Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 10 “What they become”

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Ein gutes Serienfinale führt Pfade an einem Ort zusammen und lässt aus dieser Zusammenkunft etwas Neues entstehen, ein bisschen wie in dem alten Spruch zu Werra, Fulda und Weser. “What they become” trägt dieses Merkmal schon im Titel und man kann, denke ich, problemlos sagen, dass die Folge dem Label Midseason-Finale schon ziemlich gerecht wird. Sonst hätte ich wohl kaum am Ende meines Notizblocks ein großes “WTF” stehen gehabt.

Ein paar große Wörter werden in dieser Folge in den Raum geworfen. “DESTINY” – das ist das, was sich für Skye angeblich erfüllen soll. Und “LOVE” – Wards Antrieb, Skye zu helfen und leider die wenig hinterfragte und immer sehr abstraktromantisch angewandte “geheime” Zutat in jedem verdammten fantastischen Film da draußen – von Harry Potter über Matrix bis Interstellar. Insofern: Angenehm, dass das Wort nur eine kurze Weile bleiern in der Luft hängt und dann durch eine spontane Feuerwaffen-Aktion von Skye perfekt konterkariert wird. (Auch wenn Ward anschließend noch erstaunlich fit zu sein scheint.)

Schicksal im großen Stil

Schicksal allerdings wird in diesem Semifinale im großen Stil erfüllt und dazu passt die Parallelstruktur der Folge, in der mehrere Handlungsstränge einander immer wieder kreuzen um am Ende in einem einzigen großen Slo-Mo-Moment zu konvergieren. Und obwohl der Moment selbst spektakulär genug inszeniert ist, ist es beinahe der Weg dorthin, der inszenatorisch interessanter ist. Die vielen kleinen Teams und Standoffs, die sich im Minutentakt ergeben. May und Tripplet, Bobbi und Lance, Fitz, Simmons und Tripplet, May und Coulson, Cal und Skye, Cal vs. Whitehall, Cal vs. Coulson, Skye, Raina und Tripplet.

Am Ende dieses Weges wissen wir bereits so viel mehr, als am Anfang. Bobbi verheimlicht etwas vor Lance. Cal heißt Cal (Calvin Zabo alias Dr. Hyde, verrät mir das Internet, das mehr Marvel-Comics gelesen hat als ich). Skye heißt eigentlich Daisy (Daisy Johnson, dito). Whitehall ist tot (falls er tot bleibt). Tripplet ist tot (We hardly knew thee). Und verdammt noch eins, Skye ist Inhuman. Die Serie sagt das nicht explizit, aber das Internet hat ja sowieso seit Wochen nichts anderes vermutet.

Universumsöffnung

Es gibt einiges, was man noch an dieser Folge loben könnte. Kyle MacLachlan ist wieder voll im Grand Guignol-Modus und spielt sich die Seele aus dem Leib. Reed Diamond als Daniel Whitehall ist wunderbar dämonisch, bevor er sein unspektakuläres Ende erreicht (ich könnte mir gut vorstellen, dass er bei Agent Carter wieder dabei sein wird). Die Lichtsetzung fällt angenehm auf in der stimmigen letzten Szene in den Tiefen der unterirdischen Stadt. Das alles verblasst aber natürlich im Vergleich zu der großen Universumsöffnung, die die Serie mit ihrem Ende vornimmt.

Was in “What they become” passiert, wird große Auswirkungen auf das Marvel Cinematic Universe haben. Die Serie wird Setup, wird Hintergrund, statt immer nur Lumpensammler zu sein. Der Inhumans-Film wird erst 2019 in die Kinos kommen, bis dahin kann Agents of SHIELD noch viel Spaß mit dem Konzept haben. Zudem ist die Serie sozusagen der Grundstock für das Zwischenspiel von Agent Carter nach dem Jahreswechsel, das sicherlich mit SHIELD-Hintergrundwissen auch besser funktionieren wird (nicht umsonst fällt in dieser Folge erneut ein Hinweis auf die “Howling Commandos”). Diese Art des multipel vernetzten und langfristig geplante Erzählens ist nach wie vor ein Unikum in der weltweiten Medienlandschaft. Hoffen wir mal, dass das große Versprechen, dass diese Folge macht, in den kommenden Jahren eingelöst wird.

Beste Szene: Skye trifft ihren Vater. Ein ungleicher Dialog.

Bester Satz: “When this is all over, I’ll cry for like a week” (Bobbi Morse)

Note: 1-

Anmerkung: Die SHIELD-Recaps waren als Test für mich gedacht und ich habe das Gefühl, dass der Test vorbei ist. Ich habe mir bewiesen, dass ich immer noch lieber in großen Bögen als in kleinen Folgen denke, aber einen Zugang auch zu einzelnen Folgen finden kann. Mein Blog soll mir Spaß machen und das Recappen fühlte sich fast von Anfang an immer eher wie eine lästige Pflicht an. Wenn sie dafür wenigstens viele Leser hätten, wäre das auch noch ein Anreiz, aber da die Serie nicht im deutschen Fernsehen läuft, sind die Klickzahlen erschreckend vernachlässigbar, der Zusammenarbeit mit “Serien.Ninja” zum trotz. Nächstes Jahr habe ich aus beruflichen Gründen wahrscheinlich noch weniger Zeit. Ich denke, dass ich deshalb mit dem wöchentlichen Recappen aufhören und nur am Ende der Staffel noch einmal meine Gedanken aufschreiben werde. Nicht einverstanden? Schreib es in die Kommentare.

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 8 “The Things We Bury”

“The Things We Bury” enthält drei Handlungsstränge auf zwei Zeitebenen. Die Folge schließt wieder einige Lücken auf dem Weg zur Enthüllung unseres großen Staffelmysteriums. Das ganze ist spannend erzählt, mit guten Dialogen und schönen Comic-Schauspielmomenten und enthält sogar einige nette Regieschnörkel. Vielleicht die beste Folge der Staffel bisher, nachdem schon die letzte Woche ein Erfolg war. Warum nicht gleich so, Jed und Maurissa? Warum nicht gleich so?

Nachdem ich dieses übliche Daumen-Urteil getroffen habe, sollten wir diese Woche mal syuzhet und fabula trennen und zusammenfassen, was zur Hölle eigentlich Sache ist. Der Zeitpunkt für eine ausführlichere Analyse ist günstig, da die Folge, wie erwähnt, viele bisher aufgeworfene Fragen beantwortet und die ganze Serie relativ sicher auf die Schienen setzt, die schon bald vermutlich erst in einer Art Zwischenfinale vor Weihnachten und dann wahrscheinlich in Age of Ultron enden werden. Dazwischen steht uns ja auch noch Agent Carter, die Serie, bevor, aber dazu später mehr.

Was bisher geschah

Also: 1945 erhält Werner Reinhard, einer der engeren Vertrauten des Hydra-Gründers Red Skull, den Obelisk auf seinen Raubzügen in Europa und testet ihn in einer Burgruine in Österreich. Er kann noch feststellen, dass einzelne Menschen – darunter eine junge Frau – nicht von dem Artefakt getötet werden, bevor Agent Carter und die Howling Commandos seine Basis hops nehmen. Carter verhört Reinhardt, kann jedoch nichts aus ihm herausbekommen und bringt ihn lebenslang hinter Gitter. 1989 wird Reinhard befreit, trifft die gleiche Frau wieder, die im Gegensatz zu ihm nicht gealtert ist, und experimentiert so lange mit ihr, bis er den Stoff gefunden hat, der ihr ewige Jugend beschert. Die Frau, die augenscheinlich die Mutter von Skye ist, stirbt und Reinhard wird, frisch verjüngt, zu Whitehall. Der Mann der toten Frau, Skyes Vater – der immer noch keinen Namen außer “Doctor” hat – findet den verstümmelten Leichnam seiner Frau und schwört Rache. (Größtes Fragezeichen in dieser Geschichte: Was machen all die Menschen, die asiatisch aussehen und eine asiatische Sprache sprechen, in Österreich? Wurde hier eine Location später geändert?)

Weitere 25 Jahre später, im Jetzt, treffen Whitehall (immer noch jung) und der Doctor bei HYDRA zusammen und beschließen, ihr Wissen zusammenzutragen. Der Obelisk, oder auch “Diviner”, was man mit “Erkenner” übersetzen könnte, kam vor langer Zeit auf die Erde – einem Mythos nach von “blauen Engeln” überbracht. Höchstwahrscheinlich sind dies die blauen Aliens, aus deren Gewebe das Serum gewonnen wurde, mit dem sowohl Coulson als auch Skye dem Tod entronnen sind. (Marvel hat inzwischen enthüllt, zu welcher Comic-Rasse die Aliens gehören, aber aus Spoilergründen behalte ich das hier mal für mich) Der Diviner soll ein Schlüssel sein, mit dem diejenigen, die würdig sind, ein Tor öffnen und die Welt erobern oder beenden können. Es ist davon auszugehen, dass es sich um das Tor in oder zu der Stadt handelt, nach der SHIELD sucht. Das also wird das Ziel sein, auf das wir 2014 noch hinsteuern. Nur: was wird dort passieren? Wird sich Agents of SHIELD trauen, ein Weltraumtor zu öffnen? Und was bedeutet das für Skye (“That’s not her name!”) und ihre Alien-DNS? Und nur, um das Wort noch einmal zu sagen – schließlich steht uns 2017 ein Film gleichen Namens bevor: Inhumans?

Dunkelstellen

HYDRA hat den Schlüssel, SHIELD hat die Karte. Der Zuschauer hat alle Informationen, die beiden Schatzsucherteams nur jeweils einen Teil. Auf geniale Weise treffen die Köpfe beider Unternehmungen, Coulson und der Doktor, in dieser Folge einmal kurz zusammen, müssen sich aber unentschieden wieder trennen, weil Zeit und Umstände nichts anderes erlauben. Die Verbindung zwischen beiden Seiten ist Grant Ward, die dritte Storyline der Folge, der beide Lager kennt und von dem wir nicht wissen, was er vorhat (außer seinen Bruder und dessen Familie zu töten – aber warum? Um seine HYDRA-Loyalität vorzutäuschen und sich bei Whitehall beliebt zu machen, oder weil er tatsächlich nur ein kaltblütiger Killer ist?). Und es gibt noch immer einige Dunkelstellen: Welches Pferd haben beispielsweise Mockingbird und Hunter in diesem Rennen? Nach dem Gespräch, das Hunter mit Mac in dieser Folge führt ist fast abzusehen, dass es bald wieder zu einem Split – oder zumindest einem Streit – in der SHIELD-Familie kommen könnte.

Außerdem nicht zu verachten ist, wie Coulson darüber philosophiert, dass Nick Fury immer dem Rest der Welt fünf Schritte voraus war – eine wichtige Voraussetzung für Plot-Twists wie in Avengers, wo Coulsons scheinbar zufälliger Tod sich als geplantes Mittel zum Zweck des Zusammenstehens der Avengers entpuppt, und in The Winter Soldier, wo Fury seinen eigenen Tod vortäuscht, um HYDRAs Klauen zu entkommen. Wenn Coulson ab sofort in die gleiche Richtung denkt, sollten wir jetzt schon damit rechnen, dass nicht alle seine Pläne das sind, was sie scheinen.

Agent Carter, I presume

Bleibt zum Schluss noch festzuhalten, wie geschickt Marvel Peggy Carter in dieser Folge ein zweites Mal – sowohl sichtbar in Form von Haley Atwells Szene, als auch indirekt durch ihre Akten und Simmons’ Schwärmerei – auftauchen lässt, um das Publikum für die bevorstehende, sechsteilige Agent Carter-Serie im Januar in Stimmung zu bringen. Für Shared-Universe-Nerds wie mich wird es spannend sein, inwieweit die beiden Serien und der Rest des MCU über die reinen Figuren hinaus miteinander zu tun haben werden. Da Agent Carter tendenziell die Serie mit dem höheren Profil sein wird, könnte ich mir vorstellen, dass die Verknüpfungen mit Age of Ultron oder Ant-Man durchaus etwas größer sein könnten.

Beste Szene: Die einfache aber schicke “Zeit vergeht”-Sequenz in Whitehalls Gefängniszelle.

Bester Dialog: Simmons spricht noch einmal auf erschreckend entwaffnende Weise aus, wie es sich anfühlt, eines Tages in einem kosmischen Superheldencomic-Universum aufzuwachen, nachdem jemand es als unmöglich bezeichnet, dass Reinhard und Whitehall die gleiche Person sind.: “I would agree with you, before ‘alien’ was a word we used daily.”

Note: 1 –

Crosspost mit “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 6 “The Writing on the Wall”

Diese Woche beginnt Agents of SHIELD mit einer der komplexesten “Previously on …”-Montagen, die man sich vorstellen kann. Die Ereignisse, die auf das hinführen, was in den nächsten 45 Minuten passieren wird, liegen sehr weit zurück. Gezeigt wird nur, was irgendwann ab Mitte der ersten Staffel geschehen ist, aber eigentlich müsste man fast bis zum Kinofilm The Avengers zurückgehen, um zu wissen, womit man es zu tun hat: Tod, Wiederauferstehung, ein eingebildeter Urlaub in Tahiti, die Entdeckung, dass T.A.H.I.T.I. vielmehr ein experimentelles Wiedererweckungsprogramm von SHIELD mit Alien-DNS ist, Löschung der Erinnerung durch eine traumatische Roboter-Operation, der Drang, merkwürdige Zeichen in die Wände zu ritzen – erst bei Garrett, dann bei Coulson; die Realisation, dass Skye ebenfalls Alien-DNS zu besitzen scheint und schließlich die Erkenntnis, dass die Zeichen eine Karte sein könnten.

Bei all der Flachheit, die ich Agents of SHIELD so gerne vorwerfe, man muss der Serie applaudieren für die Chuzpe ein Mysterium über so lange Zeit aufzubauen und Stück für Stück immer weiter zu entwickeln. Der Showdown, auf den “The Writing on the Wall” hinausläuft, mag wieder einmal antiklimaktisch inszeniert sein und mich endgültig darin bestätigen, dass Clark Gregg – so sympathisch ich ihn als Schauspieler finde – schlicht und einfach nicht in die Rolle passt, die man ihm zugedacht hat. Aber das Mysterium zieht einen in diese Folge hinein und die Enthüllung des nächsten Schritts wirkt tatsächlich wie eine große Erleichterung ohne tatsächliche Auflösung – ein Spiel dass die X-Files über neun Jahre vorgemacht haben. (Nur leicht getrübt wird das alles durch die Tatsache, dass man die Enthüllung über 15 Minuten kommen sieht, von dem Moment an, als die Modelleisenbahn das erste Mal im Bild ist.)

Die George-Lucas-Schauspielschule

Und obwohl Clark Gregg schon sehr stark die George-Lucas-Schauspielschule channelt, während er sich bemüht, seine Erinnerungen zurückzuerlangen: Seine Flashbacks in die kritische Phase des T.A.H.I.T.I.-Programms besitzen genuine Psychothriller-Spannung, inklusive all der paranoiden Momente, die man dabei erwartet. Das Bild der bewussten OP am offenen Gehirn, bei dem der Patient um Gnade winselt und die Ärzte nüchtern daneben stehen, bleibt ein monströs schreckliches Comicpanel, das kein Marvel-Zeichner besser hätte treffen können.

Wenn es nur mehr davon gäbe. In einer parallelen Storyline müssen wir leider stattdessen miterleben, wie dumm sich ausgebildete Superspione bei einer einfachen Beschattung anstellen, bei der sie natürlich nicht davon ausgehen, dass die Kneipe, in der sich das Zielobjekt mit seinen Vorgesetzten trifft, einen Hinterausgang haben könnte. Nur Brett Daltons eiskalter und undurchschaubarer Charme rettet diesen Teil der Folge vor dem Totalausfall. Natürlich bin ich jetzt doch irgendwie gespannt, wie sich Ward zwischen den Fronten durchschlagen wird, nachdem er den Namen Daniel Whitehall gehört hat.

Schließlich wäre da noch zu erwähnen, dass Skye und Mac eiskalt an Hank Thompsons Schweißerladen vorbeigefahren wären, wenn dieser nicht praktischerweise winkend auf der Straße gestanden hätten. Das Marvel Cinematic Universe hat schon angenehme Zufälle manchmal.

Beste Szene: Coulsons Flashback

Bester Dialogsatz: “I like my bosses unjumbled at all times.” (Mac)

Note: 2

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 6 “A Fractured House”

© ABC

Wie im letzten Post erwähnt, war ich vergangene Woche unterwegs. Daher konnte ich die neue Folge erst heute sichten und beschreiben.

Lance Hunter habe sich noch nicht entschieden, sagt er, ob er bei SHIELD bleiben will oder nicht. Glücklicherweise wissen wir mehr als er. Nick Blood, der Herrn Hunter Stimme und Körper leiht, rückt mit Episode 6 der zweiten Staffel von Agents of SHIELD in den Stammcast der Serie auf. Das heißt: Er taucht im Abspann vor den zahlreichen “Guest Starring” Credits auf.

Ich schreibe “Glücklicherweise”, weil diese Tatsache für uns Zuschauer fast nur Gutes bedeuten kann. Seit Blood und Hunter in der zweiten Staffel aufgetaucht sind, haben sie das SHIELD-Team nur bereichert, auch wenn ihnen die Autoren hauptsächlich einen Stapel One-Liner von wechselnder Qualität zugeschoben haben. Mit dem Auftauchen von Bobbi “Mockingbird” Morse auf der Bildfläche hat Hunter endlich eine würdige Gegenspielerin bekommen. Als Ex-Paar liefern die beiden diese Woche eine ziemlich gut funktionierende Mr. and Mrs. Smith-Nummer ab, die – mit Unterstützung von wohlplatzierten Schweigepausen durch Melinda May – für einige pointierte Momente sorgt.

Überhaupt funktionieren in “A Fractured House” so viele Dialoge und Szenen richtig gut, dass ich mir zum Ende der Folge hin fast ungläubig die Augen reiben wollte. Das Autoren-Duo Rafe Judkins/Lauren LeFranc, das auch für die exzellente Season-1-Folge “T.R.A.C.K.S.” verantwortlich zeichnete, und Regisseur-Veteran Ron Underwood (City Slickers, Tremors), der in den letzten zehn Jahren viel Fersnsehen gemacht hat, aber hier sein SHIELD-Debüt gibt, schaffen es tatsächlich, der Folge den Drive und Witz zu geben, den ich sonst so oft vermisse. Nicht nur im ungelenken Hin und Her zwischen Lance Hunter und Bobbi Morse, sondern auch in der exzellenten Parallelmontage der zwei Dialogszenen von Coulson und Skye mit den beiden Ward-Brüdern, in der sich im Sekundentakt die Vermutung verändert, wem man gerade vertrauen kann.

Kampf mit Charakter

Die Qualität hält bis zum Ende. Das belgische Safe House, das dem obligatorischen Schlussfight als Kulisse dient, sieht endlich mal nicht aus wie ein beliebiges Bürogebäude in Kalifornien und bietet Raum für einige Moves jenseits der Standard-Kicks und -Schläge. In der Szene zeigt sich außerdem, dass es hilft, einem Kampf Charakter zu geben. Entweder, indem man persönliche Waffen wie Mockingbirds Schlagstöcke und Scarlottis Nunchaku-Konstruktion einbaut, oder dadurch, dass man während des Kampfes etwas erzählt – zum Beispiel die vorsichtige Annäherung zweier zerstrittener Ex-Eheleute. Selbst die Kombi Schluss-Monolog/Montagesequenz wirkt diesmal gut, weil Christian Wards Worten über den Edelmut von SHIELD eine Doppelbödigkeit innewohnt, über die wir als Zuschauende Bescheid wissen, und die den Pathos der Szene gelungen untergräbt.

Das alles, zackiges Schreiben und sinnvolle Inszenierung, funktioniert – nur mal so – übrigens ohne erhöhtes Effekt-Budget und übermäßiges Action-Gedöns. Jetzt müssen nur noch Fitz und Mack auf die Art und Weise zueinanderfinden, wie es die Shipper ihnen bestimmt eh schon ewig und drei Tage nahelegen, und gemeinsam mit Marvels jüngst enthülltem 5-Jahres-Plan wären wir auf einem richtig guten Weg.

Beste Szene: (Coulson vs Christian Ward) vs (Skye vs Grant Ward)

Bester Dialogsatz: “Deception is her forte … I mean that sincerely, not passive-aggressively, as in: it’s a good attribute for a spy to … oh, bloody hell.” (Lance Hunter)

Note: 2+

Crosspost mit “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 5 “A Hen in the Wolfhouse”

Als sich die frisch enttarnte Bobbi Morse (Adrianne Palicki) im SHIELD-Hauptquartier umsieht und auf ihren alten Kumpanen Alphonso “Mac” Mackenzie (Henry Simmons) trifft, entsteht ein wunderbarer Moment, der den gesamten Geist des Marvel-Universums zu enthalten scheint. Die beiden umarmen sich und das erste, was ihnen einfällt, ist irgendein schräger Insiderwitz, den keiner um sie herum versteht – außer warscheinlich Lance Hunter, der wenige Sekunden später den Raum betritt und seiner Ex-Frau gegenübersteht.

Der Moment erinnert an die brillante Szene in Edgar Wrights Shaun of the Dead, in der Shaun und seine kleine Zombie-Flüchtlingsfamilie in einer Schrebergartensiedlung auf eine andere Truppe treffen, die ebenfalls vor den Zombies flieht und fast exakt gleich besetzt ist. Als Zuschauendem wird einem in diesen Augenblicken bewusst, dass man mit den Erzählsträngen, denen man durch einen Films oder eine Serie folgt, immer nur einen winzigen Ausschnitt der Welt zu sehen bekommt, in der die Geschichte spielt. Bobbi, Mac, Hunter und die verstorbene Isabelle Hartley sind eine eingeschworene Truppe, genau wie Skye, Fitz-Simmons, Ward und May es waren, und ganz sicher haben sie im letzten Jahr eigene Abenteuer erlebt, die wir nie zu sehen bekommen werden. Das besondere des Universums-Gedankens, den Marvel vom Comic in Film und TV übertragen hat, ist, dass man stärker als je zuvor das Gefühl hat, diese Abenteuer seien tatsächlich passiert – weil man bereits so viele andere Geschichten erzählt bekommen hat, die im gleichen Universum spielen. Unterschiedliche Perspektiven auf gleiche Ereignisse sehen durfte. Völlig unabhängig von schwachen Drehbüchern, mauer Inszenierung und langweiligen Sets: das Universum selbst bleibt die größte Stärke des Marvel Cinematic Universe.

Der große Twist

Morses Enttarnung als Undercover-Agentin unter den Hydranten ist der große Twist der Folge, auf den auch der Titel “A Hen in the Wolf House” anspielt. Die Enthüllung kommt tatsächlich einigermaßen überraschend, weil Palickis Auftreten als eiskalte, Jackett tragende Nazibraut zuvor durchaus überzeugend anmutet. Verdacht hätte man schöpfen sollen, wenn man sich anschaut, wie behämmert Morses Fußtruppen im Vergleich aussehen, mit ihren Fahrradhelmen und Spritzschutz-Brillen, die sie absurderweise auch in geschlossenen Gebäuden tragen. Dem Comic-Paradigma, dass äußerst bedrohliche und unglaublich schurkische Vereinigungen sich immer dann, wenn es drauf ankommt, durch Inkompetenz und albernes Äußeres identifizieren lassen, kann man in Agents of SHIELD einfach nicht entkommen.

Das gleiche Prinzip gilt auch für die andere Schlüsselszene der Folge, in der wir Skyes Vater endlich besser kennenlernen. Er ist ein “Doc” der dubiosen Agententhriller-Spezies, die bevorzugt in schlecht beleuchteten und ganz sicher nicht sterilen Kellerräumen operieren, wo sie flüchtigen Kriminellen Schuss- und andere Kampfwunden verbinden. Kyle MacLachlan hält sich in dieser Szene nicht zurück, sondern zieht sämtliche Register des Grand Guignol diesseits eines schallenden Bösewicht-Lachens. Passenderweise fällt ausgerechnet (und ausschließlich) grünes Licht durch das kleine Fenster seiner OP-Kaschemme, das in genau jenem Moment die Hälfte seines Gesichts bescheint, als sich aus den Dialogen erschließt, dass “Doc” wohl eine Art Jeckyll-und-Hyde-Problem hat. Subtil ist das wahrlich nicht, aber es lässt jede Menge Raum für Spekulation. Kyle MacLachlan als eine Art Hulk? Wer möchte das nicht sehen? Ich hoffe natürlich heimlich, dass er sich bei Kontrollverlust in Agent Dale Cooper verwandelt.

Illegal Aliens

Wahrscheinlicher, soweit reicht sogar mein Marvel-Wissen inzwischen, ist aber wohl, dass der “Doc” irgendetwas mit Skrulls, Inhumans oder anderen Außerirdischen zu tun hat. Die haben auch farbige Haut und würden sowohl zur “kosmischen” Dimension des Marvel-Katalogs passen, die Guardians of the Galaxy gerade weit aufgerissen hat, als auch zu Coulsons Vermutung, Skye könnte Alien-DNS besitzen und habe deswegen anders auf das extraterrestrische GH-Serum reagiert als Coulson und Garrett. Wenn Skye dann am Ende der Folge noch feststellt, dass die Zeichnungen, die Coulson impulsiv anfertigt, eine außerirdische Karte sein könnten, scheinen sich langsam einige Puzzlestücke zusammenzufügen, die Großes für den Rest der Staffel erahnen lassen.

Die gesamte restliche Handlung der Folge rund um Raina, die sich zwischen drei Bedrohungen – durch Whitehall, durch Skyes Vater und durch SHIELD – entscheiden muss, fällt bei solch kosmischen Andeutungen fast ein bisschen unter den Tisch. Dennoch liefert Ruth Negga wieder einmal eine der überzeugendsten Performances ab und es wird spannend sein, zu sehen, wie es mit ihr weitergeht. Immerhin sorgt sie für genug Ablenkung, damit Skye sich auf eigene Faust aufmachen kann, um ihrem Vater gegenüberzutreten. Das weiß dieser zwar zu verhindern, aber der finale Moment, in dem die so hart gewordene Skye plötzlich doch unter all den merkwürdigen Gefühlen zusammenbricht und Coulson in die Arme fällt, ist ein selterner und schön gespielter Moment der Menschlichkeit in all den artifiziellen Comic-Kulissen, die die Serie ausmachen.

Beste Szene: Fitz und Simmons durchleben spiegelbildlich homoerotische Momente beim betrachten von Mac (“he certainly has an impressive physique”) bzw. Bobbi (“she’s amazing”).

Bester Dialogsatz: “I was a fat baby”, Lance Hunter, One-Liner-Kanone, beim Betrachten des cherubischen Jesuskindleins auf dem gestohlenen Bild

Note: 2

Crosspost mit “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 4 “Face My Enemy”

Ming-Na Wen spielt in dieser Folge von Agents of SHIELD gleich drei Rollen. Da ist ihre reguläre Figur Melinda May, eine verschlossene SHIELD-Agentin mit unbestimmter Vergangenheit, die in Phil Coulsons Team für Arschtreterei zuständig ist. Dann gibt es “Heidi Martin”, eine Tarnidentität, die Agent May annimmt, um sich mit Coulson auf ein Charity-Event zu schleichen, wo sie ein mysteriöses Gemälde stehlen wollen. Und schließlich ist da “Melinda May”, die aber eigentlich Agent Q (Maya Stojan) mit Gesichtsmaske ist und sich Coulsons Vertrauen erschleichen will. (Den Konventionen des Spionagegenres im Film zufolge verändern Gesichtsmasken ja sofort auch den kompletten Körperbau des Trägers und werden somit auch von dem Schauspieler gespielt, den sie imitieren sollen.)

Wen gelingt es gut, die Unterschiede der drei Rollen herauszuarbeiten. Wenn sie als Heidi (Heidi!) Martin plötzlich zur Charme sprühenden Lächelmaschine wird, sind nicht nur die daheim gebliebenen restlichen Teammitglieder aus dem Häuschen über die Metamorphose der ansonsten finster blickenden, schmallippigen May. Und keiner kann mir erzählen, dass Coulson auf der gemeinsamen Reise mit Q-May nicht schon von Anfang an misstrauisch war – denn die falsche Melinda hat eine ganz andere Sprachmelodie und -farbe.

Grob behauene Felsbrocken

An Ming-Na Wen kann es also nicht liegen, dass die vierte Folge der zweiten Staffel, deren Titel ein Kalauer auf die eben erwähnte Gesichtsmaske ist, wieder mal arg holprig daher kommt. Auf jedes ernsthaft locker und natürlich wirkende Gespräch kommt mindestens ein weiteres, in dem die Expositions-Sätze wie massige, grob behauene Felsbrocken in die Szene poltern, um dann noch eine Weile unangenehm im Hintergrund liegen zu bleiben. Die Tanzszene zwischen May und Coulson etwa, in der die beiden zwischen Nostalgie und Raum-Auskundschaften hin- und herwechseln, ist zwar als Idee nicht neu, hätte aber in den richtigen Händen trotzdem amüsant werden können. Drehbuch (Drew Greenberg) und Inszenierung (Kevin Tancharoen) jedoch arbeiten geschickt zusammen, um die Situation so steril und plump wie möglich zu gestalten. Es ist zum Mäusemelken.

Ansonsten zeigt “Face Your Enemy” endgültig, dass Agents of SHIELD wohl wirklich danach trachtet, weniger eine Superhelden-Saga als so etwas wie “Joss Whedon’s X-Files” zu sein. Auf der einen Seite vertieft die Folge die Bedeutsamkeit der merkwürdigen Zeichen, die aus Coulson herausbrechen und die sich auch auf der Rückseite des schon erwähnten Gemäldes finden. Diese werden auch erstmals definitiv als “Alien Writing” benannt und könnten sowohl vom Look als auch vom Mystery-Faktor auch direkt aus Chris Carters Erfolgsserie herübergerettet worden sein. Andererseits ist der Whedon’sche “Team als Familie”-Gedanke schon lange nicht mehr so ausgestellt worden wie diese Woche. Papa und Mama sind auf geheimer Mission und die Kids stehen zu Hause und beobachten, ob alles gut geht. Übrigens eine der besseren Szenen der Folge, bis die imaginäre Simmons wieder explizit erklärt, worum es gerade gehen soll: “Fitz, go join them, they’re bonding.”

Satin-Unterkleider in Action

Höhepunkt des ganzen Tohuwabohus ist – wie so oft – ein Mano-a-mano Kampf von Melinda May, diesmal allerdings mit sich selbst, einmal im Abendkleid und einmal in einem hübschen Satin-Unterkleid mit interessantem Schnittmuster. Zumindest der finale “Sprung über den Tisch”-Move erhebt diese Prügelszene dann auch über vorhergehende. Parallel dazu im Bus: Fitz muss Lance Hunters völlig technik-unfähigen Hände “benutzen”, um eine Sabotageaktion aufzuhalten. Eine schöne Idee, die in der Charakterdynamik auch gut ausgespielt wird. Allerdings hätte ich von den Hydranten schon etwas bessere Technik erwartet, die sich nicht durch zwei Kabel-Umsteckungen aus dem Verkehr ziehen lässt.

Punkten können in dieser Folge schließlich auch die Gegenspieler. Adrian Pasdar spielt Glenn Talbot ebenfalls in doppelter Ausführung. Am Ende mit seiner üblichen angenervten Steifheit, zu der auch die indignierte Aussage passt, dass Coulson ja wohl schon bei dem Gedanken, dass ihn, Talbot, ein Gemälde interessieren könnte, hätte misstrauisch werden müssen. Und im Stinger ist schließlich Reed Diamond wieder als “Big Bad” Daniel Whitehall dabei, der echte Bedrohung ausstrahlt und in einem Nebensatz bestätigt, dass er anscheinend seit dem 2. Weltkrieg am Leben ist. Noch ein Mysterium, das es zu lösen gilt.

Beste Szene: Fitz und Hunter beim Kabelstecken.

Bester Dialogsatz: “Yo!” (Phil Coulson)

Note: 2

Meine Recaps erscheinen auch auf “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 1 “Shadows”

Dieses Blog hatte von Anfang an auch die Aufgabe, mir die Möglichkeit zu geben, neue Formate auszuprobieren. Für diese Fernsehsaison möchte ich mich erstmals an wöchentlichen “Recaps” probieren – der launigen Besprechung von Fernsehserien, die von Seiten wie “TV without Pity” und “The A.V. Club” groß gemacht wurden. Ich habe mir als Partner die neu gestartete deutsche Seite “Serien.Ninja” ausgesucht, welche die Recaps neben meinem Blog veröffentlichen wird.

Als Anschauungsobjekt dient mir (natürlich) das Marvel Cinematic Universe, also die Serie “Agents of SHIELD”, die auf ABC läuft und in Deutschland auf iTunes erhältlich ist. Die Recaps spoilen übrigens absichtlich die komplette Folge und sind für den Danach-Konsum gedacht. Viel Spaß beim Lesen.

© ABC

“Agents of SHIELD” hatte im vergangenen Jahr keinen einfachen Start. Vielleicht waren die Erwartungen an eine Joss-Whedon-Serie im äußerst erfolgreichen Marvel-Universum zu hoch, vielleicht aber auch die Figuren und die Folgenplots ein wenig zu farblos. Mit ein bisschen Hilfe vom ungewöhnlichsten Kino/TV-Crossover neuerer Zeit – der Auflösung von SHIELD in Captain America: The Winter Soldier, die gleichzeitig und danach auch in der Serie spüren war – gelang es “Agents of SHIELD” aber, am Ende der letzten Staffel doch Lust auf mehr zu machen. ABC gab eine neue Staffel in Auftrag.

Eine Season 2 Premiere ist wie ein zweites Album. Die Showrunner Jed Whedon und Maurissa Tancharoen müssen auf dem Niveau weitermachen, auf dem sie aufgehört haben und dennoch zeigen, dass noch mehr geht. Entsprechend ist “Shadows”, so der Titel der ersten neuen SHIELD-Folge, voll bis zum Rand mit Charakteren, Schauwerten und Enthüllungen.

Als wir unsere Helden im Frühjahr zurückgelassen haben, hatten sie gerade entschieden, SHIELD aus den Trümmern – aber im Geheimen – neu aufzubauen, mit Phil Coulson (Clark Gregg) als Direktor. Dass seitdem etwas Zeit vergangen ist und Charaktere sich verändert haben, wird vor allem über die bewährte Methode des Frisurenwechsels kommuniziert. So trägt Hacker-Queen Skye (Chloe Bennett) jetzt Pony und sieht auch sonst ein bisschen mehr aus wie Katniss Everdeen – denn sie ist nicht länger das Küken sondern eine durchaus etwas erfahrene Kämpferin. Technikgenie Fitz (Iain De Caestecker), der im Finale der ersten Staffel schwer verletzt wurde, hat in der Zwischenzeit nicht nur an Haarlänge, sondern auch an Verstand verloren. Und Agent Ward (Brett Dalton), der sich zuletzt als fieser Hydra-Spion entpuppte, trägt inzwischen Bart – und angeblich ist er geläutert. Sagt er zumindest.

Die Premiere beginnt allerdings mit keinem dieser Charaktere, sondern mit einer Art Preview auf “Agent Carter”, die Miniserie die Marvel wahrscheinlich für den “Christmas Break” von SHIELD geplant hat. So wird gleich klar, dass wir uns in einem größeren Universum befinden – vielleicht denken wir sogar kurz darüber nach, dass diese Staffel wohl die Aufgabe haben wird, uns auf die Ereignisse in Avengers: Age of Ultron vorzubereiten, der im nächsten Mai die Kinoleinwände schmücken wird.

Infinity-Stein?

Es folgt ein vielschichtiger Plot, indem es vordergründig darum geht, einen Quinjet aus den einkassierten SHIELD-Beständen zu klauen. Eigentlich aber werden vor allem dutzende neue Charaktere und ein erster MacGuffin eingeführt. Der “Obelisk” lässt den, der ihn berührt nicht mehr los und beginnt dann langsam, ihn zu töten. Das wird doch wohl kein neuer Infinity-Stein sein? Dafür ist SHIELD eigentlich zu weit unten im Prioritäten-Regal.

Die neuen Gesichter sollte man vielleicht einmal zusammenfassen: Isabelle Hartley (Gaststar “Xena” Lucy Lawless – ist sie wirklich tot am Ende der Folge?) und ihre Söldner Lance Hunter (Nick Blood, bekannt aus der Selbsthilfegruppe “Mein echter Name klingt mehr nach Comic, als die Figur, die ich spiele”) und Idaho (Wilmer Calderon, ebenfalls “tot”) helfen den bekannten SHIELDs so gut sie können. Dagegen steht Bösewicht Carl “Crusher” Creel (Brian Patrick Wade), der die Fähigkeit hat, seine Haut in Substanzen zu verwandeln, die er berührt. Comic-Fans erkennen den “Absorbing Man” (für alle, die im Chemieunterricht nicht aufgepasst haben: nicht zu verwechseln mit dem “Adsorbing Man”, bei dem sich die Substanzen nur an der Oberfläche anreichern würden). Und ein HYDRA-Nazi der Kategorie Heinrich Himmler (grausam und kalkulierend, aber gebildet mit Brille), den das Internet bereits als Daniel Whitehall identifiziert hat und der merkwürdigerweise seit seinem Zusammenstoß mit Peggy Carter nicht gealtert ist.

Alte Bekannte, die als Gaststars ebenfalls auftauchen: Brigadegeneral Glenn Talbot (Adrian Pasdar), der die konfiszierten SHIELD-Materialien verwaltet und hoffentlich mit seiner Offiziösität noch für einigen Comic Relief sorgen wird. Patton Oswalt als Billy Koenig, der fröhlichste Gadget-Presenter seit Q. Und B. J. Britt als Agent Triplett, von dem man eigentlich erwartet hätte, dass er in den Hauptcast aufsteigt, vor allem, da die Romanze mit Skye und das resultierende Liebesdreieck mit dem immer noch verführerischen Ward sich schon anbahnt.

Das Ende des Phlegmatismus

“Shadows” ist hauptsächlich damit beschäftigt, alle Anwesenden wieder auf Kurs zu bringen, was rund 40 Minuten lang auch gut funktioniert. Der Phlegmatismus der ersten Staffel scheint beseitigt, es passiert ständig was und die Hauptfiguren befinden sich spürbar in echter Gefahr. Clark Gregg, der als Mann der Tat immer ein wenig fehl am Platz wirkte, fügt sich wunderbar in seine neue Rolle als SHIELD-Chef ein, den fast ein Hauch von Jean-Luc Picard umweht. Und sind nicht auch die Effekte ein kleines bisschen besser geworden? Jedenfalls kann man wohl problemlos davon ausgehen, dass uns eine gute Staffel bevorsteht.

Ein bisschen viel wirkte für mein Verständnis dafür die cliffhangerige Enthüllung, dass Fitz seine Partnerin nur halluziniert. Da hätte man doch ruhig noch ein paar Folgen mit den Zuschauern spielen können. Mit ähnlich breitem Pinsel gemalt: Die pathetische “Rede-über-einer-Montage” im Jeff-Winger-Stil von Coulson am Schluss. Aber vielleicht muss das Publikum auch noch einmal daran erinnern, wer die Guten sind und wofür sie stehen. Noch sind wir schließlich nicht bei Netflix, das kommt erst nächstes Jahr mit “Daredevil”.

Bester Moment: John Creel verwandelt sich in Straße und lässt dadurch einen von Chevrolet gesponserten SUV durch die Luft segeln.

Bester Dialogsatz: “John Garrett, isn’t that your mate who went to the dark side?” knapp gefolgt von “I’ll have you so deep in horse manure, you’ll need a damn snorkel!”

Note: 2+

Crosspost mit Serien.Ninja