Im Außendienst

Ich habe das Internationale Trickfilmfestival Stuttgart nicht nur hier im Blog mit Podcasts begleitet, sondern unter dem Titel “Im Außendienst” auch mit einem täglichen Bericht auf kino-zeit.de. Hier die Links zu allen Berichten.

Tag 1

Eröffnungsveranstaltungen von Filmfestivals erkennt man häufig daran, dass man im Kino von Menschen umgeben ist, die so aussehen, als würden sie sonst sehr selten ins Kino gehen. Und obwohl sich die Organisatoren ernsthaft Mühe geben, den Eitelkeitsfaktor gering zu halten: das Internationale Trickfilmfestival Stuttgart (ITFS) ist keine Ausnahme. Die Förderstrukturen der Kunst fordern ihren Tribut und so muss man sich eine Weile durch die Worthülsen von Moderatoren (“Andreas Dresens Film Wolke Acht”), Politikern (“Wir wollen bewährte Qualität, aber auch Neues”) und Sponsoren (“Das beste aus 128 Jahren Automobilgeschichte”) beißen, bevor man zum Fleisch des Abends, den Filmen, vordringt. Weiterlesen …

Tag 2

Festivals, die wie das Trickfilmfestival Stuttgart statt auf unnahbaren Glamour auf direkten Kontakt zwischen Filmmemachern und Publikum setzen, haben Vorteile. Einer ist sicherlich, dass sich dem neugierigen Besucher die Gelegenheit bietet, überlieferte Mythen der Filmproduktion zu hinterfragen und mit neuen Augen zu sehen. Wer sich in seinem Leben schon einmal etwas näher mit Animationsfilm auseinandergesetzt hat, dürfte zum Beispiel an dem Satz “Animatoren sind Schauspieler” nicht vorbeigekommen sein. In jeder “Hinter den Kulissen”-Doku streift die Kamera mal durch das Studio und fängt einen dieser Animatoren ein, wie er Grimassen im Spiegel zieht, bevor er den (heute meist virtuellen) Stift auf Papier setzt. Weiterlesen …

Tag 3

Es ist eine der herausragenden Eigenschaften von vielen animierten Filmen, dass es ihnen gelingt, eine Geschichte ganz ohne Worte zu erzählen. Charaktere sprechen Kauderwelsch-Sprachen, verständigen sich mit Geräuschen oder bleiben sogar völlig stumm. Vielleicht kommt genau daher das Verlangen von Veranstaltern wie dem ITFS, die Räume zwischen den Filmen gnadenlos zuzuquatschen. Was noch verständlich anmutet, wenn der Filmemacher anwesend ist und zum Geleit seines Films auf die Bühne kommt, wird zur Farce, wenn der Moderator einen vielleicht vierminütigen Kurzfilm, den man unmittelbar anschließend sieht, zuvor schon in mehreren Sätzen zusammenfasst. “Hör auf zu spoilern!” möchte man da als Internetbürger ausrufen – oder zumindest twittern. Weiterlesen …

Tag 4

Es ist eine Schande, dass man sich noch so weltoffen geben kann, und doch immer wieder in die Untiefen seiner eigenen Vorurteile tritt. Da habe ich gerade den japanischen Film “Giovanni’s Island” gesehen, in dessen Geschichte es nicht zuletzt auch um Völkerverständigung geht. Ich habe erlebt, wie Drehbuchautor und Produzent Yoshiki Sakurai sich anschließend in makellosem Englisch den Fragen des Publikums gestellt hat. Und doch habe ich vor meinem Interview mit ihm irgendwie Hosenflattern, weil ein kulturelles Klischee besagt, dass man aufpassen muss, “den Japanern” nicht zu nahe zu treten. Weiterlesen …

Tag 5

Wer sich nur marginal für Animationsfilme interessiert, sollte einmal im Leben Bill Plympton live erlebt haben. Der Star der Independent-Animation-Szene weiß, dass er einer ist, und präsentiert sich auch so. Vor der Vorführung seines neuen Langfilms Cheatin` ließ er sich nur kurz ankündigen, dann stiefelte er in seinen knallgelben Shorts nach vorne, nahm dem Moderator das Mikrofon aus der Hand und predigte erstmal zehn Minuten sein Evangelium: Bill Plympton sei das Gegenteil von Disney, er sage, was er will und sei verdammt nochmal unbarmherzig in seiner künstlerischen Vision. Applaus. Weiterlesen …

Schlussbetrachtung

Dem Animationsfilm geht es gut. Dieses Eindrucks kann man sich nach fünf Tagen auf einem Trickfilmfestival nicht verwehren. Zumindest wenn man sich vor allem für Langfilme interessiert, die irgendwann den Weg ins Kino oder wenigstens auf den Heimvideomarkt finden, sieht man sich heute einer Auswahl gegenüber, von der man noch vor zehn bis 15 Jahren nur träumen konnte. Das ist auch gut für die Branche, weil viel Produktion natürlich auch zu mehr Arbeitsplätzen führt. Fast jeder, mit dem ich im Laufe des ITFS gesprochen habe, hat mir diese Ansicht bestätigt – von den Geschäftsführern des Festivals – die natürlich von Amts her verpflichtet sind, Dergleiches zu sagen – bis zum Animationshistoriker Paul Wells. Weiterlesen …

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