Quotes of Quotes (XX) – The Russos on Working in the MCU

© Walt Disney Pictures

Captain America: The Winter Soldier wird derzeit für die Presse gezeigt und die ersten Reaktionen sind sehr positiv – unter anderem auch, weil das Ende des Films anscheinend einige Auswirkungen auf die Zukunft des Marvel Cinematic Universe, besonders in Avengers: Age of Ultron zu haben scheint. Inzwischen haben für Age of Ultron sogar bereits die Dreharbeiten begonnen, aber schon im vergangenen Juli haben die Regisseure von The Winter Soldier, Joe und Anthony Russo, einer Gruppe von Bloggern ein Roundtable Interview gegeben, in dem sie einige interessante Aussagen dazu treffen, wie es ist, in einer fortlaufenden Continuity wie dem Marvel Cinematic Universe zu arbeiten. Joe Russo erklärt:

the fun part of that, if you are a comic book geek like me, you get off on [easter eggs and connections]. That’s the exciting component of that, “What can we set up for the future?” And they’re constantly pitching out ideas that not only just effects your movie, but might also have a ripple effect in the other films, and Joss [Whedon] is reading the scripts, the Thor script and the Cap script, and going, “Okay, this is where I’m getting the characters and this is where I have to pick them up in the next movie.” So, it’s a a weird sort of, I don’t know, tapestry of writers and directors working together to create this universe. It’s sort of organic, it’s not structured.

Das im Endeffekt doch relativ wenig fest vorgeplant ist, scheint mir interessant, vor allem, wenn man bedenkt, dass Marvel ja auch noch eine Supra-Storyline über Thanos und die Infinity Gems aufbaut. Anthony Russo ergänzt an dieser Stelle, dass ihnen ihre Erfahrung mit metatextuellen, komplexen Fernsehserien wie “Arrested Development” und “Continuity” “Community” ihnen gute Voraussetzungen lieferte. (Eine Verbindung, auf die ich vor einem Jahr zum ersten Mal hingeweisen habe.)

I think it comes very natural to us […], we played with a lot of foreshadowing and callbacks and […] tracking that stuff over a season of television, or multiple seasons, it’s just something [that] we’re sort of patterned for […] It’s like we sort of understand how you take a larger story and wrangle it into a moment, yet keep them connected.

Joe Russo weist zudem explizit darauf hin, wie wichtig die zentrale Figur von Studiopräsident Kevin Feige ist, um den Filmkosmos inhaltlich wie kommerziell zusammenzuhalten. Feige fungiert also als eine Art Showrunner und passt sich somit auch perfekt ins zunehmend mythologische Konstrukt ein, das um diese Aufgabe herum gebaut wird.

If you knew how difficult it is to line up those kinds of salaries, stars, get that material pushed through, have ownership of that material, have control of that material, quality control, to the extent that he did, it’s almost impossible.

Feige selbst geht schließlich in einem anderen Interview kurz auf die Verbundenheit der MCU-Filme mit der “Agents of SHIELD”-Fernsehserie ein. Wenig überraschenderweise trumpfen hier interne Konzernstrukturen nach wie vor das kreative Gewebe.

[T]he studio is not involved in the day-to-day of the show. Jeph Loeb and the TV division is overseeing that. But of course there’s crossover. I was just in a meeting with those guys and I’m about in two minutes to go back to a meeting with those guys to hear the overall picture and to, you know, to hear their ideas and how they deal with the events and Thor and the events of the Cap. Their ideas for season two, should there be one, to make sure they lead into Avengers and don’t … the key to that show, just like they key to all the movies is that, it has to stand alone. It has – if you stripped out all the connective tissue, is it worth watching? And it has to be – and then it’s all bonus and it’s all gravy when there’s that connective tissue.

Übrigens: Erstmals seit einer Featurette auf der Avengers-DVD stellt Marvel sein Worldbuilding auch mal wieder öffentlich in den Mittelpunkt. In einem Fernseh-Special namens “Assembling a Universe”, das am 18. März auf ABC läuft. Für mich bleibt zu hoffen, dass es eine nette Seele anschließend irgendwo online stellt.

Return of Whatever – Die Titelentscheidungen von Marvel Deutschland

Badesalz kennt wahrscheinlich außerhalb Hessens kaum noch jemand. Das dritte Album des Frankfurter Comedy-Duos, auf dem Höhepunkt ihres Erfolges 1993, hieß jedenfalls “DIWODASO”. Was wie Kauderwelsch wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als der Mittelteil eines Satzes: “Ich hätt gern die Platt von dene zwei, diwodaso Spass mache, habbe sie die?” – Wie schafft die Comedy das bloß immer, so prophetisch zu sein?

In diesem Fall prophetisch in Bezug auf die äußerst merkwürdige Titelpolitik von Disney Deutschland, bzw. Marvel Deutschland – oder welche Ebene dort auch immer die Entscheidungen trifft. Es geht mir nicht einmal um die pseudo-witzigen behämmerten Titel der Trickfilme, das haben andere bereits getan, sondern um die Betitelung der Marvel Cinematic Universe-Filme, die sich nur mit sehr viel Hirnverbiegung erklären lässt.

Ich weiß, ich sollte mich dazu gar nicht mehr äußern. Und es sei auch gnädig geschenkt, dass Thor: The Dark Kingdom überall außer in Deutschland Thor: The Dark World heißt. Laut Presseagentur steht ein Titelschutzproblem dahinter, wobei ich immer noch das Original-Werk suche, das den Titel versperrt. The Avengers hieß in Großbritannien auch Avengers Assemble um Verwechslungen/Rechtsstreitigkeiten mit gewissen beschirmten, charmanten Melonenträgern zu vermeiden. Sowas passiert.

Aber was bitteschön soll das?

© Walt Disney Pictures

Ich fand es ja von Marvel damals einen einigermaßen mutigen Move, überhaupt einen Captain-America-Film zu machen. Bei allem, was man darüber liest, wie wichtig die ausländischen Märkte für Hollywood geworden sind; in Zeiten, in denen für Iron Man 3 Extra-Szenen für die chinesische Fassung gedreht werden – macht man einen Film über einen Superhelden, der den “American Way” in die Welt trägt und der sogar Captain America heißt. Und dann macht man noch einen Film mit ihm, in dem er der Anführer der Avengers wird. Das hat schon was. Und bei all dem latenten und überhaupt nicht latenten Anti-Amerikanismus, der außerhalb Amerikas herrscht, ist es dann auch kein Wunder, wenn ein teutonisch angehauchter Film wie Thor in Deutschland 11 Millionen Euro einspielt und Captain America nur drei.

Aber kann man wirklich daraus schließen, dass man nur den Titel ändern muss, um diese Balance auszugleichen? Für wie blöd muss man sein Publikum halten, um davon auszugehen, dass es eher auf das Wort “Avenger” anspringt, als sich daran zu erinnern, dass der Typ mit dem Sternenschild in den Avengers mitgespielt hat? (Gibt es Leute, die Avengers zwar nicht gesehen haben, aber in den nächsten Film reinrennen würden, wo “Avenger” draufsteht?) Dass es sich eher an den Untertitel von Captain America erinnert (“The First Avenger”), als an den Haupttitel? Und warum überhaupt “Return”? Der Captain war doch nie weg …

Ich habe großes Verständnis für Marketing-Entscheidungen. Produkte sollen sich verkaufen und dafür muss der Kunde sie verstehen. Aber den Namen eines Filmhelden hinter einem dämlichen, umständlichen deutschen Titel zu verstecken, DER DANN NOCH NICHT EINMAL IN DEUTSCHER SPRACHE IST, da hört mein Verständnis auf. Wahrscheinlich könnte mir die Marketing-Abteilung von Disney Deutschland sogar zeigen, dass sie Tests mit verschiedenen Titeln gemacht haben und dass dieser bei den Publikumsschafen am besten ankam – aber dennoch: “DIWODASO” kann doch nicht die Lösung sein.

Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet Disney, eine Firma, die sonst weltweit wie ein Luchs darauf achtet, dass ihre Marken erhalten bleiben – sich sogar als Studio eine eigene Übersetzungs- und Synchro-Division leistet – solche albernen Sperenzchen mitmacht, über die sich in ein paar Jahren noch alle mokieren und ärgern werden. Es wird doch wohl NIEMAND in der Zukunft diesen Film “The Return of the First Avenger” nennen. Es hätte ja nicht The Winter Soldier bzw. “Der Wintersoldat” sein müssen. Es hätte doch andere Möglichkeiten gegeben, und wenn es nur eine “2” gewesen wäre.

Bitte, Disney, bitte bitte bitte, packt den Zynismus ein und nehmt Vernunft an. Zeigt Integrität gegenüber euren eigenen Marken. Sie haben es sich verdient.

P.S.: Bonustrack

Genießt euer barockes Kino, so lange ihr noch könnt!

Sollen sie Kuchen essen? – New Line Cinema/MGM

“Ja, er hat Fehler in der Figurenzeichnung. Ja, er ist zu lang, zu ausgewalzt (…). Aber verdammt noch eins,
es ist so schön, wieder in Mittelerde zu sein.”
Ich zitiere mich selbst, weil ich es kann

Der Hobbit erobert derzeit nicht nur überall die Kinokassen, er erhitzt auch die Gemüter. Ein großer Teil dieser Erhitzung ist auf seinen Einsatz von HFR 3D zurückzuführen, was manche als Verrat am Kino empfinden, andere (darunter ich) als endlich eine angenehme Art, 3D zu genießen. Doch fast genauso viel Zorn hat der Film auf sich gezogen, weil er Randals Spott über die Herr der Ringe-Triolgie in Clerks 2, “All it was, was a bunch of people walking”, in die Hände zu spielen scheint. Bilbos Worte aus The Fellowship of the Ring, er fühle sich wie “Butter, die auf zu viel Brot verstrichen wurde”, mussten nicht nur einmal herhalten, um die Probleme des neuen Mittelerde-Filmkapitels auf den Punkt zu bringen.

Ich mochte den Film trotzdem, oder gerade deswegen. Gut, ich denke ich hätte ohne den doppelten Prolog leben können, der sich etwas zu sehr bemüht, die Hobbit-Filme an die Herr der Ringe-Trilogie anzudocken, aber davon abgesehen habe ich mich im Kino nie gelangweilt, denn schließlich gab es ständig genug zu staunen, zu fiebern und zu lachen.

Das bizarre Biest Hobbit

Und doch hat mich das Ganze ins Grübeln gebracht. Man muss mal einen Schritt zurücktreten und dieses Projekt Hobbit-Trilogie mit etwas Abstand betrachten, um zu sehen, was es eigentlich für ein bizarres Biest ist, das Peter Jackson erschaffen hat. Grundlage der Filmtrilogie, deren Kinofassung vermutlich insgesamt etwa achteinhalb Stunden Laufzeit haben wird, ist ein (in der Originalausgabe) 310 Seiten starkes Kinderbuch und etwa 50 weitere Seiten Anhänge des “Herrn der Ringe”. Doch die Filme sind noch gar nicht fertig, sie sind nur die Grundlage für zu erwartende “Extended Editions”, die jedem Film vermutlich noch einmal mindestens zehn bis zwanzig Minuten hinzufügen werden. Und eigentlich sind sie nicht mal wirklich Filme, sie sind nur eine Art Ur-Text für ein Marken-Universum aus Merchandising-Artikeln und Anschau-Ritualen für die kommenden Jahre, hinter dem sich ein weiteres Universum aus Neuseeland- und Weta-Mythologie verbirgt, aus Making-Ofs und Anekdoten, aus Tourismus und Staatshaushalten.

So werden Hollywood-Filme heute gemacht. Und man muss sich immer wieder bewusst machen, wie ungeheuerlich es ist, dass ein Filmstudio einem einzelnen Mann und seinem Team einen neunstelligen Geldbetrag in die Hand drückt, um im Grunde ein Kunstwerk zu schaffen – in der Hoffnung, damit eine Geldlawine loszutreten. Man – und damit meine ich insbesondere jene, die das ganze Jahr über das Ende des Kinos beschrien haben – man muss sich bewusst machen, wieviel Macht heutzutage einem Film innewohnen kann.

Und dann muss man sich vorstellen, ob ein Film wie The Hobbit vor 15, 20 oder 30 Jahren hätte entstehen können. Ein Film, der aus vergleichsweise wenig Geschichte ungeheure Schauwerte strickt. Der sich aber gleichzeitig traut, zu erzählen wie ein Roman oder eine Fernsehserie, nicht wie ein traditioneller Kinofilm. Der mit einer Technologie in die Kinos kommt, die noch nirgendwo zuvor ordentlich ausgetestet wurde. Der in einer fantastischen Parallelwelt spielt und zu dessen Hauptfiguren 13 (!) bärtige Personen mit Namen wie Dori, Ori und Nori zählen. Der vollständig abseits des Hollywood-Kontrollsystems am anderen Ende der Welt entsteht. Dessen bekannteste Darsteller britische Fernseh- und Bühnenmimen sind und dessen größtes Verkaufsargument der Erfolg seiner Vorgängerfilme ist. Hätte so ein Film entstehen können? Fast immer wird die Antwort “Nein” lauten. Die Ausnahme heißt wahrscheinlich Star Wars.

Mehr als zwei sind ein Trend

Und doch ist ein Film wie The Hobbit heute nur die extremste Form eines Trends, die im Filmjahr 2012 vielleicht so deutlich wie noch nie zutage getreten ist. Marvel’s The Avengers: ein zweieinhalbstündiges Ensemblestück, das die B-Mannschaft von Marvels Superheldenriege gegen eine charakterlose Alien-Armee antreten lässt, nachdem zuvor jede de Hauptfiguren in einem eigenen Film vorgestellt wurde. The Dark Knight Rises: 165 Minuten, in denen ein grüblerischer alter Mann in epischer Breite gegen einen Feind kämpft, dessen Gesicht man nicht sehen und dessen Stimme man kaum verstehen kann. Prometheus: Ein Regisseur kehrt über 30 Jahre später zu dem Genrefilm zurück, der ihn groß gemacht hat, und verpasst ihm eine aufgeblähte Vorgeschichte, die wahlweise mystisch oder schrecklich unlogisch ist.

John Carter: Die 250-Millionen-Dollar-Verfilmung eines Schundromans aus den 30ern, der angeblich alle anderen Welten inspiriert hat, den aber nur eingeweihte Hardcore-Fans kennen, von einem Regisseur, der noch nie einen Realfilm gedreht hat. Battleship. Twilight: Breaking Dawn – Part 2. Sherlock Holmes: A Game of Shadows. Die Liste ließe sich vermutlich noch eine Weile weiterführen, besonders wenn man die letzten paar Jahre dazunimmt.

Das Dunkel Erhellen

Auch wenn mir vermutlich jeder Kunsthistoriker dafür aufs Dach steigt: Ich sage, wir befinden uns 2012 im Mainstreamkino in einem barocken Zeitalter des Filmemachens. Alles ist größer als notwendig, von scheinbar epischer Bedeutung, unendlich verziert, dekadent und wunderbar bunt anzusehen. Fantasie und Phantastik regieren. Kunst hat Macht, doch sie nutzt sie nicht dazu, die Gesellschaft zu verändern, sondern ihren unstillbaren Hunger nach Spektakel zu stillen. Filmgattungen (Animation und Realfilm, Dokumentar- und Spielfilm), Filmbranchen (Kamera, Schnitt und Effekte) und Medienformen (Fernsehen, Videospiele, Kino) fließen ineinander zu einem einzigen, dickflüssigen Unterhaltungsbrei, der irgendwie das Dunkel erhellt.

Die Kulturpessimisten mögen das nicht. Sie fordern Relevanz und Realismus, mehr Brot und weniger Kuchen. Ich sage: Das Kino war noch nie so frei wie heute. Lasst uns den Tanz auf dem Vulkan genießen, so lange wir noch können, und die mannigfaltigen Blüten preisen, die dieses Kino hervorbringt. Filme wie Cloud Atlas oder Holy Motors, die sich nicht zu schade dafür sind, 100 Jahre Kinogeschichte und 4000 Jahre westliche Kulturgeschichte in einem abgeschlossenen Stück Kino zusammenzupressen.

Denn ihr wisst, was als nächstes kommt: Revolution und Krieg, Enthauptung der Machthaber und der sogenannte “Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen”. Sämtliche Triebe werden unterdrückt. Die Kunst zieht sich in die Natur zurück, heult vor sich hin und malt Seerosen. Das kann doch niemand ernsthaft wollen.

Real Virtualitys Lieblingsfilme des Jahres 2012

Walt Disney Pictures

Im Podcast wurde sie schon enthüllt – die alljährliche Top Ten. Dieses Jahr ein paar Tage früher als sonst, aber immer noch später als überall sonst im Netz. Mit Ausnahme von Life of Pi steht schließlich auch kein größerer Kandidat mehr an, und eine frühe Top-10-Entscheidung macht die Weihnachtszeit beschaulicher.

Insgesamt war das Filmjahr für mich, durch mein erstes durchgängiges Jahr als Filmredakteur bei 3sat/ZDFkultur und den Besuch von drei Festivals, sehr ergiebig. Knapp 250 Filme habe ich dieses Jahr gesehen, das sind gut 80 mehr als in den Jahren zuvor. Trotzdem habe ich wie immer viel verpasst, auch Filme, von denen ich mir durchaus vorstellen könnte, dass sie einen Platz in meiner Top Ten gefunden hätten, etwa Amour, Oh Boy, ParaNorman und Tinker Tailor Soldier Spy. Und der übliche Disclaimer: In Frage kamen nur Filme, die 2012 in Deutschland entweder einen regulären Start hatten, oder auf Festivals im Kino zu sehen waren.

1. The Avengers

Wenig überraschend, dass dieser alles andere als perfekte Film bei mir dennoch alle anderen Kandidaten aussticht. Ich habe mich schon lange nicht mehr so auf ein bevorstehendes Kinoereignis gefreut, dass dann auch noch alle Erwartungen erfüllt hat. Die erfolgreiche Absolvierung der ersten Stufe des Marvel Cinematic Universe allein hätte meinen tiefsten Respekt verdient, doch den Höhepunkt bildet auch noch dieser witzige, herzige, actionreiche und VFX-mäßig höchst beeindruckende Film. Eine hohe Messlatte für alles was noch kommt, ob von Marvel oder von DC.

2. Holy Motors

Die gute Art von Kunstkino! Aus meiner tendenziellen Abneigung gegen anämische Meditationen über Eros, Thanatos und den Sinn des Lebens mache ich in der Regel keinen Hehl, ebensowenig wie aus meiner Begeisterung für überwältigende Bildertrips, die ihre Message manchmal mit dem ganz großen Soßenlöffel verteilen, darin aber ebenso liebenswert sind. Holy Motors liefert diesen Trip gleich mehrfach, als Tour de Force durch mehrere absurde Szenarien, als Verkörperung des wilden Biests Kino, als Abfolge von Darstellerischen Glanzleistungen. Ein What-The-Fuck-Film der Königsklasse!

3. Beasts of the Southern Wild

Je weniger man vorher drüber weiß umso besser, das hörte ich im Vorfeld immer wieder. Und so ging ich ins Kino in Erwartung von irgendwas Fantastischem, Abgefahrenen. Dabei ist es doch nur die Geschichte von Hushpuppy, die mit ihrem Daddy in der Bathtub lebt, eine archaische Vision von Apokalypse und kindlicher Unschuld, die irgendwie alles besiegt. Verpackt ist das ganze allerdings in ein träumerisch-sinnliches Bild-Musik-Gesamterlebnis, dem man sich einfach nur noch hingeben will.

4. Take Shelter

Auch keine Überraschung für jeden der mein Blog liest, aber nichtsdestotrotz ein beunruhigend bewegender Film über die Angst vor dem eigenen Untergang. Problemlos lesbar als Metapher für die Verarmung der Mittelschicht in den USA, aber auch eine sehr persönliche Geschichte über einen Menschen, dem das eigene Kassandra-Dasein zur Obsession wird. Wenn Michael Shannon und seine Familie gegen Ende des Films in einem Bunker sitzen und man selbst als Zuschauer plötzlich unsicher wird, ob draußen nun der saure Regen fällt oder nicht, hat Take Shelter sein Ziel mit voller Wucht erreicht.

5. Moonrise Kingdom

In seinem neuesten Film treibt Wes Anderson sein Motto “Die Welt ist eine Puppenstube” so sehr auf die Spitze, dass man es einfach ignorieren und sich auf die Handlung konzentrieren kann. Und vielleicht funktioniert die diesmal auch deshalb so gut, weil die Hauptfiguren zur Abwechslung keine Erwachsenen sind, die sich wie Kinder benehmen, sondern echte Kinder, die gerne schon erwachsen wären.

6. Moneyball

Ein Sportfilm, der sich etwa so guckt, wie sich ein “Wired”-Artikel liest – und der selbst dann auf eine über-nerdige Weise spannend ist, wenn man keine Ahnung hat, wie Baseball funktioniert und was die ganzen Sportstatistiken überhaupt bedeuten, über die Brad Pitt und Jonah Hill die ganze Zeit philosophieren. Dann noch fetzige Aaron-Sorkin-Dialoge und ein Mädchen, das “The Show” auf einer viel zu großen Gitarre spielt und schon hatte Moneyball mein Herz gewonnen.

7. Cloud Atlas

Liebe Filmemacher, macht doch einfach öfter mal drei Stunden lange Filme über den Zustand der Menschheit als solchen in sechs verschiedenen Zeitebenen. D. W. Griffith konnte es, und jetzt haben die Wachowskis und Tom Tykwer rund 100 Jahre später bewiesen, dass es immer noch geht. Cloud Atlas ist – genau wie weiter oben Holy Motors – nicht unbedingt der subtilste alle Filme, aber er verquirlt seine Zutaten, von der philosophischen Botschaft über menschliches Freiheitsstreben bis zur schamlosen Genre- und Mediumsreflektion, so gekonnt, dass nur ein Zyniker die Kunst dahinter nicht zu schätzen weiß.

8. Safety Not Guaranteed

Wenn bei mir in der Nähe jemand behauptete, eine Zeitmaschine gebaut zu haben und Mitreisende suchen würde, ich wäre sofort dabei. Und vielleicht ist es allein schon diese clevere kleine Idee (angeblich eine wahre Geschichte), die einen in den Film hineinzieht und dann Aubrey Plaza, Jake Johnson und Mark Duplass die Gelegenheit gibt, die Welt mit charmanten Momenten und nur halblauten Witzen ein bisschen heller zu machen. Und dann natürlich das Ende.

9. A Letter to Momo

Es braucht gar nicht so viel, um mich im Kino dazu zu bringen, ein paar Tränen zu verdrücken, aber die Trigger müssen trotzdem stimmen. Hiroyuki Okiuras wundervoller Anime hat es geschafft, ganz ohne allzu manipulativ zu sein, einfach durch eine zauberhaft erzählte Geschichte von einem Mädchen und ihrer übernatürlichen Aufgabe, die ihr dabei hilft, den Tod ihres Vaters zu verarbeiten. Astrid Lindgren hätte es nicht besser gekonnt.

10. The Hobbit: An Unexpected Journey

Ja, er hat Fehler in der Figurenzeichnung. Ja, er ist zu lang, zu ausgewalzt (mehr dazu in den nächsten Tagen in einem extra Blogeintrag). Aber verdammt noch eins, es ist so schön wieder in Mittelerde zu sein. Diese Tatsache allein, sowie das mutige Voranpreschen in betäubendem HFR 3D und einzelne Highlights des Films, wie das Lied der Zwerge vor dem Kaminfeuer und die Szene mit Gollum, reichen manchmal für einen Platz in meinen Top Ten. Aber auch nur manchmal.

Lobende Erwähnungen

Dredd ist wohl einer der Filme, die mir dieses Jahr am meisten sinnlos-brutalen Spaß gemacht haben, wahrscheinlich sogar mehr als Looper, der andere Film aus der “Science Fiction mit Hirn”-Ecke, der es sogar fast unter die ersten zehn geschafft hätte.

Und Hanna Dooses Film Staub auf unseren Herzen, der übrigens am 17. Januar auch noch richtig ins Kino kommt, hat mich ebenfalls von Anfang an berührt – auch schon bevor ich die Regisseurin interviewen durfte.

Und, sind wir fair: Läge das Kinoerlebnis nicht schon so lange zurück hätten sich Hugo und The Artist wahrscheinlich auch irgendwie in die Top Ten gemogelt. Aber im Rückblick wirkten sie dann doch nur noch wie abgeschmackte Schatten ihrer selbst.

John Carter and Company: Hype, Expectation, Forgiveness

Disney

Andrew Stanton’s latest film John Carter is the talk of the town. It cost somewhere between $250 and $300 Million and it didn’t actually make that much money on the opening weekend – at least in the U.S. There is hope that it might become a slow grower and eventually make back its budget, but in the industry’s eye, it can be considered a flop. Many critics also didn’t like it. They felt it was all over the place storywise, campy and simply not interesting enough.

It’s a misjudgment, however, to think that nobody liked John Carter. For one, I liked it, even though my best friend didn’t. I sided with Matt Zoller Seitz and the other half of the critics (on Rotten Tomatoes) who forgave the film its faults and its crappy marketing and simply let themselves be entertained.

The film’s opening weekend controversy, to use a big word, got me thinking. Thinking that maybe forgiveness is the only way to deal with films like John Carter, that it should be the sentiment with which we enter the theatre and which we should dial up when we review the films in our heads later on. Why? Because a film of the John Carter kind will never ever please us, if we’re not prepared to forgive.

First of all, what do I mean by “the John Carter kind”? I’m talking about films that come with attached baggage from three sources: 1. expectations from those that know and love the source material; 2. expectations toward a director with a certain credibility or track record; and 3. hype generated by the singularity and finality of the event, supported by marketing.

The three criteria are certainly true of John Carter. Many people love the source material, they have read the books as teenagers (I haven’t). Andrew Stanton is a respected director, who created Finding Nemo and Wall-E, among the more unconventional Pixar-Films (and two of its Oscar winners). And the long list of trials of bringing John Carter to the screen for twenty and more years certainly also made the fact that it finally happened very momentous.

So with all that expectation (and the amounts of money mentioned in connection with the movie), could John Carter do anything else than fail? Yes. It could have been a Lord of the Rings, a Dark Knight or an Avatar, tentpole films of the last ten years that somehow managed to meet the expectations set in them, were lauded by critics and audiences alike – despite obvious weaknesses.

But what if we forget about the expectation and the money for a moment? What if we forgive Andrew Stanton his major error of trying to tackle a property that is clearly something that you might enjoy as a child but raise your eyebrows at, when you’re an adult. In all seriousness: John Carter is not a bad movie by a long stretch. It’s heaps of illogical fun with charismatic leads. It builds a rich world that for all its preposterousness feels somehow believable. And it sustains several mysteries for much of its running time. People were willing to forgive Avatar its cheesy exoticism and enviromentalism (and possible racism). They were willing to forgive The Return of the King its many endings and endless battle scenes. I am willing to forgive John Carter its convoluted story and superficial worldview – and just enjoy the movie.

And I hope that forgiveness will be on my mind, when The Avengers roll around soon.

Will The Avengers be exceptional or generic?

When the first trailer for The Avengers hit the net on Tuesday, I tweeted something which has been on my mind for a few days now: I haven’t been this excited about a film and followed every step of its development since The Lord of the Rings, ten years ago. My exclamation met with incredulity from my fellow film buff friend Carsten: “I don’t get it”, he wrote. “Looks totally generic.” And I couldn’t help but tell him, he’s right.

Others have already voiced their skepticism about Marvel’s big project. “Wired” author Erin Biba tweeted “So I guess The Avengers is just gonna be Iron Man 3 then”, and “Cinemablend” made an excellent list of 5 Reasons The Avengers Trailer Was Kind Of A Letdown: nothing new, no character dynamics, not enough characters, terrible music and the best reason: “It just didn’t make The Avengers seem as special as it is.”

Want to watch the trailer again? Here it is.

I think “Cinemablend”‘s last reason is key here, and it ties in with Erin’s Tweet. If The Avengers will really only be a sort of Tony Stark show with a couple of other guys in the background, then it will become another generic comic book movie, maybe even a comic book movie that suffers from the extra plot stuffed in for franchise reasons like Iron Man 2. And the trailer doesn’t do much to ward off that sentiment.

Nevermind that the movie turned out to be terrible, but do you remember the first teaser trailer for The Phantom Menace? It did have that “Every saga has a beginning …”-feel to it. It had Anakin Skywalker meeting Obi-Wan for the first time, it had the moment where Darth Maul unveils his double-bladed lightsaber. It definitely got me excited. The first teaser for The Fellowship of the Ring said “It wasn’t until now that the legend could finally come to life!” – even more excitement there. The Avengers trailer doesn’t even say “Avengers assemble!”. The teaser at the end of Captain America did a much better job at making this exceptional movie project actually look exceptional (not least because of the “Some Assembly Required” tagline).

The question stands: Will The Avengers, the movie itself, not the effort that went into building up the project, actually be exceptional? Something the trailer pulled into question for me is: Does Marvel see this film as a culmination? A finale of sorts to the five movies that preceded it? Or will it be just a continuation of the universe they are building? If people keep expecting the former and the movie turns out to be the latter, with too many loose ends, not at least some sense of closure and no general feeling of Big Momentness – it will definitely disappoint a lot of people.

I don’t read comic books continually and generally haven’t followed any periodical narrative regularly for some time now (I only watch tv series on DVD sets), but what Marvel has been trying to do with the building of their universe and the creation of their franchises is basically to import comic book narrative mechanics into the movie world. The first Avengers book was a decisive narrative moment in time, because it brought together heroes that hadn’t worked together before, but it was no culmination, it was a beginning – and it ultimately did feel quite generic to me when I caught up with reading it recently. In one of the last panels, one of the characters says something to the effect of “A team of superheroes, huh? We could give it a try.” Not really very momentous.

If Joss Whedon knows what he’s doing, like I hope he does, he will not make this look like Iron Man, Hulk, Thor, Cap and the rest of them are merely giving it a try. He will make this The Moment We’ve All Been Waiting For(tm), when the heroes of five movies finally assemble. And then, The Avengers will be exceptional – and not as generic as its first trailer.

Rowling, Marvel and DC – Controlling the Cinematic Universe

At the end of my podcast with Kirsten Dietrich about Harry Potter and the Half-Blood Prince, a topic of discussion came up that I would like to mull about a bit longer in this post. We talked about whether the Harry Potter movies, even if they are maybe not the best possible translation of the books into moving pictures (I still think that a TV series might have made for a better, if more expensive, adaptation), have become the definitive visual representation of the seven novels, not least because the author J. K. Rowling was very involved in the production and casting from the very beginning.

Translations from one medium into another usually involve several changes in the ur-text to fit and, indeed, adapt it to the new medium. In this way, they generally create a new universe related to but not congruent to the universe of the ur-text. In one of the videos on the Extended Edition of Peter Jackson’s Lord of the Rings, the screenwriters and some Tolkien experts broach this topic when they talk about adapting Tolkien’s novel. I think it is Brian Sibley who points out that, in the future, there will be two important Rings texts: Tolkien and Tolkien as interpreted by Jackson.1

In the case of Harry Potter, because the author was so heavily involved in the adaptation process, the two universes are almost alike. The films, although they differ from the books in some ways, have almost become part of the Harry Potter canon (and indeed are seen this way by the fans of the HP universe) and have succeeded in creating the definitive visual representations of characters and some events in the books because they have Rowling’s seal of approval. This has even been enforced legally, as Kirsten points out in the podcast. When Sabine Wilharm, the illustrator who created the covers for the Harry Potter books in Germany, created additional paintings that show other scenes from the books, Warner Bros. sued the commissioning publisher. The same brute force has been applied to creators of fan sites.

Ownership of and control over an intellectual property is the foundation of succesful franchising. While it does goes to silly extremes sometimes (as mentioned above), it’s a key ingredient to make the franchise work and fit together. For the process of adapting source material into film while controlling that source material at the same time (as Rowling did), this still seems to me to be a relatively new mainstream concept that I would trace back to the creation of Marvel Studios in 1996. I’ve read enough “development hell” stories to believe that adaptations, for example of comics, used to be handled differently. The IP owner would sell their license and the studio would go and adapt it, sometimes screwing up, sometimes not, but always with very little input from the IP’s originators.

The early films produced with Marvel Studios in tow, such as Sam Raimis Spider-Man films and Bryan Singers X-Men films, already had a certain amount of faithfulness to the source material “in spirit” that earlier incarnations had not achieved (or so, I gather, fans believe), similar to Jackson’s adaptation of Tolkien. By setting up the Marvel Cinematic Universe (MCU), however, the former comic book publisher has added another layer to the cake: harnessing the process of filmmaking, which involves hundreds of people in contrast to the few involved in creating a comic book, to produce a number of films that tie in to create one cinematic universe that, while not corresponding one-on-one to its source material, is canonic in its own right. In effect, they too are creating definitive cinematic versions of their comic book characters.

I have already expressed my admiration for the Avengers film, the first culmination of the MCU, in this blog one year ago and there is nothing more illuminating about the process than this quote by Marvel president Kevin Feige:

It’s never been done before and that’s kind of the spirit everybody’s taking it in. The other filmmakers aren’t used to getting actors from other movies that other filmmakers have cast, certain plot lines that are connected or certain locations that are connected but I think for the most part, in fact, entirely everyone was on board for it and thinks that its fun. Primarily because we’ve always remained consistent saying that the movie that we are making comes first. All of the connective tissue, all of that stuff is fun and is going to be very important if you want it to be. (Source)

The result might be thought of as a slap in the face to the individual artistic expression of any one director but it’s very effective. Marvel are applying to movies what has been general practice in TV series for ages, even more so since the advent of complicated series with multiple narrative strands such as The X-Files or Lost. They are continuing down this route, rebooting Spider-Man (as they already did with The Incredible Hulk) and, in effect, X-Men to integrate them into their grand scheme. And DC, with their umpteenth version of Superman (Man of Steel, directed by Zack Snyder) and, probably, Batman in the works, are hard on their heels.

The difference to a TV series, of course, is that there is no real linear plot to the MCU. While the films leading up to The Avengers share a certain timeline, each narrative strand also stands on its own with just a few nods to its sister narratives. If the actors are willing to participate, the films allow for endless tangents and intersections while they, at the same time, stay locked together in one unified and definitive worldtrack2 controlled by Marvel.3

This article only summarises some of the things I have been thinking about lately. I have probably forgotten important ideas and misinterpreted others. I would be very happy to discuss the thoughts sketched out above in more detail with readers of this article. Head to the comments!


1 Jackson very cleverly mediated between his version of Tolkien and the visual interpretations that had come before him by enlisting John Howe and Alan Lee as concept artists. In this way, there is no real “break” between how many fans had always imagined Middle-Earth to look like, including cover illustrations etc. into their imaginations (as one does), and how it looked like in the film. ^
2 I have just finished reading Neal Stephenson’s novel “Anathem” and borrowed this word from the book. ^
3 A multi-faceted adaptation of Stephen King’s “Dark Tower” series with Ron Howard at the helm that, in its concept, shares some ideas with something like the MCU has, unfortunately, just been canned. ^