Stuff I learned this week – #4/11

Stuff I learned this week – #3/11

Auf der Datenautobahn

Blogger sein ist ja mehr so meine Superhelden-Identität. Im Hauptberuf bin ich derzeit Internetredakteur für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. In dieser Funktion wurde ich gestern in einem Artikel von dpa, den die “Dresdner Neuesten Nachrichten” in ihr Online-Angebot übernahmen erwähnt. Dort heißt es:

Je näher der Kirchentag rückt, umso präsenter wird er auch in der Öffentlichkeit. „Das deutsche und internationale Interesse wächst“, sagt [Pressereferent Hubertus] Grass. Dies zeige sich auch im Internet . „Mehr als 2300 Freunde bei Facebook , fast 500 Follower bei Twitter und zahlreiche Freunde bei VZ “, zeigt Alexander Gajic (27) auf den großen Bildschirm auf seinem Schreibtisch. Dafür zwitschert und bloggt der „Mann auf der Datenautobahn“.

Als ich diese Titulierung meines Berufs las, musste ich doch deutlich schlucken. “Datenautobahn” – dass man diesen Begriff im heutigen Zeitalter als Journalist noch ungestraft verwenden darf, verwunderte mich doch sehr.

Selbst der dazugehörige Wikipedia-Eintrag führt auf, dass der Begriff immer schon, auch in den 1990ern, als er geprägt wurde, als “falsche Metapher” kritisiert wurde, weil er Ordnung statt Freiheit suggerierte. Inzwischen aber könnte doch das Bild des Internets als “Autobahn” gar nicht mehr falscher sein. In einer Zeit, in der das Netz so groß geworden ist, dass man sich kaum einigen kann, wie man es quantifizieren soll, lässt mich das Wort Datenautobahn eigentlich nur noch an Neal Stephensons frühe Vision des “Metaverse” als kreisförmige Straße mit Gebäuden am Straßenrand in Snow Crash denken.

Ich finde, dass hier immer wieder klar wird, dass der gesamte Ursprungsgeist des World Wide Web im Hypertext – eine kaum überschaubare Anzahl von einzelnen Elementen, die unendlich verstrickt sind, weil sie beliebig aufeinander verweisen können und bei denen der Weg von A nach B immer nur einen Link-Klick entfernt ist – bei ziemlich vielen Menschen immer noch nicht angekommen ist. Schade eigentlich.

“Kreisverkeht”: Journalismus, der sich im Kreis dreht

Beiträge dieser Art sind schon so oft geschrieben worden, dass sich die Mühe kaum noch lohnt. Ändern wird sich ja doch nichts. Dennoch ist mir die Ausschlachtung eines YouTube-Videos durch das Qualitätsjournalismus-Schlachtschiff “Spiegel Online” heute mal wieder so sehr aufgestoßen, dass es zumindest für einen kurzen Vermerk reichen muss.

Der Beitrag “Erfurter Crash-Kreisel: Eine Kreuzung, die keiner versteht” ist nicht nur ungünstig betitelt (denn es kommt keineswegs zu einem Crash), sie ist auch zu quasi 100 Prozent aus diesem YouTube-Video (und Meta-Aufnahmen, die YouTube zeigen, wie das Video abgespielt wird) zusammengeschnitten.

Wie die “Spiegel Online”-Redaktion gearbeitet hat, um aus einem einfachen YouTube-Video einen qualitätsvollen journalistischen Beitrag zu machen, lässt sich an drei Merkmalen aufzeigen.

Erstens: Quellen nennen ist out, denn Quelle ist grundsätzlich “YouTube”. Der Autor des Videos wird im Beitrag sogar erwähnt, allerdings nur als “Der User, der das Video ins Netz gestellt hat”, nicht als “Pallhaunermann”, wie sein Account heißt. Immerhin: Während diese Worte zu hören sind, wird ein Screenshot gezeigt, der den Namen des Users erkennen lässt.

Zweitens: Recherchieren ist out. Am Ende des Videos heißt es: “Inzwischen hat die Stadt angeblich reagiert und eine kleine Insel eingerichtet.” Es ist natürlich verständlich, dass “Spiegel Online” – eine kleine Garagenfirma in einer Gegend ohne Telefon – keine Möglichkeit besitzt, bei der Stadt Erfurt anzurufen und zu fragen, ob das stimmt. Muss man ja auch nicht. Ist ja nur Internet. (Ergänzung, 28. Januar: Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die Pressestelle der Stadt Erfurt zu erreichen, gebe auch ich auf. Vielleicht wächst damit auch mein Verständnis für die Kollegen von “Spiegel Online”).

Drittens: Wenn man schon einen Meta-Beitrag dreht, ist es auch nicht wichtig, ob man den Suchbegriff bei YouTube eigentlich richtig eingegeben hat.

Danke an “KANSAS” für den Link

The “Slate” Movie Club: Critic vs. Critic

There’s a lot of stuff that’s great on the internet and one of them is metacriticism, especially when it comes to movies. It allows me to delve into my two writing passions – film and media – at the same time. I don’t think there ever was a time when critics were able to interact with each other as throughly as now. And it’s incredibly interesting.

It took me until this week to come across the “Slate” Movie Club’s Critic vs. Critic series, in which great writers about film (among them one of my recently-discovered favourites Matt Zoller Seitz) discuss their craft. This year, they deal with top ten lists, defend their choices and the making of lists in general.

Dan Kois uses a flowchart to explain why he liked Black Swan. Stephanie Zacharek discusses the misogynism behind panning Somewhere. Matt Zoller Seitz wonders what critics’ scepticism about Inception says about their fears. And that’s just the beginning.

I will only say this once: Read it.

Stuff I learned this week (and last) – #1/11

Stuff I learned this week – #50/10

Stuff I learned this week – #48/10

Stuff I Learned this Week – #47/10

Mind over Meta!

“Zeit Online” schreibt über Satire – und sitzt ihr selber auf

Die Website Lamebook, die lustige und dumme Statusmeldungen von Facebook sammelt und zum Amusement aller anonymisiert weiterverteilt, streitet sich derzeit mit dem Quell seines Humors, Facebook.

Auch “Zeit Online” hat über diesen Vorgang berichtet. Zu großen Teilen schildert der Artikel die heftige Reaktion von Facebook, die das US-Blog “Techcrunch zuvor auch dokumentiert hatte – unter anderem hatte Facebook Postings, die das Wort “Lamebook” enthielten, für längere Zeit gesperrt. Ein Nutzer, der versuchte, einen Link zu “Lamebook” zu posten, erhielt eine nicht zu umgehende Warnmeldung, er würde Spam posten.

An einer anderen Stelle im Artikel jedoch erscheinen die Maßnahmen von Facebook doch etwas arg drakonisch:

Die Blockade ging so weit, dass Facebook sich in die Kommentar-Threads einzelner User einmischte und sie vor der Verwendung des Begriffes warnte – wie Lamebook selbst dokumentiert.

Ein Kevin schrieb in seine Statusmeldungen den Beginn eines sogenannten Knock-Knock-Jokes: “Klopf, klopf.” Eine Natalie ging auf den Gag ein und antwortete: “Wer ist da?” Kevin: “LAME…” Natalie: “Lame wer?” Um sofort eine Antwort von Facebook zu bekommen mit den drohenden Worten: “Hey Kev, wenn ich du wäre, würde ich den Witz nicht beenden.”

(Link im Originalartikel)

Bei näherem Hinsehen werden hier jedoch Zweifel wach. Nicht nur, weil Lamebook selbst nach seinem angeblichen Screenshot ein “Ba-doom chhh!!” hinterherschickt, sondern weil es doch tatsächlich sehr ungewöhnlich wäre, wenn ein großes Unternehmen wie Facebook sich dazu herablassen würde, seinen Nutzern zu drohen, sie dürften einen Knock-Knock-Joke nicht zuende erzählen (zumal die ganze Pointe dieser Witzgattung darin liegt, dass selten das dabei herauskommt, was man zunächst vermutet).

Eine kurze Nachfrage bei “Lamebook” ergibt auch genau das:

[Y]ou are correct in your assumption. The Knock-Knock-Joke post was photoshopped just to make a point … like a political cartoon, if you will.

So kann es gehen. Man berichtet über Satire und fällt am Ende selber rein. Und wenn man dann nicht auf Hinweise reagiert bleibt alles tagelang im Netz stehen.

P. S.: Ich entschuldige mich für die Schadenfreude.