert hat.“

Patricia Cammarata

„Man hatte mit den anderen eigentlich gar nicht so viel zu tun, aber man fand es trotzdem gut und verlinkte sich. Die Gemeinsamkeit bestand halt wirklich aus: ‚Ich habe auch ein Tocotronic-T-Shirt [also ein Blog]‘ – und der andere sagt: ‚Okay, cool, und was sonst?‘“

Dirk von Gehlen

Zweitens werde ich das Thema auf der diesjährigen re:publica – ein Jahr vor ihrem 20. Jubiläum – besprechen. Am Montagabend zusammen mit Felix Schwenzel, Franziska Bluhm und Inés Gutierrez, die alle nur als die Kaltmamsell kennen. Die Veranstaltung heißt “Mythos Blogosphäre – Wie war es damals wirklich?” und ich freue mich sehr darauf.

Und drittens? Wer weiß das schon. Ob ich aus all dem noch irgendwann mehr mache – einen Podcast, ein Buch, eine Magazingeschichte (Redakteur:innen aller Medien gerne melden unter kontakt@alexandermatzkeit.de) – wird sich zeigen. Es wird auch davon abhängen, wie die Resonanz ist. Aber bis dahin sammle ich erstmal. Das belohnt für’s erste schon mal meine Faszination und Neugier.

Und vielleicht blogge ich ja ab und zu darüber.

Wen sollte ich als nächstes interviewen?

Zwischenruf zu “Reclaim: Tic Tac Toe”: Reclaim Pop

Ich habe gestern die erste Folge vom Podcast Reclaim: Tic Tac Toe gehört, und ich verstehe total die Motivation des Reclaimens einer Band, die zeitweise als ein bisschen peinlich oder lächerlich abgestempelt war. Das scheint in diesem Fall auch absolut berechtigt. Aber an einer Stelle bin ich doch stutzig geworden.

Da heißt es, die Diskussion ob Tic Tac Toe ein “Produkt” waren, hätten vor allem “die Medien unter sich selbst geführt” – den Fans wäre es ja egal gewesen. Das, nachdem man 40 Minuten lang gehört hat, dass Jazzy, Lee und Ricky von einem Management/Produzenten-Duo zusammengecastet wurden, dass ihnen eine falsche Origin Story angedichtet und über ihr Alter gelogen wurde, um für die anvisierte Zielgruppe von Preteens besser zu funktionieren. Und Musik und Texte, die nach dem Erfolg von “Ich find dich Scheiße” sehr eindeutig auf der Annahme “Welche Tabu-Kraftausdrücke können wir noch in Songtiteln verwenden?” (“Verpiss dich!”, “Leck mich am A B Zeh”) konfektioniert waren, hat ebenfalls ihr Produzent geschrieben.

Natürlich waren Tic Tac Toe ein Produkt. Der Fehler ist, darin ein Qualitätsurteil zu sehen.

Gute Popmusik kann genau davon leben, dass sie ein perfektes Produkt liefert. Auch vermeintliche Authentizität ist oft ein Produkt oder wird im Nachhinein dazu gemacht – auch in “echt” konnotierten Musikrichtungen wie Rock und Rap. Deswegen kann Musik trotzdem empowernd, wirksam und auch musikalisch herausragend sein. Und ihre Performer können trotzdem geniale Vorbilder und Vorreiter sein.

Performance ist eine entscheidende Zutat im Pop. Wenn man sich eine vermeintlich perfekte rotzige Girlband zusammencastet, die Sängerinnen das aber nicht überzeugend performen können, funktioniert es nicht. Jazzy, Lee und Ricky haben durch ihre Perfomance einen entscheidenden, vielleicht sogar den wichtigsten Beitrag für den Erfolg von Tic Tac Toe geliefert. Das sagen im Podcast übrigens auch mehrere Leute, zum Beispiel über den Videodreh von “Scheiße”.

Ich hätte es besser gefunden, wenn das Team diesen Punkt offensiv herausgestellt hätte. Man hätte darauf hinweisen können, dass das in den 90ern tatsächlich noch an vielen Stellen anders bewertet wurde, der Diskurs inzwischen aber zum Glück weiter ist. Die vermeintliche Realness, die insbesondere männliche Journalisten damals noch als Merkmal von “guter Musik” postuliert haben, wurde längst abgelöst.

Genau unter dem Aspekt des “Reclaimens” übrigens, und zwar von Pop als Kunstform.

Im Podcast aber wird die Frage, ob Tic Tac Toe ein Produkt waren, mit so einem “Ist doch egal, müssen wir gar nicht drüber reden” vom Tisch gewischt. Der Produzent hat den Mädels ja auch zugehört und das dann umgesetzt, heißt es. Als wolle man sich seine schöne Umdeutungs-Story bloß nicht von störenden Tatsachen kaputt machen lassen.

Oder sehe ich das falsch?

(zuerst als Thread auf Bluesky formuliert)

Die Sache mit dem Journalismus

In der Februar-Ausgabe von LÄUFT ging es um die Arbeitsbedingungen von Journalist:innen. Dass sie immer öfter zu Burnout führen (laut einer Studie haben über die Hälfte der Menschen in diesem Beruf ein erhöhtes Risiko) und dass sie Journalist:innen auch regelmäßig dazu treiben, den Beruf zu verlassen oder allenfalls noch als Nebenjob auszuführen. Ich habe dazu mit der Journalistin und Medienforscherin Anna von Garmissen gesprochen, die gerade mehrere Studien dazu ausgewertet hat. Ich finde, das Gespräch lohnt sich.

Natürlich hat dieses Thema auch in mir widergehallt. Und weil ein Formatentwickler mir neulich geraten hat, mehr von mir selbst im Podcast zu erzählen, habe ich das im Intro auch getan. Hier ist – in Auszügen – mein Sprechertext:

Vor 17 Jahren hatte ich das große Glück, direkt nach dem Studium einen Vollzeit-Job im Journalismus zu landen. Aber nach einem guten Jahr war dieses Glück dann auch schon wieder vorbei. Mein Vertrag endete. Ich musste mich nach einem neuen Job umsehen, und den fand ich sogar auch recht schnell – allerdings nicht im Journalismus.

Ich bin seitdem immer wieder hin- und hergependelt. Ohne Journalismus wollte und will ich nicht leben, deswegen habe ich immer ein bisschen nebenher journalistisch gearbeitet – mal mehr, mal weniger. Seit drei Jahren kann ich diesen medienjournalistischen Podcast machen. Aber den größten Teil meines Geldes verdiene ich festangestellt anderswo. Der Journalismus, insbesondere der freie, ist mir einfach zu unsicher.

Wie mir Anna von Garmissen im Gespräch erzählt (und hier auch aufgeschrieben hat), entspricht mein Verhalten einem gewissen Muster. Die Medienwissenschaftlerin Jana Rick hat ein ganzes Buch dazu geschrieben: Ausstieg aus dem Journalismus. Darin kategorisiert sie Menschen wie mich als “Desillusionierte”: “Berufseinsteiger, die sich aufgrund mangelnder Perspektiven und Enttäuschung über die Arbeitsbedingungen umorientieren.”

Die Frage, ob ich Journalist sein kann oder nicht, ist eine der großen Fragen meines Lebens. Ich wollte darüber schon lange mal laut nachdenken – auch, weil ich immer wieder erlebe, dass Menschen ein verzerrtes Bild darüber haben, wie Arbeits-Lebensläufe sich so entwickeln. Bei anderen sieht es irgendwie immer besser aus, als bei einem selbst. 

Und da ich jetzt weiß, dass ich mit meinen Erfahrungen alles andere als untypisch bin, erscheint mir eine Relevanzgrenze erreicht, die über die reine Nabelschau hinausgeht. Aber keine Angst: Es wird sehr viel Nabelschau geben.

Was ich oben in meinem Introtext erzählt habe, ist im Prinzip alles wahr. Aber natürlich ist die ganze Wahrheit etwas komplexer.  Wenn man es ganz genau nehmen will, bin ich nicht “direkt nach dem Studium” im Journalismus gelandet. Nach meinem Abschluss in Filmwissenschaft, Publizistik und Anglistik an der Uni Mainz im Sommer 2007 habe ich zweierlei Dinge entschieden: Ich mache noch zwei gute journalistische Praktika, und ich starte eine Promotion. 

Letzteres erwies sich als deutlich schwieriger als gedacht. Im Herbst 2008 hatte ich für meine geplante Dissertation (über Regisseur Danny Boyle) immer noch weder ein Stipendium noch eine ordentliche Betreuung. Allerdings hatte ich erfolgreich Urlaubsvertretungen in der Filmredaktion 3sat und in der Redaktion von “epd film” (beides ehemalige Praktikumsstationen) absolviert und erhielt einen Anruf, ob ich mir vorstellen könnte, ab Januar Pauschalist in der Redaktion von “epd medien” zu werden.

Ich erinnere mich sehr genau, dass ich zum Himmel geschaut und gesagt habe: Alles klar, ich habe verstanden. Das Universum will mich eindeutig nicht an der Uni, sondern im Journalismus sehen. Und so konnte ich tatsächlich direkt aus der Uni in eine Redaktion wechseln – ohne Journalistenschule, nur auf Basis eines guten Rufs und dem Glück, dass jemand gesucht wurde und ich gerade in der Nähe war. Das war schon 2008 keine Selbstverständlichkeit. Die digitale Revolution hatte bereits kräftig am Geschäftsmodell des Journalismus zu nagen begonnen.

Mein Jahr in der Redaktion von “epd medien” war ein fantastisches Lehrjahr. Ich lernte innerhalb von kürzester Zeit, sowohl tagesaktuell für die Nachrichtenagentur zu arbeiten, sauber zu recherchieren und schnell zu erfassen, was an einer Geschichte das Wichtigste ist (bis heute einer der wichtigsten Skills überhaupt für mich), als auch längere Analyse-Stücke und Kritiken selbst zu schreiben und bei anderen zu redigieren. Fast alle meine Kolleg:innen von damals sind heute noch in der Redaktion und damit weiterhin Kolleg:innen. Die Redaktion schickte mich ins Medienjournalismus-Seminar des Grimme-Instituts, wo ich einen bis heute guten Freund kennenlernte. Und das erste halbe Jahr arbeitete ich unter Volker Lilienthal, dessen Geschichte ich 2024 in LÄUFT erzählt habe.

Nach Ende des ersten Jahres aber wurde ich zum ersten Mal in meinem Berufsleben vor eine Entscheidung gestellt, die sich ähnlich später noch mehrmals wiederholen würde. Der epd konnte mir keine langfristige Perspektive bieten und meinen Vertrag höchstens um sechs Monate verlängern. Ein paar Bewerbungen für andere journalistische Jobs liefen ins Leere. 

Ich war 26 und hatte Bock, neue Dinge auszuprobieren, insbesondere Dinge mit Internet. Und ich hatte mich nie auf eine Karriere im Journalismus festgelegt. Als ich die Gelegenheit bekam, beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden als Internetredakteur anzufangen, habe ich Ja gesagt, obwohl ich mich damit vom Journalismus abwandte. “Ich bin ja noch jung”, war mein Gedanke. “Ich kann ja wieder zurückkommen.”

Drei Jahre später stand ich wieder an einem ähnlichen Punkt. Pünktlich nach dem Kirchentag (tolle Erfahrung, bei der ich sehr viel Verantwortung übernehmen durfte) im Sommer 2011 hatte die Filmredaktion 3sat wieder angerufen und mir eine Redakteursstelle angeboten. Noch einmal ein riesiger Glücksfall, genau wie damals beim epd. Was für ein Traumjob für jemanden mit einem Magister in Filmwissenschaft – wahrscheinlich ansonsten einer der nutzlosesten geisteswissenschaftlichen Abschlüsse, die man sich vorstellen kann.

Doch nach zweieinhalb Jahren im ZDF war ich zermürbt. Ich gehörte zum sogenannten “Dritten Kreis”, eine Art feste freie Angestellte, die über Produktionsbudgets abgerechnet werden. Jobsicherheit gab es nicht – das Tageskontingent, das einem für ein Jahr zugesichert war, konnte auch mal plötzlich zusammengestrichen werden. Der journalistische Teil meiner Arbeit war toll, aber wenig und von der Redaktion hart erkämpft.  Mit der generell frustigen Atmosphäre im ZDF kam ich nicht gut klar. Als der Kirchentag Ende 2013 fragte, ob ich zurückkommen und eine Abteilungsleitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernehmen will, fiel mir die Zusage trotz Journalismus und Dienstreisen auf die Berlinale einigermaßen leicht.

Seitdem habe ich nicht mehr hauptberuflich journalistisch gearbeitet. Auf einen Kirchentag in Stuttgart folgte ein zweiter in Berlin mit immer mehr Führungsverantwortung. Darauf ein Job als Redakteur bei einem Online-Portal für geflüchtete Kinder in der Kita, der dann in klassischere PR-Jobs und irgendwann in einer Projektleitung in der gleichen Stiftung, der Stiftung Kinder forschen, mündete. Ich bin seitdem im Bildungsbereich geblieben, seit Januar arbeite ich 30 Stunden die Woche als Kommunikationsmensch bei einem Verein, der Schulen beim Erarbeiten von Präventionskonzepten hilft.

Ganz aufgegeben habe ich den Journalismus aber auch nie. Für meine alten Bekannten bei epd film und epd medien habe ich über die Jahre durchgängig, mal mehr mal weniger, Kritiken und journalistische Artikel geschrieben. Ab und zu ergaben sich auch mal andere kleine Aufträge für verschiedene Medien. Sehr geschätzt habe ich auch die Arbeit für das Online-Portal Piqd (R.I.P.).

Wenn ich tief in mein Herz schaue, sehe ich dort einen Journalisten, keinen PR-Menschen. Ich sage immer gerne: Ich stelle viel lieber Fragen, als Antworten zu geben. Ich kann gut in PR- und Marketing-Logiken denken, aber ich entdecke lieber interessante Phänomene und gute Geschichten und schreibe sie auf. Ich liebe es auch, Redakteur zu sein, Inhalte zu kuratieren, Themen zu setzen und mit Autor:innen zusammenzuarbeiten. Vieles davon geht ansatzweise auch im Content-Marketing und anderen Bereichen der PR, aber es ist weit vom Thrill entfernt, den echter Journalismus in mir auslöst.

Und doch habe ich es nie zurückgeschafft. Wie ich in meinem Podcast-Intro gesagt habe: Der Journalismus wurde über die Jahre nicht nur immer unerreichbarer, er war auch wirklich immer zu unsicher. Er hat mir keine Verlässlichkeit und kaum Perspektiven geboten. Währenddessen war das Versprechen auf der anderen Seite immer: Komm her, probier dich aus, entwickle dich weiter – und das alles mit einem soliden Gehalt. Deiner Leidenschaft kannst du doch als Hobby immer noch nachgehen.

Ich glaube, inzwischen ist mir der Weg zurück versperrt. 2022/23 hatte ich noch einmal eine Chance. Ich habe meine feste Stelle auf 60 Prozent reduziert und beim epd wieder Pauschalistendienste übernommen. Auch der Podcast LÄUFT startete in dieser Zeit – bis heute das tollste Projekt, das ich je umsetzen durfte und in dem ich viele Freiheiten genieße. Ich habe mich in dieser Zeit auf zwei Redakteursjobs bei seriösen Medienunternehmen beworben und bin zumindest mal zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden.

Aber auf Dauer war das kein Zustand. Ich konnte nicht in zwei Welten gleichzeitig leben, zwei Themengebieten und Skillsets gleichmäßig viel Aufmerksamkeit schenken. Also habe ich mich am Ende wieder entschieden, Sicherheit und Weiterentwicklung (in diesem Fall die oben erwähnte Projektleitung) zu wählen – aber halt nicht im Journalismus (bis auf einen Tag Podcast die Woche).

Wenn ich heute noch einmal ernsthaft die Schreibtischseite wechseln wollen würde, ginge das vermutlich nur durch Selbstständigkeit. Ich müsste versuchen, mich als freier Journalist durchzuschlagen und mir neu einen Namen zu machen. Das ginge vermutlich sogar irgendwie. Ich habe ein klar definiertes Themenfeld, in dem es nicht zu viel Konkurrenz gibt. Ich habe ein gutes Netzwerk. Meine Frau hat einen sicheren und ordentlich bezahlten Job. Aber ich bin ehrlich: Ich habe keine Lust darauf, die Hälfte von dem zu verdienen, was ich jetzt verdiene, und gleichzeitig keinerlei Jobsicherheit zu haben. 

Das ist mir der Traum nicht wert. Ich bleibe ein “Desillusionierter”. Und wenn ich regelmäßig auf LinkedIn die Laufbahnen von Kolleg:innen in ähnlichem Alter verfolge, die ich von früher kenne und die es zum Teil in wirklich bemerkenswerte journalistische Positionen geschafft haben, werde ich nicht selten neidisch und denke mir: „I could have been a contender!“ – wenn ich mich zwischendurch nur anders entschieden hätte.

Das ist Jammern auf enorm hohem Niveau. Das weiß ich. Oh nein, seht mich an, ich kann meinen Lieblingsjob nur nebenberuflich machen und bin ansonsten mit einer sicheren, gut bezahlten Stelle mit Sinn und tollen Kolleg:innen geschlagen, die nicht zu hundert Prozent meinem Traum entspricht. 

Aber die journalistische Arbeit wird für mich trotzdem immer zu einem gewissen Grad „the one that got away“ bleiben. Das schmerzt einfach. Und ich frage mich: Muss ich das akzeptieren und meinen Frieden damit machen? Oder gibt es einen anderen Weg?

Höreindrücke: Die Lieblingsschülerin, Ab in den Urlaub, Kulturschock, Imperium: Die RTL-Story

Die Lieblingsschülerin (DLF Nova)

Sehr bitteres Thema (sexuelle Übergriffigkeit durch Lehrer), sehr gut, holistisch und vor allem sachlich, ohne unnötige dramaturgische Zuspitzungen, erzählt, mit einem Ende, das einen angemessenen Abschluss eines Erzählstrangs bietet, ohne das dahinterstehende Problem als geklärt darzustellen. Nicht ganz erschlossen hat sich mir, warum genau diese drei Protagonistinnen und ihre Erlebnisse (die sich vor allem am Anfang nicht immer leicht trennen ließen) ausgewählt wurden. Sind sie exemplarisch für bestimmte Ausprägungen oder waren es einfach die Personen, die bereit waren, zu sprechen? Hier wäre mir etwas redaktionelle Erklärung lieb gewesen.

Ab in den Urlaub: Der Crash des Internet-Imperiums UNISTER (Studio Soma/Zimmer und Zirk/MDR)

Eine Geschichte, über die ich vorher nichts wusste, in angenehmerweise mal nur drei Episoden erzählt. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass die Story während des Erzählens oft in unterschiedliche Richtungen zieht und es dem Team nicht immer leicht fällt, sie zusammen- und auf Kurs zu halten. Das wird am Ende sogar reflektiert: Geht es um das Unternehmen, den Menschen Thomas Wagner oder den Wirtschaftskrimi? Generell: Die letzten 15 Minuten, in denen laut darüber nachgedacht wird, was man eigentlich von allem zu halten hat, waren mit das Beste am Podcast. Aber vorher gibt es auch genug zu hören, das sich lohnt.

Kulturschock (ACB Stories/MDR)

Auf diesen Podcast habe ich gewartet! Ich bin seit langem der Meinung, dass Promi-Interviews sofort 200 Prozent besser werden, wenn die Promis nicht nur über sich selbst reden müssen. Dass sie hier ein Kulturthema mitbringen, das sie bewegt und dass sich Hendrik Bolz vorher sogar selbst Gedanken dazu gemacht hat (klingt absurd, das herauszustellen, aber es ist keine Selbstverständlichkeit), ist einfach super zu hören. Dass die ersten beiden Gästinnen Frauen sind, ist auch ein wertvolles Statement. Nehme ich in meine feste Rotation auf.

Imperium: Die RTL-Story (Studio Jot)

Ich kannte das Konzept von “Imperium” bisher nicht, und ich gebe zu, dass es mich etwas fertiggemacht hat. Höchsten Respekt vor den beiden Sprecher:innen, dass sie in so viele Rollen schlüpfen (ich habe erst am Ende der ersten Folge überhaupt kapiert, dass ich die ganze Zeit nur zwei Personen zugehört habe) und dass Szenen genutzt werden, um die Story biopic-mäßig zu erzählen, aber das ständige Einbauen von Exposition in diesen Szenen, in denen Menschen Dinge sagen, die das Gegenüber bereits weiß, ist leider eins meiner am meisten gefürchteten Klischees. Es war angenehm, die Historie von RTL noch einmal so kompakt erzählt zu bekommen, aber ich hätte wahrscheinlich lieber einen Artikel gelesen.

Höreindrücke: Bibis Palace, Bin ich jetzt das Problem?, The Rise and Fall of Indie Sleaze, Hauseins von der So Many Voices

Bibis Palace – Freundschaft für Likes (ARD)

Wie ich schon in der jüngsten Folge von LÄUFT kundgetan habe, war ich hier vor allem von der verschenkten Chance enttäuscht, eine Story zu reporten, die über das reine Nacherzählen der Ereignisse mit ein wenig Erklärung drumherum hinausgeht. Ich habe am Ende weder auf Bibi, noch auf ihre Fans, noch auf das YouTube-Ökosystem einen neuen Blick gewonnen. Dass die ARD sich indirekt (auch wenn der Podcast kritisch genug ist) vor den Karren von Heinickes Buch-Promotion-Tour hat spannen lassen, säuert den Geschmack zusätzlich an.

Bin ich jetzt das Problem? (Audible)

Die Kombi “bekannte Autorin und ihre Psychotherapeutin geben Lebenshilfe” klingt, als hätte man sie schon dutzendfach gehört, ist aber tatsächlich neu. Eine Mischung aus Confessional und kleinen praktischen Tipps, die sich erstaunlich entspannt weghört und die Gesprächsreihe durch Regie und Skript zu einem ziemlich kohärenten Ganzen formt, fast schon eine Art dialogisches Memoir-Hörbuch. Der Erkenntnisgewinn ist freilich trotzdem eher gering, denn leider gibt es weder juicy Details aus der Filmbranche noch Psychotipps, die über das hinausgehen, was man in jeder Zeitschrift lesen kann.

The Rise and Fall of Indie Sleaze (BBC)

Vielen Dank an Anna von “Oh My Pod” für diesen Tipp. Ich habe es sehr genossen, in meine Studienzeit zurückzukehren und in acht kurzen Folgen das letzte Aufbäumen des Rock’n’Roll vor 20 Jahren noch einmal zu erleben. Der besondere Hook besteht darin, dass Host Kate Nash immer wieder Gelegenheit bekommt, sich selbst und ihr Erleben in die Geschichte mit einzuschreiben und dadurch den männerdominierten historischen Blickwinkel leicht zu verschieben. Ungewöhnlich gut fand ich auch die reichhaltige Nutzung von Archivmaterial.

Mitschnitte von der So Many Voices (Hauseins)

Weniger ein Höreindruck als eine Empfehlung: Wer (wie ich) die So Many Voices Konferenz in München letzten Herbst verpasst hat, der findet jetzt im Feed des Hauseins-Hauspodcasts die Mitschnitte vieler Panels. Ich habe die ehrlichen Einblicke in die Arbeit von Aylin Dogan (Döner Papers) und das Gespräch über Storytelling und Recherche zwischen Pia Stendera, Azadê Peşmen und Sophia Wetzke besonders geschätzt. 

Unsortierte Gedanken #8: Bühnenmagie, Social-Media-Verbote, Journalistenfilme

Das faszinierendste Rabbit Hole, in das ich in jüngster Zeit abgetaucht bin, wurde durch den Besuch der Cirque du Soleil-Show “Alizé” ausgelöst, die seit November als “Residency”, also fest installiert, im Berliner Theater am Potsdamer Platz spielt. Der größte Wow-Effekt der Show, neben wie immer erstaunlichen artistischen Fähigkeiten und einem beeindruckenden Design, besteht drain, dass auf der Bühne Elemente in schneller Abfolge selektiv sichtbar gemacht werden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Requisiten und Performer verschwinden oder im Raum hin- und herspringen. Der Effekt lässt sich leider schlecht beschreiben und Videos davon gibt es im Netz nicht.

Das Erlebnis hat mich jedenfalls inspiriert, mich im Anschluss ausführlicher mit den Entwicklungen moderner Bühnen und Zirkus-Technik zu beschäftigen. Dabei habe ich nicht nur herausgefunden, dass es eine vor rund 20 Jahren in Frankreich entstandene Bewegung namens Magie Nouvelle gibt, die der Zirkusmagie einen emotionaleren und immersiveren Charakter zu geben, sondern ich habe auch viel darüber gelernt, wie die Bühnenmagie in “Alizé” vermutlich bewerkstelligt wurde: Mit einer Kombination aus sehr hellen Projektoren, die über das Lichtpult automatisiert (und über LIDAR getriggert) angesteuert werden können, eventuell Mesh-Flächen auf der Bühne, die von hinten und vorne angestrahlt Teile der Bühne besser oder schlechter sichtbar machen und das Auge täuschen. Schließlich – das fand ich vermutlich das faszinierendste – ultraschwarzem Material, das so dunkel ist, dass es Licht quasi schluckt. (Dieses Interview verrät nicht alles, liefert aber einen Einstieg).

Mich hat das Ganze so begeistert, weil ich es immer wieder cool finde, wenn moderne Technik und moderne Unterhaltungs-”Philosophie” auf diese Art aufeinandertreffen und sich gegenseitig inspirieren. Vantablack, das tiefschwarze Material, wurde für Raumfahrt und Militär entwickelt. Aber dann kommen Zirkusperformer des Wegs, die nach Möglichkeiten suchen, Bühnenmagie fantastischer zu machen, und setzen es ein, um bisher undenkbare Effekte umzusetzen. Diese Geschichten liebe ich.

***

In meiner Bubble wird gerade viel über das Social-Media-Verbot für Jugendliche diskutiert, das die Politik immer wieder in den Raum wirft. Viele Menschen, denen ich folge, sind tendenziell eher dagegen und fordern stattdessen, Medienkompetenz zu stärken und die Technikkonzerne besser zu regulieren. Erstaunlicherweise neige ich im Moment dazu, einfach alles gleichzeitig anzugehen.

Einen entscheidenen Ausschlag hat bei mir ein Interview von Alexander Brand mit einem Lehrer aus Australien verursacht, wo ein Social Media Verbot ja seit zwei Monaten existiert. Der Lehrer Chris Bush beschreibt zwar, dass die Jugendlichen die Sperren leicht umgehen konnten und sich ihr Verhalten kaum geändert hat, aber er sagt auch das hier:

Ich sehe dieses Gesetz eher wie das Rauchverbot: Es braucht Zeit. Wahrscheinlich reden wir über eine Generation – oder zumindest fünf bis zehn Jahre –, bis wir die Effekte sehen, die wir uns erhoffen. Für Kinder, die heute neun, zehn oder elf Jahre alt sind, wird Social Media nicht denselben sozialen Druck mit sich bringen wie für die heutigen Teenager. Sie wachsen nicht mit der Annahme auf, dass man mit 13 oder 14 automatisch Social Media bekommt. Bei den heutigen 13- bis 16-Jährigen erwarte ich keine großen Veränderungen der Gewohnheiten. Aber bei den jüngeren Jahrgängen, die nachrücken, glaube ich schon, dass wir positive Effekte sehen werden.

Dieser Gedanke hat bei mir gezündet. Ich erinnere mich noch gut daran, wie merkwürdig es sich vor rund 20 Jahren angefühlt hat, dass man plötzlich in den meisten Innenräumen (besonders in Kneipen) nicht mehr rauchen durfte. Heute ist das genaue Gegenteil der Fall: Verrauchte Räume fühlen sich merkwürdig an. Raucher sind stärker markiert als Nichtraucher. Könnte das für Social Media auch möglich sein? Man könnte es zumindest versuchen.

Wie gesagt, das heißt nicht, dass ich nicht trotzdem dafür bin, die Firmen hinter Social Meda Plattformen zu mehr Sicherheit zu zwingen (ich fand hierzu besonders hörenswert das Interview von Ezra Klein mit Cory Doctorow und Tim Wu, und dort die Metapher des Gärtners, der bestimmte Parzellen abteilt und Unkraut jätet ohne dadurch den Garten zu zerstören) und Medienkompetenz zu stärken. In meinem neuen Job in einem Präventionsprojekt lerne ich zurzeit sehr viel darüber, dass “gesundes” Verhalten bei Kindern meist aus der Kombination aus Gelegenheiten und Anerkennung für dieses Verhalten entsteht.

***

Im Odeon Kino läuft derzeit eine Filmreihe zu Journalistenfilmen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und endlich The Insider von 1999 nachgeholt, Michael Manns Film über einen Whistleblower aus der Tabakindustrie (Russell Crowe), der von einem Journalisten (Al Pacino) ins Fernsehen gebracht wird. Ich gebe zu: Ich war nicht der größte Fan dieser Miami-Vice-Version von Journalismus. Ständig harte Männer, die einsame Entscheidungen treffen. Der Al Pacino-Charakter packt in jedem Raum erstmal seine Klöten auf den Tisch und steht bevorzugt mit einem Mobiltelefon am Meer, während er “Answer the fucking phone!” brüllt. Wie anders (und sympathischer) sind doch die Darstellungen von Journalismus in späteren Filmen wie Spotlight oder She said, in dem Teams von Journalist:innen hartnäckig, aber leise und subtil an einer Story feilen, bis sie druckreif ist. Ich liebe insbesondere diese Szene aus She said

***

Ich habe auf Empfehlung des Newsletters Oh My Pod einen Podcast der BBC über den Aufstieg und Fall der Indie-Rockbands in den Nuller Jahren gehört – Höreindruck dazu folgt bald. Interessant daran fand ich: Anders als die in den letzten Jahren grassierende Nostalgie für die 90er Jahre – also für meine Tween- und Teenagerzeit – war ich zur Zeit von “Indie Sleaze”, wie die BBC es nennt, schon erwachsen. Der Blick zurück auf diese Zeit ist entsprechend ein ganz anderer. Viel politischer und viel weniger von vagen Gefühlen geprägt, aber dennoch stark von schönen Erinnerungen (insbesondere an meine Studienzeit in Schottland 2005/2006). Dass sich Nostalgie so unterschiedlich anfühlen kann, hat mich überrascht. Wie wird das bloß werden, wenn wir in 30 Jahren nostalgisch auf die jetzige Zeit zurückblicken?

***

Lena Falkenhagen und Marina Weisband sind Personen, deren Schaffen ich online schon eine Weile verfolge. Lena spätestens seit meiner vertieften Beschäftigung mit Interaktiver Fiktion, Marina in letzter Zeit wieder durch ihren Podcast Wind und Wurzeln. Jetzt habe ich ganz überrascht festgestellt, dass die beiden schon seit 2024 einen Podcast über mein altes und letztes Jahr wieder frisch aufgenommenes Hobby Liverollenspiel (LARP) haben. Er heißt Spielend Subversiv, was ich nicht den besten Titel finde, aber der Podcast ist trotzdem super, um ein tieferes, auch analytisches Nachdenken über LARP zu fördern, was ich gerne tue aber selten beobachte – leider erst recht nicht in den Medien der Szene wie LARP-Zeit, deren Artikel oft auf einem “Mein schönstes Ferienerlebnis”-Niveau geschrieben sind. Ich empfehle die Episoden über Formate und Stile und über Immersion

Foto von Cristian Escobar auf Unsplash

Was tun mit KI?

Diesen Text trage ich schon seit Monaten mit mir herum, aber irgendwie habe ich es nie hinbekommen, mich einfach mal hinzusetzen und ihn zu schreiben. Da das Thema aber gerade diese Woche wieder einmal sehr deutlich an die Oberfläche geblubbert ist, muss es jetzt sein. Es geht darum, wie ich mich zu Generativer KI verhalte. Wie immer geschrieben in dem Verständnis, dass auch ein subjektives Urteil einen Wert im allgemeinen Diskurs haben kann.

Ich stehe in dieser ganzen Angelegenheit in einem gewissen Zwiespalt. Auf der einen Seite hat mich generative KI sofort begeistert. Sie zum ersten Mal zu nutzen enthielt genau das Versprechen von Futurität, das sich geil anfühlte. Ich habe 2023 sogar spekuliert, dass sie uns aus dem Gefühl der Hyperstasis losrütteln könnte (bisher nicht passiert). Nach einem guten halben Jahr Nutzung fühlte es sich sogar im Mai 2023 noch immer so an, als erlaube Generative KI die Zusammenarbeit mit einem “Fremden Anderen”, das einen auf Pfade führt, die man alleine nie gefunden hätte.

Damals und heute

Das alles war natürlich noch recht früh im Lebens- bzw. Produktzyklus der Technologie. Vor drei Jahren wurde man weder an jeder Ecke mit KI-Funktionen zugeschissen, noch hatte sich das Silicon Valley geschlossen hinter einem faschistischen Despoten versammelt. Ich muss aber zugeben: Meine grundsätzliche Faszination für KI ist ungebrochen und ich halte sie nach wie vor für die größte technologische Revolution seit dem Internet. Etwas also, aus dem man sich nicht raushalten kann, weil es irgendwann selbstverständlich ein Teil vieler Aspekte unseres Alltags sein wird.

Auf der anderen Seite bewege ich mich in einer (Online-)Gemeinschaft von (tendenziell linken) Denker:innen und Kreativen, in deren Statements und Handlungen der KI-Backlash in vollem Gange ist. Ich schätze diese Personen und mag sie zum Teil auch persönlich. Daher fühle ich mich innerlich getrieben, ihre Ablehnung zumindest ernst zu nehmen und meine Haltung zu reflektieren. Dieser Text ist ein Versuch, das zu tun.

Scheinargumente

Zum Anfang möchte ich sagen, dass ich viele Argumente, die gerne gegen die Nutzung von generativer KI vorgebracht werden, für Scheinargumente halte. Sie werden ins Feld geführt, um ein grundsätzliches persönliches Unbehagen rechtfertigend zu unterfüttern. Mit anderen Worten: Ich glaube, dass die meisten Menschen, die sich gegen KI – insbesondere im Bezug auf Kunst und Kreativität – aussprechen, dies auch tun würden, wenn die dafür benötigten Datencenter ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben und alle KI-Firmen von paritätisch besetzten, ideologisch einwandfreien Vorständen geführt würden. (Unter anderem, weil sie ähnliche Voraussetzungen bei älteren, etablierten Technologien akzeptieren.)

Der Diebstahl (vielleicht) von geistigem Eigentum, das zum Trainieren der Modelle verwendet wird, ist meiner Ansicht nach vor allem ein juristisches Problem, das hoffentlich auch auf diesem Weg gelöst werden wird. Ich vermute, dass es sich vorausgehenden Debatten von Kopiermedien anschließen wird. Ich habe eine legendär schlechte Quote beim Vorhersagen kultureller Zukünfte, aber in diesem Fall bin ich mir sehr sicher, dass wir zumindest in Deutschland irgendwann eine Art Verwertungsgesellschaft bekommen werden, die Urheber:innen einmalig oder fortdauernd für die Verwendung ihrer Werke in KI-Modellen entlohnen wird. Allerdings bin ich mir genauso sicher, dass das Geld, das dabei ausgeschüttet wird, nicht dem entsprechen wird, von dem Urheber:innen glauben, dass sie es verdienen.

Tiefe Angst

Denn die persönliche Angst vor Job- und/oder Bedeutungsverlust in der sich zuziehenden Schlinge des Hyperkapitalismus geht tiefer als jede Kompensation. Es ist eine riesige Kränkung, dass die neueste Automatisierungswelle diesmal zum Teil auch die Menschen betrifft, die sich gerade durch die künstlerische Qualität ihrer Arbeit immer für un-automatisierbar gehalten und dafür oft ohnehin schon ein prekäres Leben in Kauf genommen haben. Hier halte ich KI lediglich für ein Symptom und nicht für eine Ursache der Probleme. Entsprechend kann ein Verzicht auf KI-Nutzung von Einzelnen den Zwang für Kreative, sich umzustellen, höchstens hinauszögern.

Ich glaube, dass ich das sagen darf, weil ich als Autor auch von dieser Automatisierung betroffen bin, wenn auch noch nicht so unmittelbar wie Illustrator:innen oder Synchronsprecher:innen. Ich habe deswegen schon lange vor KI aufgegeben, meine Kreativität zum Mittelpunkt meiner Lohnarbeit zu machen (mehr dazu wahrscheinlich im nächsten Post). Aber ich bleibe genauso davon überzeugt, dass menschliche Kreativität und Kunst immer einen gesellschaftlichen Wert haben werden. Es werden immer weniger Menschen von bestimmten kreativen Dienstleistungen leben können. Aber das wird normal werden und das Selbstverständnis der Betroffenen nicht mehr so stark infrage stellen, wie es schon diverse Male zuvor passiert ist – etwa bei Porträtmaler:innen nach Erfindung der Fotografie. Es mag naiv klingen, aber ich glaube daran. Kunst und Kreativität sind und bleiben gleichzeitig das Wichtigste und das Unwichtigste auf der Welt – und diesen scheinbaren Widerspruch gilt es auszuhalten.

Wir hatten uns doch gerade erst ans Internet gewöhnt

Ein weiterer Grund für eine Anti-KI-Haltung ist meiner Ansicht nach eine prinzipielle Nervosität darüber, dass die gewohnte Ordnung der Dinge erneut zerstört wird, nachdem man sich gerade erst an die letzte Disruption durch Digitalisierung gewöhnt hat. Hier brechen sich dann alle typisch kulturpessimistischen Ängste Bahn, die Kathrin Passig einst in ihren “Standardsituationen der Technologiekritik” beschrieben hat. Wir brauchen es nicht, es ging doch vorher auch; wir werden alle krank und dümmer; wenn wir es nutzen, beschleunigen wir nur den Untergang der Zivilisation. 

Die Ironie liegt für mich darin, dass genau diese Argumente teilweise von Menschen vorgetragen werden, die von der letzten technologischen Revolution noch enorm profitiert haben. Wahrscheinlich, weil sie damals noch (jung und) flexibel genug waren, um sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Gras berühren

Die populärste Variante der in dieser Kulturkampf-Arena vorgebrachten Argumente ist, einfach gesagt, “Der Weg ist das Ziel, Dummie”. Sie findet sich beispielsweise in einem sehr populären Vortrag von Brandon Sanderson, als auch in einem Essay von Rebecca Solnit aus der vergangenen Woche und richtet sich gegen das Versprechen von generativer KI, Kreativität und Kunst auf Knopfdruck zu erzeugen. Ihr habt es nicht kapiert, sagen die Gegner. Ausprobieren, scheitern, lernen, wachsen, Erfahrungen sammeln, Gefühle fühlen und verarbeiten, Gras berühren – das alles sind essenzielle Teile des kreativen Prozesses und des Menschseins, die sich nicht wegrationalisieren lassen.

Damit haben sie natürlich recht. Aber sie diskutieren meiner Meinung nach auch mit dem falschen imaginären Gegenüber. Nur weil einige Tech-Bosse und die dümmsten ihrer Fans die Botschaft verbreiten, dass KI menschliche Kreativität und Verbindung größtenteils ersetzen wird, heißt das noch lange nicht, dass die Mehrheit aller Menschen das auch so empfindet. Wer davon ausgeht, dass Menschen immer und überall den einfachsten, kürzesten und im Zweifelsfall unmenschlichsten Weg nehmen werden, sagt damit mehr über sich selbst aus, als über die Gesellschaft. Allen kurzfristigen Trends wie Self-Checkout-Kiosks zum Trotz. (Noch eine naive Meinung, vielleicht. Hier kommt mir leider immer mein positives Menschenbild in die Quere.)

Eine lange Aufzählung von “Selbstverständlichs”

Ich möchte damit auf gar keinen Fall sagen, dass es nichts an generativer KI zu kritisieren gibt. Selbstverständlich haben die Trainingsdaten und die LLMs, die sie nutzen, systematische Biases, die es zu beachten gilt. Selbstverständlich sollte man Informationen, die ein LLM ausspuckt, nicht blind vertrauen. Selbstverständlich sollten wir darauf hinarbeiten, den Energieverbrauch von Datenzentren zu reduzieren oder nachhaltig zu machen. Selbstverständlich sollten wir auf eine offene Architektur von LLMs drängen, sie möglichst frei verfügbar machen und die dahinter stehenden Firmen so stark regulieren wie wir können. Und selbstverständlich gibt es wie immer kein richtiges Leben im falschen und das Medium ist die Botschaft und wir sollten immer wachsam sein, dass wir uns von unserer Technologie nicht diktieren lassen, wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen.

Aber das sind gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, die meine Faszination für die Technologie nicht eindämmen oder mich davon abhalten, sie überhaupt nutzen zu wollen. Sie bestimmen höchstens, wie ich sie nutzen will. Ich habe mir daher schon vor einiger Zeit einen persönlichen KI-Knigge zurechtgelegt, den ich im Folgenden kurz schildern will. Die Tendenz, auf Umgangsregeln und Reflexion statt auf Verbote zu setzen, sehe ich immer wieder, etwa im Buch von Gregor Schmalzried oder erst diese Woche beim Social Media Watchblog. Wie immer bin ich  froh, dass ich nicht allein bin.

Wie, also, nutze ich KI?

Als Suchmaschinenersatz. Ich betrachte LLMs im Wesentlichen als ein großes Repositorium von Wissen, aufgelöst in wahrscheinliche Zeichenketten, zugänglich durch ein Interface, das natürliche Sprache benutzt. Und damit sind sie in ihrer Basisfunktion eine Suchmaschine mit besserer Usability und ich benutze sie bevorzugt, wenn ich Dinge herausfinden will, bei denen ich nicht genau wüsste, was ich googeln müsste, oder weiß, dass ich mehrere aufeinander aufbauende Suchen bräuchte, um meine Antwort zu finden. Grundsätzlich gilt für mich: Je mehr Variablen meine Anfrage an das Wissen der Welt hat, desto wahrscheinlicher nutze ich ein LLM. Wenn das Ergebnis wichtig ist – aus welchem Grund auch immer – lasse ich mir Quellen dazu ausgeben und überprüfe es anhand dieser Quellen (überhaupt der beste Zusatz zu jedem Prompt).

Als Resonanzraum. Das ist vermutlich die Art Nutzung, bei der Kulturpessimist:innen sofort die Augenbrauen hochziehen würden. Wäre es nicht besser, über seine Ideen und Gedanken mit echten Menschen zu sprechen? Ja, aber nicht immer habe ich echte Menschen zur Hand, und nicht immer kenne ich Menschen, die sich mit dem Thema auskennen, zu dem ich eine Rückmeldung brauche. Könnte ich Primärquellen lesen? Ja. Aber manchmal gibt es Themen, die mir (noch) nicht wichtig genug sind, um viel Zeit darin zu versenken. Und sollte ich feststellen, dass sie mir wichtiger sind, als ich dachte, kann ich die Primärquellen immer noch lesen. Genau wie ich einige Bands durch ihre Greatest-Hits-Alben kennengelernt und erst später ihre komplette Diskografie gehört habe. LLMs haben den Vorteil, dass man ihnen sehr lange Gedankenflüsse entgegenwerfen und am Ende einfach fragen kann: Was haben andere dazu gedacht? Und dass man mehrfach nachfassen und nachsteuern kann, bis man sich dem Gedanken genähert hat, den man sucht.

Als Coach. Einer der größten Erfolge, die ich mit LLMs bisher feiern konnte, ist, dass ich den Spaß am Kochen gefunden habe. Der Schlüssel lag auch hier darin, dass ich dem LLM eine Gleichung mit vielen Variablen übergeben und mich dann mit einigen Iterationen durch das generierte Angebot wurschteln konnte. Kein Kochbuch der Welt hätte so individuell auf meine Bedürfnisse eingehen und meine Schwächen so gezielt ausgleichen können. Eine andere Erfolgsgeschichte war die Erarbeitung eines Live-Rollenspiel-Charakters in einem Setting, mit dem ich nicht vertraut war. Auch hier konnte ich meine Bedürfnisse hineingeben, auf das gesammelte Wissen zum Setting gezielt zugreifen und in einem längeren Dialog am Ende das herausschälen, was ich zum Spielen brauchte. Sicher könnte man argumentieren, dass ich beide Prozesse auch mit echten Menschen hätte durchlaufen können, aber ich hatte einfach nicht den Eindruck, dass ich in diesem Fall mir oder anderen etwas genommen habe.

Als Bildgeber. Dies ist sicher die kontroverseste Nutzung. Aber von dem eben erwähnten Rollenspiel-Charakter, zum Beispiel, habe ich mir auch Bilder generieren lassen, um mich vor dem Spiel besser in die Figur einfühlen zu können. Ich habe auch schon Fantasie-Ideen meines Kindes bebildern lassen, über die sich das Kind sehr gefreut hat (ähnlich wie früher Geschichten). Meine Maßgabe hier ist: Hätte ich ohne KI jemanden damit beauftragt oder es selbst gemacht? Wenn die Antwort eindeutig Nein lautet, bin ich der Meinung, dass ich auch eine KI nutzen kann. KI-Bilder waren immer schon und werden vermutlich auch noch sehr lange ohnehin nur satisficing sein. 

Ich habe dennoch aufgehört, KI-generierte Bilder zum Beispiel für die Bebilderung von Blogartikeln oder Social-Media-Posts zu nutzen. Der Grund ist hier aber weniger, dass ich ethisch dagegen bin, als dass ich inzwischen finde, dass es falsche Signale sendet – vor allem, dass es unprofessionell und unreflektiert wirkt, vor allem solange die Rechtslage noch nicht geklärt ist, meiner Ansicht nach übrigens auch bei Werbe- und Designagenturen. Die Zeit, in der die Nutzung von KI an sich einen splashy Neuigkeits-Experiment-Wert hatte, ist vorbei. Also nutze ich weiter Bilder aus kostenlosen Stockphoto-Datenbanken wie Unsplash und zahle dafür auch nichts.

Als Datensortierer. Hier sind LLMs wieder vor allem ein einfaches Interface für etwas, das geübte Menschen zuvor schon ohne LLMs konnten. Aber einen großen Haufen Daten in ein LLM zu werfen und dann in Alltagssprache die Anweisung geben zu können, aus diesen Daten etwas zu machen und zu interpretieren, ist einfach cool.

Als Abkürzung. Gelegentlich finde ich Prozesse, die sich mit KI tatsächlich beschleunigen und vereinfachen lassen. Das Transkribieren von Audio ist sicher das für mich präsenteste Beispiel. Aber bisher habe ich mich noch nicht in einen Effizienz-Strudel ziehen lassen, der ja neuesten Erkenntnissen zufolge auch nicht unbedingt hält, was er verspricht. Wie Dave Karpf es gerade erst mit Blick auf “Vibe Coding” ausgedrückt hat: “I don’t need a digital assistant to prep my course lectures or keep track of my expenses. Maybe that makes me an outlier, but I kind of doubt it? My daily routines are extremely boring-middle-aged-dad-coded.” Ich glaube, dass dies der wichtigste Bereich ist, in den man sich nicht in eine Scheindebatte mit den KI-wird-uns-komplett-überflüssig-machen-deswegen-müssen-wir-selbst-lernen-alles-mit-KI-zu-machen-Leuten verwickeln lassen sollte.

All about satisficing

Ich erlebe es leider immer wieder: KI-generierter Output, egal ob Text, Bild oder Video, ist trotz aller Begeisterung für die Technologie eigentlich nie nutzbar, wenn man professionelle Standards ansetzt. Dieser Output kann daher nur dann ein Endergebnis sein, wenn der eigene Anspruch nicht so hoch ist (siehe oben: satisficing). Wenn der Anspruch professionell wirken soll, kann KI-Output (zum jetzigen Zeitpunkt) eigentlich nur ein Zwischenschritt oder ein Werkzeug sein. Und deswegen gilt es für jede Art von Arbeit, die man sich abnehmen lässt, herauszufinden, ob die KI wirklich Arbeit spart, sie nur verändert oder sogar mehr Arbeit verursacht. 

Ich muss immer wieder an ein Gespräch mit einer Freundin denken, die als KI-Trainerin für Menschen in NGOs arbeitet. Als ich ihr erzählte, dass ich eigentlich nie Texte von LLMs schreiben oder redigieren lasse, weil ich bisher immer festgestellt habe, dass ich den Text ohne KI besser und schneller hätte schreiben und redigieren können, wies sie mich darauf hin, dass Schreiben und Redigieren aber auch die Sachen seien, die ich am besten kann. Die Leute, mit denen sie arbeitet, müssen aufgrund der Personaldecke kleiner NGOs häufig ein halbes Dutzend Sachen ein bisschen können, statt ein bis zwei Sachen gut. Und sie sind dankbar, dass ihnen KI dabei hilft, die Lücke zwischen schlechten und passablen Ergebnissen zu schließen.

Lieber gut als KI, aber lieber KI als schlecht

Diese Aussage ist für mich ein großer Schlüssel dafür, wie wir über KI-Einsatz denken können. KI kann uns in Bereichen, in denen wir schlecht sind, okay machen, was oft genug im Alltag reicht. Ich lese auch ungerne KI-generierte Texte, aber ich lese sie (zum Beispiel auf Websites) immer noch lieber als richtig schlechte von Menschen geschriebene Texte. Und ich erlebe immer wieder, wie sehr Menschen von diesem kleinen bisschen Hilfe profitieren. 

Sei es, die Angst vorm leeren Blatt zu überwinden, indem die KI wenigstens mal irgendwo anfängt. Sei es die nicht-muttersprachliche Kollegin, die sich traut, mutigere Arbeits-E-Mails zu schreiben, weil ihr KI-Sprachchecker sicherstellt, dass sie nicht nur keine Rechtschreibfehler macht sondern auch keine falschen Idiome benutzt hat. Sei es der Kollege mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, der jetzt seine Gedanken in Sprachnachrichten quatscht und sie anschließend von einem LLM in einen ersten Text verwandeln lässt, statt gelähmt vor der Tastatur zu sitzen. Oder sei es ich, der sich traut, zu kochen, weil er niemanden damit nerven muss, wie schlecht er würzen kann. Man kann das als Wunsch nach “Reibungslosigkeit” und Ergebnisse ohne menschliche Komplikationen begreifen – oder als Werkzeug, das uns über kleine Hürden hinweghilft.

Wenn kein passender Mensch zu Hand ist

In Bereichen, in denen wir schon gut bis sehr gut sind, kann die KI uns hingegen bisher nicht das Wasser reichen. Daher ist unsere Expertise immer noch gefragt. Aber sie kann uns als Sparringspartner zur Verfügung stehen, um unsere Expert:innengedanken zu sortieren, zu spiegeln, zu vertiefen, wenn wir gerade keinen passenden Menschen zur Hand haben. Ich halte es für gut möglich, dass das auch so bleibt – allen Versprechungen der Tech-Bosse zum Trotz.

Ich finde das okay. Ich finde es okay, sich von Technologie helfen zu lassen, wobei diese Hilfe für jeden anders aussieht, basierend auf persönlichen Stärken und Schwächen. Ich hoffe, dass die Phase des “Slop” irgendwann vorbeigeht oder zu der Art von Hintergrundrauschen wird, zu der auch andere Automatisierungen (etwa Spam-Mails) geworden sind. Und ich hoffe, dass für Kreative faire Kompensationen (die sich nicht fair anfühlen werden) und neue Perspektiven in der Zukunft liegen. Aber bis dahin werde ich trotzdem nicht aufhören, die Möglichkeiten (und Grenzen) von KI zu erforschen und auszuprobieren.

Foto von Musab Al Rawahi auf Unsplash

Höreindrücke: Shell Game, Die Welt der Klänge, Hörzu und ab geht’s, Die Medienhölle

Shell Game (Staffel 2) (Kaleidoscope/iHeart)

Evan Ratliffs narrativer “Selbstversuche mit KI”-Podcast geht weiter, und auch die zweite Staffel, in der Ratliff ein Unternehmen aus KI-Agenten aufbaut, lohnt sich für sein präzises Nachdenken über die Arbeitswelt und unser merkwürdiges Verhältnis zu menschlich wirkenden Programmen. Die Technik in “Shell Game” ist wahrscheinlich schon teilweise wieder veraltet, aber der Podcast kann auch helfen, auf Phänomene wie “Moltbook” mit kritischen Augen zu blicken. Etwas merkwürdig finde ich nur die Entscheidung, ausführlich die Geschichte einer Praktikantin in Folge 7 zu erzählen, zu der kein Kontakt mehr besteht. Rechtlich vermutlich alles sauber, aber journalistisch auch integer? Was denken die, die es auch schon gehört haben?

Die Welt der Klänge (Uni Mainz)

Hier bin ich alles andere als unparteiisch, da ich mit Produzent und Co-Host Christian Conradi befreundet bin. Aber von allem, was ich bisher gehört habe, finde ich, dass es wirklich ein schönes und lohnenswertes Projekt geworden ist. Von Folge zu Folge werden ganz unterschiedliche Aspekte von Klang aus einer zugänglichen Fachperspektive beleuchtet, und auch wenn immer wieder zu hören ist, dass Co-Host Peter Kiefer kein Sprech-Profi ist, habe ich in jeder Folge etwas gelernt und mich auch einfach immer wieder gefreut, dass das Medium Podcast für diese Art von Wissensvermittlung genutzt wird. Gerade für das Thema “Klang” kann ich mir kein besseres vorstellen.

Hörzu und ab geht’s (Hörzu)

Hier bin ich mir wirklich verschaukelt vorgekommen. Ein Podcast, der verspricht, mir etwas über Reisen zu berühmten Drehorten zu erzählen und dann zu 90 Prozent aus hundertfach ähnlich gehörten fluffigen Lifestyle-Promi-Interviews besteht, mit ein bisschen generischem Reisetipp-Text im Anschluss. Ich bin vermutlich einfach nicht die Zielgruppe, aber: wer ist es dann?

Die Medienhölle (Indie)

Ich habe großen Respekt davor, dass Jörg Wagner nach seinem Ende beim RBB einfach seinen Stiefel auf eigene Faust weiter durchzieht, in gewohnt hoher journalistischer Qualität und mit bemerkenswerten Bonus-Anreicherungen aus dem Archiv. Aber das etwas verbittert-zynische “Alles geht den Bach runter”-Framing, das schon Teile seines Abschieds begleitet hat, und sich hier allein durch den Titel weiterzieht, macht mir auf Dauer schlechte Laune und ich halte es auch nicht für produktiv. Daher wohl eher kein Weiterhör-Kandidat für mich.