Rezension: Mathias J. Ringler, Die Digitalisierung Hollywoods

Mathias J. Ringler: Die Digitalisierung Hollywoods: Zu Kohärenz von Ökonomie-, Technik- und Ästhetikgeschichte und der Rolle von Industrial Light & Magic. Konstanz: UVK, 2009. 187 Seiten, € 24,00

Ein hehres Ziel hat sich Mathias J. Ringler mit seiner Doktorarbeit gesetzt: Er will die Digitalisierung Hollywoods beschreiben, in der Kohärenz von Ökonomie-, Technik- und Ästhetikgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Rolle der wohl bekanntesten Visual-Effects-Schmiede Hollywoods, Industrial Light & Magic (ILM). Die “Trias”, wie er sie nennt, von Wirtschaft, Technik und Ästhetik, die er aus dem Standardwerk “Film History” von Robert C. Allen und Douglas Gomery zieht, ist ihm extrem wichtig: immer wieder weist er darauf hin und bezieht die Begriffe in seine Kapitelüberschriften mit ein. Und sie ist mit Sicherheit der richtige Ansatz, denn anders als in der Zusammenwirkung dieser drei Faktoren lässt sich nichts in der Kunst-Industrie des Films ausreichend erklären. Umso tragischer ist es, dass Ringler mit seinem Buch, einer Doktorarbeit an der Uni Erlangen-Nürnberg, keinem der drei Faktoren gerecht wird.

“Die Digitalisierung Hollywoods” scheitert maßgeblich auf zwei Ebenen. Ihr erstes Scheitern besteht darin, dass sie ihrem akademischen Anspruch kaum gerecht wird. Ringler schlägt einen weiten Bogen, will seine Ausführungen über Digitalisierung bis in die Anfänge Hollywoods zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen, doch er bleibt dabei stets so nah an der Oberfläche, dass sich seine Arbeit zeitweise eher liest wie ein Sprechzettel für einen Politiker, der gebeten wurde, eine Rede zur Digitalisierung zu halten.

Entschuldigungen dafür gibt es auf gerade mal 161 Seiten (ohne Anhänge) genug: Immer wieder weist Ringler darauf hin, dass es den Rahmen seiner Arbeit sprengen würde, wenn er tiefer in ein Thema einsteigen würde. Die Entschuldigungen können jedoch keine Erklärung dafür sein, dass er für viele Themenbereiche mit nur wenigen Quellen arbeitet und bevorzugt diejenigen zitiert, die allenfalls einen groben Überblick über das Thema bieten, beispielsweise Röwekamps “Schnellkurs Hollywood” zum Thema “New Hollywood”. Einen Abriss über die ökonomische Funktionsweise des klassischen Hollywoodkinos geben zu wollen, sogar mit Bezug auf die von Allen und Gomery beschriebene “Great-Man-Theory”, ohne Thomas Schatzens wegweisendes Werk “The Genius of the System” auch nur zu erwähnen, scheint schlicht unmöglich, Ringler macht es trotzdem. Das New Hollywood besteht in seinem Buch maßgeblich aus dessen Anfängen (Bonnie und Clyde, The Graduate) und dann aus Spielberg und Lucas. Dass es weniger die späteren Blockbuster-Erfinder Spielberg und Lucas waren, die der wichtigsten Erneuerungswelle des amerikanischen Kinos ihren Stempel aufdrückten, als vielmehr Francis Ford Coppolas Firma Zoetrope (Immerhin: Der Pate wird erwähnt) und Regisseure wie Martin Scorsese, Peter Bogdanovich und Hal Ashby, scheint Ringler keine Erwähnung wert.

Bei der Beschreibung der Auswirkungen der Digitalisierung des Films lässt der Autor bahnbrechende Techniken außen vor. Den “Digital Intermediate Process” (DI) des Color Gradings beispielsweise, den inzwischen fast jeder Film durchläuft, erwähnt er ebenso nur im Vorbeigehen, wie die Demokratisierung von Produktionsprozessen und die neue Qualität des Dokumentarfilms durch HDV und die Veränderungen in der Schnittästhetik durch nonlinearen digitalen Schnitt. Für eine Doktorarbeit, die sich einen so umfassendes Ziel setzt, kann das nicht genügen. Das von Ringler ausgiebig zitierte Buch Film und Computer von Almuth Hoberg, obwohl inzwischen zehn Jahre alt, bietet nach wie vor einen wesentlich fundierteren Überblick über das Thema in seiner Gesamtheit.

Den Werdegang und den Einfluss von ILM, den Ringler als eine Art Fallstudie in den Kern seiner Ausführungen stellt, beschreibt das Buch noch am besten, doch auch hier hat es klare Defizite. Dies wird vor allem dadurch begründet, dass als Quellen über die Arbeit des Unternehmens aufgrund dessen Kommunikationsstrategie eigentlich nur Propagandamaterial und kaum “objektive” Quellen zur Verfügung stehen. Doch auch hier können DVD-Dokumentationen, Audiokommentare und der Rest des Panoptikums, der inzwischen an Material über Visual Effects – gerade zu wichtigen ILM-Filmen wie Terminator II oder die Star Wars-Saga – zur Verfügung steht, Anhaltspunkte zumindest für die ästhetische Analyse bilden. Bei der Lektüre des Buchs entsteht der Eindruck, dass der Autor eigentlich nicht weiß, wie die Arbeit an Visual Effects wirklich vonstatten geht – stattdessen lässt er sich allzu oft von der zuvor kritisierten Propaganda blenden, schreibt bewundernd über Rechnerkapazitäten und die tolle Arbeitsatmosphäre auf der Skywalker Ranch.

Das zweite Problem des Buchs ist seine Struktur. Obwohl sich Ringler Mühe gibt, seine Kapitel jeweils unter einem der Aspekte seiner Trias zu subsummieren, gelingt das in den seltensten Fällen. Die Abschnitte handeln oft erstaunlich unstringent von dem, wovon sie handeln sollen, stattdessen werden große Teile des Textes darauf verwandt, auf vorhergehende oder noch folgende Ausführungen zu verweisen, was den Leser unnötig verwirrt. Eine klarere Struktur, die alle Aspekte eines Themas Stück für Stück abarbeitet, hätte deutlicher machen können, worauf der Autor eigentlich wirklich hinaus will.

Allein, auch das wird bei der Lektüre von Ringlers Arbeit nur äußerst unzureichend klar. Seine Schlussfolgerungen bestehen häufig aus einem unglaublich vagen “Alles verändert sich”. Was sich konkret verändert hat seit 1975 – und was sich noch verändern könnte – bleibt gerade innerhalb der Trias sehr nebulös, zu handfesten Zahlen und Statistiken, die die Veränderungen beispielhaft beziffern könnten, greift der Autor nur selten.

Schließlich und endlich ist “Die Digitalisierung Hollywoods” anscheinend nur notdürftig lektoriert worden. Einige Teile des Buchs scheinen aus dem Jahr 2004 zu stammen und wurden nur flüchtig aktualisiert, so ist an einer Stelle von den “fünf bisher produzierten ‘Star Wars’-Filmen” (es sind seit 2007 sechs) die Rede. Hinzu kommen Erbsenzähler-Fehler wie eine falsche Schreibweise von Jar Jar Binks und eine manchmal etwas kreative Zeichensetzung, die aber auch dazu beitragen, dass der Gesamteindruck des Buches sich nicht verbessert. Schade eigentlich, denn von einem gerade in der Filmwissenschaft oft herausragenden Verlag wie UVK ist man eigentlich Besseres gewohnt.

Diese Kritik erschien erstmals bei Screenshot – Texte zum Film. Als Anmerkung sei gestattet, dass Mathias J. Ringler mich in seinem Buch zitiert und meine Meinung als “treffend” bezeichnet. Dadurch fühlte ich mich geschmeichelt, aber leider nicht besänftigt.

Clash of the Titans – Der grobe Unfug geht weiter

Huiuiui, es gibt einen Trailer für Clash of the Titans.

[via Fünf Filmfreunde]

Ich oute mich an dieser Stelle: Obwohl ich als SFX-Afficionado auch großer Ray-Harryhausen-Fan bin (habe ihn schon zweimal live erleben dürfen, jedes Mal ein Vergnügen), habe ich das Original leider nicht gesehen, denke aber ich gehe in die gleiche Richtung wie die Filmfreunde, der Film ist vermutlich “mehr als nett, aber dennoch kein unantastbares Meisterwerk”. Das nur vorweg.

Was sagt uns dieser Trailer? Es kommt eine ganze Menge grober Unfug auf uns zu. Unfug, wie wir ihn schon mit The Day the Earth Stood Still erlebt haben. Unfug, der entsteht, wenn man Filme, die schon einen leichten Trash-Hintergrund haben, auf “High Concept” neu macht. Dann entstehen – man halte sich fest – Taglines für Clash of the Titans wie “TITANS / WILL / CLASH” – ernsthaft.

Ein paar Tagline-Vorschläge für andere Filme dieses Jahres: “This Summer / Will Have / (500) Days” – “This Carol / Will Be / About Christmas” – “It / Will Be / This” – “Goats / Will / Be / Stared At” – “The Wild Things / Will / Be There” – “Bones / Will Be / Lovely” – usw. usf.

Was sagt uns der Trailer außerdem noch: Es kommen Monster drin vor, Pete Postlethwaite (das ist eine gute Nachricht) und Sam Worthington (das ist eine geht so Nachricht). Der Pressetext erzählt mir, dass sich auch die Großen Alten Liam Neeson und Raph Fiennes für das Spektakel hergegeben haben. Und der Trailer sagt: “Irgendwannn ist genug”. Jawoll. Es muss wieder draufgehauen werden im amerikanischen Kino. Wir haben zu viele Weicheier in letzter Zeit erlebt. Sogar James Bond heult ja inzwischen fast.

Klingt nach einem furchtbar doofen Film und einer ganzen Menge Spaß.

exground Blog von Screenshot

An dieser Stelle ein bisschen Werbung in halb-eigener Sache. Das Online-Filmmagazin/blog Screenshot, das aus dem Print-Filmmagazin gleichen Namens an meiner Heimatuni in Mainz hervorgegangen ist, bei dem ich mir meine ersten filmjournalistischen Sporen verdient habe und für das ich gelegentlich bei mehr Zeit auch immer mal wieder schreibe, wird vom Wiesbadener Avantgarde-Filmfestival exground tagesaktuell bloggen. Reinschauen lohnt sich, und das exground-Programm verlangt auch danach, erklärt zu werden.

Exground-Blog

Worte zum Wochenende

Es braucht gar keine homogene Mehrheitsmeinung, es reicht, daß sich genügend Menschen für eine machtvolle Minderheitsmeinung zusammenfinden – und das Web 2.0 gibt diesen Menschen die Werkzeuge an die Hand. In den weiten des Netzes finden sich immer genug thymotische angry young men, um eine Kampagne zu starten, findet sich immer jemand, der betroffen ist und diese Betroffenheit in Empörung ummünzt.

Felix Neumann , fxneumann
// Tyrannei der Masse 2.0?

It’s not as if I couldn’t and shouldn’t also blog about what I talk about on Twitter; tweets can become the trial out of town, the blog Broadway (a book Hollywood). But Twitter competes for my time and attention. It is so much faster and easier. It’s good enough for most of my purposes. So the blog suffers. And I suffer. I discuss less here; I’ll lose some of you as a result and you are the value I get from blogging. I lose memory. And I lose the maypole around which we can gather.

Jeff Jarvis , Buzzmachine
// The Temporary Web

Der Zeitgeist fordert Partizipation

Peter Kruse , auf dem LPR Forum Medienzukunft
// Slides und Video zum Krusevortrag gestern

Keeping cartoon characters trapped in amber is one of the surest routes to irrelevancy.

Brooks Barnes , New York Times
// After Mickey’s Makeover, Less Mr. Nice Guy

Zehn Zu Null – Eine Dekade voller Filme: Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain (2001)

Ich sage den Titel so gerne im französischen Original. Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain, rollt gut von der Zunge, auf jeden Fall besser als Die Fabelhafte Welt der Amélie. Den Film habe ich natürlich trotzdem zuerst in der deutschen Synchronfassung gesehen, in dem Kleinstadtkino, in dem ich 2001 während meines Zivildienstes noch nebenher arbeitete. Als ich aus dem Kino kam, war ich wie bezaubert. Ich konnte mich eine ganze Weile nicht auf die anfallenden Aufgaben konzentrieren, so sehr spukte mir die visuelle Fanta- und Poesie von Jean-Pierre Jeunets Meisterwerk noch im Kopf herum.

Wie überhaupt allen Filmen, die in großen Teilen durch ihre Form begeistern, kann man Amélie einiges vorwerfen. Der Film spielt in einer kitschigen Traumwelt, seine Figuren sind keine echten Personen, er romantisiert Paris, Montmartre und menschliche Beziehungen. Als Antwort darauf gibt es nur den zentralen Satz des Films: “Les temps sont durs pour les reveurs.” – Die Zeiten sind hart für Träumer. Aus der Kritik spricht meistens nur – genau wie bei den Kritikern von Tim Burton oder Danny Boyle – die Verachtung dafür, dass viele Regisseure, die mit kantigen, düsteren visuell starken Filmen anfangen (Delicatessen, Beetlejuice, Shallow Grave) ein ziemlich großes, sehr weiches Herz haben.

Amélie ist viel, aber kein schlechter Film. Er ist ein Meisterwerk des Hyperrealismus und passt mit seiner ausdrucksstarken Farbgestaltung, seiner poetischen Paris-Bricollage und dem subtilen, traumtänzerischen Einsatz von visuellen Effekten (Bilder im Himmel, sprechende Fotos) nahtlos in eine Reihe mit anderen Formalismus-Spielen wie The Cook, the Thief, His Wife and Her Lover. Er hat eine ikonische Figur erschaffen, die weit über die Schauspielleistung von Audrey Tautou hinausgeht. Die Figur Amélie ist eine Marke, die sich auch in Graffiti-Schablonen auf Anhieb wiedererkennen lässt. Der Film besitzt darüber hinaus einen sogar für Laien sehr gut erkennbaren Schnitt und einen der großen Filmsoundtracks unserer Zeit.

Aber außerdem hat er eine schöne Geschichte. Amélie, die den Leuten in ihrer Umgebung ständig eine gute Fee ist aber nicht genug Selbstvertrauen für echte Liebe hat, ist Identifikationsfigur für jeden, der schon mal einen Traum gehabt hat. Sie findet schließlich einen Gefährten, der ein bisschen ist wie sie, und sie deswegen auf Anhieb versteht, wenn sie ihm bedeutet, wo er sie hinküssen soll. Ein Märchen, na klar, aber wer verliert sich nicht gerne mal in Märchen. Das ganze ist so kunstvoll in seinen Verästelungen erzählt, dass die 122 Minuten des Films wie im Flug vorbei gehen. Und dazwischen ist der Film auch immer wieder komisch.

Es ist eine Weile her, dass ich Amélie zuletzt gesehen habe, aber der Film gehört mit Sicherheit noch immer zu meinen zehn liebsten Filmen. Ebenso wie der große Heavy Hitter des Jahres 2001, der erste Teil der Lord of the Rings-Trilogie. Weil der eine linearere Handlung und einen größeren sense of wonder hat, als seine zwei Nachfolger, ist er immer noch mein Favorit des Dreigestirns.

Mit dem Herrn der Ringe, Harry Potter und dem Siegeszug der Animationsfilme (Einführung einer neuen Oscar-Kategorie, erster Gewinner: Shrek) und Musicals (Baz Luhrmanns phänomenale Schnittorgie Moulin Rouge) zog überdies 2001 endgültig ein neues Zeitalter für Phantastik im Kino auf, das durch eskapistische Tendenzen nach dem 11. September nur noch verstärkt wurde. A Beautiful Mind, der Oscar-Gewinner, ist ein schönes Beispiel für gut eingesetze visuelle Effekte, aber nicht viel mehr. Der Film ist nicht umsonst kein moderner Klassiker geworden.

Dieser Beitrag ist Teil 2 der Serie
Zehn zu Null – Eine Dekade voller Filme

How to Train Your Dragon

Dream Works’ neuester Streich How to Train Your Dragon war bis heute noch gar nicht auf meinem Radar aufgetaucht, jetzt gibt es einen ersten Trailer.

Die Besetzung scheint sich fast vollständig aus Komödien der jüngeren Zeit mit leichtem Judd-Apatow-Schwerpunkt zusammenzusetzen. Schön ist, dass Jay Baruchel – der in Tropic Thunder als Sidekick ein echtes Sahnehäubchen war – hier mal eine Hauptrolle bekommt, die er dem Trailer nach zu urteilen auch ganz gut verkörpert.

Dem Design stehe ich etwas gespalten gegenüber. Die Grundstruktur der Personen sieht extrem oval aus, ähnlich wie bei Cloudy with a chance of Meatballs, darüber liegt allerdings eine Schicht Shrek-Realismus. Interessant zu sehen, dass auch DreamWorks (ähnlich wie Pixar) inzwischen eine Art Grundstil in der Bildgestaltung, vor allem was die Kontrastwerte und Farbtöne angeht, gefunden hat, den sie für jeden Film nur leicht variieren – Dragon, wenn man ihn nur aus dem Augenwinkel betrachtet, erinnert sehr an Kung Fu Panda und Shrek III – legt man Beispiele von Up und Wall-E daneben, fällt der Unterschied auf.





Wenn man einmal davon absieht, dass das Dragon-Bild kein Still ist sondern ein Trailer-Screenshot merkt man, dass Pixar mit härteren Kontrasten und helleren Lichtquellen arbeitet. Der Look ist viel stärker “hochglanz” als bei DreamWorks, die eher ein wenig mittiger daher kommen.

Interessant ist darüber hinaus das Design des Drachens. Dieses schwarze Etwas sieht ja eigentlich gar nicht aus wie ein Drache mit seiner runden Schnute. Meine erste Assoziation waren vielmehr die Designs von Hayao Miyazake aus Chihiro, Mononoke und Das wandelnde Schloss. (leider habe ich gerade die DVDs für Screenshots nicht greifbar, der folgende Vergleich benutzt das beste Bild, was ich finden konnte)

Eher (extrem) enttäuschend finde ich allerdings die Story des Films, soweit man sie aus dem Trailer ablesen kann (und das kann man nunmal extrem gut). Sie ist so abgegriffen, dass man mich nachts wecken könnte und sie wäre das erste, was mir einfiel: Außenseiter A in Gesellschaft G, die auf Merkmal X wert legt, findet alternative Möglichkeit um Problem Y zu lösen. Dabei aber stellt er fest, dass zu Problem Y mehr gehört als er dachte. Am Ende muss G einsehen, dass sie mit ihren Traditionen unrecht hatte oder sie zumindest teilweise ändern sollte um A zu integrieren (nur um ein paar Animationsbeispiele zu nennen: Antz, Kung-Fu Panda, Shark Tale). Wo sind bloß die cleveren DreamWorks-Drehbücher hin?

Nachtrag 13:11: Max hat mir als Antwort auf meine Abschlussfrage einen Link zu diesem Bild geschickt. Wie wahr…

Worte zum Wochenende

Doch nichts liegt ProSiebenSat.1 derzeit ferner, als eine eigene “Gebühr” zu fordern. Der Senderverbund möchte lediglich mehr direkte Erlösquellen erschließen, “etwa über Pay-TV, Video-on-Demand oder andere Geschäftsmodelle”, wie der Vorstandsvorsitzende Ebeling mit Gespräch mit dem Handelsblatt betont. Das Wort “Gebühr” benutzt Ebeling nicht ein einziges Mal. Das Handelsblatt nimmt das Wort “Nutzungsgebühren” in den Vorspann und spricht selbst noch von “Bezahl-TV”.

Robin Meyer-Lucht , Carta
// GEZ-Gebühr: Schlagzeilen-Bingo auf dem Boulevard

I can’t help but think that many newspaper-doomsayers are conflating hope with analysis.

Daniel Gross , Slate
// Paper Hangers

This time we tried to push the envelope, and the envelope pushed back. So we pushed a little harder.

James Cameron , in einer Featurette für Avatar
// Avatar Behind the Scenes Featurette

Mögen Verlage das noch so unfair finden: Es gibt kein staatlich verbrieftes Recht auf die Verlängerung nicht mehr funktionierender Geschäftsmodelle in die Zukunft.

Ulrike Langer , Medial Digital
// Keine Sahnehäubchen in Sicht

Zehn Zu Null – Eine Dekade voller Filme: Almost Famous (2000)

2000 ist das einzige Jahr, von dem ich keine zeitgenössischen Listen habe. Ich habe Almost Famous allerdings definitiv noch während des Jahres gesehen und fand ihn sehr gut, deswegen kann diese Wahl wohl als gültig erachtet werden.

Almost Famous hat mich begeistert. Eine gute Weile bevor ich wusste, wer Cameron Crowe ist, war klar, dass ich hier einen Film vor mir hatte, der zwei Dinge, die mich faszinierten, geschickt miteinander verknüpfte: Journalismus und die Popkultur der siebziger Jahre. Der Quasi-Roadmovie eines 14-jährigen Schreiberlings, der mit einer aufsteigenden Band anno 1973 auf Tour geht und dabei nicht nur erwachsen wird, sondern auch jede Menge über das wilde Leben und die internen Querelen des Pop-Business erfährt, sich aber in bester Journalistenmanier davon nicht vereinnahmen lässt – das fand ich toll. Lachen konnte man auch und schließlich war da ein Soundtrack, der seinesgleichen suchte: Ich hatte nicht gedacht, dass mir Yes tatsächlich mal von einer Kinoleinwand entgegen schallen würden. Ein Jahr später kam ich endlich dazu, meine eigene Band zu gründen, leider wiederholte sich die Geschichte des Films nicht.

Almost Famous hat sich gut gehalten. Es ist weder der rundeste (das ist wohl eher Jerry Maguire) noch der ausuferndste (Elizabethtown) von Cameron Crowes Filmen geworden, dafür bleibt er aber, wahrscheinlich nicht zuletzt wegen seines autobiografiktionalen Inhalts, ziemlich bewegend. Seine Qualität liegt nicht zuletzt in seiner ausgefeilten Besetzung in den Nebenrollen: Jason Lee als Sänger von „Stillwater“, Frances McDormand als paranoide Mutter, Zooey Deschanel als Schwester, Jay Baruchel als Über-Fan und natürlich Philipp Seymour Hoffmann als Rock-Kritiker Lester Bangs. Hinzu kommt eine der besten Rollen von Billy Crudup und die wahrscheinlich einzig gute Rolle jemals von Kate Hudson – in Penny Lane kann ich mich heute noch ein bisschen verlieben.

Der Film malt ein nostalgisches aber interessantes Bild seiner Zeit, untermalt von einem bis heute wohlklingenden Soundtrack: Neben Yes finden sich dort auch noch Simon & Garfunkel, The Who, Todd Rundgren, Beach Boys, Zeppelin und Lynyrd Skynyrd. Der schönste Einsatz dieses Soundtracks belegt eine Theorie von mir besser als jeder andere Film: Wenn Figuren im Film singen – und zwar nicht als Musicalnummer und nicht auf der Bühne – dann geht das immer mitten ins Herz, in diesem Fall ist es Elton Johns bezauberndes Tiny Dancer, das die ganze Crew im Tourbus trällert. Almost Famous bleibt in seinem gut verquirlten Mix aus Drama, Komödie und Period Pic ein besonderer Film.

Wirft man einen Blick auf die Oscars des Jahres (2001), dann zeigt sich, dass Gladiator die meisten Trophäen abräumte und Steven Soderbergh mit Traffic und Erin Brockovich seine starke Zeit hatte. Gladiator habe ich zwar mal gesehen, aber Film hat nicht den geringsten Eindruck bei mir hinterlassen (außer wegen seiner Effekte), was aber auch an Russel Crowe liegen kann. Ein starker Film im Jahr 2000 war Memento, der zwar nicht als erster aber doch zum ersten Mal massenwirksam die zerhäckselte Erzählweise propagierte und der nicht zuletzt durch seinen düsteren Kern und seinen erfreulichen Low-Budget-Look noch heute tief in mein Hirn eingegraben ist. 2000 war kein Jahr der eindeutigen Überflieger, Almost Famous aber (der schließlich den Oscar für das beste Originaldrehbuch gewann) bleibt auch im Nachhinein gesehen ein Highlight der Noughties.

Dieser Beitrag ist Teil 1 der Serie
Zehn zu Null – Eine Dekade voller Filme

Zehn zu Null – Eine Dekade voller Filme

Ja, es ist soweit. Ende dieses Jahres ändert sich wieder einmal die dritte Stelle in den Jahreszahlen, aus den Nuller Jahren (am liebsten mag ich eigentlich den englischen Begriff “Noughties”) werden die Zehner Jahre – und auch wenn damit rein rechnerisch noch nicht das zweite Jahrzehnt des neuen Jahrtausends beginnt (das kommt erst ein Jahr später, Krabääh! Krabääh!), so enden doch zumindest eben diese Nuller Jahre – und da Menschen gerne in solchen Kategorien denken, ist das schon mal eine Liste wert.

Darüber, die zehn besten Filme des Jahrzehnts zu küren, habe ich freilich schon viel länger nachgedacht. Auf die Idee aber, die ganze Dekade nochmal in Einzelschritten Revue passieren zu lassen hat mich Lukas gebracht. Da ich nicht annähernd seine musikjournalistische Kompetenz besitze und große Teile der letzten zehn Jahre musikalisch in den Siebzigern und Neunzigern verbracht habe, werde ich mich allerdings auf das Thema beschränken, zu dem ich etwas zu sagen habe: Filme.

Ich werde in den nächsten zehn Wochen bis zum Jahresende jeweils die Filme Revue passieren lassen, die ich nach meinen Listen am Ende der Jahre 2000 bis 2009 für die besten Filme des Jahres hielt. Weil es sich bei mir etabliert hat, nach amerikanischen und nicht deutschen Kinostarts zu indizieren mag die ein oder andere Wahl dabei zunächst verwundern – es wird in den Einträgen aber sowieso darum gehen, zu entscheiden, ob die Filme bis heute halten oder welche anderen Filme des gleichen Jahres sie eventuell an Bedeutung übertroffen haben.

Diesen Donnerstag geht es los mit dem einzigen Film, bei dem ich versucht habe, mich im Nachhinein zu besinnen, welchen Film ich am Ende des Jahres am Besten fand. Aus dem Jahr 2000 haben keine Aufzeichnungen überlebt.

Die besprochenen Filme

Nachtrag, 6. Januar: In einer zweiten “Staffel” von Beiträgen, habe ich versucht, mich ausführlicher mit Trends und Tendenzen der Noughties, unabhängig von einzelnen Filmen, auseinander zu setzen. Den natürlich nicht mehr ganz passenden Seriennamen “Zehn zu Null” habe ich dabei beibehalten.

Die einzelnen Beiträge

Worte zum Wochenende

Wie viele deutsche Blogger sind auch die, die sich hinter “muentefering” verbargen, medienkritische Menschen. Ganz klar: Das ist gut so, sowas braucht die Mediengesellschaft. Dass aber immer mehr Menschen auf die Idee kommen, Journalisten mehr oder weniger gezielt an der Nase herum zu führen, und das dann als großes medienkritisches Experiment verkaufen, ist ein schlechter Witz.

Johannes Boie , Schaltzentrale
// Falsche Fälscher
[via BildBlog]

Ich liebe die Freiheit, das Nachdenken mit anderen, das Fremde, das Querverbinden. Frau Schwarzer findet, ich sollte Journalistin sein. Und nun?

Meike Winnemuth , SZ-Magazin
// Projekt Neustart
[via BildBlog]

Unfortunately, a chief executive only a few years from retirement is hardly motivated to sack loyal colleagues to bring on board lots of teenagers to turn their company upside down.

Luke Johnson , Financial Times
// Generation game redefines business
[via Buzzmachine]

“There is a whitewashed, idealised version of childhood that is popular in movies. It has the kids sitting neatly in their chairs, talking with some adult, in a sarcastic, overly sophisticated but polite way – a concoction that bears no resemblance to an actual kid”

Dave Eggers , im Interview mit dem Guardian
// New film Where the Wild Things Are sends parents into a ‘rumpus’