Colour Grading – der Loudness War der Filmindustrie

Ich habe in diesem Blog schon öfter über die Chancen und Risiken des Colour Grading gesprochen. Diese Technik erlaubt es, einen Film komplett in den Computer zu scannen und dort jedes Bild in seinen Farben und Helligkeiten so individuell zu bearbeiten wie ein Photoshop-Datei.

Im positiven Sinne sind damit Effekte möglich, die einen Film optisch in eine komplett andere Welt verschieben können. Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie hat das nach wie vor am eindrucksvollsten vorgemacht. Besonders im fantastischen Kino allerdings ist die Technik auch ein wenig zu einer Plage geworden. Filme sind so stark farbverändert, dass sie wirken, als wären sie vollständig im Computer entstanden. Sie wirken zum Teil wächsern und leblos.

In einem besonders guten Rant hat sich der Cutter Todd Miro in seinem Blog Into The Abyss jetzt des Colour Gradings angenommen. Er beschwert sich besonders über die unnatürliche Gegenüberstellung von orangenen Hauttönen und aquamarinen Umgebungen. In einem Zweiten Artikel wiederholt er seine Argumentation.

Miro führt einen weiteren interessanten Punkt an, nämlich dass dieser Look die Filme der letzten Jahre so stark geprägt hat, dass es ein Trend sein könnte, der in der Zukunft als ein typisches Merkmal der Zeit gelten könnte, nicht unbedingt nur positiv (ähnlich wie die Technicolor-Orgien des frühen Farbfilms oder der Weichzeichner-Look der Siebziger).

In den Kommentaren zu Artikel zwei wird zudem ein cleverer, und wahrscheinlich zutreffender Vergleich mit dem Loudness War in der Musikindustrie gezogen. Neue digitale Möglichkeiten werden so lange übertrumpft, bis die Qualität des künstlerischen Produkts leidet.

Anmerkung: Kurze Kommentar-Artikel ohne eigene Analyse wie dieser oder der letzte wird es auch weiterhin nur selten bei Real Virtuality geben. Stattdessen werde ich diese Woche wieder ein wöchentliches Link-Feature starten, ähnlich der Worte zum Wochenende.

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