Was “Live Escape Room” Games fehlt

Die junge akademische Disziplin der Game Studies teilte sich in ihren Gründungsjahren in zwei Lager auf. Die “Narratologen” entschieden, Spiele als einen Text wie jeden anderen zu betrachten, der mit den erprobten Mitteln der Literaturwissenschaft auf die Geschichte hin analysiert werden kann, die er erzählt. Ein Schachspiel, etwa, erzählt die Geschichte zweier Völker, die gegeneinender Krieg führen.

Gegen diese Sichtweise rebellierte die Schule der “Ludologen” (von lat. “ludos”, Spiel). Ihrer Ansicht nach muss man zur Analyse von Spielen ein neues Instrumentarium anlegen, das sich rein auf die spielerischen Aspekte wie Regeln und ihre Anwendung bezieht. Spiele sind nach Ansicht der Ludologen “Simulationen”, in denen Sinn von den Spielern und nicht von einem Autor erzeugt wird. Die Geschichte ist höchstens Beiwerk, Ausschmückung der Spielprinzipien.

Hauptdarsteller sein

Die junge Freizeitgestaltung der “Escape Room”-Spiele hat sich in seiner Vermarktung für das Lager der Narratologen entschieden. Als ich vor zwei Wochen angeschrieben und gefragt wurde, ob ich als Blogger Lust hätte, einen neuen Escape Room-Anbieter namens Claustrophobia in Berlin zu testen, wurde mir angekündigt, ich könnte dort “selbst die Hauptrolle in einer filmreifen Kulisse” spielen. Und auch auf der Website heißt es: “Warum also Filme nur anschauen, wenn Du der Hauptdarsteller sein kannst?” und “Du schreibst eine einzigartige Geschichte”.

Und tatsächlich sind die “Live Escape Rooms” bei Claustrophobia mit einem gewissen narrativen Anstrich versehen. Der von mir ausgewählte “Quest” namens “Schutzraum 13” spielt in einer apokalyptischen Zukunft des Jahres 2077. Die Welt ist atomar verseucht, meine drei Begleiter_innen und ich gehören zu den letzten Überlebenden, die unter der Erde Schutz gesucht haben. Doch nun ist die Zeit gekommen: Wir wollen mal wieder an die Oberfläche, um zu gucken, ob die Sonne scheint, wie unsere Game Masterin Marina erklärt. Dafür haben wir 60 Minuten Zeit und müssen uns durch eine Reihe von Puzzles quizzen. Wir können im Escape Room alles machen, manipulieren und anwenden – außer all den Dingen, die wir nicht machen können, wie wir ebenfalls erklärt bekommen.

Liebe in der Gestaltung

Die Tür fällt ins Schloss und los geht’s. Als erstes fällt auf, wie viel Liebe in die Gestaltung des Raums geflossen ist. Von der atmosphärischen Beleuchtung, über das geschickte Verstecken von nicht zur Spielwelt gehörenden Elementen bis zum stimmigen Gesamtdesign aller Requisiten und Bauten. Schon nach kurzer Zeit fühlt man sich wirklich wie in einem postapokalyptischen Bunker, komplett mit “Nuclear Cola” und allem.

Nachdem wir zehn bis 15 Minuten unsere Umgebung erkundet, diverse Gegenstände gefunden und mehrfach über die Laustsprecheranlage ermahnt wurden, dass wir bitte das ein oder andere Ding in Ruhe lassen sollen, scheinen wir unserem Ziel, die erste Tür zu öffnen, noch nicht wirklich näher gekommen. Also holen wir uns nach etwas Debatte zähneknirschend über einen Klingelknopf einen Hinweis von unserer Game Masterin. Der ist so einleuchtend, das wir alle ein bisschen aufstöhnen. Die gleiche Situation ereilt uns rund 15 Minuten später wieder. Wir kommen nicht weiter und der rettende Hinweis erscheint unfassbar banal. Am Ende schaffen wir es ganz knapp, die letzte Tür zu öffnen, nicht ohne Marina zwei weiter Male um Hilfe zu bitten. Die Erleichterung, als das Rolltor in die Höhe fährt und Tageslicht erkennen lässt, ist echt. Mein Frust aber ist es auch.

Escape Rooms als LARPs?

Ich habe mit 16 Jahren angefangen, Liverollenspiele (LARPs) zu spielen und habe sie auch schon selbst geplant und geleitet. Ich bin kein Hardcore-Larper, der im Sommer jedes Wochenende woanders sein Latex-Breitschwert auspackt, sondern spiele vor allem mit einer kleinen Gruppe von Freunden einmal im Jahr in wechselnden Settings. Nach der Spielertypologie von Robin D. Laws bin ich ganz klar ein “Storyteller”. An LARPs, die ja auch häufig als eine Reihe von zu lösenden Aufgaben auftreten, begeistert es mich, Teil einer vielleicht sogar transmedial erzählten Geschichte zu sein. Dafür bin ich, genau wie Laws beschreibt, oft auch schnell bereit, meinen gewählten Charakter etwas zu vernachlässigen und bin “quick to compromise if it moves the story forward”. Ideale Voraussetzungen für ein Escape Game, dachte ich.

Aber Escape Rooms sind keine LARPs – und deswegen ist es auch egal, welcher Spielertyp man ist. Sie folgen trotz ihren narratologischen Marketings knallhart ludologischen Prinzipien. Es mag schön aussehen, dass nukleare Cola in einem verbeulten Verkaufsautomaten steht, für das Gewinnen des Spiels ist es aber völlig irrelevant. Auch kreatives und originelles Denken wird, anders als in einem LARP mit guter Spielleitung, nicht belohnt. Obwohl das Setting mit seiner Bewegungsfreiheit und Atmosphäre eine alternative Realität suggeriert, ist es in Wirklichkeit ein Spiel mit sehr engen Regeln.

Point and Click

Der beste Vergleich sind die Point-and-Click-Adventures, die in den 80er und 90er Jahren ihre Blütezeit hatten. Zumindest in unserem Escape Room folgte das Spiel einem klaren Prinzip. Finde Objekt A, benutze Objekt A mit Objekt B, um Objekt C zu erhalten, wende Objekt C an Objekt D an, um Zugang zu Objekt E zu bekommen. Um dieses Prinzip am effektivsten anzuwenden, sind Atmosphäre und suggerierter Hintergrund sogar eher hinderlich, denn je nüchterner man die Objekte als Mittel zum Zweck betrachtet und je weniger man versucht, vom Setting auf die Problemlösungen zu schließen, umso schneller kommt man voran. Genau wie in Point-and-Click-Adventures ist der eigentliche Pfad durch das atmosphärische Dickicht ein sehr schmaler – als Spieler_in kann man eben doch nur auf die Punkte im Bild klicken, bei denen der Mauszeiger seine Farbe verändert. Denn Sinn erschafft man selbst. Der Autor hat nur die Regeln festgelegt, nicht die Geschichte.

Wenn ich das nächste Mal ein Escape Room Game spiele, und das werde ich mit Sicherheit, denn es hat trotz allem Frust auch wirklich Spaß gemacht, werde ich das im Hinterkopf behalten. Vielleicht könnte mir das Spiel aber auch etwas entgegen kommen, indem es seine Rätsel etwas mehr durch die anfangs suggerierte Story motiviert. Wenn wir seit der nuklearen Apokalypse in diesem Schutzraum sind, warum kennen wir ihn nicht besser? Wer hat uns diese Schnitzeljagd hinterlassen? Warum wurde sie so schwierig gemacht? Gibt es einen Gegner? Zeigt uns irgendwas an diesen Pflanzen, dass es sicher ist, an die Oberfläche zu gehen? Und vor allem: was kann die Kenntnis dieser Geschichte dazu beitragen, die Rätsel zu lösen? Das wären Fragen, die ich am liebsten beantworten können würde, während ich spiele.

Claustrophobia Berlin befindet sich im 3. Stock des Alexa-Einkaufszentrums am Alexanderplatz. Neben dem Schutzraum-Szenario gibt es noch ein zweites, bei dem die Spieler_innen ein Kunstwerk aus einem Museum stehlen müssen. Ein 60-minütiges Spiel für bis zu vier Personen kostet je nach Wochentag und Uhrzeit 80 oder 100 Euro, unabhängig von der Anzahl der Spieler_innen.

Offenlegung: Weil ich eingeladen wurde, musste ich mein Spiel nicht bezahlen. Darüber hinaus habe ich, soweit ich das beurteilen konnte, keine Sonderbehandlung bekommen. Mir wurden keinerlei Vorgaben darüber gemacht, was ich schreiben soll. Weil es leider die erste wirklich gute Erfahrung mit Blogger Relations war, die ich bisher gemacht habe, möchte ich gerne die Firma Schlösser PR, die mich ursprünglich kontaktierte, positiv erwähnen.

“Arschbombe” außer Kontext: Wenn Blogs zu Büchern werden

Ich habe “Sehr gerne Mama, du Arschbombe” von Patricia “Das Nuf” Cammarata gelesen. Ich mochte es und habe ihm auf Goodreads vier Sterne gegeben. Ich hab beim Lesen gelacht, gekichert, geschmunzelt und manchmal sogar nachgedacht. Ich würde “Arschbombe” weiterempfehlen und werde es vermutlich in Zukunft noch öfter verschenken, wenn in meinem Freundeskreis Nachwuchs ansteht.

Ich fand es trotzdem nicht perfekt und ich glaube, dieses Empfinden kommt vor allem daher, dass ich auch seit ein paar Jahren schon Patricias Blog und ihren Twitter-Account verfolge. (Ich habe Patricia auch schon dreimal persönlich getroffen, aber das ist hier gar nicht so wichtig.) “Arschbombe” ist eine Zusammenstellung der besten Geschichten aus Patricias Blog, in dem es vor allem um das Leben mit Kindern geht. Diese zerfallen grob in zwei Kategorien. Manche sind wirklich beinahe direkte Wiedergaben von Erlebtem, pointiert aufgeschrieben, zum Beispiel “U8” über einen Besuch beim Kinderarzt. Andere, zum Beispiel die Geschichte vom vom Furby (die nicht im Buch ist), nehmen ein Erlebnis nur als Ausgangssituation, um es dann zu übertreiben und eine Art Kishonsche Satire draus zu machen.

Keine Chronologie, keine Übergänge

Im Blog, klar, tauchen diese Geschichten in chronologischer Reihenfolge auf, zwischen anderen Posts zu Themen, die Patricia interessieren, zum Beispiel geschlechtergetrennte Produkte, Ausflugsziele für Kinder und Bloggen. Im Buch sind sie grob nach Kategorien sortiert wie “Familienalltag”, “Peinlichkeiten” oder “Andere Eltern”. Es gibt keine Chronologie, keine Übergänge, eine Geschichte folgt einfach nach der anderen. Im ersten Moment gibt es das dritte Kind noch gar nicht, im nächsten ist es im Kindergarten. Aber noch viel merkwürdiger: Auch Patricia, die Ich-Erzählerin und sozusagen die halbfiktionale Hauptfigur des Buchs, ändert sich von Geschichte zu Geschichte. Manchmal ist sie mit Situationen überfordert, mit denen sie beim nächsten Mal schon klarkommt.

Mich hat das verwirrt und ich halte es für einen der größten Fehler bei “Büchern mit Texten aus dem Internet”, die anscheinend recht erfolgreich sind, die Texte ohne Bearbeitung aus ihrem Kontext zu entfernen. Dirk von Gehlen interessiert sich gerade auch sehr für das Thema und natürlich ist es wegen Blendle gerade in aller Medienmenschen-Munde. Die “Arschbombe” hat mir gezeigt warum. Im Buch fehlen die Hyperlinks, es fehlen die anderen Aspekte von Patricias Persönlichkeit, die man im Blog in der Regel mitkonsumiert. Es fehlt das Gesamtbild, das die einzelnen Texte besser wirken lässt.

Geschichten aus 1001 Arschbombe

Damit will ich nicht sagen, dass man aus Blogtexten keine sehr guten Bücher machen kann. Aber ich glaube, gerade in diesem Fall hätte ein bisschen zusätzliche Arbeit sich gelohnt. Die lustigen Episoden hätten nach meinem Dafürhalten eingebettet werden sollen in eine Rahmen-Erzählung, einfach aus der Ich-Perspektive eines Sachbuchs, in der man die Autorin bzw. ihre Erzähler-Persona Stück für Stück besser kennenlernt, während sie immer wieder ins Geschichtenerzählen abschweift. So hätte man dem Buch eine Spannungslinie verpassen können, eine Dramaturgie, die auch dem Durchlesen von vorne nach hinten einen Mehrwert verpasst, unabhängig von den einzelnen Geschichten. Beispiele für diese Art Bücher gibt es genug, von “1001 Nacht” über “Gullivers Reisen” bis “What would Google do”. Klar, ist natürlich auch Arbeit, aber es lohnt sich.

Ich habe Patricia jedenfalls gebeten, im nächsten Buch mehr und unterschiedlichere Seiten von sich selbst zu verarbeiten, unabhängig von lustigen Mini-Episoden. Ich will diesen Teil ihres Blogs einfach nicht missen, wenn ich ihr Buch lese. Mal gucken, ob das klappt.

Starlee Kines “Mystery Show” ist ein verdammter Manic Pixie Dream Podcast

© Gimlet Media

“Is that what you do in your free time?”, wird Starlee Kine vom Ticketmaster-Mitarbeiter am Telefon gefragt. “‘I don’t want to work today, I’m gonna go change someone’s life?'” Kine lacht daraufhin, aber vielleicht auch, weil er so recht hat. Denn ihre Mission scheint es wirklich zu sein, ab und zu ein paar Leben zu ändern. In seiner anderen Vermutung hat der freundliche junge Mann am Telefon allerdings unrecht. Starlee Kine macht das nicht in ihrer Freizeit. Es ist ihr Job, als Host ihres neuen Podcasts “Mystery Show”.

Gimlet Media, Alex Blumbergs geplantes Podcast-Imperium, ist nach jeder Menge Anfangsaufregung in einer etwas ruhigeren Phase angekommen. “Startup”, die Show mit der alles begann, hat sich in ihrer zweiten Staffel zwar ein interessantes Unternehmen ausgesucht, dessen Gründungsphase es begleitet – die persönliche Besonderheit von Blumbergs eigener Gründung kann sie aber nicht replizieren. A propos Wörter mit “Repl” am Anfang, “Reply All”, der zweite Gimlet-Launch, ist ein ziemlicher Gemischtwarenladen, der viel ausprobiert und damit nicht immer reüssiert. “Mystery Show”, Podcast Nummer drei, klingt ad hoc auch nicht so furchtbar spannend: Eine Reporterin zieht herum und löst Rätsel, die man nicht mit Hilfe des Internets lösen kann. Haben wir bei uns im Kinderfernsehen, heißt “Willi will’s wissen”. Next.

Dr. Phil

Doch wer das denkt, hat wahrscheinlich noch nie von Starlee Kine gehört. Wie einige Gimlet-Reporter_innen stammt sie aus demselben Stall wie Blumberg, der Planet-Money-This-American-Life-Connection. Für “This American Life” hat sie mal eine Geschichte über Trennungslieder gemacht, in der sie Phil Collins anruft und ihn fragt, wie das eigentlich geht. Sie liest ihm einen Liedtext vor, den sie über ihre eigene Trennung geschrieben hat und lässt sich von Collins Ratschläge geben. “Dr. Phil“, so der Titel des Segments, ist eine der Sternstunden des amerikanischen Public Radio. Der einzige Podcast, für den ich jemals Geld ausgegeben habe, um ihn herunterzuladen. So sehr wurde er mir empfohlen und so sehr hat mich der Pitch neugierig gemacht. (Ladet ihn auch herunter. Jetzt!)

Für “Mystery Show” setzt Kine auf die gleiche absurd-fantastische Mischung aus Naivität, Hartnäckigkeit und Individualität, um persönliche Rätsel zu lösen. In der ersten Folge, die ausgerechnet die bisher schwächste ist, geht sie dem Erlebnis einer Freundin nach, die sich Anfang der 2000er in einer New Yorker Videothek Must Love Dogs auslieh und am nächsten Tag einen dauerhaft geschlossenen Laden vorfand. Mit etwas Herumfragen findet Kine die alten Besitzer der Videothek und erfährt, was passierte. Charmant erzählt, aber immer noch nicht außergewöhnlich, eine solche Spurensuche.

Britney Spears und 9/11

In Folge zwei jedoch möchte eine Autorin gerne wissen, ob ihr schwach verkauftes Buch, mit dem Britney Spears mal auf einem Paparazzi-Foto zu sehen war, von der Sängerin wirklich gelesen wurde. Mystery-Löserin Starlee Kine versucht auf verschiedene Arten, an die inzwischen notorisch öffentlichkeitsscheue Spears heranzukommen – und am Ende gelingt es ihr sogar. In Folge drei findet sie den ursprünglichen Besitzer einer besonderen Gürtelschnalle und in Folge vier die Geschichte hinter dem Nummernschild “ILUV911”.

Doch es ist bezeichnend, dass der Podcast nicht “Mystery Solving Show”, sondern “Mystery Show” heißt. Denn bei Kine ist der Weg das Ziel. Obwohl es spannend ist, die Antworten auf die Fragen zu bekommen, die am Anfang jeder Sendung aufgeworfen werden, kommt die wahre Herzensfreude beim Hören von den kleinen Seitenpfaden, die Kine zwischendurch einschlägt. Nicht nur die Sackgassen auf dem Weg zur Problemlösung, die immer Teil einer Geschichte sind, sondern die scheinbar irrelevanten Nebenstränge auf denen die Erzählerin sich kunstvoll verliert. Wie das Gespräch mit dem Ticketmaster-Mitarbeiter darüber, wie wichtig es ist, sich selbst zu sagen, dass man etwas wert ist. Oder die skurrilen Erinnerungen einer der ersten Notruf-Dispatcherinnen überhaupt in den USA, die sich in ihrer Anfangszeit mal mit einem Mann herumschlagen musste, der seinem Hund beigebracht hatte, ein Auto zu lenken.

Rote Fäden

Kine erwähnt diese Geschichten nicht nebenbei. Sie gibt ihnen Raum, weil sie weiß, dass sie Teil der großen Geschichte unseres Menschseins sind, die sie eigentlich erzählt. Ihre Mysterien sind nur die roten Fäden, die sie durch ein Dickicht von Alltagsbeobachtungen und Einblicken in ihre eigene Gedankenlandschaft zieht. “Mystery Show” ist eine Sendung über alles und nichts, vor allem aber darüber, die kleinen Besonderheiten des Lebens wertzuschätzen. Das Tolle dabei ist, dass Kine diese Rolle eines fröhlichen Kobolds, der einen akustisch durch die Welt führt, ganz natürlich auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Sie wird niemals pathetisch oder künstlich und bleibt immer sie selbst.

Um zu begreifen, was das alles bedeutet, muss man nur die Passage lesen, mit der Kine in Folge 5 die Zeit überbrückt, während sie auf eine neue Spur im Fall “Wie groß ist Jake Gyllenhaal eigentlich wirklich?” wartet.

Seasons passed. Winter came. Planets rotated. Stars died. Innumerable gallons of ice cream were consumed. Countless spoons were bent. Babies learned how to crawl. Teenagers learned how to kiss. Podcasts went from being popular in a niche way to a mainstream way. But still, older people could not figure out how to listen to them on their phones. Heavy televisions were replaced by thin televisions. The outdated models were put out on the street, picked up by couples in love and then, after some time had passed, put back, out on the street.

Wer solche Texte schreibt, der schafft es eben auch tatsächlich, mit Jake Gyllenhaal fünf Minuten später ein persönliches Gespräch auf mehreren Meta-Ebenen gleichzeitig zu führen und am Ende tatsächlich seine Größe zu erfahren. So ändert Starlee Kine Leben. Sie ist so entwaffnend — die Mysterien, die ihr gegenüberstehen, geben einfach irgendwann auf.

“Mystery Show” von Gimlet Media kann man überall hören, wo’s Podcasts gibt. Bisher sind fünf Folgen erschienen, neue kommen im Juli.

Wie ich Russell Crowes Film “The Water Diviner” in einem türkischen Kino erlebte

© Fear of God Films

Die Sintflut war weniger umfangreich, als Noah erwartete.

Alternde Filmstars, die zum ersten Mal Regie führen, wählen sich gerne Projekte, in denen sie ihren Messias-Komplex mal so richtig ausleben können. Es reicht ihnen nicht, die Hauptrolle in einem Film zu spielen, den sie selbst inszeniert haben und produziert haben. Sie müssen darin auch noch jene versöhnende Rolle einnehmen, die ihnen die Welt sonst anscheinend versagt. Es muss an ihnen hängen, dass die Menschen sich endlich wieder lieb haben.

The Water Diviner ist Russell Crowes Variante von Dances with Wolves. Nicht unbedingt im Plot, aber doch im grundsätzlichen Gestus des “Stoischer weißer Mann treibt die Völkerverständigung voran und lernt dabei etwas über sich selbst”. Russell Crowe inszeniert sich selbst als einen australischen Brunnenbuddler, der am Ende des ersten Weltkriegs in die Türkei reist, um seine drei in Gallipoli gefallenen Söhne nach Hause zu holen und in geweihter Erde zu begraben. Er hat es seiner toten Frau versprochen. In der politisch zerrissenen Türkei findet er nicht nur zu sich selbst zurück, er stellt außerdem fest, dass einer seiner Söhne noch am Leben sein könnte und entdeckt vielleicht neues Liebesglück (Olga Kurylenko).

Das Versprechen eines Lebens

In Deutschland startet die türkisch-australische Koproduktion als Das Versprechen eines Lebens erst im Mai, aber wegen des starken lokalen Bezugs war sie in Istanbul schon zur Weihnachtszeit zu sehen. Son Umut (Letzte Hoffnung) lautet der türkische Titel. Weil sonst nichts Interessantes lief und man den hunderten Postern für Son Umut in allen Metro-Stationen sowieso nicht entkommen konnte, schoben sich meine Frau und ich also am zweiten Weihnachtsfeiertag in ein ausverkauftes türkisches “Cinemaxximum”, um Russell Crowe – den ich nicht ausstehen kann, meine Frau aber einigermaßen attraktiv findet – beim Brunnenbuddeln zuzugucken.

© Fear of God Films

Wir stellten fest: Russell Crowe gräbt in seinem Film genau einen Brunnen. Ganz am Anfang. Ich hatte fest damit gerechnet, dass ein Film mit dem Titel The Water Diviner (wörtlich “Der Wasser-Wahrsager”, übersetzt “Der Wünschelrutengänger”) irgendwann darin münden würde, dass Russell Crowe seine Wasser-Such-Skills einsetzt, um den rettenden Brunnen für ein paar verlorene Türken zu graben, die ihn daraufhin in guter Hollywood-Völkerverständigungstradition in ihren Stamm aufnehmen. Aber nicht einmal Olga Kurylenko bekommt Russells Wünschelrute zu sehen, das Prinzip wird eher auf eine vage, nicht-konfessionelle Spiritualität übertragen.

Who are they toasting?

Um seinen verschleppten Sohn zu finden, schließt sich Crowe einer Truppe von republikanischen Milizen an, die in jene Richtung ziehen, wo sich die Spur des Sohns verliert. Am Abend vor dem Aufbruch sitzen sie in ihrem Versteck irgendwo in den Katakomben Istanbuls, trinken, feiern und singen. Ein türkischer Soldat hebt sein Glas auf einen abwesenden Mann namens Kemal. “Who are they toasting?”, fragt Crowe seinen neuen Freund Major Hasan (Yilmaz Erdoğan). “Turkey’s future”, antwortet dieser.

Die feierliche Stimmung im Kinosaal war spürbar. Mustafa Kemal Atatürk, der türkische Republiksgründer, wird in der Türkei wie ein Heiliger verehrt. Man sagt nichts Schlechtes über ihn. Am Nationalfeiertag, dem 29. Oktober, zieren zehn Etagen hohe Porträts von ihm die Hauswände. Es wird sich ständig auf ihn berufen, um Alles und Nichts zu rechtfertigen.

© Fear of God Films

Das kann man albern finden, oder sogar gefährlich. In diesem Moment – als Deutscher zu Gast in der Türkei, in einem Kino voller Türken, im Angesicht eines sentimentalen australischen Films über die Türkei – war ich gerührt. Ich wünschte mir einen eigenen Gründungsmythos, auf den ich mich bei Gelegenheit berufen kann, und der nicht nur darin besteht, dass mein Volk nicht in der Lage war, seinen wahnsinnigen Diktator selbst zu stürzen, sondern ihm jubelnd ins Verderben folgte. Das Gefühl wurde ich eine Weile nicht los, auch nachdem der Film vorbei war.

Völkerverständigung für Dummies

In The Water Diviner wird allerdings auch klar, dass Völkerverständigung nach dem filmepischen Modell immer nur zwischen zwei Völkern stattfinden kann. Crowe kommt als Australier nach Gallipoli und seine ursprüngliche Wut gegen die Türken, die seine Söhne umgebracht haben, schwenkt bald um in Sympathie gegenüber dieser alten Zivilisation, die mitten im Umbruch steckt und deren Vertreter Hasan ein echter Ehrenmann ist.

Das hindert ihn natürlich nicht daran, sowohl die ausnahmslos arroganten und ignoranten englischen Besatzer, als auch die ungewaschenen barbarischen Griechen, die Anatolien unsicher machen, weiterhin zu hassen. Sie haben ja schließlich auch kein Geld in seinen Film investiert.

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 10 “What they become”

© ABC

Ein gutes Serienfinale führt Pfade an einem Ort zusammen und lässt aus dieser Zusammenkunft etwas Neues entstehen, ein bisschen wie in dem alten Spruch zu Werra, Fulda und Weser. “What they become” trägt dieses Merkmal schon im Titel und man kann, denke ich, problemlos sagen, dass die Folge dem Label Midseason-Finale schon ziemlich gerecht wird. Sonst hätte ich wohl kaum am Ende meines Notizblocks ein großes “WTF” stehen gehabt.

Ein paar große Wörter werden in dieser Folge in den Raum geworfen. “DESTINY” – das ist das, was sich für Skye angeblich erfüllen soll. Und “LOVE” – Wards Antrieb, Skye zu helfen und leider die wenig hinterfragte und immer sehr abstraktromantisch angewandte “geheime” Zutat in jedem verdammten fantastischen Film da draußen – von Harry Potter über Matrix bis Interstellar. Insofern: Angenehm, dass das Wort nur eine kurze Weile bleiern in der Luft hängt und dann durch eine spontane Feuerwaffen-Aktion von Skye perfekt konterkariert wird. (Auch wenn Ward anschließend noch erstaunlich fit zu sein scheint.)

Schicksal im großen Stil

Schicksal allerdings wird in diesem Semifinale im großen Stil erfüllt und dazu passt die Parallelstruktur der Folge, in der mehrere Handlungsstränge einander immer wieder kreuzen um am Ende in einem einzigen großen Slo-Mo-Moment zu konvergieren. Und obwohl der Moment selbst spektakulär genug inszeniert ist, ist es beinahe der Weg dorthin, der inszenatorisch interessanter ist. Die vielen kleinen Teams und Standoffs, die sich im Minutentakt ergeben. May und Tripplet, Bobbi und Lance, Fitz, Simmons und Tripplet, May und Coulson, Cal und Skye, Cal vs. Whitehall, Cal vs. Coulson, Skye, Raina und Tripplet.

Am Ende dieses Weges wissen wir bereits so viel mehr, als am Anfang. Bobbi verheimlicht etwas vor Lance. Cal heißt Cal (Calvin Zabo alias Dr. Hyde, verrät mir das Internet, das mehr Marvel-Comics gelesen hat als ich). Skye heißt eigentlich Daisy (Daisy Johnson, dito). Whitehall ist tot (falls er tot bleibt). Tripplet ist tot (We hardly knew thee). Und verdammt noch eins, Skye ist Inhuman. Die Serie sagt das nicht explizit, aber das Internet hat ja sowieso seit Wochen nichts anderes vermutet.

Universumsöffnung

Es gibt einiges, was man noch an dieser Folge loben könnte. Kyle MacLachlan ist wieder voll im Grand Guignol-Modus und spielt sich die Seele aus dem Leib. Reed Diamond als Daniel Whitehall ist wunderbar dämonisch, bevor er sein unspektakuläres Ende erreicht (ich könnte mir gut vorstellen, dass er bei Agent Carter wieder dabei sein wird). Die Lichtsetzung fällt angenehm auf in der stimmigen letzten Szene in den Tiefen der unterirdischen Stadt. Das alles verblasst aber natürlich im Vergleich zu der großen Universumsöffnung, die die Serie mit ihrem Ende vornimmt.

Was in “What they become” passiert, wird große Auswirkungen auf das Marvel Cinematic Universe haben. Die Serie wird Setup, wird Hintergrund, statt immer nur Lumpensammler zu sein. Der Inhumans-Film wird erst 2019 in die Kinos kommen, bis dahin kann Agents of SHIELD noch viel Spaß mit dem Konzept haben. Zudem ist die Serie sozusagen der Grundstock für das Zwischenspiel von Agent Carter nach dem Jahreswechsel, das sicherlich mit SHIELD-Hintergrundwissen auch besser funktionieren wird (nicht umsonst fällt in dieser Folge erneut ein Hinweis auf die “Howling Commandos”). Diese Art des multipel vernetzten und langfristig geplante Erzählens ist nach wie vor ein Unikum in der weltweiten Medienlandschaft. Hoffen wir mal, dass das große Versprechen, dass diese Folge macht, in den kommenden Jahren eingelöst wird.

Beste Szene: Skye trifft ihren Vater. Ein ungleicher Dialog.

Bester Satz: “When this is all over, I’ll cry for like a week” (Bobbi Morse)

Note: 1-

Anmerkung: Die SHIELD-Recaps waren als Test für mich gedacht und ich habe das Gefühl, dass der Test vorbei ist. Ich habe mir bewiesen, dass ich immer noch lieber in großen Bögen als in kleinen Folgen denke, aber einen Zugang auch zu einzelnen Folgen finden kann. Mein Blog soll mir Spaß machen und das Recappen fühlte sich fast von Anfang an immer eher wie eine lästige Pflicht an. Wenn sie dafür wenigstens viele Leser hätten, wäre das auch noch ein Anreiz, aber da die Serie nicht im deutschen Fernsehen läuft, sind die Klickzahlen erschreckend vernachlässigbar, der Zusammenarbeit mit “Serien.Ninja” zum trotz. Nächstes Jahr habe ich aus beruflichen Gründen wahrscheinlich noch weniger Zeit. Ich denke, dass ich deshalb mit dem wöchentlichen Recappen aufhören und nur am Ende der Staffel noch einmal meine Gedanken aufschreiben werde. Nicht einverstanden? Schreib es in die Kommentare.

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 9 “Ye who enter here”

© ABC

Ich glaube, es war in Folge 16 der ersten Staffel, “The End of the Beginning”, in der Skye offiziell eine SHIELD-Agentin wird, dass Agents of SHIELD das alte Whedon-Prinzip des Teams als Familie (das wiederum auf dem alten Stan-Lee-Prinzip des Teams als Familie beruht) zum ersten Mal so richtig raushängen ließ. Skye, so glaubten wir damals noch, ist Waise, also ist es klar, dass sie sich in Fitz, Simmons, May, Ward und Coulson eine Ersatzfamilie sucht.

Folge neun der zweiten Staffel von Agents of SHIELD beginnt mit einer Albtraumsequenz, in der Skye durch die SHIELD-Bunker läuft, in einem Kleid, dass diese Kleines-Mädchen-Große-Welt-Rolle noch einmal in Erinnerung ruft. Und das, wo sich Skye doch in den letzten Folgen so angestrengt hat, erwachsen, taff und verantwortlich zu sein.

Erweiterte Familie

Inzwischen ist nicht nur klar, dass Skye keine Waise ist, die Serie hat auch vor allem der Familie immer mehr Mitglieder hinzugefügt. Das war auch dringend nötig, denn die dünne Dynamik der Mama-Papa-großer-Bruder-und-die-Zwillinge-Konstellation bewies mehr als einmal, dass sie nicht sonderlich gut trägt und einfach zu viele Klischees auf zu wenig Figuren vereint. Zur Ursprungsmannschaft ist mit Tripplet, dem ehemaligen Ziehsohn des Verräters Garret, eine Art cooler Pflegebruder hinzugekommen; außerdem hat sich die Großfamilie mit dem Team von Lance, Bobbi und Mack (mit ihrer verstorbenen “Mutter” Isabelle Hartley) um eine Runde Cousins und Cousinen erweitert.

Was das Erzählerische angeht, trägt diese Auswahl an Familienmitgliedern einen großen Teil dazu bei, dass die Serie endlich ihren Rhythmus gefunden zu haben scheint. Auch in “… Ye who enter here” (Dantes Inferno, anyone?), der wahrscheinlich vorletzten Folge in diesem Jahr, gibt es genügend Raum für Gespräche in vielen verschiedenen Konstellationen, die in Sachen Interaktionsdynamik eine große Bandbreite zulassen, von albern bis todernst und überall dazwischen.

Kein Fremdschäm-Museum

Endlich scheint die Serie genug Atemluft zu haben, um sowohl richtig kindische Comic-Szenen wie die Verfolgungsjagd von Raina – Agent 33 mit einer kaputten Maske, Koenig mit einem Tarn-Regenschirm – als auch wichtige Charaktermomente wie die erste richtige Aussprache zwischen Fitz, der Simmons liebt, und Simmons, die Tripplet toll findet, zu beherbergen. Und das, ohne dabei zum Fremdschäm-Museum zu werden. Wenn Skye Coulson verlegen umarmt, bevor die beiden auf unterschiedliche Missionen gehen, wirkt das zum ersten Mal nicht mehr wie vom Drehbuch diktiert, sondern von den Charakteren verdient.

So gut sich die Charakterdynamik auch entwickelt, die Production Value-Logik sinkt teilweise sogar wieder unter das Niveau von Staffel eins. Die Folge braucht zwei externe Lokalitäten und entscheidet sich für Vancouver, wo ein Großteil von Hollywood sowieso seine “Runaway Productions” dreht und Puerto Rico, anscheinend das Exotischste, was mit dem Staffelbudget machbar war.

Showdown wie immer drinnen

An beiden Orten gönnt man sich ein paar kleine Außenszenen, kehrt aber möglichst bald wieder in sicheres Backlot- und Soundstage-Territorium zurück. Der Showdown dieser Folge, die plotmäßig im Grunde nicht mehr ist als ein einziger großer Aufbau für das Herbstfinale kommende Woche, findet praktischerweise zum x-ten Mal in einem geschlossenen Raum statt. Okay, es ist eine Höhle, die den Eingang zu einer mystischen unterirdischen Stadt darstellt, aber das wissen wir auch nur, weil sie es uns gesagt haben.

Ach ja, und Raina enthüllt, dass die außerirdische Rasse, die den “Diviner” gebaut hat und deren Blut der Grundstoff für Projekt T.A.H.I.T.I. war, die Kree sind. Jene Kree, die auch in Guardians of the Galaxy auftauchen, am prominentesten in der Person von Ronan the Accuser, dem Levelboss des Blockbusters. Aber was sagt uns das, ohne dass wir bisher irgendetwas von ihrer Stadt zu sehen bekommen oder von ihren Plänen erfahren haben, wirklich? Sie wollen die Erde in Schutt und Asche legen und nur die, die es wert sind, am Leben lassen? Das sagt Raina, aber es könnte auch nur eine Legende sein. Warten wir es ab.

Bester Moment: Schwarzer Bus von links nietet überraschend zwei Hydranten um, die gerade Raina einsacken wollten.

Beste Dialogzeile: “That’s not wood, is it?”

Note: 2

Dieser Recap erscheint auch auf “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 8 “The Things We Bury”

“The Things We Bury” enthält drei Handlungsstränge auf zwei Zeitebenen. Die Folge schließt wieder einige Lücken auf dem Weg zur Enthüllung unseres großen Staffelmysteriums. Das ganze ist spannend erzählt, mit guten Dialogen und schönen Comic-Schauspielmomenten und enthält sogar einige nette Regieschnörkel. Vielleicht die beste Folge der Staffel bisher, nachdem schon die letzte Woche ein Erfolg war. Warum nicht gleich so, Jed und Maurissa? Warum nicht gleich so?

Nachdem ich dieses übliche Daumen-Urteil getroffen habe, sollten wir diese Woche mal syuzhet und fabula trennen und zusammenfassen, was zur Hölle eigentlich Sache ist. Der Zeitpunkt für eine ausführlichere Analyse ist günstig, da die Folge, wie erwähnt, viele bisher aufgeworfene Fragen beantwortet und die ganze Serie relativ sicher auf die Schienen setzt, die schon bald vermutlich erst in einer Art Zwischenfinale vor Weihnachten und dann wahrscheinlich in Age of Ultron enden werden. Dazwischen steht uns ja auch noch Agent Carter, die Serie, bevor, aber dazu später mehr.

Was bisher geschah

Also: 1945 erhält Werner Reinhard, einer der engeren Vertrauten des Hydra-Gründers Red Skull, den Obelisk auf seinen Raubzügen in Europa und testet ihn in einer Burgruine in Österreich. Er kann noch feststellen, dass einzelne Menschen – darunter eine junge Frau – nicht von dem Artefakt getötet werden, bevor Agent Carter und die Howling Commandos seine Basis hops nehmen. Carter verhört Reinhardt, kann jedoch nichts aus ihm herausbekommen und bringt ihn lebenslang hinter Gitter. 1989 wird Reinhard befreit, trifft die gleiche Frau wieder, die im Gegensatz zu ihm nicht gealtert ist, und experimentiert so lange mit ihr, bis er den Stoff gefunden hat, der ihr ewige Jugend beschert. Die Frau, die augenscheinlich die Mutter von Skye ist, stirbt und Reinhard wird, frisch verjüngt, zu Whitehall. Der Mann der toten Frau, Skyes Vater – der immer noch keinen Namen außer “Doctor” hat – findet den verstümmelten Leichnam seiner Frau und schwört Rache. (Größtes Fragezeichen in dieser Geschichte: Was machen all die Menschen, die asiatisch aussehen und eine asiatische Sprache sprechen, in Österreich? Wurde hier eine Location später geändert?)

Weitere 25 Jahre später, im Jetzt, treffen Whitehall (immer noch jung) und der Doctor bei HYDRA zusammen und beschließen, ihr Wissen zusammenzutragen. Der Obelisk, oder auch “Diviner”, was man mit “Erkenner” übersetzen könnte, kam vor langer Zeit auf die Erde – einem Mythos nach von “blauen Engeln” überbracht. Höchstwahrscheinlich sind dies die blauen Aliens, aus deren Gewebe das Serum gewonnen wurde, mit dem sowohl Coulson als auch Skye dem Tod entronnen sind. (Marvel hat inzwischen enthüllt, zu welcher Comic-Rasse die Aliens gehören, aber aus Spoilergründen behalte ich das hier mal für mich) Der Diviner soll ein Schlüssel sein, mit dem diejenigen, die würdig sind, ein Tor öffnen und die Welt erobern oder beenden können. Es ist davon auszugehen, dass es sich um das Tor in oder zu der Stadt handelt, nach der SHIELD sucht. Das also wird das Ziel sein, auf das wir 2014 noch hinsteuern. Nur: was wird dort passieren? Wird sich Agents of SHIELD trauen, ein Weltraumtor zu öffnen? Und was bedeutet das für Skye (“That’s not her name!”) und ihre Alien-DNS? Und nur, um das Wort noch einmal zu sagen – schließlich steht uns 2017 ein Film gleichen Namens bevor: Inhumans?

Dunkelstellen

HYDRA hat den Schlüssel, SHIELD hat die Karte. Der Zuschauer hat alle Informationen, die beiden Schatzsucherteams nur jeweils einen Teil. Auf geniale Weise treffen die Köpfe beider Unternehmungen, Coulson und der Doktor, in dieser Folge einmal kurz zusammen, müssen sich aber unentschieden wieder trennen, weil Zeit und Umstände nichts anderes erlauben. Die Verbindung zwischen beiden Seiten ist Grant Ward, die dritte Storyline der Folge, der beide Lager kennt und von dem wir nicht wissen, was er vorhat (außer seinen Bruder und dessen Familie zu töten – aber warum? Um seine HYDRA-Loyalität vorzutäuschen und sich bei Whitehall beliebt zu machen, oder weil er tatsächlich nur ein kaltblütiger Killer ist?). Und es gibt noch immer einige Dunkelstellen: Welches Pferd haben beispielsweise Mockingbird und Hunter in diesem Rennen? Nach dem Gespräch, das Hunter mit Mac in dieser Folge führt ist fast abzusehen, dass es bald wieder zu einem Split – oder zumindest einem Streit – in der SHIELD-Familie kommen könnte.

Außerdem nicht zu verachten ist, wie Coulson darüber philosophiert, dass Nick Fury immer dem Rest der Welt fünf Schritte voraus war – eine wichtige Voraussetzung für Plot-Twists wie in Avengers, wo Coulsons scheinbar zufälliger Tod sich als geplantes Mittel zum Zweck des Zusammenstehens der Avengers entpuppt, und in The Winter Soldier, wo Fury seinen eigenen Tod vortäuscht, um HYDRAs Klauen zu entkommen. Wenn Coulson ab sofort in die gleiche Richtung denkt, sollten wir jetzt schon damit rechnen, dass nicht alle seine Pläne das sind, was sie scheinen.

Agent Carter, I presume

Bleibt zum Schluss noch festzuhalten, wie geschickt Marvel Peggy Carter in dieser Folge ein zweites Mal – sowohl sichtbar in Form von Haley Atwells Szene, als auch indirekt durch ihre Akten und Simmons’ Schwärmerei – auftauchen lässt, um das Publikum für die bevorstehende, sechsteilige Agent Carter-Serie im Januar in Stimmung zu bringen. Für Shared-Universe-Nerds wie mich wird es spannend sein, inwieweit die beiden Serien und der Rest des MCU über die reinen Figuren hinaus miteinander zu tun haben werden. Da Agent Carter tendenziell die Serie mit dem höheren Profil sein wird, könnte ich mir vorstellen, dass die Verknüpfungen mit Age of Ultron oder Ant-Man durchaus etwas größer sein könnten.

Beste Szene: Die einfache aber schicke “Zeit vergeht”-Sequenz in Whitehalls Gefängniszelle.

Bester Dialog: Simmons spricht noch einmal auf erschreckend entwaffnende Weise aus, wie es sich anfühlt, eines Tages in einem kosmischen Superheldencomic-Universum aufzuwachen, nachdem jemand es als unmöglich bezeichnet, dass Reinhard und Whitehall die gleiche Person sind.: “I would agree with you, before ‘alien’ was a word we used daily.”

Note: 1 –

Crosspost mit “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 6 “The Writing on the Wall”

Diese Woche beginnt Agents of SHIELD mit einer der komplexesten “Previously on …”-Montagen, die man sich vorstellen kann. Die Ereignisse, die auf das hinführen, was in den nächsten 45 Minuten passieren wird, liegen sehr weit zurück. Gezeigt wird nur, was irgendwann ab Mitte der ersten Staffel geschehen ist, aber eigentlich müsste man fast bis zum Kinofilm The Avengers zurückgehen, um zu wissen, womit man es zu tun hat: Tod, Wiederauferstehung, ein eingebildeter Urlaub in Tahiti, die Entdeckung, dass T.A.H.I.T.I. vielmehr ein experimentelles Wiedererweckungsprogramm von SHIELD mit Alien-DNS ist, Löschung der Erinnerung durch eine traumatische Roboter-Operation, der Drang, merkwürdige Zeichen in die Wände zu ritzen – erst bei Garrett, dann bei Coulson; die Realisation, dass Skye ebenfalls Alien-DNS zu besitzen scheint und schließlich die Erkenntnis, dass die Zeichen eine Karte sein könnten.

Bei all der Flachheit, die ich Agents of SHIELD so gerne vorwerfe, man muss der Serie applaudieren für die Chuzpe ein Mysterium über so lange Zeit aufzubauen und Stück für Stück immer weiter zu entwickeln. Der Showdown, auf den “The Writing on the Wall” hinausläuft, mag wieder einmal antiklimaktisch inszeniert sein und mich endgültig darin bestätigen, dass Clark Gregg – so sympathisch ich ihn als Schauspieler finde – schlicht und einfach nicht in die Rolle passt, die man ihm zugedacht hat. Aber das Mysterium zieht einen in diese Folge hinein und die Enthüllung des nächsten Schritts wirkt tatsächlich wie eine große Erleichterung ohne tatsächliche Auflösung – ein Spiel dass die X-Files über neun Jahre vorgemacht haben. (Nur leicht getrübt wird das alles durch die Tatsache, dass man die Enthüllung über 15 Minuten kommen sieht, von dem Moment an, als die Modelleisenbahn das erste Mal im Bild ist.)

Die George-Lucas-Schauspielschule

Und obwohl Clark Gregg schon sehr stark die George-Lucas-Schauspielschule channelt, während er sich bemüht, seine Erinnerungen zurückzuerlangen: Seine Flashbacks in die kritische Phase des T.A.H.I.T.I.-Programms besitzen genuine Psychothriller-Spannung, inklusive all der paranoiden Momente, die man dabei erwartet. Das Bild der bewussten OP am offenen Gehirn, bei dem der Patient um Gnade winselt und die Ärzte nüchtern daneben stehen, bleibt ein monströs schreckliches Comicpanel, das kein Marvel-Zeichner besser hätte treffen können.

Wenn es nur mehr davon gäbe. In einer parallelen Storyline müssen wir leider stattdessen miterleben, wie dumm sich ausgebildete Superspione bei einer einfachen Beschattung anstellen, bei der sie natürlich nicht davon ausgehen, dass die Kneipe, in der sich das Zielobjekt mit seinen Vorgesetzten trifft, einen Hinterausgang haben könnte. Nur Brett Daltons eiskalter und undurchschaubarer Charme rettet diesen Teil der Folge vor dem Totalausfall. Natürlich bin ich jetzt doch irgendwie gespannt, wie sich Ward zwischen den Fronten durchschlagen wird, nachdem er den Namen Daniel Whitehall gehört hat.

Schließlich wäre da noch zu erwähnen, dass Skye und Mac eiskalt an Hank Thompsons Schweißerladen vorbeigefahren wären, wenn dieser nicht praktischerweise winkend auf der Straße gestanden hätten. Das Marvel Cinematic Universe hat schon angenehme Zufälle manchmal.

Beste Szene: Coulsons Flashback

Bester Dialogsatz: “I like my bosses unjumbled at all times.” (Mac)

Note: 2

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 6 “A Fractured House”

© ABC

Wie im letzten Post erwähnt, war ich vergangene Woche unterwegs. Daher konnte ich die neue Folge erst heute sichten und beschreiben.

Lance Hunter habe sich noch nicht entschieden, sagt er, ob er bei SHIELD bleiben will oder nicht. Glücklicherweise wissen wir mehr als er. Nick Blood, der Herrn Hunter Stimme und Körper leiht, rückt mit Episode 6 der zweiten Staffel von Agents of SHIELD in den Stammcast der Serie auf. Das heißt: Er taucht im Abspann vor den zahlreichen “Guest Starring” Credits auf.

Ich schreibe “Glücklicherweise”, weil diese Tatsache für uns Zuschauer fast nur Gutes bedeuten kann. Seit Blood und Hunter in der zweiten Staffel aufgetaucht sind, haben sie das SHIELD-Team nur bereichert, auch wenn ihnen die Autoren hauptsächlich einen Stapel One-Liner von wechselnder Qualität zugeschoben haben. Mit dem Auftauchen von Bobbi “Mockingbird” Morse auf der Bildfläche hat Hunter endlich eine würdige Gegenspielerin bekommen. Als Ex-Paar liefern die beiden diese Woche eine ziemlich gut funktionierende Mr. and Mrs. Smith-Nummer ab, die – mit Unterstützung von wohlplatzierten Schweigepausen durch Melinda May – für einige pointierte Momente sorgt.

Überhaupt funktionieren in “A Fractured House” so viele Dialoge und Szenen richtig gut, dass ich mir zum Ende der Folge hin fast ungläubig die Augen reiben wollte. Das Autoren-Duo Rafe Judkins/Lauren LeFranc, das auch für die exzellente Season-1-Folge “T.R.A.C.K.S.” verantwortlich zeichnete, und Regisseur-Veteran Ron Underwood (City Slickers, Tremors), der in den letzten zehn Jahren viel Fersnsehen gemacht hat, aber hier sein SHIELD-Debüt gibt, schaffen es tatsächlich, der Folge den Drive und Witz zu geben, den ich sonst so oft vermisse. Nicht nur im ungelenken Hin und Her zwischen Lance Hunter und Bobbi Morse, sondern auch in der exzellenten Parallelmontage der zwei Dialogszenen von Coulson und Skye mit den beiden Ward-Brüdern, in der sich im Sekundentakt die Vermutung verändert, wem man gerade vertrauen kann.

Kampf mit Charakter

Die Qualität hält bis zum Ende. Das belgische Safe House, das dem obligatorischen Schlussfight als Kulisse dient, sieht endlich mal nicht aus wie ein beliebiges Bürogebäude in Kalifornien und bietet Raum für einige Moves jenseits der Standard-Kicks und -Schläge. In der Szene zeigt sich außerdem, dass es hilft, einem Kampf Charakter zu geben. Entweder, indem man persönliche Waffen wie Mockingbirds Schlagstöcke und Scarlottis Nunchaku-Konstruktion einbaut, oder dadurch, dass man während des Kampfes etwas erzählt – zum Beispiel die vorsichtige Annäherung zweier zerstrittener Ex-Eheleute. Selbst die Kombi Schluss-Monolog/Montagesequenz wirkt diesmal gut, weil Christian Wards Worten über den Edelmut von SHIELD eine Doppelbödigkeit innewohnt, über die wir als Zuschauende Bescheid wissen, und die den Pathos der Szene gelungen untergräbt.

Das alles, zackiges Schreiben und sinnvolle Inszenierung, funktioniert – nur mal so – übrigens ohne erhöhtes Effekt-Budget und übermäßiges Action-Gedöns. Jetzt müssen nur noch Fitz und Mack auf die Art und Weise zueinanderfinden, wie es die Shipper ihnen bestimmt eh schon ewig und drei Tage nahelegen, und gemeinsam mit Marvels jüngst enthülltem 5-Jahres-Plan wären wir auf einem richtig guten Weg.

Beste Szene: (Coulson vs Christian Ward) vs (Skye vs Grant Ward)

Bester Dialogsatz: “Deception is her forte … I mean that sincerely, not passive-aggressively, as in: it’s a good attribute for a spy to … oh, bloody hell.” (Lance Hunter)

Note: 2+

Crosspost mit “Serien.Ninja”

Recap: Agents of SHIELD – Season 2, Episode 5 “A Hen in the Wolfhouse”

Als sich die frisch enttarnte Bobbi Morse (Adrianne Palicki) im SHIELD-Hauptquartier umsieht und auf ihren alten Kumpanen Alphonso “Mac” Mackenzie (Henry Simmons) trifft, entsteht ein wunderbarer Moment, der den gesamten Geist des Marvel-Universums zu enthalten scheint. Die beiden umarmen sich und das erste, was ihnen einfällt, ist irgendein schräger Insiderwitz, den keiner um sie herum versteht – außer warscheinlich Lance Hunter, der wenige Sekunden später den Raum betritt und seiner Ex-Frau gegenübersteht.

Der Moment erinnert an die brillante Szene in Edgar Wrights Shaun of the Dead, in der Shaun und seine kleine Zombie-Flüchtlingsfamilie in einer Schrebergartensiedlung auf eine andere Truppe treffen, die ebenfalls vor den Zombies flieht und fast exakt gleich besetzt ist. Als Zuschauendem wird einem in diesen Augenblicken bewusst, dass man mit den Erzählsträngen, denen man durch einen Films oder eine Serie folgt, immer nur einen winzigen Ausschnitt der Welt zu sehen bekommt, in der die Geschichte spielt. Bobbi, Mac, Hunter und die verstorbene Isabelle Hartley sind eine eingeschworene Truppe, genau wie Skye, Fitz-Simmons, Ward und May es waren, und ganz sicher haben sie im letzten Jahr eigene Abenteuer erlebt, die wir nie zu sehen bekommen werden. Das besondere des Universums-Gedankens, den Marvel vom Comic in Film und TV übertragen hat, ist, dass man stärker als je zuvor das Gefühl hat, diese Abenteuer seien tatsächlich passiert – weil man bereits so viele andere Geschichten erzählt bekommen hat, die im gleichen Universum spielen. Unterschiedliche Perspektiven auf gleiche Ereignisse sehen durfte. Völlig unabhängig von schwachen Drehbüchern, mauer Inszenierung und langweiligen Sets: das Universum selbst bleibt die größte Stärke des Marvel Cinematic Universe.

Der große Twist

Morses Enttarnung als Undercover-Agentin unter den Hydranten ist der große Twist der Folge, auf den auch der Titel “A Hen in the Wolf House” anspielt. Die Enthüllung kommt tatsächlich einigermaßen überraschend, weil Palickis Auftreten als eiskalte, Jackett tragende Nazibraut zuvor durchaus überzeugend anmutet. Verdacht hätte man schöpfen sollen, wenn man sich anschaut, wie behämmert Morses Fußtruppen im Vergleich aussehen, mit ihren Fahrradhelmen und Spritzschutz-Brillen, die sie absurderweise auch in geschlossenen Gebäuden tragen. Dem Comic-Paradigma, dass äußerst bedrohliche und unglaublich schurkische Vereinigungen sich immer dann, wenn es drauf ankommt, durch Inkompetenz und albernes Äußeres identifizieren lassen, kann man in Agents of SHIELD einfach nicht entkommen.

Das gleiche Prinzip gilt auch für die andere Schlüsselszene der Folge, in der wir Skyes Vater endlich besser kennenlernen. Er ist ein “Doc” der dubiosen Agententhriller-Spezies, die bevorzugt in schlecht beleuchteten und ganz sicher nicht sterilen Kellerräumen operieren, wo sie flüchtigen Kriminellen Schuss- und andere Kampfwunden verbinden. Kyle MacLachlan hält sich in dieser Szene nicht zurück, sondern zieht sämtliche Register des Grand Guignol diesseits eines schallenden Bösewicht-Lachens. Passenderweise fällt ausgerechnet (und ausschließlich) grünes Licht durch das kleine Fenster seiner OP-Kaschemme, das in genau jenem Moment die Hälfte seines Gesichts bescheint, als sich aus den Dialogen erschließt, dass “Doc” wohl eine Art Jeckyll-und-Hyde-Problem hat. Subtil ist das wahrlich nicht, aber es lässt jede Menge Raum für Spekulation. Kyle MacLachlan als eine Art Hulk? Wer möchte das nicht sehen? Ich hoffe natürlich heimlich, dass er sich bei Kontrollverlust in Agent Dale Cooper verwandelt.

Illegal Aliens

Wahrscheinlicher, soweit reicht sogar mein Marvel-Wissen inzwischen, ist aber wohl, dass der “Doc” irgendetwas mit Skrulls, Inhumans oder anderen Außerirdischen zu tun hat. Die haben auch farbige Haut und würden sowohl zur “kosmischen” Dimension des Marvel-Katalogs passen, die Guardians of the Galaxy gerade weit aufgerissen hat, als auch zu Coulsons Vermutung, Skye könnte Alien-DNS besitzen und habe deswegen anders auf das extraterrestrische GH-Serum reagiert als Coulson und Garrett. Wenn Skye dann am Ende der Folge noch feststellt, dass die Zeichnungen, die Coulson impulsiv anfertigt, eine außerirdische Karte sein könnten, scheinen sich langsam einige Puzzlestücke zusammenzufügen, die Großes für den Rest der Staffel erahnen lassen.

Die gesamte restliche Handlung der Folge rund um Raina, die sich zwischen drei Bedrohungen – durch Whitehall, durch Skyes Vater und durch SHIELD – entscheiden muss, fällt bei solch kosmischen Andeutungen fast ein bisschen unter den Tisch. Dennoch liefert Ruth Negga wieder einmal eine der überzeugendsten Performances ab und es wird spannend sein, zu sehen, wie es mit ihr weitergeht. Immerhin sorgt sie für genug Ablenkung, damit Skye sich auf eigene Faust aufmachen kann, um ihrem Vater gegenüberzutreten. Das weiß dieser zwar zu verhindern, aber der finale Moment, in dem die so hart gewordene Skye plötzlich doch unter all den merkwürdigen Gefühlen zusammenbricht und Coulson in die Arme fällt, ist ein selterner und schön gespielter Moment der Menschlichkeit in all den artifiziellen Comic-Kulissen, die die Serie ausmachen.

Beste Szene: Fitz und Simmons durchleben spiegelbildlich homoerotische Momente beim betrachten von Mac (“he certainly has an impressive physique”) bzw. Bobbi (“she’s amazing”).

Bester Dialogsatz: “I was a fat baby”, Lance Hunter, One-Liner-Kanone, beim Betrachten des cherubischen Jesuskindleins auf dem gestohlenen Bild

Note: 2

Crosspost mit “Serien.Ninja”