Die Lieblingsschülerin (DLF Nova)
Sehr bitteres Thema (sexuelle Übergriffigkeit durch Lehrer), sehr gut, holistisch und vor allem sachlich, ohne unnötige dramaturgische Zuspitzungen, erzählt, mit einem Ende, das einen angemessenen Abschluss eines Erzählstrangs bietet, ohne das dahinterstehende Problem als geklärt darzustellen. Nicht ganz erschlossen hat sich mir, warum genau diese drei Protagonistinnen und ihre Erlebnisse (die sich vor allem am Anfang nicht immer leicht trennen ließen) ausgewählt wurden. Sind sie exemplarisch für bestimmte Ausprägungen oder waren es einfach die Personen, die bereit waren, zu sprechen? Hier wäre mir etwas redaktionelle Erklärung lieb gewesen.
Ab in den Urlaub: Der Crash des Internet-Imperiums UNISTER (Studio Soma/Zimmer und Zirk/MDR)
Eine Geschichte, über die ich vorher nichts wusste, in angenehmerweise mal nur drei Episoden erzählt. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass die Story während des Erzählens oft in unterschiedliche Richtungen zieht und es dem Team nicht immer leicht fällt, sie zusammen- und auf Kurs zu halten. Das wird am Ende sogar reflektiert: Geht es um das Unternehmen, den Menschen Thomas Wagner oder den Wirtschaftskrimi? Generell: Die letzten 15 Minuten, in denen laut darüber nachgedacht wird, was man eigentlich von allem zu halten hat, waren mit das Beste am Podcast. Aber vorher gibt es auch genug zu hören, das sich lohnt.
Kulturschock (ACB Stories/MDR)
Auf diesen Podcast habe ich gewartet! Ich bin seit langem der Meinung, dass Promi-Interviews sofort 200 Prozent besser werden, wenn die Promis nicht nur über sich selbst reden müssen. Dass sie hier ein Kulturthema mitbringen, das sie bewegt und dass sich Hendrik Bolz vorher sogar selbst Gedanken dazu gemacht hat (klingt absurd, das herauszustellen, aber es ist keine Selbstverständlichkeit), ist einfach super zu hören. Dass die ersten beiden Gästinnen Frauen sind, ist auch ein wertvolles Statement. Nehme ich in meine feste Rotation auf.
Imperium: Die RTL-Story (Studio Jot)
Ich kannte das Konzept von “Imperium” bisher nicht, und ich gebe zu, dass es mich etwas fertiggemacht hat. Höchsten Respekt vor den beiden Sprecher:innen, dass sie in so viele Rollen schlüpfen (ich habe erst am Ende der ersten Folge überhaupt kapiert, dass ich die ganze Zeit nur zwei Personen zugehört habe) und dass Szenen genutzt werden, um die Story biopic-mäßig zu erzählen, aber das ständige Einbauen von Exposition in diesen Szenen, in denen Menschen Dinge sagen, die das Gegenüber bereits weiß, ist leider eins meiner am meisten gefürchteten Klischees. Es war angenehm, die Historie von RTL noch einmal so kompakt erzählt zu bekommen, aber ich hätte wahrscheinlich lieber einen Artikel gelesen.
