Der Podcast Search Engine hat mich schon auf kuriose Arten inspiriert. Die Doppelfolge “Why didn’t Chris and Dan get into Berghain?” ist fast alleine dafür verantwortlich, dass ich seit zwei Jahren wieder elektronische Musik höre. Die jüngere Folge über Atomkraft hat mich zumindest schwer zum Nachdenken gebracht.
Und auch die neueste Episode ist wieder wirklich gut. “Why doesn’t anybody come to my Parties?” fragt die Substack-Autorin Claire Haber-Harris den Host PJ Vogt. Er fragt in ihrem Umfeld nach, und bei dem, was er herausfindet, geht es am Ende darum, wieviel man von sich selbst preisgeben will, welche “Version” seiner selbst man anderen präsentieren möchte und sollte. Aber es geht auch darum, was eine gute Party ausmacht.
Mich hat das alles sehr angesprochen. Ich liebe Partys und ich vermisse sie. Ich war nie ein perfekter Gastgeber im Sinne von “Viele kleine tolle Details und an jeden ist gedacht”, aber ich habe immer gerne die Leute aus meinen weitverzweigten Bekanntenkreisen an einem Ort bei Getränken und Musik zusammengebracht. Aber ähnlich wie die Protagonistin im Podcast kam dann irgendwann der Double-Whammy aus Kind und Corona, der dazu geführt hat, dass ich nach 2018 keine Party mehr gefeiert habe. (Das Titelbild war das Motiv der “Letzten Party ohne Kind” – dass seitdem Zeit vergangen ist, erkenne ich auch daran, dass ich Alkohol heute sicher nicht mehr so in den Vordergrund rücken würde.)
Letztes Jahr habe ich versucht, meinen 42. Geburtstag groß zu feiern, musste das Park-Picknick aber wegen schlechten Wetters absagen. Dieses Jahr habe ich eigentlich schon aufgegeben. Ich habe den Eindruck, dass eh kaum noch jemand feiert. Der Double Whammy hat viele Leute in meinem Alter getroffen. Wenn man dann dazu noch weder in WGs noch in Einfamilienhäusern wohnt, weiß man oft gar nicht, wo man feiern soll. Und geredet wird dann auch oft nur noch über die eigenen Kinder, die man parallel die ganze Zeit im Auge haben muss.
Können mir Leute, die älter sind als ich, sagen, wann das wieder besser wird? Wann es wieder mehr Gelegenheiten gibt, interessante fremde Menschen kennenzulernen und dabei selbst zu entscheiden wie sehr man den Regler zwischen “Normie” und “Nerd” hin- und herdrehen will?
(Ergänzung: Mark Rosewater über Erfahrungen mit guten Partys. “Ein klarer Endpunkt” ist mir am meisten hängengeblieben.)
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Das Interview, das Anna Sale in Death, Sex and Money mit der Autorin und Regisseurin Erica Schmidt und ihrem Ehemann, Schauspieler Peter Dinklage, führt, ist insgesamt sehr hörenswert und irgendwie wholesome. Noch viel besser fand ich aber drei Sätze, den Sale in ihrer Anmoderation sagt:
Sometimes when you’re an artist, you see things that other people don’t see. Sometimes that can make you feel like you’re on your own, like you don’t quite fit. (…) It can be lonely.
Ich habe mich selbst nie als Künstler begriffen, kenne aber Menschen, die ich so einordnen würde. “Dinge sehen, die andere nicht sehen” ist eine erstaunlich gute Definition von künstlerischer Sensibilität. Dass es genau dieses Merkmal ist, was einen manchmal zum Außenseiter machen kann, passt für mich sehr gut.
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Vor ein paar Tagen habe ich im Blog von Johannes Kuhn zum Thema Verzweiflung und “Boomer Realism” kommentiert und dabei (mal wieder) auf Ada Palmer verwiesen, die Historikerin, deren SF-Romane mich in den letzten Jahren schwer beeindruckt haben. Interessanterweise hat Palmer einen Tag später zusammen mit dem “Solutions Journalist” Angus Hervey einen neuen Podcast exakt zu diesem Thema gestartet. Er heißt A Short History of Saving The World.
Ich bin kein übermäßiger Fan von “Lasst uns mal auf die guten Sachen konzentrieren”, was Herveys Ding zu sein scheint, aber ich mag Palmers weit ausgezoomten Blick auf Menschheitsgeschichte, der oft darauf hinweist, dass Phänomene nicht neu sind, aber dennoch differenziert genug ist, um es dabei nicht zu belassen. Die erste Folge der Podcasts ist noch nicht sehr fokussiert, enthält aber schon viele interessante Punkte über die Dauer von Informationsrevolutionen und menschliche Anpassungsfähigkeit. Ich bin gespannt, ob es in der Zukunft noch zu stärkeren Diskussionen kommt, werde die Stunde pro Monat aber auf jeden Fall investieren.
