Letztes Jahr habe ich noch geschrieben, dass Filme in meinem Leben weniger wichtig geworden sind. Für 2025 kann ich das nicht behaupten. Zum jetzigen Zeitpunkt, zwölf Tage vor Ende des Kalenderjahres, habe ich bei Letterboxd 75 Filme geloggt – anderthalbmal so viele wie 2024. Der Grund ist eine Mischung aus Lebensumständen und bewusster Entscheidung:
Ich zähle 29 Kinobesuche für 2025, genauso viele wie im Vorjahr. An freien Abenden ins Kino zu gehen, gehört nach wie vor zu meinen Haupt-Freizeitbeschäftigungen, weil es einfach ist. Filme laufen jeden Tag, und ich gehe meistens alleine. Der Unterschied kommt durch andere Faktoren: Statt Serien zu verfolgen, habe ich mich dieses Jahr immer öfter entschieden, abends einfach einen Film zu gucken – notfalls in zwei Teilen. Außerdem ist mein Kind inzwischen alt genug, dass es selbst gerne Filme schaut. Wir haben Mitte des Jahres einen regelmäßigen Filmnachmittag am Wochenende etabliert, und sogar einige Kinobesuche waren möglich.
Ich glaube, 2025 war ein gutes Filmjahr. Ich hatte zumindest keine Schwierigkeiten, zehn Filme für eine Top 10 auszuwählen und erinnere mich auch, oft genug zufrieden aus dem Kino zu kommen. Blockbuster, etwa Superheldenfilme, habe ich häufig bewusst ausgespart und mich stattdessen auf Filme konzentriert, von denen ich mir mehr versprochen habe.
Überraschung und Überwältigung
Die größte Überraschung war dann aber doch ein Film, über den ich im Vorfeld quasi gar nichts wusste, außer dass er plötzlich in meinem Letterboxd-Stream überall zu sein schien. Ryan Cooglers Sinners (“deutscher” Titel Blood and Sinners) war dann aber ein so wilder Ritt durch Musik, Horror und Identitätspolitik, dass er mich im besten Sinne überwältigt hat. Es ist nie fair, dass Überraschung und Überwältigung in der Erinnerung schwerer wiegen als abwägende Analyse. Aber wenn ich auf ein Jahr zurückblicke, sind es immer eher diese emotionalen Erinnerungen, die von Dauer sind, und deswegen blieb Sinners von April bis jetzt mein Film des Jahres.
Auf den restlichen Plätzen findet sich deswegen auch eine Mischung aus intellektuellen und emotionalen Stimulierungen. Sentimental Value fällt sicher eher in die erste Kategorie – ein Film, den ich vor allem sehr clever durchdacht und gezeichnet fand, vor allem in seinen Figurendynamiken. Kathryn Bigelows A House of Dynamite hingegen ist trotz seiner verarbeiteten Ideen über Entscheidungsapparate und Kommunikation im Herzen pures Affektkino und hat als solches auch bei mir gewirkt.
Ich habe mich sehr gefreut, dass Danny Boyle und Alex Garland dieses Jahr mit ihrer “28”-Reihe zurückgekehrt sind und gezeigt haben, dass nicht alle spät entstehenden Sequels auch Legacy-Sequels sein müssen (was ich ausführlich mit Sascha im “Pewcast” besprochen habe). Der Animationsfilm Flow war mir aufgrund seiner filmischen Raumgestaltung im März sogar einen Blogartikel wert und ist ein guter Kandidat für einen Rewatch mit Kind.
Echtzeit-Dramatik am Arbeitsplatz
Eine ähnliche Einheit von Raum und Zeit findet sich auch in Heldin und September 5. Echtzeit-Dramatik am Arbeitsplatz scheint, siehe A House of Dynamite, also ein verstecktes Leitmotiv dieses Jahres zu sein. (Gleichzeitig ist Heldin ein Kandidat für den blödesten Titel des Jahres. Der internationale Titel Late Shift gefällt mir viel besser).
Das brasilianische Kino hatte, wie auch vor kurzem von Thomas Abeltshauser in epd film porträtiert, ein gutes Jahr. Deswegen freut es mich, dass mich auch zwei brasilianische Filme begeistern konnten, nachdem ich zuvor quasi keine Berührung mit dem Land hatte (City of God mal ausgenommen). Und während I’m Still Here (Für immer hier) auch wieder eher eine emotionale Reise darstellte (ich habe sehr lange danach noch Lieder aus dem Soundtrack immer wieder gehört), war The Secret Agent die Art Film, von dem ich nicht sofort wusste, wie gut ich ihn fand, der mich aber deutlich länger hat nachdenken lassen.
Erwähnungen und Caveats
Ich reserviere mir in dieser Art Listen traditionell Platz 10 für eine “Wild Card”. Pumuckl und das große Missverständnis wird sich sicher auf wenigen anderen Listen wiederfinden. Aber ich hatte so ein positives Kinoerlebnis gemeinsam mit meinem Kind und war so angetan davon, wie unaufgeregt und dennoch emotional stimmig Marcus H. Rosenmüller seine kleine große Geschichte erzählt, dass ich kein Problem damit hatte, auf diese Weise The Mastermind aus der Top 10 zu schubsen, dem ich hiermit eine lobende Erwähnung zukommen lassen möchte.
Für viele vermutlich sichtbar abwesend von dieser Liste ist One Battle After Another, den ich zwar gesehen und geschätzt habe, der mich aber insgesamt völlig kalt gelassen hat, wie – das muss ich inzwischen zugeben – eigentlich jeder Film von Paul Thomas Anderson seit Punch-Drunk Love. Dass ich auch mit In die Sonne Schauen nicht warm wurde, habe ich aufgeschrieben. Mit Sorry, Baby ging es mir ähnlich, wobei ich nicht hoffe, dass daraus bei mir eine Aversion gegen weibliches Trauma spricht.
Und es gilt der übliche Disclaimer, dass ich viele Filme auch einfach nicht gesehen habe, sei es aus Zeit-, sei es aus Interessensgründen, darunter Eddington, Bugonia, Frankenstein, Sirât und Ein einfacher Unfall – wobei ich zumindest die letzten beiden gerne noch nachholen möchte.
Et voilá, hier ist eine Liste und hier ist eine Liste auf Letterboxd.
- Sinners
- Sentimental Value
- A House of Dynamite
- 28 Years Later
- Flow
- Heldin
- September 5
- Für immer hier
- The Secret Agent
- Pumuckl und das große Missverständnis
Bild: Constantin Film

One thought on “Lieblingsfilme 2025”