Film Blog Adventskalender – 22 – Jens Prausnitz

Mit Traditionen zu brechen, wenn sie einem nichts mehr geben und möglichst konstruktiv darüber zu schreiben, könnte als Motto über meinem Leben stehen. Wie Buñuel sein, die Rituale entlarven, und dann so spielerisch damit umgehen wie Woody Allen, und Dali ein Rhinozeros in den Porzellanladen von Mund legen. Everything is a Remix.

Wie sieht das als Weihnachtsgeschenk aus? So, wie die meisten meiner Geschenke das ganze Jahr über daher kommen, als Link. Kaum etwas bereitet mir mehr Freude, als über etwas zu stolpern, dabei an jemanden zu denken, und ihm oder ihr diesen Fund unmittelbar zukommen zu lassen. Nur weil ich als Erwachsener nichts mehr vom “Fest der Liebe” halte, heißt das noch lange nicht, dass ich anderen die Weihnachtszeit mutwillig verderben möchte. Als Vater eines 10-Jährigen wäre das auch reichlich infantil. Außerdem erinnere ich mich noch, wie sehr ich selbstgebastelte Adventskalender geliebt habe, und das dürfte bis heute die einzige Serie sein, bei der ich mich nicht an 23 Prequels oder “origin stories” störe.

Für meinen Sohn besteht er noch aus remixten, schwer dechiffrierbaren Legosets, für alle anderen als öffentliches Mixtape recht unsexy und haptikfrei online. Darauf sind jedes Jahr 24 schnittige Lieder, gespickt mit Samples aus Filmen und Serien, die ich im jeweiligen Jahr gesehen oder (wieder)entdeckt habe. Das Erste machte ich noch klassisch auf eine 90er Kassette – Chromdioxid, Typ II – für zwei gute Freunde, als Begleitung für deren gemeinsame lange “Driving home for Christmas”-Autofahrt von der Uni nach Hause. Selbstredend ohne dieses grauenhafte Lied. Inzwischen schaffe ich das aber nicht mehr alles in der Adventszeit, daher hat sich daraus ein Jahresrückblick im Januar entwickelt, gehalten haben sich aber die 24 Häppchen, und gebrannt muss es immer noch auf eine CD passen. Wer jetzt mal in vergangene Ausgaben reinhören will, bitteschön. Im Januar gibt’s die nächste Ausgabe unter dem gleichen Link, für die ich schon das ganze Jahr über Samples und coole Songs gesammelt habe – Dank einem Tweet von Alex ist übrigens “Cholla” von The Joy Formidable dabei.

So entwickelt sich alles schleichend bis radikal weiter, ich liebe und lebe von der Montage, ob als Cutter von Werbespots für Katzenfutter bis hin zu Spiel- und Kurzfilmen, Produzent vom torrent-magazin Podcast, dem Entwurf und Bau von eigenen Lego-Modellen, sowie dem Schreiben von Filmbesprechungen, Texten und Drehbüchern. Angetrieben werde ich von einem Hauch Nostalgie, höre dabei auf mein Bauchgefühl und folge meinem Herzen. Die meiste Energie widme ich im Augenblick wohl dem von mir ins Leben gerufenen “writers’ room” auf wasbleibtistprost.de, wo ich gemeinsam mit 23 ;) anderen Pionieren öffentlich an einer deutschen Mystery-Horror-Serie schreibe: “Woipating” bzw. “W.” – ein bisschen wie TWIN PEAKS im Bayrischen Wald. Dementsprechend schließe ich einigermaßen passend mit Dale Cooper: “I’m gonna let you in on a little secret: Every day, once a day, give yourself a present. Don’t plan it, don’t wait for it, just let it happen. It could be a new shirt at the men’s store, a cat nap in your office chair, or two cups of hot black coffee.”

(Jens Prausnitz)

Film Blog Adventskalender – 20 – Xander von “Xanders Blog”

Im Januar sind es nun schon sechs Jahre, in denen ich meine bescheidene Meinung zu diversen Filmen mit dem sogenannten Internet teile. Knapp ein Fünftel meines Lebens hat mich “Xanders Blog” nun schon begleitet, dabei war das am Anfang ja nur ein spontanes Projekt, um in der Fremde die Zeit totzuschlagen, wie im Interview bei “Review Corner” geschildert. Mittlerweile ist der Blog fester Bestandteil meines Lebens, wenn auch nur noch ein kleiner Teil davon.

Trotz dessen bin ich gemeinsam mit ein paar Bloggerkollegen im Juni 2013 das nächste Projekt angegangen, die “Film-Blogosphäre“, kurz gesagt: Eine Sammlung aller Kritiken aus der Filmblogosphäre. Ganz einfach gehalten, man sucht sich einen Film und sieht direkt im Überblick wer aus der Blogosphäre hierzu schon eine Kritik verfasst hat. Hätte ich also einen Wunsch frei: Es wäre Zeit. Also, zusätzliche Zeit, wie bei einem Bonus-Level, um endlich mal sämtliche Wunschfilme und Filmkritiken nachzutragen.

Und wo wir grad bei Filmkritiken sind, hier meine elegante Überleitung für ein Weihnachtsgeschenk an alle Filmfreunde: Das Buch “1001 Filme die Sie gesehen haben sollten, bevor das Leben vorbei ist” aus der Edition Olms. Das ist so ein bisschen wie ein analoger Blog voller Filmkritiken, aber ohne Kommentarfunktion. Über 1.000 Filmempfehlungen von 77 Kritikern, vom Jahr 1900 bis 2010. Wer es noch nicht hat, wird sich drüber freuen – und nebenbei bietet es wunderbaren Gesprächsstoff wenn es darum geht, warum dieser und jener Film in der Liste steht und manch anderer nicht.

Film Blog Adventskalender – 19 – Christian von “Second Unit”

Die Wände in meinem kleinen WG-Zimmer sind nicht sonderlich geschmückt. Als Student verstehe ich mich hier eh nur auf der Durchreise. Und generell halte ich nicht viel von Nippes wie Bildern und Deko-Artikeln.
Doch zwei wunderschöne Film-Poster haben es in eigene Bilderrahmen und an die Wände geschafft. Ich bin kein großer Freund von den immer selben Poster-Motiven. Deshalb empfehle ich hinter meinem Adventskalender-Türchen die Künstler-Plattform society6.com. Dort können Künstler ihre kreativen Werke anbieten und ihr diese kaufen. Egal ob als Druck, T-Shirt oder iPhone-Hülle, bei den Ergebnissen sind auch viele Film-Titel am Start. Die Qualität der Kunstwerke steht und fällt natürlich mit den jeweiligen Künstlern. Meine beiden Bilder stammen von Bill Pyle und sind zu meinen Lieblingsfilmen Eternal Sunshine of the Spotless Mind bzw. (500) Days of Summer. Für weniger kahle Wände und mehr Originalität!

Christian Steiner ist eine Hälfte des Film-Podcasts „Second Unit“. Jede Woche bespricht er mit Partner-in-Crime Tamino Muth einen Film in erschöpfender Ausführlichkeit. Das können Klassiker, Kino-Filme oder Gurken sein. Das Ergebnis gibt es jede Woche auf secondunit-podcast.de oder bei iTunes zum Abonnieren.

(Christian Steiner)

Film Blog Adventskalender – 18 – Wulf vom “Medienjournal”

Ich heiße Wulf, bin 28 Jahre und blogge seit mehr als zweieinhalb Jahren Kritiken zu Filmen, Büchern und vielem mehr im Medienjournal und habe damit meine Leidenschaft in die Weiten des Internet getragen. Mein Tipp für ein ausgefallenes Weihnachtsgeschenk an Filmbegeisterte ist so simpel wie einleuchtend, zumal ich mir kürzlich zum Geburtstag ein ähnlich geartetes Geschenk selbst gemacht habe, da meine liebe Familie mir eben meist nur Bargeld zur freien Verfügung zukommen lässt.

Orientiert euch an den Lieblingsfilmen oder -serien des zu Beschenkenden und tut euch einmal im Netz um, was es nicht alles an entsprechendem Merchandise zu entdecken gibt. Denn seien wir mal ehrlich, das sind alles ziemlich unnütze Dinge, für die man nur schwerlich Geld auszugeben bereit ist, die aber dennoch das Herz so manches Fans höher schlagen lassen. Das kann eine Tasse, ein Kochbuch, eine Skulptur oder Figur oder auch ein Behind-the-Scenes-Fotoband sein, Hauptsache es entspricht der Passion der Person. Und ihr könnt mir glauben, sie/er wird sich riesig darüber freuen, auch wenn sie/er sich derartiges längst hätte selbst kaufen können, denn als Geschenk sieht die Sache schlicht anders aus und Geschenke sollen ja gerade nicht unbedingt praktisch orientiert sein. Sucht vor allem auch in ausländischen Shops, denn nicht alles ist in Deutschland erhältlich und so kommt ihr an ein bezahlbares, schnell zu besorgendes und trotzdem individuelles Geschenk, das nicht jeder hat oder hätte schenken können.

(Wulf Bengsch)

Film Blog Adventskalender – 17 – Hendrik von “SchönerDenken”

Alex hat gefragt, welches Geschenk wir machen würden, und einem Blog medienverliebter Autorinnen und Autoren fällt es schwer, jetzt nicht einfach in diese Medienkiste zu greifen und einen weiteren Stapel rechteckiger Geschenkideen zu generieren. Wir wissen ja selbst: es ist schön, auf dem Gabentisch Verpacktes zu entdecken, dessen Form man ansieht „Ah, da wird wieder ein DVD-Abend fällig“ oder „Sieht schwer aus. Muss der neue Eco sein.“ – aber zuweilen auch etwas unreizvoll. Wie belebt man das Ganze also und erfüllt zugleich die Erwartung (denn ein Geschenketisch ohne irgendwas zum Hören/Anschauen/Lesen ist ja doch irgendwie kein Gabentisch)?

Das schönste Geschenk ist eigentlich immer schön verbrachte Zeit, und so etwas kann man per se nicht verpacken. Derzeit kann man nicht einmal das Erzählen darüber verpacken, denn auf DVD ist uns der jüngst begeistert habende Film Alles eine Frage der Zeit noch nicht erschienen. Sobald dies der Fall ist, wird es jedoch eine wunderbare Gabe sein, diese DVD zu verschenken und dafür einen Gutschein für Lesezeit (z.B. in Form einer angehaltenen Uhr): dem Beschenkten Raum und Lesesessel, Verpflegung und Ruhe anzurichten und Werke von Charles Dickens bereitzulegen. Wir finden, das ist auch ohne die DVD mit dem Film, dem die Idee entnommen ist, eine sehr schöne Idee. Zeit mit Schleifchen. Und danach gemeinsame Zeit mit Freunden und Schleifchen zum Nachtisch.

Die Grundidee lässt sich natürlich variieren: Wer es politisch und edel mag, der kann im Dezember die erste Staffel der Serie House of Cards verschenken und das Ganze um einen edlen schwarzen Füllfederhalter ergänzen, welchselbigsoeiner im Rahmen der Serie an einer Stelle eine hübsche Nebenrolle spielt. Muss ja nicht wirklich gleich der Füller des Präsidenten sein. Wer Jasper Fforde verschenkt, kann einen edlen Käse beilegen, sollte sich aber vorab vergewissern, dass keine Waliser Grenzbeamte bei der Geburtstagsfeier anwesend sind. Und so fort.

Meine persönliche Alternative wäre eine Ausgabe des wunderschönen Films Moonrise Kingdom, verpackt in eine dazu passende schöne weiche Waschbärfellmütze (natürlich nur der Look, bekanntlich sind die einzigen Lebewesen, denen Waschbärfell gut ansteht, Waschbären). Das ist nicht nur unausgepackt durch Tasten völlig unerratbar und daher besonders reizvoll, es wärmt dem/der beschenkten Liebsten auch die Ohren, und wir Medienmöger wissen, was die Ohren wärmt und dem Auge schmeichelt, wärmt manchmal auch Herz und Seele. Und darum geht’s doch beim Schenken, oder?

(Hendrik Schulthe)

Film Blog Adventskalender – 16 – Matthias vom “FilmFeuilleton”

Unter dem aus Douglas Adams The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy entlehntem Pseudonym Beeblebrox (wahlweise auch @Beeeblebrox) erobere ich seit noch gar nicht all so langer Zeit das Internet. Das finale Ziel ist zweifelsohne die Weltherrschaft – aber irgendwie hat das bisher noch nicht so wirklich geklappt. Deswegen nennen mich viele Menschen immer noch schlicht und einfach Matthias. Und das ist auch nicht schlecht! Ansonsten blogge ich auf “Das Film Feuilleton” und rede mit @gafferlein in regelmäßig unregelmäßigen Abständen im Wollmilchcast über alle (un)möglichen Dinge, die sich irgendwie auf dem Nenner Film kürzen lassen.

Abseits davon mag ich ein bestimmtes Weltraummärchen sehr gerne und dementsprechend hat auch mein Vorschlag für ein potentielles Weihnachtsgeschenk mit diesem überragenden Mikrokosmos zu tun. Nach wochenlanger Recherche bin ich irgendwann durch Zufall über dieses großartige Star Wars-Origami-Buch gestolpert und wollte euch diese Entdeckung weiterempfehlen. Natürlich ohne Gewähr und so. Aber ich meine, es geht hier immerhin um die viel zu unbeachtete japanische Kunst des Papierfaltens, Star Wars-Rauschmiffe und man kann das alles sogar selbst machen! Also so richtig mit Papier, ganz ohne Laptop und Tablet. In diesem Sinne: Han shot first!

(Matthias Hopf)

Film Blog Adventskalender – 15 – Rochus Wolff vom “Kinderfilmblog”

Vielleicht ist das seltsam, wenn ich hier in den Adventskalender keinen Film lege, sondern ein Buch; aber wenn man zum Jahresende schon nostalgisch wird, dann bitte mit Wucht, und ich bin schließlich irgendwie von den Büchern, den Geschichten zum Film gekommen. (Und meine allerwichtigsten filmischen Weihnachtsvorschläge für Kinderfilme habe ich ja bereits für Herrn Buddenbohm gesammelt; der Rest findet sich im Blog.)

Als Empfehlung also dies: “Kubbes Museum“, erzählt und vor allem gezeichnet von Åshild Kanstad Johnsen. Das erzählt von Kubbe, der gerne Sachen sammelt, sortiert und dann schließlich ein Museum eröffnet – bis es ihn stört, die ganzen Sachen um sich herum zu haben und nie seine Ruhe.

Womöglich ist mir das Buch so nahe, weil ich selbst zum Sammeln neige; weniger immerhin als mein Vater, der das als Historiker auch noch beruflich rationalisieren konnte, aber immerhin. Und auch mir ist vieles, wie Kubbe, Träger von Geschichten, denn das ist ja eigentlich der Grund für solche Anhäufungen von Besitz (wenn sie nicht rein repräsentativ und damit gesellschaftlich wirksam sein sollen): als Madeleine ohne Verfallsdatum, für unser ganz persönliches Proust-Dasein, als Bausteine des eigenen Lebensromans.

Naja, und übrigens ist es eines der unzähligen sehr schön gemachten Büchern, das der kleine Berliner Verlag Onkel & Onkel (ich gestehe es, mit dem Gründer bin ich befreundet) in die Welt geleitet, etwa auch, nur zum Beispiel, “Kurt, der Fisch und die weite Welt“. Solche Bücher sollten alle lesen und vorlesen, und danach ist ja immer noch Zeit genug für einen guten Kinderfilm, es ist schließlich abends jetzt schon früh dunkel.

(Rochus Wolff)

Film Blog Adventskalender – 13 – Ben von “Filmfreek”

Ich bin Freek. Filmfreek. Und nun seit knapp 3 Jahren mit Filmfreek.de im Filmbloguniversum unterwegs. Da ich dies die letzten Jahre meist auf eigene Faust getan habe, ist nun Zeit, daran etwas zu ändern und die Blogosphäre zum Thema Film etwas besser kennen zu lernen.

Und welche Zeit ist dafür besser geeignet als die herzerwärmende Vorweihnachtszeit. Daher bin ich gerne dem Ruf des Film Blog Group Hug #2 gefolgt und präsentiere euch in diesem Zusammenhang meinen Weihnachtsgeschenketipp.
Selbstverständlich kommt dieser aus dem Bereich Film … weitestgehend. Eigentlich ist es mir sogar ein bisschen peinlich, weil es ein so abgedroschenes Geschenk ist. Aber ich stehe voll und ganz dahinter. Zum Start der Daniel Craig James Bond Filme wurde eine neue Duft-Reihe entwickelt und auf den Markt gebracht. Vor gut 1-2 Monaten wurde der neuste Duft der Reihe, “Quantum” veröffentlicht. Und dieser ist wirklich, WIRKLICH gut. Klar, dass ist alles Geschmackssache, aber ich habe in diesem Zusammenhang einige Bekannte um deren Meinung gebeten und diese vielen durchweg positiv aus. Also mein Weihnachtsgeschenketipp 2013: der 007 – James Bond Duft Quantum. Frohe Weihnachten euch allen!

(Benjamin Deigendesch)

Film Blog Adventskalender – 12 – Bernd von “Terrorismus & Film”

Ein ganz und gar nicht besinnliches Geschenk, schon gar nicht zu Weihnachten, auch wenn es – indirekt und am Rande – um Glaube und Religion geht. Aber ein empfehlenswertes: 5 Jahre Leben, ein Film von Stefan Schaller. Nicht nur, weil ich mich auf meinem Blog “Terrorismus & Film” mit dem Thema politischer Gewalt und Medien, vor allem dem Spielfilm widme. Nicht nur, weil ich zusammen mit Harald Mühlbeyer die Seite “Ansichtssache – Zum aktuellen deutschen Film” betreibe, dem Blog zum Buch, das sich zur Lage des hiesigen (nicht nur) Kinoschaffens befasst.

Sicher, 5 Jahre Leben passt zu beiden. Schaller, Jahrgang 1982, widmet sich in seinem Abschlussfilm (Regie-Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg) einem heiklen Fall der jüngeren (in seiner Beispielhaftigkeit nicht nur:) deutschen Zeitgeschichte: der Inhaftierung des in Bremen aufgewachsenen Türken Murat Kurnaz im US-Gefangenenlager auf Guantanamo, Kuba. 5 Jahre Leben, nach Kurnaz Autobiografie, geht unter die Haut, wenn er ein System der
Einsperrung und der Befragung schildert, davon erzählt, wie ein Mensch als Terrorverdächtiger mit Mitteln gebrochen werden soll, die umso perfider sind, als sie Regeln, Standards, Errungenschaften des Zivilisatorischem gegen das Individuum richten und sie dabei umkehren, entwerten.

Egal, ob jetzt die fragwürdige Rolle der deutschen Regierung vernachlässigt wird: es ist ein Film über Menschlichkeit allgemein, ganz existenzialistisch. Dabei ist Schaller ganz auf der Seite von Kurnaz, inszeniert ihn aber nicht als Märtyrer. Wie er vom boxenden Disco-Türsteher zum Islam kommt, sich dabei (womöglich) eilfertig auf den Islamismus einlässt, vielleicht manipuliert wird, das zeigt 5 Jahre Leben in Rückblenden. Und der Film stellt Kurnaz (groß: Sascha Alexander Gersak) einen Gegenspieler zur Seite und gegenüber, der selbst als Rädchen im Getriebe dessen Opfer qua Profession wird: Der (fiktionale) Verhörexperte Holford, gespielt von Ben Miles, versucht alle Tricks – und trotzdem gesteht auch ihm der Film einen Kern von Tragik zu. Die eines Mannes, dessen Order es ist, gar nicht mehr die Wahrheit oder Informationen aus dem Häftling herauszubekommen, sondern nur noch die Bestätigung dessen, was einfach wahr zu sein hat. Dass Kurnaz eine Gefährdung ist, ein Terrorist. 5 Jahre Leben ist ein Kammerspiel, eine Psychoduell, aber auch ein Film über eine Maschinerie, die sich mit allen Mitteln ihre eigene Wirklichkeit und deren Regeln schafft. Eine, in der Kurnaz und Holford nur zwei Seiten derselben Medaille sind.

Vielleich ist 5 Jahre Leben, der bei Zorro Film auf DVD erschienen ist, kein perfekter Film, aber wer will einen solchen hier schon (erwarten oder gar haben)? Man muss auch nicht Schallers Haltung teilen. Aber er hat eine, ohne in ihr tendenziös zu werden; es ist ein Film mit einem Anliegen, einer der es ernst meint, der unter die Haut gehen kann und der von etwas jenseits hiesiger Wohlstandsprobleme und konstruierter Lebens- und Beziehungskonflikte erzählt. 5 Jahre Leben ist ein deutscher und zugleich ein waschechter Politthriller (damit, wenn man so will: ein Genrefilm), mit wenig Mitteln entstanden und eigentlich, im besten Sinne, zugleich ganz US-amerikanisch. Ein Projekt, wie es bei allen potenziellen qualitativen oder politischen Einwänden als solches unterstützt gehört. Ein Geschenk für unter den Weihnachtsbaum, falls es uns davor mit Kevin Allein zu Haus und dem Kleinen Lord im Fernsehen allzu wohl wird.

(Bernd Zywietz)

Quotes of Quotes (XVIII) – Die digitale Design-Evolution von Mittelerde

We realized that by only doing minimally what we needed physically on set and adding in the digital effects later on, we could actually just bring a lot more richness to the film, and I think that became one of the big sea changes that we saw in the way The Hobbit was done from when we started shooting till the time we were finished.
– Joe Letteri, Senior Visual Effects Supervisor, The Hobbit: An Unexpected Journey

Meine Liebe zu den “Anhängen” von Peter Jacksons Tolkien-Filmen habe ich ja bereits im Adventskalender zum Ausdruck gebracht. Heute habe ich endlich die zweite Disc zu Ende geschaut und wieder einmal genossen, welch detaillierte Einblicke man doch in die Prozesse der Filme bekommt – auch in die Fehlschläge.

Die Geschichte des Bösewichts des ersten Films, man könnte ihn auch so eine Art Levelboss nennen, ist so ein Fehlschlag. Azog the Defiler ist ein Ork, gegen den Thorin Oakenshield in der Schlacht von Moria gekämpft hat, den er aber (im Film) nicht töten konnte und der ihn seitdem verfolgt. Das entsprechende Segment auf der Blu-ray zeigt, dass Azog einen besonders schwierigen Designprozess durchlaufen musste. (Davon, dass er überhaupt erst so wichtig wurde, nachdem sich Jackson sehr kontrovers dazu entschieden hatte, aus zwei Filmen drei zu machen, ist nicht die Rede.)

Azog sollte ursprünglich, wie fast alle Orks in Lord of the Rings, von einem Schauspieler im Kostüm gespielt werden. Doch die erste Designstrategie – Azog als massiv großer, barbarischer Schlächter – ging nach Jacksons Meinung nicht auf. Der Schauspieler wurde gefeuert und eine neue Strategie ins Feld geführt: Azog als ein sehr alter, zerfurchter Kämpe, der unter anderem einen Rock aus Zwergenhaut trägt. Die Bilder, die man im Film zu sehen bekommt, sind erstaunlich. Mit diesem Schauspieler im Kostüm wurde gedreht, obwohl Jackson immer noch nicht ganz glücklich war.

Man entschied sich schließlich, Azog einfach doch im Computer zu erzeugen. Sechs Wochen vor Fertigstellung des Films wurden die abgesegneten Designs an das Digitalteam übergeben, dass die entsprechenden Szenen mit dem Hauptantagonisten des Films in einem gewaltigen Kraftakt aus Motion Capture und Animation irgendwie über und auf die Bühne brachte. Ich will nicht wissen, welche Extrakosten das verursacht hat.

Zum Abschluss des Azog-Segments auf der Blu-ray sagt VFX-Chef Letteri den oben stehenden Satz, der gemeinsam mit der ganzen Azog-Episode emblematisch für vieles stehen, was am ersten Hobbit-Film schiefgelaufen ist – und das sage ich, obwohl ich den Film mag. Die Lord of the Rings-Filme wurden unter anderem so sehr dafür geliebt, dass es Peter Jackson mit seinem Indie-B-Movie-Hintergrund gelang, physische Effekte und Computerzauberei zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden.

Im Hobbit sind nicht nur die Miniaturen-Sets verschwunden, die verständlicherweise der Stereoskopie geopfert wurden, sondern Jackson scheint allgemein so vom digitalen Virus infiziert zu sein, dass er viele genau der Mechanismen geopfert hat, die seine letzte Mittelerde-Trilogie so besonders gemacht haben (und von der ich den ersten Film auch am liebsten mag, weil zu diesem Zeitpunkt die VFX-Technologie noch am wenigsten fortgeschritten war): Lasst uns real machen, was immer geht, und mit den Einschränkungen, die das beinhaltet, arbeiten, statt sie zu verteufeln.

The Hobbit ist voll von Entscheidungen, die dieses Prinzip über den Haufen werfen (auch die Goblins sollten ursprünglich zu großen Teilen praktisch realisiert werden) und Jackson sagt in den Anhängen tatsächlich Sachen wie: “Als Filmemacher ist es für mich großartig, dass ich jetzt die Kamera in digitalen Sets bewegen kann, wie immer ich will.” – Aussagen, für die zuvor George Lucas bei seinen Star Wars-Prequels berüchtigt wurde.

Genau diese Philosophie der totalen Wunscherfüllung ist es, die dem Hobbit einen oftmals so luftigen, ungeerdeten, und manchmal – wie im Fall von Azog – auch beliebigen Look verleiht, denn der finale, hastig generierte Computer-Ork ist um ein vielfaches langweiliger als seine Vorgänger-Versionen. Eine stark immaterielle, CGI-lastige Ästhetik ist ja eine visuelle Entscheidung, die man treffen kann und die in manchen Filmen (etwa 300) schon beeindruckende Ergebnisse erbracht hat – für Mittelerde finde ich persönlich, dass sie in die falsche Richtung führt. The Desolation of Smaug werde ich leider erst nach Weihnachten sehen können – aber ich hoffe, dass er eine kleine Kurskorrektur vornimmt.