Drei Minuten vor zwölf

Als jemand, der Anfang der 1980er Jahre geboren wurde, hatte ich Zeit meines Lebens Schwierigkeiten damit, das Lebensgefühl dieser Dekade nachzuempfinden – bis vor einigen Jahren, als der Zeitgeist plötzlich wieder zu passen schien. Warum das so sein könnte, darauf legen andcompany&Co. in ihrem Hörspiel, das auch als Theaterstück schon durch Deutschland getourt ist und den unmerkbaren Namen WARPOP MIXTAKE FAKEBOOK VOLXFUCK PEACE OFF! ‘Schland Of Confusion trägt, eigentlich ganz gut den Finger: Angst.

Die “Doomsday Clock”, die Weltuntergangsuhr, die die Gefahr der globalen Bedrohung anzeigt, ist 2015 wieder auf drei Minuten vor zwölf vorgestellt worden, zum ersten Mal seit 1984. Das nimmt die Performance-Gruppe zum Anlass, um wie mit einem riesigen Schaufelbagger die kulturellen Artefakte von damals aufzuklauben, sie über dem Heute wieder abzuwerfen und in einem akustischen Thermomix kräftig mit der momentanen Stimmung zu verquirlen. In einer fiktiven Radiosendung stellt die fiktive Band “Die Schlitz” ihr Album “Schewenborn” vor, benannt nach Gudrun Pausewangs 1983 erschienenem Anti-Atomkriegsroman Die letzten Kinder von Schewenborn, der seinerseits in einer fiktiven Kleinstadt spielt.

Was es Mitte der 80er nicht alles gab. James Camerons Film The Terminator, in dem eine Maschine aus der postapokalyptischen Zukunft Jagd auf eine Frau macht, Pseudo-Protest-Pop wie Genesis’ Land of Confusion, Midnight Oils Beds are Burning und Ultravox’ Dancing With Tears in My Eyes. Heckscheiben-Aufkleber gegen AKWs und Waldsterben. Friedenskonzerte mit Udo Lindenberg. Und George Orwells drohendes Menetekel in Form eines Romantitels.

Weiterlesen in epd medien 41/2016

WARPOP MIXTAKE FAKEBOOK VOLXFUCK PEACE OFF! ‘Schland Of Confusion in der WDR-Mediathek

One thought on “Drei Minuten vor zwölf”

Leave a Reply

Your email address will not be published.