Blogosphären-Hinweis (II): Mr. Vincent Vegas Filmecke

Wer mein Blog liest, weiß, dass ich eine bestimmte Form von Filmjournalismus besonders goutiere, vielleicht auch, weil sie mir selbst am besten liegt. Statt jeden Film zu “kritisieren”, zu zerlegen und zu deuten, picke ich mir lieber einzelne Aspekte von Filmen heraus, forme sie zu einer These, spitze diese noch ein bisschen zu, und schreibe von dort aus los – auf der Suche nach Trends, Merkwürdigkeiten und Besonderheiten.

Der einzige andere Autor der deutschen Film-Blogosphäre, der mir bisher mit einer ähnlichen Taktik untergekommen ist, ist Rajko Burchardt. Er ist nicht nur nachgerücktes Mitglied der Fünf Filmfreunde und betreibt sein eigenes Blog namens “From Beyond”, sondern er veröffentlicht auch eine regelmäßige Kolumne auf “moviepilot.de” unter dem Künstlernamen “Mr. Vincent Vega” (die Alteren erinnern sich, das ist der Name von John Travoltas Charakter in Pulp Fiction).

Hier pickt sich Rajko jede Woche ein Thema heraus, und philosophiert dann fröhlich eine Weile darüber. Besonders viel Spaß macht es ihm dabei, bewusst gegen den Mainstream- oder Geek-Konsens zu argumentieren: Grown ups 2 ist der beste Film des Sommers, Ziemlich beste Freunde ist Mist, und Hans Zimmer bedeutet das Ende der Filmmusik. Man spürt richtiggehend die diebische Freude, die der Autor dabei hat, so zu provozieren – und der Entrüstungssturm, der unter jedem Artikel in den Kommentaren losbricht, dürfte Belohnung genug sein.

Doch dahinter steckt keine Provokation um des Masochismus willen. Wenn man ein paar der Kolumnen gelesen hat, merkt man auch, dass viele der vertretenen Thesen eindeutig aus einem Bedürfnis entstehen, der Hypemaschine des modernen Filmmarketings und der daraus erwachsenden Nerd-Monokultur etwas entgegenzusetzen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Rajko Grown Ups 2 wirklich für den besten Film des Sommers hielt, aber seine Argumentationslogik führt zumindest dazu, dass man mal ein paar Gedanken über die moderne amerikanische Komödie verliert, und merkt, wie überwältigend doch die Macht eines Kritikerkonsens im Zeitalter von “Rotten Tomatoes” sein kann. Die Artikel entstammen immer einem Wahrheitsfunken, der dann von Rajko kunstvoll zu einer mutigen Behauptung aufgeblasen wird, damit er auch so richtig wirkt.

Ich selber bin für so etwas zu harmoniebedürftig. Aber ich finde es super, dass andere auf diese Art die Diskussion in einer Branche fördern, die sich viel zu oft auf ein “Agree to Disagree” für einzelne Filme geeinigt hat. Ich persönlich würde so etwas gerne viel öfter lesen.

Hier geht es zu “Mr. Vincent Vegas Filmecke”

P.S. Ein Interview mit Rajko gibt es hier.

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