Erfolgsstory Internet? – Hanspeter Heß und The Healing Road

Das Internet hat die Musikindustrie nicht nur durch illegale und legale Downloads verändert. Die Talentbörsen der Gegenwart sind immer häufiger MySpace und YouTube. Weil in dieser Interviewserie aber nicht die großen, sondern die kleinen Erfolge beleuchtet werden sollen, folgt nun weder ein Interview mit den Arctic Monkeys noch mit Lily Allen, sondern mit Hanspeter Heß alias The Healing Road.

The Healing Road wandelt mit seinen teils sphärischen, teils knallenden, Keyboard-getriebenen Stücken vor allem auf den Spuren von Mike Oldfield – nicht die Art von Musik, mit der man heute noch Stadien füllt, aber für einen kleinen Kreis von Liebhabern durchaus interessant. Interessant dabei auch: Hanspeter Heß ist 43 und hat bis 2005 noch nie öffentlich Musik gemacht. Inzwischen verlegt der französische Special-Interest-Vertrieb Musea seine drei Alben und in der kleinen Szene ist der Winnender durchaus ein bekannter Name.

Ich habe mit Hans über die späte Erfüllung eines Traums gesprochen und musste dabei feststellen, dass er zum Internet durchaus eine konservative Haltung einnimmt.

Ich kenne Hans, weil uns die gemeinsame Liebe zur amerikanischen Progrock-Band Spock’s Beard verbindet. Ich bin auch ein Mitglied der Community, in der Hans seine ersten Schritte gemacht hat, und ich war am The Bearded’s Project beteiligt.


Real Virtuality: Würdest du sagen, dass The Healing Road eine Erfolgsstory ist?



Hanspeter Heß: Ich werde dadurch nicht reich oder berühmt und ich bekomme keine Preise dafür verliehen. Aber subjektiv empfinde ich die 5 Jahre seit dem Beginn des Projekts durchaus als Erfolg. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, zum ersten Mal in meinem Leben eigene Musik aufzunehmen, andere Musiker einzubinden, weltweit Alben zu veröffentlichen und in bescheidenen Mengen zu verkaufen, ganz ohne Kontakte zur hiesigen Musikerszene, ohne Beziehungen und ohne dafür mein Leben neu zu organisieren und andere Dinge zu vernachlässigen.

Ich bin einfach seit jeher ein riesengroßer Musik-Fan und als solcher ist es natürlich ein Traum, einmal ein eigenes Album in Händen halten zu dürfen und es darüberhinaus sogar zu verkaufen. Wenn mir ein Freund Fotos schickt von einem Open Air auf der Loreley, wo am Verkaufsstand ein Album von mir angeboten wird, macht mich das glücklich. 



Erzähl doch nochmal kurz, wie das Ganze aus deiner Sicht seinen Anfang nahm.



2005 habe ich mir aus Neugier einen kleinen Apple-Rechner gekauft und darauf zufällig “Garage-Band” gefunden. Ich schloss also ein altes Keyboard an und nahm, fasziniert von den Möglichkeiten so einfacher Software, ein bisschen Musik auf. Ich hatte in meiner Kindheit und Jugend 10 Jahre lang Klavierunterricht, somit war ein gewisses Fundament vorhanden. Eher aus Spaß präsentierte ich das Ergebnis bei thebearded.de. Ein paar Leute mochten es, machten Mut, mich damit intensiver zu beschäftigen und hatten die Idee, über moderne Recording-Software mal eine Zusammenarbeit übers Internet zu versuchen. Das war die Geburtsstunde von The Bearded’s Project, einer 2007 erschienenen Doppel-CD der The Bearded-Community für die Kinderhilfe Afghanistan, an der fast die gesamte Gemeinschaft irgendwie beteiligt war, als Musiker, Cover-Designer, PR-Aktivist oder auch durch Ansporn und Kritik.

Es war eine unwahrscheinlich spannende und fruchtbare Zeit und ich hätte nie gedacht, dass man so etwas fast ausschließlich über’s Internet realisieren kann. Eine Begleiterscheinung dabei war, dass ich nun Schritt für Schritt verfolgen konnte, wie man ein Album macht und nach und nach meine Ahnungslosigkeit diesbezüglich verlor. Ich nahm nebenher neue eigene Musik auf und stieg auf professionelle Software (Logic) und einen stärkeren iMac um. Ich meldete mich außerdem bei MyOwnMusic an und bekam dort viel positives Feedback, unter anderem auch die eine oder andere Anfrage, ob es von mir ein Album zu kaufen gibt. Also hatte ich irgendwann rund 60 Minuten Musik beisammen und wusste, was zu tun ist, um ein passabel klingendes Ganzes daraus zu machen. Die Erfüllung eines alten Traums war plötzlich zum Greifen nah und das Debüt Anfang 2007 fertig. Danach hatte ich richtig Blut geleckt. Die erste CD war noch überwiegend am Keyboard entstanden. Nun wollte ich mehr Musiker dabei haben, mehr echte Gitarren, Drums und Bässe hören. Meine Musiker-Freunde von The Bearded und neu hinzugekommene Gastmusiker aus My Own Music leisteten wertvolle Beiträge, ich hatte zwei sehr kreative Jahre und es entstanden die Nachfolgealben Timanfaya und Tales from the Dam. Letzteres konnte ich als LP mit beigelegter CD umsetzen, was mich als Kind der Siebziger sehr gefreut hat.



Und wie kam es dann zu dem Deal mit Musea?



Anfang 2008 hatte ich Timanfaya fertig und war schon am dritten Album. Ich war fasziniert von der Idee, das als LP zu veröffentlichen. Weil das ein relativ kostspieliges Unterfangen ist, von der Pressung bis hin zum teureren Versand, versuchte ich ohne große Hoffnungen einfach mal, ein Label zu kontaktieren. Ich wusste, dass Musea Records für einen Teil der The Bearded’s Project-Alben den Vertrieb übernommen hatte. Ende Juli 2008 schrieb ich denen also eine Mail und schickte per Post Timanfaya und das frisch gemasterte dritte Album als Hörproben hinterher. Dann ging alles recht schnell: Sie waren wunderbarerweise nicht nur bereit, Tales from the Dam tatsächlich als LP mit beigelegter CD zu vertreiben, sondern auch, mir den Selbstvertrieb von Timanfaya abzunehmen. Ich bekam Mitte September die Vertragsentwürfe geschickt und nahm sie zum Studium mit in den Urlaub, um sie danach zu unterschreiben. Sechs Wochen später hatte Musea Timanfaya bereits in ihrem Webshop und den Vertrieb von Tales übernahmen sie von Anfang an.



Verdienst du Geld mit deiner Musik?



Ich könnte, wenn ich nicht so sehr auf Alben mit opulentem Artwork stehen würde. Mit den bisher verkauften Alben wäre ich schon in der Gewinnzone, wenn ich Timanfaya und Tales from the Dam in einer kostengünstigen Standard-Pressung hätte machen lassen. Aber für Timanfaya wollte ich unbedingt ein hochwertiges 12seitiges Booklet mit Infos zu den Stücken und Bildern des Malers Herbert Wanderer, außerdem habe ich das Album von einem Profi mischen lassen. Und was die kombinierte LP-/CD-Pressung von Tales finanziell bedeutet, kann man sich denken. Es geht mir nicht um’s Geld verdienen, das tue ich tagtäglich im Büro. Ich will mir Träume erfüllen, kreativ sein.

Ist das zum Beispiel auch der Grund, warum http://www.thehealingroad.de nicht existiert?

Sicher. Eine professionell gestaltete und regelmäßig aktualisierte Homepage unter einem griffigen Namen wäre natürlich hilfreich und verkaufsfördernd. Aber das würde mich viel Zeit kosten, die ich nicht habe. The Healing Road ist nach wie vor das Hobby eines Berufstätigen mit fester Beziehung, der sein Leben sortiert halten muss.

Das klangliche und optische Endergebnis steht immer über dem Gewinnstreben und deshalb arbeite ich auch nach wie vor hartnäckig der Kostendeckung entgegen. Ich habe auch das große Glück, viele Idealisten an Bord zu haben. Keiner der Musiker wollte Geld, auch das Cover-Design, die Schriftzüge, die Fotos und Malereien in den Artworks der Alben, steuerten Leute bei, die das nicht für Geld tun, sondern um am Ende Teil des Ganzen zu sein. Ohne sie könnte ich meine Musik nicht in dieser Form verwirklichen und präsentieren, dann gäbe es nur eine Download-Version bei iTunes.



Welche Rolle spielt das Internet in deiner Funktion als Musiker für dich jetzt?



Mir als Amateur, der sein Geld nicht mit Musik verdienen muss, bietet das Internet grenzenlose Möglichkeiten. Ich kann mir auf der ganzen Welt Mitmusiker suchen und Dateien mit ihnen austauschen, es gibt unzählige Plattformen, wo man umsonst seine Musik präsentieren und Hörer finden kann. Ohne das Internet würde ich keine Musik aufnehmen, es gäbe keine CDs von mir. Das Internet ist für mich die Möglichkeit, mit anderen Musikern zu interagieren, ohne dabei durch geographische Distanz oder Zeitprobleme behindert zu werden. Ich bin 43, viele meiner Mitmusiker bei The Healing Road sind in einem ähnlichen Alter. Wir leben verstreut über ganz Deutschland, einige haben Kinder, jeder seinen Job und seine Verpflichtungen. Das Internet gibt uns die Möglichkeit, zusammen Musik zu machen, die es ohne dieses Medium nie gäbe. 



Du und das Internet, war das Liebe auf den ersten Blick?



Ich habe mich ungefähr 1990 über Compuserve vernetzt und war spontan fasziniert. Das WWW war damals noch eher eine Randerscheinung. Abends eine Mail an einen Freund in Kanada zu schreiben und am nächsten Morgen die Antwort abzurufen, fand ich sensationell. Damals war alles noch nicht so werbeverseucht, es war durchaus Liebe auf den ersten Blick.



Wie ist dein Verhältnis zu dem Medium heute?



Es ist ein zwiespältiges Verhältnis. Oben habe ich ja beschrieben, dass mir das Internet das Ausüben eines sehr schönen und erfüllenden Hobbys ermöglicht, das weiß ich zu schätzen. Auch die Erfahrung von The Bearded’s Project, die Tatsache, dass eine Internet-Community eine gemeinsame kreative Anstrengung unternimmt, an deren Ende gar nicht virtuelle, sondern sehr reale 7000 Euro für einen guten Zweck zusammenkommen, zeigen mir, dass man das Medium konstruktiv und bereichernd nutzen kann. Andererseits gibt es Dinge, die ich für bedenklich halte: Die grenzenlose Kommerzialisierung, das Mobbing via Internet, das kaum kontrollierbare Sammeln von Daten, zu viele “soziale Netzwerke”, zu viele virtuelle Freunde usw. Ich denke, sobald das Internet zum Selbstzweck verkommt, sollte man sich Gedanken machen. 



Welche Plattformen nutzt du?



Ich bin mit meiner Musik auf MySpace und MyOwnMusic und schaue hie und da für ein paar Kontakte zu Schul- und Studienfreunden bei Stayfriends rein. Kein Twitter und kein Facebook bisher.



Musstest du mit Höhenflügen klarkommen, als The Healing Road plötzlich zu einem kleinen Erfolg wurde und du rezensiert und interviewt wurdest?



Natürlich ist es schmeichelhaft, wenn man “stattfindet” – wenn Internet-Radios im Ausland plötzlich meine Musik spielen oder sich neben den einschlägigen Online-Rezensions-Seiten auch mal das eine oder andere halbwegs bekannte Printmagazin zu einer positiven Rezension hinreißen lässt. Ich hatte da durchaus eine Phase der Euphorie. Das habe ich genossen, aber ich denke, ich bin schon zu alt, um mich davon blenden zu lassen. Probleme tauchen dadurch aber dennoch auf, und zwar dann, wenn man nach solchem Feedback neue Musik aufnehmen will. Plötzlich ist die Unschuld weg, man werkelt nicht drauf los, sondern macht sich auf einmal Gedanken, wie das beim Hörer wirkt, wie die Erwartungen sein könnten, evtl. auch was an den letzten Alben moniert wurde. Das ist keine gute Voraussetzung, um Musik zu machen und es braucht ein wenig Zeit, sich daran zu gewöhnen und diese Hintergedanken zu verdrängen.



Betreibst du aktiv Werbung für deine Musik, promotest du sie?



Ich bin ein miserabler Promoter. Ich habe schon ein wenig Werbung in zwei oder drei einschlägige Foren gepostet, meist Fan-Communities von Bands, die musikalisch verwandt mit oder Vorbild für meine Musik sind. Ich bin aber sehr froh, dass sich darum jetzt Musea Records kümmert.



Was macht Musea denn für dich? Nutzen die die Fan-Gemeinschaft im Internet?

Musea scheint einen sehr aufmerksamen und musikhungrigen Kundenkreis zu haben, der sich vorrangig übers Internet informiert. Die müssen gar nicht teuer in Print-Magazinen inserieren. Es reicht, wenn sie ihre PDF-Flyer per Rundmail verschicken und ihre Internet-Connections nutzen. Gerade im Progressive Rock – Bereich scheint sich eine Art Subkultur im Internet entwickelt zu haben, die von den herkömmlichen Vermarktungswegen getrennt und nicht abhängig ist. Da läuft viel über Mund- bzw Mailpropaganda und Rezensions-Seiten.

Welche Rolle spielt dabei die Vermarktung deiner Person und Geschichte?



Beim ersten Album spielte das noch eine nennenswerte Rolle, weil alles noch so frisch und gerade erst passiert war. Mittlerweile erwähne ich es nicht mehr, ich schreibe dann eben, dass es das Projekt nun seit 5 Jahren gibt und 2007 das erste Album erschien. Auch Musea stellt mich da nicht sonderlich heraus, ich werde lediglich als Schöpfer und Chef des Projekts genannt.

Glaubst du denn trotzdem, dass es sowas wie einen Underdog-Charme bei The Healing Road gibt?

Zumindest anfangs gab es den ganz sicher. Ich habe neulich auf MySpace einen Künstler gefunden, der gar angab, dass die Entstehunsgeschichte meines Projekts ihm den Mut gab, sich selbst an etwas ähnlichem zu versuchen. So jemand kauft die CD nicht vorrangig wegen des perfekten Sounds, sondern weil ihm diese Geschichte irgendwie sympathisch ist.




Was ist deine Zielgruppe, falls du so etwas hast? Bekommst du Rückmeldungen?



Das bisherige Feedback lässt vermuten, dass es einen Peak der Käuferanzahl bei Männern zwischen 30 und 50 gibt, nicht untypisch für Musik dieser Art. Längerfristiger Kontakt hat sich mit ein paar Radio-DJs ergeben, das sind oft die selben Musik-Freaks wie ich einer bin. Das läuft eigentlich alles in normal-freundschaftlichem Ton auf Augenhöhe ab und nicht “von Künstler zu Hörer”. 



Hast du auch negative Erfahrungen gemacht?

Es gab bisher keine Kritiken unter der Gürtellinie. Ich denke, dafür ist das Ganze noch in zu harmlosen Dimensionen. Diese Auswüchse entstehen meist, wenn wirklicher Neid existiert oder der Erfolg eines Projekts manchem unangemessen und unverdient erscheint. Dafür bin ich einfach zu unbekannt, denke ich.

Hast du irgendwelche Ziele, was du mit The Healing Road noch erreichen möchtest?



Noch ein Album machen, das besser ist als die ersten drei.



Allgemein gesprochen: Wie, würdest du sagen, hat das Internet dein Leben verändert?



Es hat vieles einfacher gemacht. Es hat den Kontakt zu Freunden erleichtert, hat verhindert, dass ich Leute aus den Augen verloren habe, es macht es mir leicht, mich über Musik oder Literatur zu informieren, Bildungslücken zu schließen, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, mal eben den Kontostand abzufragen, ohne zur Bank zu müssen und so weiter. Meine Leidenschaft für die Musik konnte ich dank des Internets vom reinen Konsum auf das Veröffentlichen eigener Alben ausweiten. 



Und genauso allgemein gesprochen: Was könnte im Internet noch besser laufen?



Ich denke, es liegt an jedem einzelnen User selbst, was er daraus macht. Man könnte es oft etwas umsichtiger und wohldosierter nutzen, weniger konsumieren, aktiver daran teilnehmen. Es hat bei aller Kommerzialisierung enormes Potenzial, das man nur erkennen und nutzen muss.

Dieser Beitrag ist Teil 2 der Serie Erfolgsstory Internet?
Sie spricht mit Menschen, in deren Leben sich durch das Internet etwas verändert hat, über das Internet.

Erfolgsstory Internet? – Hardy Prothmann und das heddesheimblog

Für den ersten Teil der Interview-Serie “Erfolgsstory Internet” habe ich mit Hardy Prothmann gesprochen. Hardy betreibt seit April 2009 das heddesheimblog, ein lokaljournalistisches Blog für den Ort Heddesheim in der Nähe von Mannheim. Das Aufkommen des Blogs hat nicht nur vor Ort, wo der “Mannheimer Morgen” zuvor die einzige Zeitung war, für Aufsehen gesorgt, auch durch die Welt des Journalismus ging ein Raunen.

Das heddesheimblog, und die inzwischen hinzugekommenen Schwestern hirschbergblog und ladenburgblog sind untrennbar verknüpft mit der Person Hardy Prothmann. Er ist ein streitbarer Charakter, stellt mit Vorliebe steile Thesen in den Raum (“Ich bin die Zukunft des Lokaljournalismus!”) und poltert auch gerne mal gegen die anderen. Diese Art hat ihm auch Kritik eingebracht, ebenso wie beispielsweise die Tatsache, dass er in Heddesheim nicht nur Journalist ist, sondern auch im Stadtrat sitzt – womit er aber selbstbewusst umgeht.

Ich habe mit Hardy weniger über seine Arbeit an den Blogs gesprochen, als über seine Haltung zum Internet als Medium – und genau die oben erwähnte Verknüpfung zwischen seiner Person und seinem Produkt. Das Interview wurde per E-Mail geführt.

Offenlegung: Ich habe Hardy und sein Blog in einem Artikel für epd medien im Herbst 2009 poträtiert und ihn anschließend auch mal persönlich kennengelernt. Deswegen duze ich ihn in dem Interview.


Real Virtuality: Würdest du sagen, dass das heddesheimblog eine Erfolgsstory ist?

Hardy Prothmann: Gemessen an den Besucherzahlen und an der Aufmerksamkeit und in Bezug auf Lokaljournalismus ist es wahrscheinlich „die“ Erfolgsstory zurzeit. Was noch fehlt, ist der wirtschaftliche Erfolg. Aber der entwickelt sich zunehmend, und in einigen Monaten wird unterm Strich eine schwarze Null stehen.

Wie entwickelt sich der Gesamtbetrieb, jetzt wo auch die Schwesterblogs am Start sind?

Stressig: Zu wenig Geld, zu wenig Leute und so viele Themen. Das heddesheimblog wird im Februar deutlich über 3500 Besucher am Tag haben, das hirschbergblog nach zehn Wochen über 600, das landenburgblog hat in den ersten Tagen nach dem Start gut 300 Besucher täglich.

Du kommst aus dem klassischen Printjournalismus. Was hat sich durch die Arbeit im Internet für dich verändert?

Das Internet macht diese Arbeit erst möglich. Recherche, Kommunikation, Distribution, Dokumentation, Community – alles ist einfacher durch das Internet und in meinen Augen viel besser, als in Zeiten der Print-Ära. Ich habe noch den Spiegel und die c’t abonniert. Ab und an kaufe ich die eine oder andere Zeitung. Für den Zug oder andere Situationen, in denen das praktischer ist. Die räumlich und zeitliche Grenzenlosigkeit des Internets ist allen Printprodukten aber haushoch überlegen.

Warst du immer schon internet-affin?

Ich bin 1990 mit einem 14.4-Modem das erste Mal online gegangen. Beantwortet das die Frage?

Achtest du darauf, dass du besonders Internet-gerecht arbeitest?

Ich schreibe kurze Texte, aber auch richtig lange Riemen, weil ich überzeugt bin, dass die Leser draußen nicht doof sind und sich interessieren. Auch das unterscheidet meine Blogs von der Tageszeitung. Ansonsten bemühe ich mich um eine umfangreiche Verlinkung. Damit schicke ich die Leser zwar weg von meinem Angebot – aber ich bin sicher, sie kommen dahin zurück, wo sie gut informiert wurden. Außerdem werden Facebook und Twitter immer wichtiger für die tägliche Arbeit.

Wie gehen deine Leser und deine Anzeigenkunden mit der Tatsache um, dass dein Produkt nur im Netz stattfindet?

Es gibt jede Menge Leser, die mir sagen: Mittlerweile trinke ich meinen Morgenkaffee vor dem Computer und nicht vor der Zeitung, denn die ist abbestellt. Die Anzeigenkunden muss man noch davon überzeugen, dass ihre Werbung im Internet mehr bringt als in der Zeitung oder in irgendwelchen Wochenblättern. Da gibt es noch zu viel traditionelles Denken. Aber das ändert sich zunehmend.

Was bedeutet dir die Tatsache, dass deine eigenen Texte jetzt nicht mehr gedruckt vorliegen?

Da ich auch genug Radio- und Fernseherfahrung habe, kenne ich auch die „flüchtige“ Berichterstattung. Gedruckt bedeutet einzig eine begrenzte Auflage und damit auch begrenztes Wissen. Das Internet bedeutet eine unbegrenzte Verteilung und ein schier unbegrenztes Wissen.

Du hast schon öfter in den Raum gestellt, dass Seiten wie das heddesheimblog die Zukunft des Lokaljournalismus sind. Erklär bitte mal, warum.

Die Verlagshäuser produzieren mit enormen Aufwand ein teures Produkt, dass auch noch teuer verteilt werden muss und ein One-Way-Produkt ist. Und obwohl alles so teuer ist, füllen sie dieses Produkt mit billigen und schlecht bezahlten Inhalten.

Die Produktion fürs Internet ist im Vergleich ultra-kostengünstig, die Verteilung kostet nichts und der Inhalt ist vielfältig verknüpft. Um jetzt mal den Lateiner rauszuhängen: „Textum“ heißt nicht das Gedruckte, sondern das Gewebe. Und hier noch ein bisschen Futter für die Philosophen: Das Internet gibt einem Text erstmals die Möglichkeit, das zu sein, was er ist: Verwobene Informationen.

Inhaltlich ist das Internet wie gemacht für das Lokale. Die großen Portale buhlen um „Online-Communities“. Die sind virtuell. Die Community des Lokalen ist real. Hier ist die Kommune, die Gemeinde. Zudem ist das Internet umfassender, schneller, aktueller als alles, was die Zeitung bieten kann.

Du hast das heddesheimblog auch überregional bekannt gemacht. Wie bist du vorgegangen?

Thomas Mrazek vom BJV hat im August ein Interview mit mir gemacht und bei onlinejournalismus.de veröffentlicht. Den Rest hat das Internet erledigt. Bundesweit haben viele Kollegen auf das heddesheimblog geschaut und gemerkt: Hey, hier geht was.

Dann kamen weitere Interviews und Berichte dazu. Ich vermute, dass ich so interessant bin, weil und wie ich meinen Job mache. Ich zeige, dass das Lokale absolut spannend, vielfältig und berichtenswert ist. Ich habe noch nie soviel Spaß an meinem Job gehabt, wie in den vergangenen Monaten.

Und ich bringe einen neuen Sound in die Lokalberichterstattung: Die Kommentare äußern knallhart ihre Meinung und nehmen kein Blatt vor den Mund. Es gibt einige, die finden das „skandalös“, also „unerhört, unglaublich“. Ich finde, es ist absolut skandalös, wenn Zeitungen in unserer Zeit immer noch einen Journalismus machen, der nicht über die Qualität von Gammelfleisch hinauskommt.

Menschen interessieren sich gerne für Kuriositäten. Dass ein unbedeutender Journalist – im Vergleich zu den Großen der Branche – immer wieder die überregionale Debatte um die Qualität des Journalimus mitbestimmt, ist kurios und hält das Interesse hoch.

Beim Klappern für das heddesheimblog hast du auch deine Person in den Mittelpunkt gestellt (z. B. ziert den Twitter-Account @heddesheimblog dein Foto). Ist Selbstvermarktung ein wichtiges Thema für dich?

Ich vermarkte nicht mich, sondern meine Blogs. Dafür „halte ich meine Fresse hin“.
Meine „Selbstvermarktung“ ist ein demokratischer Appell an die Menschen: Journalismus basiert auf der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit für alle Bürger.

Ich bekenne mich ganz offen zu einem subjektiven Journalismus. Denn es geht dabei im Journalismus um Subjekte, um Menschen. Meine Berichte entstehen zwar „objektiv“ nach professionellen Standards, also viele Quellen, Gegenseite hören, Fakten prüfen und so weiter. Die Inhalte sind aber oft subjektiv dargestellt. Daraus entsteht Betroffenheit und Nähe. Es menschelt.

Ich mache diese Subjektivität aber transparent. Das heißt, ich verweise auf Quellen (außer jene, die ich schütze), ich verlinke zu weiteren Informationen, anderen Quellen für die andere verantwortlich sind. Ich mache die Berichterstattung überprüfbar. Auch das ist ein absoluter Vorteil des Internets gegenüber der Zeitung.

Und genau davor haben viele Journalisten Angst: In der Zeitung ist immer noch anscheinend alles wahr – weil es keine Möglichkeit der direkten Überprüfung gibt. Das Internet an sich trägt zu einer besseren Qualität des Journalismus bei, denn der muss sich plötzlich an all den anderen Informationsangeboten und Überprüfungsmöglichkeiten messen lassen.

Wie bringst du die Notwendigkeit für Selbstvermarktung im Internet und das Auf-dem-Teppich bleiben unter einen Hut?

Ich friere mir vier Stunden lang bei einer Polizeikontrolle für einen Bericht die Nase ab, verbringe viel Zeit auf Vereinsfesten und „schlage“ mich mit der Kommunalpolitik rum. Ganz ehrlich: „Berühmt sein“ habe ich mir glamouröser vorgestellt. Von der Bekanntheit kann ich mir nichts kaufen. Bekanntheit bedient höchstens meine Eitelkeit – wenn man die zu groß werden lässt, steht sie einem im Weg.

Klar nutze ich sie für die Blogs, um deren Bekanntheit voranzubringen. Meine lokalen Kritiker werfen mir Egoismus vor und dass ich meine eigenen „Ziele“ verfolge. So nach dem Motto: „Huhu, der Prothmann will die Macht übernehmen oder hat sonst was Schlimmes vor.“ Das finde ich zum Wiehern. Die lokale High-Society denkt wirklich, ich wollte mit ihrer „Bedeutung“ konkurrieren.

Natürlich habe ich ein Image und pflege es auch. Draußen in der großen, weiten Welt bin ich vielleicht ein Phänomen: Hier vor Ort kann mich jeder anfassen und ansprechen. Und die Leute wissen mittlerweile, dass ich nicht nur irgendetwas schwätze, sondern dass ich „echt“ bin.

Wie trennst du in eben dieser öffentlichen Diskussion und Vermarktung dein privates und dein öffentliches Selbst. Ergeben sich Konflikte?

Als Journalist wahre ich die notwendige Distanz, auch wenn ich oft ganz nah rangehe. Daneben habe ich Privatleben und das geht niemanden etwas an.

Mit der Diskussion um den Wikipedia-Eintrag “Bratwurstjournalismus”, den du geprägt hast, hast du die Dynamik der Netzgemeinde direkt erleben können. Was war dein Eindruck?

Das war eine Riesen-Show. Gerade die Löschdebatte auf Wikipedia. Ich habe viel gelacht und immer wieder gedacht: Das gibts doch gar nicht. Haben die Leute nichts Besseres zu tun, als sich über ein harmloses Wort so zu echauffieren? Großes Kino!

Andererseits hat der Bratwurstjournalismus eine Debatte ausgelöst, die schon lange fällig war: Die Qualität des Zeitungslokaljournalismus ist überwiegend unter aller Sau – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Darüber wird geredet und nachgedacht. Und das ist gut so.

Was sind deine Pläne für das nächste Jahr?

Zwei Mal zwei Wochen Urlaub auf meiner Yacht im Hafen von Nizza zu machen. Bis dahin muss ich aber noch ein paar Artikel schreiben und Werbung verkaufen, um mir den Urlaub und die Yacht leisten zu können.


Selbstkritik: Beim Vorbereiten des Interviews zur Publikation ist mir aufgefallen, dass es (z. B. durch Nachfragen) ein bisschen kritischer hätte sein können. Unglücklicherweise kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mehr nachbessern. Ich nehme mir hiermit vor, diesen Aspekt bei zukünftigen Interviews im Hinterkopf zu behalten.

Dieser Beitrag ist Teil 1 der Serie Erfolgsstory Internet?
Sie spricht mit Menschen, in deren Leben sich durch das Internet etwas verändert hat, über das Internet.

Interviewserie: “Erfolgsstory Internet”


Bild: AMagill

Nachdem dieses Blog in den letzten Wochen doch einen sehr starken Filmschwerpunkt hatte und sich fast gar nicht mehr mit Medien beschäftigt hat, wird es Zeit, dass sich das wieder ändert.

Mein Thema: Das Internet.

Gerade in der Medienwelt gibt es immer noch genug Menschen – und: nicht nur unter den greisen Verlagsoberen, Politikern und ZDF-Journalisten – die gerne auf das Internet schimpfen. Nicht selten ist die Ursache dieses Schimpfens eine schwach verhüllte Angst davor, als Institution obsolet zu werden oder als Mensch nicht mehr mithalten zu können. Manchmal ist sie vielleicht aber auch einfach Unwissenheit.

Die Interviewserie, die diesen Donnerstag auf Real Virtuality beginnen wird, versucht, dagegen anzustinken und (mal wieder) die positive Seite des Internets zu präsentieren. Das Blog möchte Menschen zeigen, für die die Auseinandersetzung mit dem Internet einen Erfolg bedeutet hat. Keinen riesigen, finanziellen, weltumstürzlerischen Erfolg wie bei den CEOs der neuen Web2.0-Giganten, sondern einen kleinen, persönlichen Erfolg, den sie ohne das Internet vielleicht gar nicht, aber sicherlich nicht genau so, hätten feiern können.

Ich befrage in den Interviews Menschen, denen das Internet eben so eine Veränderung im Leben gebracht hat, über ihre Beziehung zum Internet. Donnerstag geht es los, ich freue mich auch auf Kommentare.

Anmerkung: Die Interviewserie hat keine festgesetzte Länge und ich bin noch immer auf der Suche nach Menschen, die interessante Internet-Erfahrungen mit mir und den Lesern dieses Blogs teilen möchten. Meldet euch bei mir und schreibt mir eine Mail an alexander.gajic(at)gmx.net oder eine Direktnachricht bei Twitter an @alexgajic

Real Virtuality ist eine “Perle”

Wer hätte das gedacht? Jürgen Vielmeier von Yucca Tree Post hat Real Virtuality in eine Liste von 125 traumhaften deutschen Blogs aufgenommen, und mich sogar mit dem Bonus-Sternchen “Perle” markiert.

Ich danke zunächst einmal herzlich und fühle mich sehr geehrt.

Außerdem nehme ich es als Ansporn, künftig häufiger zu schreiben oder zumindest auf eine gleichbleibende Qualität zu achten.

Die Liste ist sehr sehenswert und beinhaltet auch einige wirkliche Perlen. Also: unbedingt reinschauen.

The Collected Diekmann-Luv

(Anmerkung, 3. Februar: Leider hat Kai Diekmann nach dem 100. Tag alle seine Spuren verwischt und nur noch ein Denkmal stehengelassen. Damit ist die unten stehende Linkliste leider hinfällig.)

Stefan Niggemeier hat auf seinem Blog mal wieder Bilanz gezogen, diesmal über das Blog von Kai Diekmann, das ich die ersten paar Tage auch noch ganz witzig fand, das mir dann aber mit seinen Fisimatenten, seiner Selbstbeweihräucherung und der für “Bild” üblichen Schamlosigkeit nach einiger Zeit gehörig anfing, auf die Nerven zu gehen.

Am Ende seines Artikels steht bei Niggemeier ein erstaunliches Fazit:

Fragt man Leute, die ihn ein bisschen kennen, was Diekmann eigentlich antreibt, ob er Macht will, die Welt verändern, berühmt werden, sagen einige auch: Er will geliebt werden. Er kann sich mit den ganzen Wichtigen schmücken, die mit ihm reden, aber wie viele davon tun es wirklich freiwillig und gerne?

Das klingt für mich nach einer ganzen Menge Wahrheit. Deshalb hier nur mal eine kleine Liste, wie sehr sich Diekmann in seinem Blog von Anfang an als der darstellte, der von allen geliebt wird oder werden will.

Zitieren wir zum Abschluss noch einmal Niggemeier:

Jetzt wird er ein bisschen geliebt und musste dafür nicht einmal ein besserer Mensch werden.

Hundert Tage sind dann auch genug.

Mehrwert bieten

Springer hat es dann einfach mal gemacht. Zum 15. Dezember 2009 wurde vor einem großen Teil des Onlineangebots von „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ eine Schranke heruntergelassen. Wer
über Agenturmeldungen hinausgehende oder exklusiv recherchierte Texte lesen möchte, muss bezahlen: 7,95 Euro für 30 Tage Zugang. Kunden, die auch die gedruckte Zeitung abonniert haben, dürfen kostenlos auch online lesen.

„Alle Verlage haben eine ganz grundlegende Verpflichtung, auszuprobieren, ob Nutzer bereit sind, im Internet für Inhalte zu bezahlen“, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner auch zum Start des anderen Bezahlmodells, das dem Medienkonzern für seine Inhalte mehr Geld bringen soll: Apps für Smartphones, allen voran Apples iPhone, die bis zu 4,99 Euro im Monat kosten sollen. Wenn jetzt das nächste große Ding, das iPad von Apple, auf den Markt kommt, hofft Springer sicherlich auch dort „Bild“, „Welt“ und Co monetarisieren zu können.

Weiterlesen in epd 7/10

Worte zum Wochenende

Diekmann selbst ist ein unkomplizierter und ausgesprochen kommunikativer Typ, der ohne Distanz grundsätzlich jeden gelten lässt, sich für sein Gegenüber wirklich zu interessieren scheint – gute Storys findet man nur bei aufmerksamer und ergebnisoffener Recherche. Selbst streitbare Zeitgenossen wie Broder lässt Diekmann neben sich gut aussehen. Sein Blog bereitet ihm sichtlich ungeheuren Spaß. Das Projekt dürfte tatsächlich weniger ein Marketing-Instrument sein, sondern eher ein Kommunikationskanal zu Journalisten-Kollegen und Kritikern. Während Ironie und Selbstironie in einem Boulevardblatt, in dem die Sätze nicht ohne Grund kurz gehalten werden, manche Leser wohl überfordern dürfte, kann Diekmann sich in seinem Blog austoben, erlaubt sich etliches an Insidergags und Stichelei. Material gibt es genug

Markus Kompa , heise.de
// Blogger der 100 Tage

Fakt ist aber auch: Weiterhin wissen die Verlage nichts mit diesen Lesern anzufangen. Man stelle sich einmal den Ladeninhaber vor, dem man 1000 Menschen vor die Tür stellt und der nicht weiß, wie er mit denen Umsätze macht – ungefähr so geschäftstüchtig sind Verlagshäuser im jahr 2010.

Thomas Knüwer , Indiskretion Ehrensache
// Verlage vs. Google: Es könnte lustig werden

Wer diesen App-Entwurf kritisiert, der kommt eh viel zu spät. Die App der “Tagesschau” ist nämlich alles andere als eine Neuerung:

Daniel Bouhs , taz
// Der Protest ist nur Werbung

I hope that Princess Tiana opens the door for many more animated movies where the characters just happen to be black.

Peter Del Vecho , Producer von The Princess and the Frog im Guardian
// A short history of race in animation

“Guten Morgen, Haiti”

Bei Frederic Dupoux verwandelte sich Twitter innerhalb einer Stunde von einem Spielzeug des sozialen Webs in einen Nachrichtenkanal. Noch um zehn vor vier Uhr Ortszeit alberte er mit Freunden herum, mit denen er über das Mikroblogging-Netzwerk verbunden war. Doch dann, um kurz vor fünf am 12. Januar, drei Minuten nach Beginn des Erdbebens, schrieb er plötzlich: “Oh, Mist. Schweres Erdbeben gerade! In Haiti!” Eine halbe Stunde später: “Der Mist bebt immer noch! Großes Erdbeben in Haiti!”

Weiterlesen

Worte zum Neujahrswochenende

Once again, at a time of year when critics are picking their 10-best lists for 2009, we jump back ninety years and give our choices for 1919.

Kristin Thompson and David Bordwell, Observations on Film Art and FILM ART
// The ten-plus best films of … 1919

I think Homestar presages a new webstalgia: I may never find myself getting misty over the Dancing Banana, but Get Your War On? All your Web touchstones are belong to us. I fully expect to get a little teary someday when we start playing Hot Or Not over warm Jell-O at the Robot-Assisted Living Facility for Retired Singulatarians.

Scott Brown, Wired
// Why Some Memes Never Die

Ich wies darauf hin, dass “Pirate Coelho” seit 2005 im Netz stand und dass die Absatzzahlen stetig angestiegen waren. Daraus folgte, dass die klassische Art des Vertriebs von der Filesharing-Variante profitierte. Meinen hochverehrten Verlegern fiel es allerdings schwer, die Sachlage richtig einzuschätzen.

Paulo Coelho, Frankfurter Rundschau
// König der Piraten

Your correct usage of the word will determine whether or not I kick you in the hemorrhoids.

Matthew Inman, The Oatmeal
// Ten Words You Need to Stop Misspelling

Worte zum Wochenende

In ernster Anerkennung dieser charmanten aber deutlichen Kritik des inzwischen abgetretenen ARD-Programmdirektors und Nachwuchs-Talkshow-Gastgebers verleiht das Medienmagazin DWDL.de jetzt jährlich den Goldenen Günter an Personen, Formate und Unternehmen, die ziemlich “ui-jui-jui” waren.

Thomas Lückerath , DWDL.de
// Der goldene Günther 2009 – Das sind die Gewinner

In press screenings, wisecracks are always acceptable. One film, I remember, was produced by a US company with a classy, British-sounding name: Hyde Park Entertainment. When their logo flashed up – bafflingly featuring London’s Tower Bridge, which is miles from Hyde Park – the Daily Mail’s Chris Tookey remarked acidly: “Yes, well, that doesn’t inspire confidence!” Much giggling ensued.

Peter Bradshaw , guardian.co.uk
// When it’s perfectly OK to talk during a film

Leser zu beschimpfen aber ist ebensowenig zielführend wie Mediaagenturen und Anzeigenkunden dafür zu kritisieren, dass die für Werbung im Netz so wenig zahlen. Märkte reagieren in der Regel weder auf Appelle noch auf Drohungen.

Christian Stöcker , Spiegel Online
// Springer-Chef schimpft auf “Web-Kommunisten”

A good reveal will not just happen, but will be the culmination of a series of gestures that draw you in to a state of curiosity, suspense and anticipation. In short, if they’ve spent a lot of money on their biggest selling point, they’re going to make you wait to see it.

Dan North , Spectacular Attractions
// How Special Effects Work #4, The Reveal