Unsortierte Gedanken #10: Partys, Künstler, Zukunftsfragen

Der Podcast Search Engine hat mich schon auf kuriose Arten inspiriert. Die Doppelfolge “Why didn’t Chris and Dan get into Berghain?” ist fast alleine dafür verantwortlich, dass ich seit zwei Jahren wieder elektronische Musik höre. Die jüngere Folge über Atomkraft hat mich zumindest schwer zum Nachdenken gebracht.

Und auch die neueste Episode ist wieder wirklich gut. “Why doesn’t anybody come to my Parties?” fragt die Substack-Autorin Claire Haber-Harris den Host PJ Vogt. Er fragt in ihrem Umfeld nach, und bei dem, was er herausfindet, geht es am Ende darum, wieviel man von sich selbst preisgeben will, welche “Version” seiner selbst man anderen präsentieren möchte und sollte. Aber es geht auch darum, was eine gute Party ausmacht.

Mich hat das alles sehr angesprochen. Ich liebe Partys und ich vermisse sie. Ich war nie ein perfekter Gastgeber im Sinne von “Viele kleine tolle Details und an jeden ist gedacht”, aber ich habe immer gerne die Leute aus meinen weitverzweigten Bekanntenkreisen an einem Ort bei Getränken und Musik zusammengebracht. Aber ähnlich wie die Protagonistin im Podcast kam dann irgendwann der Double-Whammy aus Kind und Corona, der dazu geführt hat, dass ich nach 2018 keine Party mehr gefeiert habe. (Das Titelbild war das Motiv der “Letzten Party ohne Kind” – dass seitdem Zeit vergangen ist, erkenne ich auch daran, dass ich Alkohol heute sicher nicht mehr so in den Vordergrund rücken würde.)

Letztes Jahr habe ich versucht, meinen 42. Geburtstag groß zu feiern, musste das Park-Picknick aber wegen schlechten Wetters absagen. Dieses Jahr habe ich eigentlich schon aufgegeben. Ich habe den Eindruck, dass eh kaum noch jemand feiert. Der Double Whammy hat viele Leute in meinem Alter getroffen. Wenn man dann dazu noch weder in WGs noch in Einfamilienhäusern wohnt, weiß man oft gar nicht, wo man feiern soll. Und geredet wird dann auch oft nur noch über die eigenen Kinder, die man parallel die ganze Zeit im Auge haben muss.

Können mir Leute, die älter sind als ich, sagen, wann das wieder besser wird? Wann es wieder mehr Gelegenheiten gibt, interessante fremde Menschen kennenzulernen und dabei selbst zu entscheiden wie sehr man den Regler zwischen “Normie” und “Nerd” hin- und herdrehen will?

(Ergänzung: Mark Rosewater über Erfahrungen mit guten Partys. “Ein klarer Endpunkt” ist mir am meisten hängengeblieben.)

***

Das Interview, das Anna Sale in Death, Sex and Money mit der Autorin und Regisseurin Erica Schmidt und ihrem Ehemann, Schauspieler Peter Dinklage, führt, ist insgesamt sehr hörenswert und irgendwie wholesome. Noch viel besser fand ich aber drei Sätze, den Sale in ihrer Anmoderation sagt:

Sometimes when you’re an artist, you see things that other people don’t see. Sometimes that can make you feel like you’re on your own, like you don’t quite fit. (…) It can be lonely.

Ich habe mich selbst nie als Künstler begriffen, kenne aber Menschen, die ich so einordnen würde. “Dinge sehen, die andere nicht sehen” ist eine erstaunlich gute Definition von künstlerischer Sensibilität. Dass es genau dieses Merkmal ist, was einen manchmal zum Außenseiter machen kann, passt für mich sehr gut.

***

Vor ein paar Tagen habe ich im Blog von Johannes Kuhn zum Thema Verzweiflung und “Boomer Realism” kommentiert und dabei (mal wieder) auf Ada Palmer verwiesen, die Historikerin, deren SF-Romane mich in den letzten Jahren schwer beeindruckt haben. Interessanterweise hat Palmer einen Tag später zusammen mit dem “Solutions Journalist” Angus Hervey einen neuen Podcast exakt zu diesem Thema gestartet. Er heißt A Short History of Saving The World.

Ich bin kein übermäßiger Fan von “Lasst uns mal auf die guten Sachen konzentrieren”, was Herveys Ding zu sein scheint, aber ich mag Palmers weit ausgezoomten Blick auf Menschheitsgeschichte, der oft darauf hinweist, dass Phänomene nicht neu sind, aber dennoch differenziert genug ist, um es dabei nicht zu belassen. Die erste Folge der Podcasts ist noch nicht sehr fokussiert, enthält aber schon viele interessante Punkte über die Dauer von Informationsrevolutionen und menschliche Anpassungsfähigkeit. Ich bin gespannt, ob es in der Zukunft noch zu stärkeren Diskussionen kommt, werde die Stunde pro Monat aber auf jeden Fall investieren.

Das Slate Culture Gabfest nimmt Abschied – aber wie!

Mir ist ein bisschen das Herz in die Hose gerutscht, als ich die Nachricht gehört habe. Der Podcast Slate’s Culture Gabfest stellt nach 18 Jahren seinen Sendebetrieb ein. Einen richtigen Grund hat Host Steven Metcalf nicht genannt, aber ich vermute, dass es viel damit zu tun hat, dass Co-Host Julia Turner bereits seit mehreren Jahren nicht mehr in New York lebt und nach Stationen bei der L.A. Times und der Annenberg School of Journalsm nun ein eigenes Online-Magazin gegründet hat und schlicht keine Zeit mehr hat, drei Kulturthemen pro Woche zu recherchieren.

18 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Mir fallen nicht viele Podcasts ein, die so lange in gleicher Besetzung und mit gleichem Format durchhalten. Ich schätze, dass ich ca. 2011 auf das Gabfest gestoßen bin, vermutlich über die dritte Co-Host Dana Stevens, die Filmkritikerin von Slate, deren Kritiken ich immer schon sehr geschätzt habe.

Ich fand das Format des Gabfest immer perfekt: Drei kluge Menschen, zu denen ich inzwischen eine tiefe parasoziale Beziehung habe, sprechen jede Woche über drei kulturelle Themen. Klug aber humorvoll, nicht nur im “Daumen hoch/Daumen runter”-Modus, aber auch nicht in erschöpfender Tiefe – also auch dann interessant, wenn man sden Film/die Serie/das Phänomen noch nicht selbst erlebt hat. Pop Culture Happy Hour von NPR war anfangs ähnlich angelegt, wenn auch etwas oberflächlicher, und hat im Gegensatz zum Gabfest irgendwann sein Format auf einen täglichen Podcast geändert – womit ich dann auch ausgestiegen bin.

Beide Sendungen stammen aus einer Zeit, in der es solche Podcasts in Deutschland noch nicht gab. Deswegen waren sie für mich das große Vorbild für den Podcast Kulturindustrie, den ich 2017 mit Lucas Barwenczik, Sascha Brittner und Mihaela Sartori gestartet habe. Mein (etwas verkrampfter) Anspruch war damals, dass Kulturindustrie das deutsche Gabfest wird. Das haben wir natürlich nicht geschafft, obwohl wir schon recht erfolgreich waren. Aber auch wir haben Ende 2023 aufgehört, weil ein bisschen die Luft raus war.

Dieses Ende haben wir nicht vorher angekündigt. Ich habe irgendwann eine kurze Folge aufgenommen, in der ich eine Abschiedsbotschaft verlesen habe. Das erschien uns allen am saubersten – andere Podcasts hören einfach auf ohne jemals Bescheid zu sagen.1

Umso genialer finde ich, was das Culture Gabfest gerade macht. Es feiert seinen Abschied mit einer gigantischen Ehrenrunde. Die Folgen sind extralang. Jede Woche kommen besonders liebgewonnene Gäste noch einmal vorbei. Schmerz und Erleichterung stehen gleichberechtigt nebeneinander und werden gemeinsam zelebriert. So und nicht anders sollte man nach 18 Jahren von der Bühne gehen. Farewell, Julia, Steve and Dana! Ihr werdet mir fehlen!

Wie soll ich diese Lücke in meinem Podcast-Plan füllen? Sollte ich das überhaupt? Ich hätte gerne ein nicht-tägliches Format, das mir einen Überblick über aktuelle kulturelle Themen liefert. Was denken die Lesenden hier? Zur Auswahl stünde zum Beispiel Critics At Large, das ähnliche Format des New Yorker. Ich finde auch Las Culturistas von Weitem ganz interessant. In Deutschland gibt es Die sogenannte Gegenwart von der Zeit, aber ich fürchte mich ein bisschen vor deutschem Feuilleton, um ehrlich zu sein. Habt ihr noch Tipps? Oder muss ich am Ende selbst wieder ran?2

  1. Zum Beispiel mein liebstes Kulturpodcast-Format jüngerer Zeit, Kulturschock mit Hendrik Bolz. Ich habe Bolz über den MDR im April für ein Interview in LÄUFT angefragt. Damals hieß es, er habe keine Zeit. Inzwischen frage ich mich: Wusste man damals schon, dass das Format nach einer Handvoll Folgen sang- und klanglos wieder verschwinden würde? ↩︎
  2. Einen solchen Podcast zu produzieren sind ca. zwei volle Tage Arbeit pro Folge. Man muss sich auf mehrere Themen einigen, die gut zueinander passen und zu denen jeder das Gefühl hat, etwas sagen zu können. Dann muss man alles sehen/lesen/hören (das ist nicht nur Vergnügen, vor allem, wenn man nicht eh hauptberuflich Kulturjournalist ist) und am besten noch ein bisschen Material drumherum sichten, damit man alles gut einordnen kann. Dann muss man aufnehmen, schneiden, veröffentlichen und bewerben. It’s a lot. ↩︎

Jesse David Fox: Interviewer meines Herzens

Ich verfolge das Schaffen des Vulture-Comedy-Kritikers und Podcasters Jesse David Fox schon länger, als ich dachte. Hier im Blog findet sich ein Link auf ein Porträt aus seiner Feder über The Lonely Island von 2016. Richtig wahrgenommen habe ich ihn aber erst, als er vor einigen Jahren den Podcast Good One begonnen hat, in dem er Stand-Up-Comedians interviewte und mit ihnen gemeinsam ihre Witze auseinandernahm.

Obwohl ich kein großer Stand-Up-Aficionado bin, habe ich Good One immer gerne gehört, wenn ich die Zeit dafür hatte. Das lag und liegt vor allem an der Art, wie Fox seine Interviews führt. In einem Interview, das er selbst mal gegeben hat, hat er berichtet, wie er sich vorbereitet: Er versenkt sich eine Woche lang im Werk seiner Gegenüber und hört und liest dazu so ziemlich jedes andere Interview, das sie jemals gegeben haben. Ins Interview geht er also mit einem fast schon enzyklopädischen Wissen über sein Subjekt und der Bereitschaft, sowohl sehr breite als auch mikroskopisch detaillierte Fragen zu stellen.

So richtig gut aufgefallen ist mir das mal wieder diese Woche, als ich Good One das erste Mal seit längerem wieder gehört habe, im Interview mit Rhea Seehorn, der Hauptdarstellerin aus Pluribus. Ich war lange der Meinung, dass man mit Schauspieler:innen selten so interessante Interviews führen kann wie mit Regiseur:innen oder Autor:innen, weil ihre Arbeit vermeintlich so wenig im Kopf und so viel im Körper stattfindet. Was sie tun und können ist sichtbar, warum sollte man noch drüber reden? Sie haben selten große Ideen über die Filme, in denen sie mitspielen – das ist auch nicht ihre Aufgabe. Gleichzeitig sind sie im Kreativbetrieb die glamourösesten Figuren, weshalb viele Interviews schnell auf Privates oder Varianten von “Wie ist [andere Person] denn so?” ausweichen. Beides interessiert mich in der Regel nicht.

Dass es auch ganz anders geht, zeigt Fox im Interview mit Seehorn. Er ist obsessiv interessiert an Prozessen, sowohl internen als auch externen. Er will genau wissen, wie Dinge funktionieren und was Menschen dafür tun und dabei empfinden. Ich habe schon lange kein so gutes Gespräch über die Arbeit des Schauspielerns mehr gehört. Einerseits: Welche Erfahrungen, welche Lehren, welche kleine Entscheidungen spielen eine Rolle, damit das entsteht, was wir zu sehen bekommen? Wie entwickelt sich eine Herangehensweise über die Zeit? Aber auch: Wie funktioniert Schauspielerei als Job? Was sind die impliziten und expliziten Regeln der Branche? Wie steht Rhea Seehorn dazu?

Seehorn lässt sich natürlich hervorragend darauf ein. Aber es ist auch ganz klar, dass Fox sich nicht nur auf sie vorbereitet hat, sondern auch immer wieder abgleicht, was er aus vorherigen Interviews gelernt hat.

Den gleichen Zweck erfüllt auch die “Lightning Round” am Ende des Interviews, eine Reihe von Fragen, die er jedem Gast oder jeder Gästin stellt. Warum das so wertvoll ist (und warum es deswegen eine sehr beliebte Kategorie in Podcasts ist), habe ich ebenfalls vor mehr als zehn Jahren schon mal aufgeschrieben. Fox schafft in seinem Podcast im Grunde eine Art qualitative Querschnittsstudie. Hier kommen auch die besonders breiten Fragen ins Spiel: Wer ist der/die beste lebende Schauspieler:in? Wieviel Geld verdienst du und hast du? Wie Menschen auf solche Fragen antworten, sagt oft genauso viel über sie aus, wie das, was sie sagen, wenn sie Fragen über sich gestellt bekommen.

Das Jesse-David-Fox-Modell ist eins, dem ich bei LÄUFT entgegenstrebe. Mir gelingt das selten. Ich habe nur etwa 25 Minuten Interviewzeit und kann mich oft nicht so ausführlich vorbereiten (es ist halt nur mein Nebenjob). Oft führe ich Gespräche mit Menschen über Themen, mit denen sie sich auskennen, und nicht über ihre eigene Arbeit. Aber ich würde diese Prozess- und Arbeits-Interviews gerne viel öfter führen.

Ich habe auch den Eindruck, dass gerade prominentere Menschen dabei oft aufblühen, weil es ihnen wiederum die Möglichkeit gibt, über Dinge zu reden und zu reflektieren, mit denen sie sich wirklich auskennen. Bei Anne Will ist mir das damals ganz gut gelungen, finde ich. Und auch bei Maren Kroymann, die fast schon überrascht war, dass ich sie gefragt habe, wie ihr Writers’ Room funktioniert.

Hier würde mich (wie immer) auch sehr die Meinung meiner Leser:innen interessieren. Lest und hört ihr gerne solche nerdigen Prozess- und “Craft”-Interviews? Würdet ihr gerne mehr davon sehen? Gibt es vielleicht im deutschsprachigen Raum schon Interviewer:innen, die gut darin sind?

Foto von Rosie Kerr auf Unsplash

Zwischenruf zu “Reclaim: Tic Tac Toe”: Reclaim Pop

Ich habe gestern die erste Folge vom Podcast Reclaim: Tic Tac Toe gehört, und ich verstehe total die Motivation des Reclaimens einer Band, die zeitweise als ein bisschen peinlich oder lächerlich abgestempelt war. Das scheint in diesem Fall auch absolut berechtigt. Aber an einer Stelle bin ich doch stutzig geworden.

Da heißt es, die Diskussion ob Tic Tac Toe ein “Produkt” waren, hätten vor allem “die Medien unter sich selbst geführt” – den Fans wäre es ja egal gewesen. Das, nachdem man 40 Minuten lang gehört hat, dass Jazzy, Lee und Ricky von einem Management/Produzenten-Duo zusammengecastet wurden, dass ihnen eine falsche Origin Story angedichtet und über ihr Alter gelogen wurde, um für die anvisierte Zielgruppe von Preteens besser zu funktionieren. Und Musik und Texte, die nach dem Erfolg von “Ich find dich Scheiße” sehr eindeutig auf der Annahme “Welche Tabu-Kraftausdrücke können wir noch in Songtiteln verwenden?” (“Verpiss dich!”, “Leck mich am A B Zeh”) konfektioniert waren, hat ebenfalls ihr Produzent geschrieben.

Natürlich waren Tic Tac Toe ein Produkt. Der Fehler ist, darin ein Qualitätsurteil zu sehen.

Gute Popmusik kann genau davon leben, dass sie ein perfektes Produkt liefert. Auch vermeintliche Authentizität ist oft ein Produkt oder wird im Nachhinein dazu gemacht – auch in “echt” konnotierten Musikrichtungen wie Rock und Rap. Deswegen kann Musik trotzdem empowernd, wirksam und auch musikalisch herausragend sein. Und ihre Performer können trotzdem geniale Vorbilder und Vorreiter sein.

Performance ist eine entscheidende Zutat im Pop. Wenn man sich eine vermeintlich perfekte rotzige Girlband zusammencastet, die Sängerinnen das aber nicht überzeugend performen können, funktioniert es nicht. Jazzy, Lee und Ricky haben durch ihre Perfomance einen entscheidenden, vielleicht sogar den wichtigsten Beitrag für den Erfolg von Tic Tac Toe geliefert. Das sagen im Podcast übrigens auch mehrere Leute, zum Beispiel über den Videodreh von “Scheiße”.

Ich hätte es besser gefunden, wenn das Team diesen Punkt offensiv herausgestellt hätte. Man hätte darauf hinweisen können, dass das in den 90ern tatsächlich noch an vielen Stellen anders bewertet wurde, der Diskurs inzwischen aber zum Glück weiter ist. Die vermeintliche Realness, die insbesondere männliche Journalisten damals noch als Merkmal von “guter Musik” postuliert haben, wurde längst abgelöst.

Genau unter dem Aspekt des “Reclaimens” übrigens, und zwar von Pop als Kunstform.

Im Podcast aber wird die Frage, ob Tic Tac Toe ein Produkt waren, mit so einem “Ist doch egal, müssen wir gar nicht drüber reden” vom Tisch gewischt. Der Produzent hat den Mädels ja auch zugehört und das dann umgesetzt, heißt es. Als wolle man sich seine schöne Umdeutungs-Story bloß nicht von störenden Tatsachen kaputt machen lassen.

Oder sehe ich das falsch?

(zuerst als Thread auf Bluesky formuliert)

Höreindrücke: Die Lieblingsschülerin, Ab in den Urlaub, Kulturschock, Imperium: Die RTL-Story

Die Lieblingsschülerin (DLF Nova)

Sehr bitteres Thema (sexuelle Übergriffigkeit durch Lehrer), sehr gut, holistisch und vor allem sachlich, ohne unnötige dramaturgische Zuspitzungen, erzählt, mit einem Ende, das einen angemessenen Abschluss eines Erzählstrangs bietet, ohne das dahinterstehende Problem als geklärt darzustellen. Nicht ganz erschlossen hat sich mir, warum genau diese drei Protagonistinnen und ihre Erlebnisse (die sich vor allem am Anfang nicht immer leicht trennen ließen) ausgewählt wurden. Sind sie exemplarisch für bestimmte Ausprägungen oder waren es einfach die Personen, die bereit waren, zu sprechen? Hier wäre mir etwas redaktionelle Erklärung lieb gewesen.

Ab in den Urlaub: Der Crash des Internet-Imperiums UNISTER (Studio Soma/Zimmer und Zirk/MDR)

Eine Geschichte, über die ich vorher nichts wusste, in angenehmerweise mal nur drei Episoden erzählt. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass die Story während des Erzählens oft in unterschiedliche Richtungen zieht und es dem Team nicht immer leicht fällt, sie zusammen- und auf Kurs zu halten. Das wird am Ende sogar reflektiert: Geht es um das Unternehmen, den Menschen Thomas Wagner oder den Wirtschaftskrimi? Generell: Die letzten 15 Minuten, in denen laut darüber nachgedacht wird, was man eigentlich von allem zu halten hat, waren mit das Beste am Podcast. Aber vorher gibt es auch genug zu hören, das sich lohnt.

Kulturschock (ACB Stories/MDR)

Auf diesen Podcast habe ich gewartet! Ich bin seit langem der Meinung, dass Promi-Interviews sofort 200 Prozent besser werden, wenn die Promis nicht nur über sich selbst reden müssen. Dass sie hier ein Kulturthema mitbringen, das sie bewegt und dass sich Hendrik Bolz vorher sogar selbst Gedanken dazu gemacht hat (klingt absurd, das herauszustellen, aber es ist keine Selbstverständlichkeit), ist einfach super zu hören. Dass die ersten beiden Gästinnen Frauen sind, ist auch ein wertvolles Statement. Nehme ich in meine feste Rotation auf.

Imperium: Die RTL-Story (Studio Jot)

Ich kannte das Konzept von “Imperium” bisher nicht, und ich gebe zu, dass es mich etwas fertiggemacht hat. Höchsten Respekt vor den beiden Sprecher:innen, dass sie in so viele Rollen schlüpfen (ich habe erst am Ende der ersten Folge überhaupt kapiert, dass ich die ganze Zeit nur zwei Personen zugehört habe) und dass Szenen genutzt werden, um die Story biopic-mäßig zu erzählen, aber das ständige Einbauen von Exposition in diesen Szenen, in denen Menschen Dinge sagen, die das Gegenüber bereits weiß, ist leider eins meiner am meisten gefürchteten Klischees. Es war angenehm, die Historie von RTL noch einmal so kompakt erzählt zu bekommen, aber ich hätte wahrscheinlich lieber einen Artikel gelesen.

Höreindrücke: Bibis Palace, Bin ich jetzt das Problem?, The Rise and Fall of Indie Sleaze, Hauseins von der So Many Voices

Bibis Palace – Freundschaft für Likes (ARD)

Wie ich schon in der jüngsten Folge von LÄUFT kundgetan habe, war ich hier vor allem von der verschenkten Chance enttäuscht, eine Story zu reporten, die über das reine Nacherzählen der Ereignisse mit ein wenig Erklärung drumherum hinausgeht. Ich habe am Ende weder auf Bibi, noch auf ihre Fans, noch auf das YouTube-Ökosystem einen neuen Blick gewonnen. Dass die ARD sich indirekt (auch wenn der Podcast kritisch genug ist) vor den Karren von Heinickes Buch-Promotion-Tour hat spannen lassen, säuert den Geschmack zusätzlich an.

Bin ich jetzt das Problem? (Audible)

Die Kombi “bekannte Autorin und ihre Psychotherapeutin geben Lebenshilfe” klingt, als hätte man sie schon dutzendfach gehört, ist aber tatsächlich neu. Eine Mischung aus Confessional und kleinen praktischen Tipps, die sich erstaunlich entspannt weghört und die Gesprächsreihe durch Regie und Skript zu einem ziemlich kohärenten Ganzen formt, fast schon eine Art dialogisches Memoir-Hörbuch. Der Erkenntnisgewinn ist freilich trotzdem eher gering, denn leider gibt es weder juicy Details aus der Filmbranche noch Psychotipps, die über das hinausgehen, was man in jeder Zeitschrift lesen kann.

The Rise and Fall of Indie Sleaze (BBC)

Vielen Dank an Anna von “Oh My Pod” für diesen Tipp. Ich habe es sehr genossen, in meine Studienzeit zurückzukehren und in acht kurzen Folgen das letzte Aufbäumen des Rock’n’Roll vor 20 Jahren noch einmal zu erleben. Der besondere Hook besteht darin, dass Host Kate Nash immer wieder Gelegenheit bekommt, sich selbst und ihr Erleben in die Geschichte mit einzuschreiben und dadurch den männerdominierten historischen Blickwinkel leicht zu verschieben. Ungewöhnlich gut fand ich auch die reichhaltige Nutzung von Archivmaterial.

Mitschnitte von der So Many Voices (Hauseins)

Weniger ein Höreindruck als eine Empfehlung: Wer (wie ich) die So Many Voices Konferenz in München letzten Herbst verpasst hat, der findet jetzt im Feed des Hauseins-Hauspodcasts die Mitschnitte vieler Panels. Ich habe die ehrlichen Einblicke in die Arbeit von Aylin Dogan (Döner Papers) und das Gespräch über Storytelling und Recherche zwischen Pia Stendera, Azadê Peşmen und Sophia Wetzke besonders geschätzt. 

Unsortierte Gedanken #8: Bühnenmagie, Social-Media-Verbote, Journalistenfilme

Das faszinierendste Rabbit Hole, in das ich in jüngster Zeit abgetaucht bin, wurde durch den Besuch der Cirque du Soleil-Show “Alizé” ausgelöst, die seit November als “Residency”, also fest installiert, im Berliner Theater am Potsdamer Platz spielt. Der größte Wow-Effekt der Show, neben wie immer erstaunlichen artistischen Fähigkeiten und einem beeindruckenden Design, besteht drain, dass auf der Bühne Elemente in schneller Abfolge selektiv sichtbar gemacht werden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Requisiten und Performer verschwinden oder im Raum hin- und herspringen. Der Effekt lässt sich leider schlecht beschreiben und Videos davon gibt es im Netz nicht.

Das Erlebnis hat mich jedenfalls inspiriert, mich im Anschluss ausführlicher mit den Entwicklungen moderner Bühnen und Zirkus-Technik zu beschäftigen. Dabei habe ich nicht nur herausgefunden, dass es eine vor rund 20 Jahren in Frankreich entstandene Bewegung namens Magie Nouvelle gibt, die der Zirkusmagie einen emotionaleren und immersiveren Charakter zu geben, sondern ich habe auch viel darüber gelernt, wie die Bühnenmagie in “Alizé” vermutlich bewerkstelligt wurde: Mit einer Kombination aus sehr hellen Projektoren, die über das Lichtpult automatisiert (und über LIDAR getriggert) angesteuert werden können, eventuell Mesh-Flächen auf der Bühne, die von hinten und vorne angestrahlt Teile der Bühne besser oder schlechter sichtbar machen und das Auge täuschen. Schließlich – das fand ich vermutlich das faszinierendste – ultraschwarzem Material, das so dunkel ist, dass es Licht quasi schluckt. (Dieses Interview verrät nicht alles, liefert aber einen Einstieg).

Mich hat das Ganze so begeistert, weil ich es immer wieder cool finde, wenn moderne Technik und moderne Unterhaltungs-”Philosophie” auf diese Art aufeinandertreffen und sich gegenseitig inspirieren. Vantablack, das tiefschwarze Material, wurde für Raumfahrt und Militär entwickelt. Aber dann kommen Zirkusperformer des Wegs, die nach Möglichkeiten suchen, Bühnenmagie fantastischer zu machen, und setzen es ein, um bisher undenkbare Effekte umzusetzen. Diese Geschichten liebe ich.

***

In meiner Bubble wird gerade viel über das Social-Media-Verbot für Jugendliche diskutiert, das die Politik immer wieder in den Raum wirft. Viele Menschen, denen ich folge, sind tendenziell eher dagegen und fordern stattdessen, Medienkompetenz zu stärken und die Technikkonzerne besser zu regulieren. Erstaunlicherweise neige ich im Moment dazu, einfach alles gleichzeitig anzugehen.

Einen entscheidenen Ausschlag hat bei mir ein Interview von Alexander Brand mit einem Lehrer aus Australien verursacht, wo ein Social Media Verbot ja seit zwei Monaten existiert. Der Lehrer Chris Bush beschreibt zwar, dass die Jugendlichen die Sperren leicht umgehen konnten und sich ihr Verhalten kaum geändert hat, aber er sagt auch das hier:

Ich sehe dieses Gesetz eher wie das Rauchverbot: Es braucht Zeit. Wahrscheinlich reden wir über eine Generation – oder zumindest fünf bis zehn Jahre –, bis wir die Effekte sehen, die wir uns erhoffen. Für Kinder, die heute neun, zehn oder elf Jahre alt sind, wird Social Media nicht denselben sozialen Druck mit sich bringen wie für die heutigen Teenager. Sie wachsen nicht mit der Annahme auf, dass man mit 13 oder 14 automatisch Social Media bekommt. Bei den heutigen 13- bis 16-Jährigen erwarte ich keine großen Veränderungen der Gewohnheiten. Aber bei den jüngeren Jahrgängen, die nachrücken, glaube ich schon, dass wir positive Effekte sehen werden.

Dieser Gedanke hat bei mir gezündet. Ich erinnere mich noch gut daran, wie merkwürdig es sich vor rund 20 Jahren angefühlt hat, dass man plötzlich in den meisten Innenräumen (besonders in Kneipen) nicht mehr rauchen durfte. Heute ist das genaue Gegenteil der Fall: Verrauchte Räume fühlen sich merkwürdig an. Raucher sind stärker markiert als Nichtraucher. Könnte das für Social Media auch möglich sein? Man könnte es zumindest versuchen.

Wie gesagt, das heißt nicht, dass ich nicht trotzdem dafür bin, die Firmen hinter Social Meda Plattformen zu mehr Sicherheit zu zwingen (ich fand hierzu besonders hörenswert das Interview von Ezra Klein mit Cory Doctorow und Tim Wu, und dort die Metapher des Gärtners, der bestimmte Parzellen abteilt und Unkraut jätet ohne dadurch den Garten zu zerstören) und Medienkompetenz zu stärken. In meinem neuen Job in einem Präventionsprojekt lerne ich zurzeit sehr viel darüber, dass “gesundes” Verhalten bei Kindern meist aus der Kombination aus Gelegenheiten und Anerkennung für dieses Verhalten entsteht.

***

Im Odeon Kino läuft derzeit eine Filmreihe zu Journalistenfilmen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und endlich The Insider von 1999 nachgeholt, Michael Manns Film über einen Whistleblower aus der Tabakindustrie (Russell Crowe), der von einem Journalisten (Al Pacino) ins Fernsehen gebracht wird. Ich gebe zu: Ich war nicht der größte Fan dieser Miami-Vice-Version von Journalismus. Ständig harte Männer, die einsame Entscheidungen treffen. Der Al Pacino-Charakter packt in jedem Raum erstmal seine Klöten auf den Tisch und steht bevorzugt mit einem Mobiltelefon am Meer, während er “Answer the fucking phone!” brüllt. Wie anders (und sympathischer) sind doch die Darstellungen von Journalismus in späteren Filmen wie Spotlight oder She said, in dem Teams von Journalist:innen hartnäckig, aber leise und subtil an einer Story feilen, bis sie druckreif ist. Ich liebe insbesondere diese Szene aus She said

***

Ich habe auf Empfehlung des Newsletters Oh My Pod einen Podcast der BBC über den Aufstieg und Fall der Indie-Rockbands in den Nuller Jahren gehört – Höreindruck dazu folgt bald. Interessant daran fand ich: Anders als die in den letzten Jahren grassierende Nostalgie für die 90er Jahre – also für meine Tween- und Teenagerzeit – war ich zur Zeit von “Indie Sleaze”, wie die BBC es nennt, schon erwachsen. Der Blick zurück auf diese Zeit ist entsprechend ein ganz anderer. Viel politischer und viel weniger von vagen Gefühlen geprägt, aber dennoch stark von schönen Erinnerungen (insbesondere an meine Studienzeit in Schottland 2005/2006). Dass sich Nostalgie so unterschiedlich anfühlen kann, hat mich überrascht. Wie wird das bloß werden, wenn wir in 30 Jahren nostalgisch auf die jetzige Zeit zurückblicken?

***

Lena Falkenhagen und Marina Weisband sind Personen, deren Schaffen ich online schon eine Weile verfolge. Lena spätestens seit meiner vertieften Beschäftigung mit Interaktiver Fiktion, Marina in letzter Zeit wieder durch ihren Podcast Wind und Wurzeln. Jetzt habe ich ganz überrascht festgestellt, dass die beiden schon seit 2024 einen Podcast über mein altes und letztes Jahr wieder frisch aufgenommenes Hobby Liverollenspiel (LARP) haben. Er heißt Spielend Subversiv, was ich nicht den besten Titel finde, aber der Podcast ist trotzdem super, um ein tieferes, auch analytisches Nachdenken über LARP zu fördern, was ich gerne tue aber selten beobachte – leider erst recht nicht in den Medien der Szene wie LARP-Zeit, deren Artikel oft auf einem “Mein schönstes Ferienerlebnis”-Niveau geschrieben sind. Ich empfehle die Episoden über Formate und Stile und über Immersion

Foto von Cristian Escobar auf Unsplash

Höreindrücke: Shell Game, Die Welt der Klänge, Hörzu und ab geht’s, Die Medienhölle

Shell Game (Staffel 2) (Kaleidoscope/iHeart)

Evan Ratliffs narrativer “Selbstversuche mit KI”-Podcast geht weiter, und auch die zweite Staffel, in der Ratliff ein Unternehmen aus KI-Agenten aufbaut, lohnt sich für sein präzises Nachdenken über die Arbeitswelt und unser merkwürdiges Verhältnis zu menschlich wirkenden Programmen. Die Technik in “Shell Game” ist wahrscheinlich schon teilweise wieder veraltet, aber der Podcast kann auch helfen, auf Phänomene wie “Moltbook” mit kritischen Augen zu blicken. Etwas merkwürdig finde ich nur die Entscheidung, ausführlich die Geschichte einer Praktikantin in Folge 7 zu erzählen, zu der kein Kontakt mehr besteht. Rechtlich vermutlich alles sauber, aber journalistisch auch integer? Was denken die, die es auch schon gehört haben?

Die Welt der Klänge (Uni Mainz)

Hier bin ich alles andere als unparteiisch, da ich mit Produzent und Co-Host Christian Conradi befreundet bin. Aber von allem, was ich bisher gehört habe, finde ich, dass es wirklich ein schönes und lohnenswertes Projekt geworden ist. Von Folge zu Folge werden ganz unterschiedliche Aspekte von Klang aus einer zugänglichen Fachperspektive beleuchtet, und auch wenn immer wieder zu hören ist, dass Co-Host Peter Kiefer kein Sprech-Profi ist, habe ich in jeder Folge etwas gelernt und mich auch einfach immer wieder gefreut, dass das Medium Podcast für diese Art von Wissensvermittlung genutzt wird. Gerade für das Thema “Klang” kann ich mir kein besseres vorstellen.

Hörzu und ab geht’s (Hörzu)

Hier bin ich mir wirklich verschaukelt vorgekommen. Ein Podcast, der verspricht, mir etwas über Reisen zu berühmten Drehorten zu erzählen und dann zu 90 Prozent aus hundertfach ähnlich gehörten fluffigen Lifestyle-Promi-Interviews besteht, mit ein bisschen generischem Reisetipp-Text im Anschluss. Ich bin vermutlich einfach nicht die Zielgruppe, aber: wer ist es dann?

Die Medienhölle (Indie)

Ich habe großen Respekt davor, dass Jörg Wagner nach seinem Ende beim RBB einfach seinen Stiefel auf eigene Faust weiter durchzieht, in gewohnt hoher journalistischer Qualität und mit bemerkenswerten Bonus-Anreicherungen aus dem Archiv. Aber das etwas verbittert-zynische “Alles geht den Bach runter”-Framing, das schon Teile seines Abschieds begleitet hat, und sich hier allein durch den Titel weiterzieht, macht mir auf Dauer schlechte Laune und ich halte es auch nicht für produktiv. Daher wohl eher kein Weiterhör-Kandidat für mich.

Rückblick auf das Podcast-Jahr 2025

Der große Knall für die Podcast-Branche ereignete sich dieses Jahr im August. Amazon gab bekannt, dass es die Podcastfirma Wondery, die es 2020 für 300 Millionen Dollar gekauft hatte, dicht macht. 110 Personen wurden entlassen, einige davon auch in Deutschland. Wie bei amerikanischen Unternehmen üblich, ging das ganze recht schnell. Nur wenige Wochen nach der Nachricht sah ich auf LinkedIn die Posts von deutschen Wondery-Mitarbeiter:innen, die sich verabschiedeten. Auch anderswo wurde gespart. Die “Goldgräberstimmung” sei endgültig vorbei, hieß es. Also irgendwie: kein gutes Jahr für Podcasts.

Für mich, der ich nach wie vor nicht wirklich selbst tiefer Teil der Branche bin und vor allem die nach außen sichtbaren Ergebnisse begutachte, ging in der allgemeinen Trauer der zweite Teil der Wondery-Meldung etwas unter: Nicht alle Podcasts von Wondery wurden eingestellt. Amazon verabschiedet sich nicht aus dem Podcast-Business. Es sah vor allem keinen Grund mehr dafür, die sehr unterschiedlichen Produkte, die Wondery produziert hat, in einer eigenen Einheit mit der Überschrift “Podcasts” zu organisieren. Von einer “klaren Zweiteilung” (“clear bifurcation”) des Outputs sprach Steve Boom, Amazons Audio-Chef, in einem Interview mit Variety: “Many of the platform’s most popular titles fell into one of two broad categories: narrative-driven and personality-centric.”

Amazon reorganisierte die erfolgreicheren Podcasts aus diesen zwei Sparten: Für die Personality-Podcasts, die zunehmend auch als Videoformate reüssieren, gründete das Unternehmen eine neue Einheit namens “Creator Services Team”. Die narrativen Podcasts wanderten zur abofinanzierten Hörbuch-Division von Amazon, Audible.

What even is a podcast?

Es ist nicht so, dass niemand diese neue Aufteilung bemerkt hätte. Denise Fernholz’ bester Podcast-Newsletter Beifahrersitz griff das Thema auf und löste viele der Gedanken aus, die ihr im Folgenden lesen werdet. Und auch Eric Bensons Artikel “Who killed the narrative Podcast?” wurde geteilt und besprochen. Benson schreibt treffend, dass sich im Bereich narrative Podcasts immer schon sehr verschiedene Charaktere getummelt hatten, die aber auch sehr unterschiedliche Ziele damit verfolgt hätten:

[I]t had always been a little unclear what the goal of making these shows really was. Were they entertainment or journalism? Should their success be measured in awards and social impact, or by their ability to turn a buck? (…) The different segments of the industry always had different answers to these questions, but for a time, while the money was flowing, it felt like podcasts could be everything to everyone.

Das also ist für mich die Frage, die im Zentrum des Podcastjahres stand: 2025 haben wir uns “janz domm” gefragt: Was sind Podcasts eigentlich? Gibt es eine Art ontologisches Ideal, nach dem Podcasts streben sollten? Wenn man sich die Wondery-Entscheidung anschaut, lautet die Antwort eindeutig: Nein. “Podcasts” sind wie “Fernsehen” eine breite Kategorie, der man mit einem einzelnen Begriff kaum noch habhaft wird. Sie sind Unterhaltung und Journalismus, Talkshow und Doku, Video und Audio, themengetrieben und personengetrieben, “always on” und abgeschlossen.

In seinem Buch Die Zukunft des Lesens, das ich im September mit Lucas Barwenczik in seinem Literaturpodcast Gelesen. besprochen habe, benutzt der Kulturwissenschaftler Christoph Engemann das Wort “Podcast” als “Container-Begriff” für alles, was er “Plattform-Oralität” nennt, und in dem er einen Nachfolger der Schrifttradition sieht: Audio-Only-Podcasts, lange YouTube-Essays, kurze TikToks und Reels, aufgezeichnete Interviews. Alles, in dem Menschen mit dem Publikum reden, wo sie vielleicht früher geschrieben hätten. Der Begriff “Podcast” bedeutet also längst für jeden etwas anderes.

Kein einheitlicher Qualitätsmaßstab

Und so ist es dann auch kein Wunder, dass Cathrin Jacob, die in der ARD Chefin der 2025 neu gegründeten Podcast Unit ist, mir diese Woche im Interview erzählt, dass es für ein Format wie Musste durch mit den Video-Creators Levi Penell und Fabian Rashagai, das sowohl als Audio- als auch als Videoformat verteilt wird, “überhaupt keine Frage”, war 

dass da auch ein Video-Element mit drin ist (…) wenn die visuell groß geworden sind und jetzt einen Podcast machen, dass wir dem auch Rechnung tragen und das mit anbieten. Das war, glaube ich, keine große Diskussion (…).

(Dass der Begriff “Fernsehen” ähnlich schwammig geworden ist, sieht man unter anderem daran, dass mein Auftraggeber bei LÄUFT, das Grimme-Institut, mit seinem prestigeträchtigen Fernsehpreis schon seit einigen Jahren nicht nur Streaming-, sondern auch YouTube- und TikTok-Formate (etwa Smypathisch) auszeichnet.)

Das alles ist nichts Neues, aber ich fand, dass es sich lohnt, es noch einmal festzuhalten. Wir sind nicht nur schon lange aus der Zeit raus, in der “Podcast” irgendwas mit RSS-Feeds bedeutete. Inzwischen hat sich das Feld der Angebote, die immer noch unter dem Begriff “Podcast” zusammengefasst werden, so diversifiziert, dass es völliger Quatsch ist, immer noch so zu tun, als ließen sich Podcasts irgendwie mit einem einzigen Qualitätsmaßstab bewerten.

Eine Studie mit drei Säulen

Hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang übrigens die an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften entstandene Studie “Designing Podcasts” (hat tip an den NAPS-Newsletter für den Hinweis). Diese versucht, Podcasts aus Hörenden- wie aus Produktionsperspektive zu kategorisieren, und landet bei einem Drei-Säulen-Modell mit den Kategorien “Story”, “Talk” und “Factual” (in Anlehnung an ein ähnliches Fernseh-Modell von Jennifer Mival, das von story-, talent- und format-driven ausgeht). Für jede der drei Kategorien trägt sie Best Practices zusammen.

Ich will mich hier nicht im Detail mit der Studie auseinandersetzen, und ich gehe davon aus, dass diese Art der Rubrizierung an den Orten, wo Podcasts produziert werden, längst Gang und Gäbe ist. Aber ich pflege ja, wie erwähnt, vor allem den kritischen Blick von außen. Und damit will ich endlich zu dem dieses Artikels kommen, der sich auf Basis dieser Grundsatz-Beobachtungen mit dem inhaltlichen Ergebnis des vergangenen Podcast-Jahrs beschäftigt.

Es gibt immer mehr Mittelmaß als Mut

Denn mein Kern-Betrachtungsfeld, die narrativen Podcasts, werden vor allem dann beachtenswert, wenn sie sich nicht nur in ihren gewohnten Bahnen bewegen, sondern Formen und Inhalte finden, die darüber hinausgehen. Wenn also ein Podcast eine journalistische Story erzählt und eine besondere Persönlichkeit als Erzähler:in vorweisen kann. Oder ein Factual-Format (was am ehesten noch den Geist des Radios atmet), sich nicht auf die reine Informationsvermittlung beschränkt, sondern auch dramaturgisch oder beim Sound Design auffällt.

Dieser Wunsch nach “mehr Mut” und “Experimentierfreude” wird immer wieder und überall gefordert. Sandro Schroeder hat sich im Hören/Sagen-Newsletter in seiner “Podcast State of the Union” dieses Jahr damit auseinandergesetzt, warum er glaubt, dass dieser heilige Gral in Deutschland gleichzeitig so aufgeladen ist und so schlecht erreichbar scheint. Bei der “So Many Voices”-Konferenz von hauseins in München war “Warum wir mehr spinnen sollten” dieses Jahr das Thema der Keynote. Ich war leider nicht vor Ort, aber jemand, der da war, drückte mir gegenüber privat hinterher seine Enttäuschung so aus: “Außer ‘Hey, macht doch mal crazy Moderation/Sounddesign/Struktur …’ und ein paar Beispielen aus US-Podcasts war da für mich zu wenig Substanz drin.”

Für mich als Kritiker ist das nicht verwunderlich. Ein großer Teil dessen, was medial produziert wird, ist selten schlecht, sondern Mittelmaß (darüber habe ich vor zehn Jahren mal mit Blick auf Filme geschrieben). Es ist passabel, erfüllt im Zweifelsfall seinen Zweck, lässt einen aber auch nicht aufhorchen. Und: Das ist okay.

Medienjournalistische True-Crime-Dramaturgie

Auch für narrative Podcasts hat sich – so ist das, wenn sich ein Format etabliert – eine Art Ideal-Formel herausgebildet, der die meisten heute folgen. Letztes Jahr hat das BR-Story-Team auf der “So Many Voices” sein dramaturgisches Template aus Erzählelementen und Wendepunkten vorgestellt, das verlässlich funktioniert, aber eben auch irgendwann abgegriffen wirkt, wenn man nach Neuem sucht. 

Im Kern steckt dahinter eine “True Crime Dramaturgie” wie Regisseur Leonhard Koppelmann das im Interview mit mir in LÄUFT ausgedrückt hat: Im Zentrum steht ein Mysterium, dem ein:e Ermittler:innen-Host durch ihre Recherche versucht, auf die Spur zu kommen. Die Recherche (und nicht etwa die freigelegte Information) ist der Bogen, der die Handlung strukturiert und dramaturgische Umschwünge möglich macht. Erzählt wird nicht nur von der Geschichte, die recherchiert wird, sondern auch vom Arbeiten der Rechercheurin. Inwiefern das schon Medienjournalismus ist (wofür ich lange plädiert habe), habe ich ebenfalls dieses Jahr in LÄUFT diskutiert.

Man kann es auch gut machen: Meine Highlights

Wenn diese Dramaturgie mittelmäßig bis schlecht verwendet wird, habe ich als Hörer häufig das Gefühl, ich werde unnötig lange hingehalten oder sogar betrogen. Aber genauso kann man es auch einfach gut machen – und manchmal reicht das. Mein Lieblingspodcast des Jahres ist so ein Fall. Obsessed: Döner Papers (BR/Kugel und Niere) geht dem Mysterium des Logos auf der Döner-Tüte nach – und seine Lösung stand bereits am Tag der Veröffentlichung in der Pressemitteilung und auf Social Media. Aber der Podcast ist trotzdem toll zu hören, weil Host Aylin Doğan auf ihrer Suche so viel mehr mit den Hörenden teilt: Die Geschichte des Döners in Deutschland, ihre eigene Identität als Gastarbeiter-Nachkommin, die auch in ihren Interviews spürbar wird, und historisches Wissen zu alten Druck- und Designtechniken.

Mir persönlich hat diese Form des Podcasts als Gefäß für “Personal Essays”, wie sie im US-Magazinjournalismus deutlich verbreiteter sind als in Deutschland, immer schon am besten gefallen. Ich schreibe deswegen etwas Ähnliches quasi jedes Jahr: Nicht nur die Recherchearbeit des Hosts sollte im Podcast hörbar werden, sondern auch seine Persönlichkeit, die die Recherche prägt. Das war auch in zwei weiteren narrativen Podcasts dieses Jahr der Fall, die mir gut gefallen haben: Azizam – die Revolution meiner Mama (funk/SWR/acb stories, Kritik in LÄUFT) mit Host Aida Amini und Greta – Die Geschichte eine Eskalation (SZ, Kritik in LÄUFT) von Vera Schroeder. Beide beleuchten im Kern Sachthemen – eigentlich auch ohne eine besonders bemerkenswerte “Story” mit Cliffhangern – aber wertvoll werden sie durch die persönlichen Reflexionen der Personen, die einen durch diese Themen hindurchführen.

Diese Verbindung von Informationsvermittlung und Gedanken des Hosts funktioniert auch episodisch. Das kann identitätspolitische Züge haben, wie in Alexander/Ali Gutsfelds Nicht mehr mein Land (BR), in dem er versucht, in einzelnen Begegnungen den Spuren des sogenannten Rechtsrucks in Deutschland nachzugehen. Es kann aber auch wissenschaftlich funktionieren, wie in Die vielleicht letzten Tage der Menschheit (Radio Bremen), in dem Host Jannis Funk, ausgehend von der Geburt seines eigenen Kindes, darüber nachdenkt, auf welche verschiedenen Arten unsere Spezies ausgelöscht werden könnte.

Wenn die Host nicht im Zentrum stehen soll

Wenn es nüchterner sein soll, wenn die persönliche Ebene des Hosts also keine so große Rolle spielt, finde ich immer wieder entscheidend, dass der Podcast sein Thema gut erklärt. Er muss die ausführliche Länge, die er zur Verfügung hat, nutzen, um wirklich die verschiedenen Ebenen freizulegen, die jeden Sachverhalt ausmachen, wenn er einen ganzen Podcast rechtfertigen soll. Als herausragende Beispiele dieser Bauart habe ich 2025 Teurer Fahren (detektor.fm/RBB/SWR), Durchgefallen (SWR) und Wolf of Cannabis (1LIVE, Kritik in LÄUFT) gehört. Alle drei Podcasts schaffen es, zu zeigen, dass ihre Themen – Bahnsanierung, Schulsystem, Cannabis-Legalisierung – kompliziert und vertrackt sind, dass es keine einfachen Lösungen gibt, aber dass es dennoch möglich ist, sich einen Weg durch das Dickicht zu bahnen und hinterher schlauer zu sein.

Aber nichts davon ist gesetzt. Im Zweifel braucht es gar keinen Host, es reicht auch eine fähige Sprecherin oder ein fähiger Sprecher. Tech Bro Topia (DLF) ist im Grunde ein sechsteiliges Feature, erzählt aus neutraler Perspektive, ohne Reporter:in im Feld, aber gut strukturiert und mit kernigem Sound- und Musikdesign angereichert. Auch der episodische Podcast Unfassbar (Simplicissmus) hat diese Form meiner Ansicht nach gut gemeistert, auch wenn er manchmal etwas zu grandios daherkommt. Dass es auch ganz ohne Erzählstimme geht, haben sehr eindrücklich die Leftovers (Kugel und Niere) bewiesen.

Ich habe bei weitem nicht alle Podcasts gehört, die dieses Jahr in Deutschland erschienen sind, geschweige denn in allen Sprachen, die ich spreche (gerne Empfehlungen für tolle niederländische Podcasts in die Kommentare!). Deswegen ist das alles natürlich nur ein Blick durch das Schlüsselloch auf die weite, breite Podcastlandschaft. Wenn ich es schaffe, im Dezember noch ein paar gelobte Podcasts nachzuholen (DNA des Ostens, zum Beispiel, interessiert mich sehr), werde ich darüber wie gewohnt in den “Höreindrücken” berichten.

Sind Podcasts Hörbücher?

Aber lasst mich die Klammer von vor 11.000 Zeichen am Anfang dieses Posts mit Bezug auf narrative Podcasts noch zumachen: Amazon hat die verbliebenen narrativen Podcasts zu Audible geschoben. Für mich klang das wie ein erstaunlich logischer Schritt. Audible vertreibt Hörbücher. Und Podcasts und narrative Sach-Hörbücher sind einander sehr nah. Die US-Podcastfirma Pushkin Industries vertreibt, zum einzeln kaufen, seit Jahren unter dem Namen “Audiobooks”, was man genauso gut Podcast nennen könnte (ich habe dieses Jahr eins über Douglas Adams gehört, was ich aber nicht gut fand). Das oben erwähnte “Tech Bro Topia” ließe sich wahrscheinlich problemlos auch als Buch lesen.

Aber Sachbücher sind natürlich auch nicht gleich Sachbücher. Auch dort gibt es persönliche und unpersönliche Varianten, story- und erklärgetriebene Stoffe. Ähnlich sieht es im anderen Medium aus, das dem narrativen Podcast verwandt ist, dem Dokumentarfilm. Auch hier gibt es Filme, in denen die Filmemacherin eine tragende Rolle spielt und solche, in denen sie nur “Fly on the Wall” sind. Es gibt Filme mit Voiceover und ohne, und dieser Voiceover kann von der Autorin oder von Morgan Freeman stammen. Und natürlich gibt es in beiden Medien gute und schlechte Exemplare in allen Formen. Ein platonisches Ideal gibt es nicht.

Viele kleine gute Dinge

Zu guter Letzt möchte ich noch einige weitere Formate und Ideen aufzählen, die mir positiv aufgefallen sind, aber oben nicht reingepasst haben. PJ Vogts Search Engine ist mir über die Jahre erstaunlich ans Herz gewachsen. Viele Folgen sind inzwischen nur noch Gespräche mit anderen Journalist:innen, in denen diese ihre Recherchen nacherzählen, aber Vogt fügt auch immer noch seine eigenen Gedanken dazu, unabhängig vom Interview. Diese Art von Analyse, gestärkt durch die parasoziale Beziehung zum Host, finde ich herausragend. Ein bisschen habe ich mich davon in der LÄUFT-Episode zu Pen&Paper in der ARD inspirieren lassen. Und ich finde auch, dass Marina Weisband das in ihren Audio-Essays Wind und Wurzeln gut macht (wenn auch ohne Interview, Kritik in LÄUFT).

Wie Susan Burton die zweite Staffel von The Retrievals wie ein Drehbuch für eine Krankenhaus-Serie strukturiert hat, inklusive Beschreibung der Kamerafahrten, wurde ausführlich gelobt und besprochen, aber es ist auch tatsächlich einzigartig. Der Podcast War da was? von der Zeit ist im Grunde zwei Podcasts in einem, kurze Chronik-Folgen und lange Interviews, was ich ebenfalls eine richtig gute Idee fand (Kritik in LÄUFT). SWF3 – Das Phänomen ist Podcast als Archivarbeit, ein oft eher unterbeleuchteter Aspekt des Mediums. Wild Card, ein NPR-Podcast, den es schon seit 2023 gibt und in dem Promis die Fragen, die ihnen gestellt werden, per Zufall bestimmen, ist ebenfalls ein gutes Format – was aber auch und vor allem an der charismatischen Host Rachel Martin liegt. Shell Game ist auch in Staffel 2 bisher sehr hörenswert – was ebenfalls vor allem an Autor Evan Ratliff liegen dürfte. Our Ancestors Were Messy schließlich ist eine sehr gelungene Mischung aus Geschichtsstunde und Gossip-Unterhaltung.

Ergänzung: Wer tiefer in die “Designing Podcasts”-Studie aus Praxis-Sicht einsteigen möchte, dem empfehle ich dieses Interview von Valerie Wagner mit Cheyenne Mackay, die als “Praxispartnerin” die Studie begleitet hat.

Nachtrag, 3. Januar: Das Thema “Was ist eigentlich ein Podcast/Sollten wir das Wort weiter benutzen?” zieht weiter seine Kreise. Andru Marino hat in einem Artikel bei The Verge vorgeschlagen, insbesondere für Videopodcasts einfach das Wort “Show” zu verwenden.

Foto von Luke Jernejcic auf Unsplash

Höreindrücke: Nice & Nötig, Deep State, Unsere Franzi, Wolf of Cannabis

Nice & Nötig – Der Podcast für gute Ideen (Übermedien)

Ich bin begeisterter Leser von Annika Schneiders Artikeln und mag sie auch persönlich. Es ist also kein Wunder, dass sie sich hier auch als gute Interviewerin zeigt. Vom Konzept des Podcasts bin ich dennoch nicht ganz überzeugt. Die Gespräche sind nicht so zielgerichtet, wie sie sein könnten, vor allem wenn die Interviewpartner:innen nicht ganz mitmachen (wie in der ersten Folge). So kommen die „guten Ideen“ aus dem Titel nicht so klar raus, wie ich sie mir gewünscht hatte. Außerdem habe ich etwas an der Distribution zu mäkeln: Holger Klein hat im regulären Übermedien-Podcast schon zweimal angekündigt, dass „Nice & Nötig“-Folgen in „seinem“ Feed auftauchen würden, das ist aber nicht passiert. Schade, wenn redaktionelle Abstimmung so schiefläuft.

Hateland: Deep State (WDR)

Obwohl ich das Thema für sehr relevant halte und gerne mehr darüber erfahren hatte, bin ich hier nicht reingekommen. Wenn Sachverhalte erklärt wurden, war ich an Bord, auch mit dem Ton des Podcasts. Aber immer wenn ich dann dem Reporter und seinem Hund wieder auf Recherchetrips folgen musste, fühlte sich das an wie nicht sehr ergiebiges Füllmaterial. Fast schon unlauter fand ich es, am Ende von Folge 1 einen großen Fund in Folge 2 anzuteasern, der sich dann als Luftnummer entpuppt.

Unsere Franzi — Being Franziska van Almsick (ARD)

Zu meckern habe ich hier eigentlich nur an dem merkwürdigen Doppeltitel, der sich auf den ohnehin überflüssigen englischen Titel der TV-Reportage bezieht, aber dann aus irgendeinem Grund noch einen draufsetzen musste. Ansonsten eine sehr dicht erzählte Doku, die den Zugang zu seiner Protagonistin voll ausnutzt ohne dabei journalistische Distanz vermissen zu lassen. Und mit vier Folgen angenehm überschaubar.

Wolf of Cannabis (1LIVE)

Hier stimmte alles, fand ich. Die Reportage-Elemente sind nicht nur Schmuck, sondern helfen tatsächlich dabei, Thema und Protagonist runder zu machen. Das Host-Team macht seine Arbeit transparent und zeigt gleichzeitig klare Haltung. Das Thema ist in seiner Komplexität gut aufgedröselt und nimmt sich die Dimensionen einzeln vor, ohne das große Ganze zu vergessen. Ausführliche Kritik in der nächsten Ausgabe von LÄUFT.