Avengers – Die ziehen das durch


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Ich bin einfach nur baff. Obwohl mich die Comics weder großartig interessieren oder ich viel über sie weiß, verfolge ich die Pläne von Marvel, 2012 einen Film der “Avengers” ins Kino zu bringen, jetzt schon eine Weile und wollte schon länger darüber bloggen. Auf der ComicCon hat Marvel jetzt den kompletten Cast des geplanten Films mit dem voraussichtlichen Regisseur Joss Whedeon gemeinsam auf die Bühne gebracht und mir ist echt die Kinnlade runtergefallen: Robert Downey Jr. (Iron Man), Chris Evans (Captain America), Chris Hemsworth (Thor) und Mark Ruffalo statt Edward Norton (Hulk), dazu Sam Jackson (Nick Fury), Scarlett Johansson (Black Widow), Clark Gregg (Agent Coulson) und Jeremy Renner (Hawkeye).

Franchises faszinieren mich. Meinem Gefühl nach hat es seit den Dreißigern keinen so großen Erfolg von seriellen Filmen in einem so dichten Abstand mehr gegeben wie in den letzten zehn Jahren. Die wichtigsten Reihen wurden inzwischen alle rebootet um sie ans neue Zeitalter anzupassen, andere bekommen jetzt späte Fortsetzungen (ein Thema für einen weiteren Blogpost demnächst), um sie wieder auf die Beine zu bringen und neue Spin-Offs in Stellung zu bringen. Ein erfolgreiches Franchise bedeutet die Lizenz zum Geld drucken und zum Geld ausgeben. Man muss sich nur mal anschauen wie völlig überladen (und trotzdem unglaublich erfolgreich) Teil 2 und 3 von Pirates of the Caribbean waren, um zu sehen, was ein Franchise erreichen kann.

Und jetzt das: Der ganze Aufwand steuert auf ein großes Finale zu. Ein Reboot von The Incredible Hulk nach nur einem FIlm. Versteckte Szenen am Ende von Hulk und Iron Man. Eine komplette zusätzliche Storyline in Iron Man 2. Alles um jetzt noch Thor und Captain America nachzuschieben und dann alle vier Helden gemeinsam in einen Film zu verfrachten. Diese Erwartungen möchte ich nicht erfüllen müssen.

Mir fällt kein anderes Beispiel ein, das im Kino jemals so viel Crossover-Aufwand betrieben hat. Vereinzelt haben Schauspieler bekannte Rollen aus anderen Filmen in verwandten Reihen “reprised” (man denke an Star Trek: Generations) und im vergangenen Jahr gab es beispielsweise im europäischen Krimi-Fernsehkino eine interessante Zusammenarbeit von “Soko Leipzig” und “The Bill”, hier aber haben wir es mit deutlich mehr zu tun:

Fünf Filme von vier verschiedenen Regisseuren werden zu einem Ganzen zusammengestrickt. Das Kino scheint auf “kleinerer” (weil weniger komplizierter) Ebene aber größerer Leinwand den Erfolg von ausgeklügelten Serien wie “Lost” (und seiner Vorgänger “The X-Files” und “Twin Peaks”) kopieren zu wollen, die es sich ebenfalls erlauben, viele Seitenpfade zu betreten ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Ich bin gespannt ob es ihm gelingt.

Interessant wird auch, ob so eine Armada von Stars bereit sein wird, sich nach großen Solo-Auftritten in einem Ensemble-Film unterzuordnen. Zum Vergleich stelle ich mir immer vor, es hätte in den Vierzigern eine Verfilmung der League of Extraordinary Gentlemen mit Helen Chandler (Mina Harker aus Tod Brownings Dracula (1931)), Cedric Hardwicke (Quatermain aus King Solomon’s Mines (1937)), Fredric March (aus Ruben Mamoulians Dr. Jeckyll and Mr. Hyde (1931)) und Claude Rains (The Invisible Man von James Whale) geben können, eventuell noch mit Lyn Harding als Professor Moriarty.

Ein Franchise hat bisher bewiesen, dass die konsequente Serialisierung in Blockbuster-Filmen funktionieren kann. Die Harry-Potter-Filme kommen in insgesamt acht Filmen mit der gleichen Besetzung aus (wenn man von der Umbesetzung Dumbledores durch den Tod von Richard Harris absieht) und all die großen englischen Schauspieler, die im ersten Film noch richtig wichtig waren, finden sich inzwischen damit ab, ein- bis zweimal durchs Bild zu laufen, während ein immer neues Nachladen von Stars (Ralph Fiennes, Jim Broadbent, Brendan Gleeson, Imelda Staunton) ihnen die Schau stiehlt. Diese Kontinuität, die auch das Aufwachsen-vor-unseren-Augen der drei Hauptdarsteller miteinschließt, gab es vorher wohl nur im Fernsehen (bei James Bond jedenfalls nicht).

Ich bin sehr gespannt, ob die Avengers das gleiche Level erreichen können. Und ich frage mich, ob uns noch mehr so interessanter Crossovers bevorstehen. In den Comics gab es ja sowohl DC/DC als auch Marvel/DC-Crossovers – und zumindest ein Superman/Batman-Film wäre doch eine sehr interessante Aussicht.

Und wie wäre es denn, wenn Indiana Jones im fünften Film durch ein Zeitportal ginge und sich plötzlich im Jurassic Park wiederfände. Steven Spielberg würde den Quatsch doch bestimmt mitmachen.

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