Höreindrücke: Shell Game, Die Welt der Klänge, Hörzu und ab geht’s, Die Medienhölle

Shell Game (Staffel 2) (Kaleidoscope/iHeart)

Evan Ratliffs narrativer “Selbstversuche mit KI”-Podcast geht weiter, und auch die zweite Staffel, in der Ratliff ein Unternehmen aus KI-Agenten aufbaut, lohnt sich für sein präzises Nachdenken über die Arbeitswelt und unser merkwürdiges Verhältnis zu menschlich wirkenden Programmen. Die Technik in “Shell Game” ist wahrscheinlich schon teilweise wieder veraltet, aber der Podcast kann auch helfen, auf Phänomene wie “Moltbook” mit kritischen Augen zu blicken. Etwas merkwürdig finde ich nur die Entscheidung, ausführlich die Geschichte einer Praktikantin in Folge 7 zu erzählen, zu der kein Kontakt mehr besteht. Rechtlich vermutlich alles sauber, aber journalistisch auch integer? Was denken die, die es auch schon gehört haben?

Die Welt der Klänge (Uni Mainz)

Hier bin ich alles andere als unparteiisch, da ich mit Produzent und Co-Host Christian Conradi befreundet bin. Aber von allem, was ich bisher gehört habe, finde ich, dass es wirklich ein schönes und lohnenswertes Projekt geworden ist. Von Folge zu Folge werden ganz unterschiedliche Aspekte von Klang aus einer zugänglichen Fachperspektive beleuchtet, und auch wenn immer wieder zu hören ist, dass Co-Host Peter Kiefer kein Sprech-Profi ist, habe ich in jeder Folge etwas gelernt und mich auch einfach immer wieder gefreut, dass das Medium Podcast für diese Art von Wissensvermittlung genutzt wird. Gerade für das Thema “Klang” kann ich mir kein besseres vorstellen.

Hörzu und ab geht’s (Hörzu)

Hier bin ich mir wirklich verschaukelt vorgekommen. Ein Podcast, der verspricht, mir etwas über Reisen zu berühmten Drehorten zu erzählen und dann zu 90 Prozent aus hundertfach ähnlich gehörten fluffigen Lifestyle-Promi-Interviews besteht, mit ein bisschen generischem Reisetipp-Text im Anschluss. Ich bin vermutlich einfach nicht die Zielgruppe, aber: wer ist es dann?

Die Medienhölle (Indie)

Ich habe großen Respekt davor, dass Jörg Wagner nach seinem Ende beim RBB einfach seinen Stiefel auf eigene Faust weiter durchzieht, in gewohnt hoher journalistischer Qualität und mit bemerkenswerten Bonus-Anreicherungen aus dem Archiv. Aber das etwas verbittert-zynische “Alles geht den Bach runter”-Framing, das schon Teile seines Abschieds begleitet hat, und sich hier allein durch den Titel weiterzieht, macht mir auf Dauer schlechte Laune und ich halte es auch nicht für produktiv. Daher wohl eher kein Weiterhör-Kandidat für mich.

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