Deutsche Filmtitel: Ich bin Mittäter

Sur La Planche. Foto: ZDF/Eric Devin

Kassel, Herbst 2001. Mein Chef hat mich freundlicherweise mitgenommen auf die Tradeshow der Filmverleiher, auf der den Kinobesitzern die möglichen Hits der nächsten Monate vorgestellt werden. Highlight Film stellt dort den Film Serendipity mit John Cusack und Kate Beckinsale vor, eine romantische Komödie, die ihren Titel im Trailer erklärt.

When Love Feels Like Magic, It’s called Destiny. When Destiny Has A Sense of Humor, It’s Called Serendipity.

“Wir suchen übrigens noch einen deutschen Titel”, heißt es nach dem Trailer aus der Richtung der Verleiher. Klar, “Serendipity” ist für Deutsche nicht nur ein Zugenbrecher, es lässt sich auch nicht direkt übersetzen. “Glücklicher Zufall”, vielleicht, aber dem fehlt dieser besondere, fröhlich klimpernde Klang des Wortes. Ich schlage “Ironie des Zufalls” vor, auch eine eher schwache Idee. Am Ende kommt der Film ein halbes Jahr später als Weil es dich gibt in die Kinos. Love, Magic, Destiny, Humor – und ein fröhlich klimperndes Wort ausgemerzt zugunsten einer hohlen Grußkartenformel. Man kann deutsche Filmtitel nur hassen.

Mainz, Jahresanfang 2013. Im März zeigt 3sat eine ambitionierte Filmreihe über die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen in islamischen Ländern. Die Filmredaktion hat zwei Spielfilme beigesteuert, für die ich als Redakteur fungiere. Für Leila Kilanis faszinierenden Genremix Sur la Planche suchen wir in der Redaktionskonferenz einen deutschen Titel. “Sur La Planche” bedeutet “auf der Planke”, “auf dem Sprungbrett”, vor der Entscheidung in ein neues Leben zu springen oder in den Abgrund zu fallen – so sieht Badia, die Hauptfigur des Films, sich selbst. Der englische Festivaltitel lautet “On the Edge”. Eine deutsche Entsprechung wäre vielleicht “Auf Messsers Schneide” oder “Auf dem Sprung”. Wir diskutieren angeregt und immer wieder fällt das Argument, dass der Film herausstechen, dass der Titel etwas aussagen muss. Am Ende entscheiden wir uns, auch mit meiner Stimme, für den Titel Nachts in Tanger. Die spannungsgeladene Lebensentscheidung einer jungen Frau, geopfert zugunsten eines Titels, der Mysterien und einen exotischen Schauplatz verheißt (beides bietet der Film übrigens auch tatsächlich). Deutsche Filmtitel, das Geschmeiß der internationalen Filmlandschaft.

Ich bin Mittäter. Ich bin mit dafür verantwortlich, dass bei der Übertragung von Originaltiteln für die deutsche Vermarktung hässliche Kompromisse eingegangen werden. Und das obwohl ich jahrelang nichts anderes gemacht habe, als auf deutsche Titel zu schimpfen. Ich hatte sogar mal mit einem Kollegen überlegt, ein Buch mit den “100 bescheuertsten deutschen Filmtiteln” herauszugeben – von den Schauspieler/Figur-vertauschenden Entgleisungen der sechziger Jahre (Frankie und seine Spießgesellen), über die (häufig mehrfachen) Sinnentstellungen des B-Movie und Direct-To-Video-Marktes, bis hin zum nouveau-anglais der 2000er, in denen englischsprachige Filme einen anderen englischen Titel bekommen und so aus Rabbit-Proof Fence in Deutschland Long Walk Home wird.

Kein Wunder, dass Woody Allen sich in seine Verträge schreiben lässt, dass die Titel seiner Filme im Ausland nicht geändert werden dürfen. Und ebenso kein Wunder, dass im Sinne internationalen Markenerhalts immer mehr große Filme einfach ihren Originaltitel behalten. Das Ergebnis: Zuschauer, die auch nicht so richtig wissen, was der Filmtitel eigentlich bedeutet (sogar ich mit meinem Magister in Anglistik musste mir Zero Dark Thirty erklären lassen) und sich an der Kinokasse die Zunge verrenken.

Aber ist das nicht immer noch besser, als der sonst übliche Krampf, bei dem oberstes Gesetz ist, dass schon der Titel des Films nur eine mögliche Assoziation zulässt, die dem Zuschauer jedes eigenständige Denken abnimmt. Bridesmaids mit “Brautjungfern” zu übersetzen kommt nicht in die Tüte, nur Brautalarm schreit laut genug KOMÖDIE!!!! – auch noch, wenn der Film aus den Kinos ist und beim Blättern in der Videothek oder der Fernsehzeitschrift gefunden werden soll. Am meisten lache ich mir immer ins Fäustchen, wenn sich Titelentscheidungen im Nachhinein als dumm herausstellen, und Dan Browns Buch in Deutschland als “Sakrileg” erscheint (denn Bahnhofsbuchhandlungs-Thriller dürfen immer nur reißerische Ein-Wort-Titel haben – oder brauchen, wie Terry Pratchett schon festgestellt hat, mindestens einen griechischen Buchstaben im Titel), dann aber als “Da Vinci Code” ein globales Phänomen wird und der Film quasi mit zwei Titeln ins Kino kommen muss.

Dabei wird uns Deutschen doch mit unseren eigenen Filmtiteln viel mehr eigenes Denkvermögen zugetraut. Selbst bei Keinohrhasen würde doch nicht sofort jeder an eine romantische Komödie denken, es ist einfach ein clever klingendes Wort, das Interesse weckt (soviel muss man dem Film schon zugestehen). Schutzengel (um mal im Schweigerversum zu bleiben) könnte genau so gut ein Liebesdrama im Rettungssanitäter-Milieu sein wie ein Thriller über einen Ex-Cop und seine Tochter. Wäre der Film ein englischer und hieße “Guardian Angel”, hieße er in Deutschland sicher “Der Guardian” (weil das härter klingt) oder er würde einen markigen Untertitel wie “- er lässt dich nicht allein” bekommen (man denke an The Rock – Fels der Entscheidung). Bestimmte Phrasen stehen für alle Genres ja auch schon readymade zur Verfügung, “… zum Verlieben” für Romantik und “… zum Knutschen” für Komödien, zum Beispiel.

Und doch: ich kann die Denke dahinter verstehen, weil ich inzwischen in der gleichen Situation war. Nachts in Tanger erweckt einfach mehr Aufmerksamkeit als “Auf dem Sprung”, ein Filmtitel, hinter dem alles und nichts stecken kann. Und ich möchte ja, dass diese Perle von einem Film, in dessen Akquise und Bearbeitung viel Mühe geflossen ist, gefunden und geschaut wird. Denn Wörtlichkeit in der Übersetzung ist auch gar nicht das, worauf es ankommt – jeder der mal übersetzt hat, wird mir da hoffentlich zustimmen. Vielleicht gibt es ja einen Mittelweg, in dem man sich Freiheiten erlaubt, aber sein Publikum trotzdem nicht restlos für dumm verkauft. Ich hoffe, dass mir das mit Nachts in Tanger gelungen ist.

Die 3sat-Filmreihe “Frauen im Islam” startet am 3. März. Nachts in Tanger läuft am 7. März um 22.25 Uhr, im arabischen Original mit deutschen Untertiteln.

Danke für die Anregung an Jack.

Hält Celeste and Jesse Forever oder nur ein paar Jahre?

DCM Filme

Sie buchstabieren es für uns. “SHITEGEIST” heißt das aktuelle Werk von Trendforscherin und Filmhauptfigur Celeste, das sie zwar in einer TV-Sendung vorstellen darf, dann aber doch in ihrem Lieblingsbuchladen selbstständig prominenter platzieren muss. Einen deutlicheren Hinweis darauf, dass sich Celeste & Jesse Forever nicht nur an modernen Liebesbeziehungen abarbeiten will, sondern auch an unserer Zeit ganz allgemein, könnte er uns wohl nicht geben.

Es ist erstaunlich, wie gut dem Film der Drahtseilakt gelingt, sich genug, aber nicht zuviel, über das zu amüsieren, was er selbst ist. Matt Singer hat vor einigen Monaten Sherlock Holmes: A Game of Shadows als den perfekten Film vorgeschlagen, den zukünftige Generationen sehen sollten, wenn sie wissen wollen, wie Filme rund um das Jahr 2012 waren. Celeste & Jesse Forever wäre ein genauso guter Kandidat: Er ist gedreht im derzeit allgegenwärtigen DSLR-Look, komplett mit flachen Schärfebereichen, blassen Tageslichtszenen und schwarz-rot-goldenen Nachtszenen. Seine Hauptfiguren sind mehr oder weniger hippe Wissensarbeiter, die Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden haben. Angeschnittene Themen (an die ich mich noch erinnere) sind Veganismus (und die dazugehörige Öko-Kultur), IKEA, Branding, Psychopharmaka und queere Stereotypen. Trendforscherin Celeste bügelt einen Yoga-Kollegen, der mit ihr flirtet, mit folgenden Worten ab:

You traded in your Porsche for an Audi, because the economy is still tanking and you’re afraid to lose your job. You just bought a Droid cellphone, because you think it makes you seem more business-oriented; unlike the iPhone, which you think is for teenage girls. You go to Yoga, because you went to a sub-Ivy League school, you spent the last ten years working long hours, drinking all weekend, you thought it was time to do something spiritual.

Wer hätte gedacht, dass man einen Android-vs-iPhone-Witz in einer romantischen Komödie unterbringt und es tatsächlich komisch sein kann? Und schließlich ist da noch Rashida Jones. Die Hauptdarstellerin und Co-Autorin des Drehbuchs hat etwas sehr millenniales an sich, nicht zuletzt wegen ihrer unscharfen ethnischen Zuordnung (ihr Vater ist Quincy Jones, ihre Mutter ein blondes Model mit russisch-jüdischen Vorfahren, aber ihr Teint und ihr Vorname wecken südasiatische Assoziationen – ich musste mehrmals an diese “New Girl”-Episode denken).

Zusammenfassend: Celeste and Jesse Forever ist so sehr of its time, dass seine Drehbuchgrundlage auch eine Tag-Cloud der aktuellsten Buzzwords auf “Gawker” sein könnte. Das hindert ihn nicht daran, ein gut gemachter, witziger Film zu sein, der insbesondere in seiner Auflösung den klassischen Hollywood-Pfad verlässt, aber wird es ihn nicht schon in ein paar Jahren ganz furchtbar alt aussehen lassen?

Die Romantic Comedy, so scheint es mir, ist eigentlich ein Genre, das jeden Zeitgeist übersteht, weil es a) so formelhaft ist und gewünscht wird und b) weil Liebe und der Wunsch nach romantischer Liebe ebenfalls etwas zeitloses ist. Natürlich merkt man einem Film wie It Happened One Night (1934) an, das er ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, aber sein wunderbares Geturtel zwischen Clark Gable und Claudette Colbert funktioniert nach wie vor, und ich hatte nie den Eindruck, dass sein Witz heute weniger zündet. Dito The Apartment (1960) oder When Harry Met Sally (1986).

Mein persönlicher Lieblingskandidat aus dem Genre, Annie Hall (1977), ist allerdings durchsetzt mit Zeitgeist-Witzen. Wenn ich nicht zufällig gewusst hätte, wer Marshall McLuhan ist, als ich den Film 2001 das erste Mal sah, hätte ich beim besten Bruch der vierten Wand EVER bestimmt nicht so laut gelacht – und ich möchte wetten, dass in Annie Hall einige Anspielungen stecken, die mir nicht aufgefallen sind, beim Kinopublikum der Zeit aber als wunderbar aktuelle Seitenhiebe ankamen. Trotzdem hat der Film nichts von seiner Energie und seinen universellen Wahrheiten verloren und ich würde ihn jederzeit auch ohne 70er-Jahre-Beiblatt weiterempfehlen.

Celeste & Jesse Forever spielt nicht auf dem gleichen Level wie Woody Allen, natürlich. Aber vielleicht gibt es dennoch Hoffnung, dass er auch in zwanzig Jahren noch komisch ist.

Der Film mit dem schrecklichen deutschen Titel Celeste & Jesse – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert ist am 14. Februar in den deutschen Kinos gestartet. Eine kürzere Kritik von mir in der aktuellen “Close up”-Sendung.

Met the Bloggers

Es war ein ganz ulkiges Bild: In der Mitte des ersten Stockwerks vom “Mommsen-Eck” am Potsdamer Platz saßen die “richtigen” Filmkritiker beim alljährlichen Treffen der “epd film”-Autoren, an dem ich in der Vergangenheit auch schon teilgenommen habe. Ein paar Meter weiter vorne saßen die Blogger an ihrem Tisch. Eingekeilt zwar, zwischen Treppenhaus und Tür zur Männertoilette, aber der Weg führte unweigerlich an ihnen vorbei.

Ich war froh, dass ich zu einem Zeitpunkt, als auf meine Twitvite gerade sechs Zusagen generiert hatte, trotzdem sicherheitshalber einen Tisch für 15 Personen reserviert hatte. Denn der Platz wurde gebraucht. In dem grässlichen Bewusstsein, mit Sicherheit jemanden zu vergessen, kann ich vermelden, dass neben mir und Cutterina außerdem Doreen Butze, Rochus Wolff, Bernd Zywietz, Martin Gobbin, Gerold Marks, Thilo Röscheisen, Frédéric Jaeger, Dennis Vetter und Simon Born, Joachim Kurz, Andreas Tai und Norbert Hillinger vor Ort waren. Gerold, der sich als Frontkämpfer für die gute Sache hervorgetan hat, hatte außerdem zwei Kollegen der Seite “Inside Kino” dazugeladen, die die Runde zumindest einigermaßen amüsiert betrachteten.

Ich musste nach weniger als zwei Stunden bereits schon wieder gehen, weil der nächste Film rief, aber gelohnt hat sich das Treffen allemal. Über Blog-Politik wurde nur wenig geredet und ich glaube auch nicht, dass dieses Treffen plötzlich eine Blogosphäre herbeizaubern wird. Aber ich fand es trotzdem toll, all diese Internetschreiber an einem Tisch zu versammeln, kennenzulernen und ihnen zuzuhören (zum Beispiel als Frédéric und Joachim auf meine Frage hin versuchten zu verhandeln, ob sie Konkurrenten sind oder nicht). Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der einzige bin, dem es so ging.

Die Tatsache, dass ähnliche Treffen und Bekanntschaften, Gespräche am Rande von Pressevorführungen und Festivals, schon vorher stattgefunden haben, ändert meiner Meinung nach nichts daran, dass es nichts schadet, diese Treffen ein kleines bisschen zu institutionalisieren und für alljene zu öffnen, die sich angesprochen fühlen möchten. Das fördert den Kontakt und öffnet die Filterbubble-Scheuklappen, die wir ja doch alle tragen, ob wir es zugeben oder nicht, zumindest ein bisschen. Und damit ist meiner Ansicht nach schon viel gewonnen. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal!

In meinem Festival-Kalender steht als nächstes das Trickfilmfestival Stuttgart. Ich hoffe, die Bloggertreffen-Tradition dort fortzusetzen.

EDIT, 19. Februar: Andreas Tai zur Liste der Anwesenden hinzugefügt.

In eigener “Ansichtssache”

Zwischen zwei Berlinale-Filmen soll nur kurz angemerkt sein: Das Buch Ansichtssache – Zum aktuellen deutschen Film ist in den letzten Tagen erschienen und kann im wohlsortierten (Internet-)Buchhandel erworben werden.

Herausgegeben von Bernd Zywietz und Harald Mühlbeyer, versammelt der Reader eine Vielzahl von Texten, die sich an einer aktuellen Vermessung der deutschen Film- und Kinolandschaft versuchen. Von mir ist ein Beitrag zur Digitalisierung dabei, den ich ja auch im Blog schon einmal angeteasert hatte. Ein Blog zum Buch gibt es auch!

Leider ist der Redaktionsschluss inzwischen schon wieder ein halbes Jahr her und gerade in Sachen Kino-Digitalisierung hat sich inzwischen einiges getan. Vielleicht veröffentliche ich den Beitrag also irgendwann auch hier noch einmal, aktualisiert und überarbeitet. Aber für’s erste existiert er nur in diesem formidablen Buch, das auf keinem Buchregal fehlen sollte!

The Rising

Steppefilm/Milagro

Zu den beliebtesten Klageliedern der deutschen Filmlandschaft gehört der alte Chanson “In Deutschland werden keine Genrefilme gemacht”. Das ist nicht hundertprozentig wahr, allerdings stimmt es, dass selbst unter den jungen Kurzfilmen die Anzahl der “Write what you know”-Familien- und Liebesgeschichten (meist dramatischer Natur) immer noch ziemlich hoch ist. Wird doch mal ein Genrefilm gemacht, bedeutet das meistens nur eins: Zombies (echt jetzt, das geht an alle: ist mal gut mit Zombies so langsam?).

Wie schön, dass einem immer mal wieder doch Alternativangebote gemacht werden. Ich mochte Tim Fehlbaums postapokalyptischen Film Hell, allein schon für die Chuzpe, mal etwas Neues zu probieren. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Berliner Kurzfilm The Rising von Sebastian Mattukat, der 2012 mit Crowdfunding-Hilfe fertiggestellt wurde und seitdem schon auf mehreren Festivals, unter anderem in Köln, Los Angeles und Málaga gelaufen ist.

In der Zukunft von The Rising ist die Menschheit vor ihrer durch Umweltgifte verseuchten Welt in den Untergrund geflüchtet und hat ein diktatorisches Krisenregime aufgesetzt. Nur einzelne Personen werden ans Tageslicht gelassen, um dort Messwerte einzuholen. Diese haben jedoch die Anweisung, auf keinen Fall, von ihren vorgeschriebenen Routen abzuweichen. Als es einer doch tut, beginnt die Handlung des Films.

The Rising besticht durch drei Faktoren. Erstens, das mit den HD-Bildern der eingesetzten Red-Kamera perfekt in Szene gesetzte, karge Setting (keine Überraschung: Die deutsche Postapokalypse spielt in Brandenburg). Zweitens, die gelungene Inszenierung ohne Dialoge, was den Film zu internationalem Appeal verhelfen sollte. Und Drittens, ein paar clevere und subtile VFX, die The Rising den letzten Schliff geben.

Nun kehrt The Rising in seine Geburtsstadt Berlin zurück. Der Film ist am 16. Februar auf dem Berlin Independent Film Festival zu sehen. Einen ersten Eindruck vom Film und einen Trailer finden Interessierte auf der offiziellen Webseite des Films.

Offenlegung: Ich bin mit Produzent und Regisseur von The Rising freundschaftlich verbunden und habe einen kleinen Crowdfunding-Beitrag zum Film geleistet.

Meet the Bloggers

Die zweite Stufe des Projekts “Deutsche Film-Blogosphäre” steigt während der Berlinale. Für den 9. Februar 2013 habe ich um 18.00 Uhr einen Tisch im legendären Mommseneck reserviert, an dem sich Blogger und Blogger-Sympathisanten treffen dürfen, um aus ihrem virtuellen Gefängnis auszubrechen und gemeinsame Projekte für die Zukunft zu planen. Am besten direkt hier zusagen. Wir sehen uns!

Die deutsche Film-Blogosphäre: Eine erste persönliche Bilanz

Diese Bilanz kann nur eine sehr persönliche sein, denn die letzte Woche war ganz schön turbulent. Nicht nur, weil ich am Dienstagnachmittag von einer Grippe umgehauen wurde, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe, und drei Tage flach lag, zwei davon mit Fieber. Sondern auch, weil ich wirklich nicht geahnt habe, was passieren würde, nachdem ich am Sonntagabend in meinem WordPress-Dashboard auf “Publish” gedrückt hatte.

Erst konnte ich sehen, wie sich der Beitrag auf Twitter verbreitete, irgendwann oft genug, um bei “Rivva” aufzutauchen. Am nächsten Morgen war ich im “BildBlog” verlinkt und die ersten Kommentare trudelten ein. Dienstag war mein Artikel schon zu “der aktuellen Filmblogdiskussion” mutiert. Als ich dann Mittwoch auch noch eine Mail von Radio Fritz mit einer Interviewanfrage bekam, war ich mir schon nicht mehr ganz sicher, ob das alles wirklich passiert (kann aber auch das Fieber gewesen sein).

Don’t get me wrong

Ich bin also wirklich im positivsten Sinne überwältigt, dass meine vier Thesen ein solches Echo erzeugen konnten. Einerseits ist das natürlich auch ein bisschen befriedigend, denn die Zustimmung, die ich erhalten habe, spricht dafür, dass ich irgendwie tatsächlich nicht nur heiße Luft gepustet, sondern einen wunden Punkt getroffen habe. Andererseits muss ich mich natürlich auch mit der Kritik auseinandersetzen (die sehr zivil und sachlich geblieben ist) – und das bedeutet bei mir fast immer, dass ich instinktiv zurückrudern und relativieren will.

Ein bisschen werde ich das auch diesmal nicht vermeiden können. Ich stehe auch nach aller Diskussion zu jeder meiner vier Thesen, aber natürlich sind sie (ich glaube, ich habe das auch im Artikel öfter betont) auch auf maximale Aufmerksamkeit zugespitzt (einsortieren unter Handwerk, Klappern gehört zum). Ich glaube nicht, dass in diesen vier Punkten die gesamte Sachlage enthalten ist, und ich bin relativ entspannt, was ihre Umsetzung angeht. Trotzdem, ein paar Klarstellungen:

Blogosphäre schaffen heißt nicht Homogenisierung

Ich bin ein Anhänger von Gemeinschaftsgefühl, nicht jeder ist das. Obwohl ich zum Beispiel Patriotismus grundsätzlich eher für gefährlich halte, besonders wenn er gegen andere benutzt wird, bin ich doch immer wieder faziniert davon, dass etwa die völlig unterschiedliche und konträre bis feindselige regionale Identität zweier US-Bürger sich problemlos mit dem amerikanischen Wir-Gefühl vereinen lässt. Eine übergeordnete Identität lässt also durchaus Raum für jede Menge Individualität.

In den Kommentaren schrieben Frédéric Jaeger und Thomas Groh, mein Wünsche röchen nach “Homogenisierung”, als sollten wir alle das gleiche machen, Filme aus der gleichen Warte betrachten. Nichts liegt mir ferner. Jeder soll machen, was er will, das ist das World Wide Web und das ist seine besondere Vielfalt. Ich will keine redaktionellen Leitlinien.

Es wird immer Menschen geben, die Filme eher vom Kopf her, in einem größeren, kulturkritischen Zusammenhang wahrnehmen und interpretieren – genauso, wie es immer Menschen geben wird, die diese Zusammenhänge lieber ignorieren. Genauso wird es immer Schreiber geben, die lieber für ein Publikum schreiben und ihre Texte danach ausrichten – und es wird immer Schreiber geben, die einfach ihre Gedanken so festhalten, wie sie ihnen durch den Kopf schießen.

Sie sollen sich nicht ändern. Was ich erreichen will, ist, dass sie einander wahrnehmen. Und zwar nicht als etwas Abjektes, sondern als Leute vom gleichen Schlag, nämlich “Menschen, die im Internet über Film schreiben”. Sie müssen deswegen ja noch lange nicht alles mögen, was der andere tut, aber sie wüssten voneinander. BANG! Film-Blogosphäre.

“Leitmedium” ist ein dummes Wort

Meinen Artikel haben viele Leute über Twitter gefunden und über andere Filmblogs, die mich verlinkt haben, sehr viele auch über Facebook (ich bin tieftraurig darüber, dass ich die vielen Diskussionen die dort vielleicht abliefen, nicht lesen konnte). Aber mit Abstand die meisten Hits bekam meine Seite in den letzten Tagen aus dem “Bildblog” und dessen Rubrik “6 vor 9”, in der jeden Tag sechs Links zu Medienthemen veröffentlicht werden. Andere kamen auf den Artikel dadurch, dass Wulf Bengsch geschickt die trojanische Frage “Der beste Beitrag oder die beste Kritik, die ich in der vergangenen Woche auf einem Blog gelesen habe, war ________” einbaute, manche mit meinem Artikel antworteten und so Dritte darauf aufmerksam machten. Leitmedien?

“Leitmedium klingt nach Leitkultur” stand in mehreren Kommentaren, und da wurde mir klar, dass man manche Wörter in Deutschland einfach nach wie vor nich benutzen kann. Ich bin froh, dass ich nicht “Meinungsführer” benutzt habe. Auch hier geht es mir nicht darum, alle auf Linie zu bringen, warum auch? Twitter zeigt ja, dass man Leuten “folgen” kann, ohne sich dadurch ihre Ansichten zueigen zu machen. Es geht mir eher darum, dass die natürlichen Knotenpunkte im Netz ihre Funktion nutzen, um den Fäden, die zu ihnen führen, etwas zurückzugeben.

Doch selbst diejenigen, die (so glaube ich) verstanden haben, was ich meinte, waren deswegen nicht meiner Meinung. Thomas Groh schrieb in einem Kommentar:

In meinem “Google Reader” habe ich unter “movie” alles abgespeichert, was mich interessiert, und wenn mich was neues interessiert, kommt das hinzu. Was mich nicht interessiert, bleibt draußen.

Das ist natürlich der gleiche Ansatz, den ich auch verfolge und wahrscheinlich die meisten anderen. Er bedeutet aber, dass die Anzahl der guten Inhalte, die man findet, in direktem Verhältnis zu der Zeit und der Erfahrung steht, die man aufgewendet hat, um sie zu filtern. Meiner Meinung nach ein bisschen unfair. Ich bin da eher bei Ciprian David, der schreibt:

Die existierende Vielfalt der Blicke auf Film, Clustering und die anderen angesprochenen Aspekte können alle aus dieser Orientierungs-Perspektive auch als Hindernisse im Wege der Auswahl von zu lesenden Seiten gesehen werden und das zurecht. Einerseits möchte man möglichst unterschiedliche Ansätze kennenlernen, andererseits ist da draußen zu viel, um alles mitzubekommen – hinzu kommen noch die sich verdoppelnden Inhalten, die lange nicht nur News betreffen.

Genau darum geht es mir: Orientierung. Aggregation. Sinnvolle Anknüpfungspunkte für Außenstehende und innen stehende Interessierte.

Natürlich sind die sechs täglichen Links von “6 vor 9” eine höchst subjektive Auswahl. Dahinter steht sogar exakt eine Person: der schweizer Medienjournalist Ronnie Grob. Aber seit ich nicht mehr die Zeit habe, die gesamte deutsche Medienbloglandschaft zu verfolgen (wie damals, als ich noch hauptberuflich über Medien geschrieben habe), sind sie für mich eine gute tägliche Orientierung über aktuelle Themen und kleine Fundstücke. Dito “The House Next Door”, “Page 2”, “Weekend Reel Reads”, der “Singles Club” des Guardian Music Weekly Podcast.

Durch die Pingbacks zu meinem Beitrag konnte ich feststellen, dass einige Blogs natürlich solche löblichen Linklisten führen. Taschenpost bei “Nerdtalk” zum Beispiel, Der Linkomat beim “Abspannsitzenbleiber” und Verlinkt bei “DVDuell”. Auch Thomas Groh schreibt, er “weise (…) auf andere Beiträge in Print und Blogs hin, vor allem auch in der rechten Spalte unter ‘Reading Room'”.

Doch auch diese Listen muss man erstmal finden. Was ich mir wünsche, ist aber, dass das jemand macht, der 1) sowieso viel gelesen wird und am besten 2) auch noch für seine Arbeit bezahlt wird (hebt die Motivation). Also zum Beispiel ein regelmäßiges Feature bei “Moviepilot”. Die haben schon die Aufmerksamkeit einer großen Community. Jetzt könnten sie sie doch auch in die Blogs zurückgeben. Der Netzwerkeffekt wäre gigantisch. “Critic.de” hielte ich, wie schon im Interviewbeitrag mit Frédéric geschrieben, auch für einen geeigneten Kandidaten. Aber das ist eher persönliche Neigung. Und Geld haben sie dort ja leider auch nicht.

Hat Deutschland keine Filmkultur?

Nachdem es mit dem Interview zwischen uns leider nicht so gut geklappt hat, hat “Filmfreund” Oliver Lysiak sich dafür sehr prägnant in den Kommentaren zu Wort gemeldet und gleich zum Rundumschlag ausgeholt. In Deutschland fehle es an der “Filmkultur”, das Reden über Filme über ein “Gefällt mir (nicht)” hinaus sei eine kleine Nische. Ich weiß nicht, ob ich ihm da zustimmen will. Er macht diese Voraussetzung aber dafür verantwortlich, was ich als “die nervige Trennung zwischen E- und U-Kultur” bezeichnet habe, den mangelnden “Spaß an fließenden Grenzen zwischen Filmjournalismus und Filmfan”.

Meine E- und U-Anmerkung ist vielen sauer aufgestoßen, dabei wollte ich damit niemanden beleidigen. Zumal, wie ich oben geschrieben habe, die Ansätze sowieso immer alle vorhanden bleiben werden. Vielleicht liegt es an mir selbst, der ich so ein merkwürdiger Hybrid bin. Ich bin studierter Filmwissenschaftler, aber ganz schlechter Hermeneutiker. Ich bin Filmjournalist, betrachte das Thema Film aber eigentlich lieber aus der Warte eines Medienbeobachters, und bin deswegen nicht umsonst ein recht miserabler Kritiker (ausgerechnet Fernsehjournalismus – was ich nie gedacht hatte – kommt mir hier entgegen, weil ich den Film für sich sprechen lassen kann, statt dem Leser einen Eindruck davon vermitteln zu müssen). Weil ich also selbst so in der Mitte stehe, vielleicht liegt mir deswegen so viel daran, dass alle Beteiligten ihre eigene “Haltung” zum Thema Film etwas lockerer und dehnbarer begreifen. Film ist eben Industrie, Kunst, Kulturgut, Medium und Konsumgut auf einmal. Das ist ja das Tolle daran.

Mein Lieblingstweet zum Thema übrigens:

Gibt es eine deutsche Film-Blogosphäre? [] Ja [] Nein [] Dir gefällt “Transformers”, mit dir rede ich nicht.

— Sven Kietzke (@CineKie) January 20, 2013

Machen statt klagen

Einer meiner Lieblingsbeiträge stammte von Schöndenker Thomas Lautersweiler. Er forderte Machen statt klagen und zählte direkt mehrere Beispiele auf, bei denen die Blogs schon zusammenarbeiten. Ich bin natürlich voll seiner Meinung, aber wie ich dann auch in seinem Blog kommentierte: “Vielleicht wollte ich nur zuerst das Problem benennen, bevor ich es angehe. Das hilft beim Fokussieren.” Ein geisteswissenschaftliches Studium prägt. Ohne Thesen geht erstmal gar nichts.

Es ist schon eine Menge passiert, zum Beispiel diese Facebookseite, eine tolle Idee, von der ich allerdings noch nicht weiß, wo sie hinführen wird. Und die Diskussion, die das Thema zumindest mal auf die Agenda gebracht hat. Am besten hat mir gefallen, dass viele Leute mir geschrieben haben, sie hätten schon durch Artikel und Diskussion jede Menge Blogs entdeckt, von denen sie noch nichts wussten.

Es wird weitergehen. Ich werde selbst versuchen, so gut es geht dazu beizutragen, mehr deutsche Blogs lesen und verlinken, auch hier im Blog. Ich denke, das machen andere vielleicht auch. Genügend Tools gibt es ja, um die Vernetzung im Kleinen herzustellen (Gastbeiträge etc.). Was ich auch noch gar nicht erwähnt habe ist die tolle Idee des Social Viewing von “Mostly Movies”.

Und ich fände es gut, wenn wir uns auf der Berlinale treffen würden. Also, wer immer da ist, zumindest. Ich versuche einen Termin und einen Ort zu finden, der für möglichst viele Leute machbar ist. Wahrscheinlich am ersten Wochenende. Keep watching this Spot!

Die deutsche Film-Blogosphäre: Übersicht der Beiträge

Der erste Beitrag:

Die Interviews:

Reaktionen in Blogs:

Ausführliche Kommentare:

Sonstiges:

Diese Liste wird fortlaufend aktualisiert. Hinweise gerne in die Kommentare.
Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2013

Don’t you see where this J.J. Abrams thing is going?

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2009. J. J. Abrams directs Star Trek, a Reboot of the original “Star Trek”-Franchise.


super8

2011. J. J. Abrams directs Super 8, produced by Steven Spielberg’s company Amblin, which allows Abrams, as he points out in Interviews to “share DNA” of earlier Amblin movies like E. T. – The Extra Terrestial.


Star-Wars-Abrams-Logo

2013. (January) J. J. Abrams is officially confirmed as the director of Star Wars: Episode VII.


startreket

2013. (May) The Abrams-directed Star Trek Into Darkness features a post-credit sequence, in which James Kirk returns to his quarters to find E.T. sitting at his desk. He is pointing a glowing finger at the Captain and says: “Mr. Kirk, you’ve just become part of a bigger universe.”


etstarwars

2015. Star Trek: Episode VII features a longish subplot about a kid on Tattooine making friends with a gnarly outcast from the galactic senate, who has moved into Ben Kenobi’s old cabin.


spaceavangers

2017. SPACE AVENGERS


Based on an idea by Carsten / images: Paramount Pictures (3), Lucasfilm (1), Disney (1)