Die kleinen Preise

Im Booklet von Michael Jacksons Greatest-Hits-Album mit dem so genial hybrisschwangeren Titel HIStory – Past, Present and Future, Book 1 (zu dem es nie ein Book 2 geben würde) findet sich eine Auflistung aller Preise, die der King of Pop jemals gewonnen hat. Und schon damals 1995, als ich die Liste in meinem Kinderzimmer ehrfurchtsvoll durchlas, wunderte ich mich, dass dort auch mehrere “Bravo Otto: Gold Award” verzeichnet sind. “Wirklich”, dachte ich, “dafür interessiert sich Michael Jackson? Dass er einen goldenen Bravo-Otto gewonnen hat?”

Preise sind so eine Art notwendiges und manchmal auch amüsantes Übel im Zirkus der Kulturproduktion. Sie sind Richtschnur für die Außenstehenden, Marketinginstrument und möglicherweise wichtige Booster für die Karriere einzelner Künstler. Sie sind Anerkennung der eigenen Branchengenossinnen und Anlass für aufwändige Galas und rauschende Feste.

Wie bei den Bambi-Galas

Wenn man als Künstler relativ am Anfang steht und kein reinster “l’Art pour l’Art”-Mensch ist, freut man sich mit Sicherheit über jeden Preis, den man gewinnt. Genug Eindruck gemacht zu haben, dass andere Menschen einen dafür ehren wollen, das ist schon was. Aber wie ist es, wenn man etwa als Filmstar schon auf Oscar-Niveau angekommen ist? Freut man sich dann eventuell noch über einen Gilden-Award, weil dort nur die eigene Branche wählt? Freut man sich über eine Auszeichnung in einem Gebiet, wo man vermeintlich noch nicht bekannt war, zum Beispiel in Asien? Oder könnte einem das eigentlich nicht egaler sein, wo man überall in Abwesenheit kleine Preise verliehen bekommt, in jeder mickrigen Filmzeitschrift der Welt beispielsweise. Undotierte Preise natürlich.

Ich veröffentliche jedes Jahr meine persönliche Bestenliste, weil ich weiß, dass sie manche Leute interessiert aber hauptsächlich, weil ich selbst gerne dokumentiere, welche Dinge mich beeindruckt haben. Aber einen Preis für den besten Film vergeben? Wem soll das nützen? Ist das dann so wie bei den Bambi-Galas, wo erstmal geguckt wird, wen man alles als Gast buchen könnte und sich dann einen Preis ausdenkt, den man ihm geben könnte?

Schreibt man “Badass” nicht zusammen?

In nicht ganz so vielen Worten habe ich das alles Micha Scharsig geschrieben, als er mich gefragt hat, ob ich dieses Jahr in der Jury des “Filmtipp-Award” dabei sein wollte, bei dem Micha jedes Jahr eine Gruppe von Bloggerinnen und Bloggern koordiniert, um eine Reihe von Preisen zu vergeben. In den letzten Wochen habe ich mich also durch eine Liste von 33 mehr oder weniger abstrusen Kategorien geschnauft (schreibt man “Badass” nicht zusammen?), einem Nominierungsprozess beigewohnt, der im besten Fall schwierig war, weil die wenigsten Teilnehmerinnen der Jury überhaupt genug Filme gesehen hatten (inklusive mir), um sich nicht einfach nur an dem zu orientieren, was alle anderen machen. Zu guter Letzt habe ich mich noch heftig darüber gestritten, ob es chauvinistisch ist, Alicia Vikander für Ex Machina nur in der Kategorie “Beste Nebenrolle” zu nominieren, obwohl sie die wichtigste Figur des ganzen Films ist.

Niemand von denen, die hier am Ende gewinnen werden, wird sich dafür interessieren, dass ihnen eine beliebige Runde deutscher Filmblogger den Filmtipp-Award verliehen haben. Wenn also zum Beispiel Leonardo DiCaprio “Bester Schauspieler” werden sollte, kratzt ihn das vermutlich noch weniger als die Auszeichnung der Utah Film Critics Association.

Also: Für wen machen wir das? Die Antwort ist klar: für uns. Micha veranstaltet das Ganze vermutlich, weil er das Gefühl einer Preisverleihung mag. Ich mache mit, weil alles, was die Filmblogosphäre zusammenbringt, gut ist. Die Diskussionen, egal wie sinnlos sie waren, haben die Community gestärkt und Micha hat sich die Mühe gemacht, diese Communitystärkungsaktion mit 29 Filmblogmenschen zu veranstalten. Vielleicht sollte man dafür lieber ihm einen Preis geben. Michael Jackson, Gott hab ihn selig, hat bestimmt noch irgendwo einen goldenen Bravo-Otto herumstehen.

Hier geht es zu den Nominierungen des Filmtipp-Award

Real Virtualinks 6/16

Unfathomable Life: A Writer Grieves for Her Father, Through Five Movies

Ein sehr persönlicher Text, bewegend geschrieben. Jessica Ritcheys Vater ist gestorben und sie entdeckt in den Filmen des letzten Jahres überall Dinge, die sie an ihn erinnern.

I Don’t Have To Answer That

Toller Podcast über einen entscheidenden Moment der US-Mediengeschichte. Gary Hart war in den 80ern der erste Präsidentschaftskandidat, der wegen privater Fehltritte demontiert wurde.

Karla Kolumna, die rasend machende Reporterin

Ich bin großer Fan von Patrick Torna und seiner Seite journalistenfilme.de – noch jemand, der die Themen Film und Medien irgendwie miteinander verknüpft und der auch eine ähnliche Herangehensweise hat wie ich. Demnächst werde ich ihn sicher mal mit einem Interview im Blog vorstellen, aber zunächst wünsche ich euch Spaß beim Lesen dieses aktuellen Artikels über Karla Kolumna.

Baustelle Filmkultur: Kino in den arabischen Ländern

Den Bericht von Christine Kopf über die vielfältige Kino- und Filmlandschaft der arabischen Welt in der aktuellen epd Film habe ich sehr gerne gelesen, vor allem, weil er mit einigen Vorurteilen/Ignoranzen aufräumt, die auch bei mir vorhanden waren.

Generation Preset: Wie digitale Voreinstellungen die Popmusik prägen

Ich war sehr begeistert von Florian Frickes Radiofeature über die Verquickung moderner Popmusiksounds seit den späten 1970ern mit spezifischen Voreinstellungen an Synthesizern und später mit Preset-Libraries. Das ganze wird sehr gut historisch aufgeblättert und gespiegelt mit aktuellen Interviews unter anderem mit dem Chef von Ableton.

Berlin, New York und Real Virtuality

“Wie stellst du dir Zeit vor?” – Eine Frage, die ich viel zu selten stelle. Für mich ist Zeit eine Art frei schwenk- und zoombares 3D-Modell, das quer durch den Raum läuft. Jedes Jahr ist ein Ring, die Ringe aneinandergereiht geben ein Band, das ungefähr bis 2000 vor unserer Zeitrechnung zurückreicht (danach wird es unscharf). Bei genauerer Betrachtung bestehen die Ringe aus Bögen, jeder Bogen ist eine Woche. Am Wochenende hat ein Bogen seinen tiefsten Punkt. Es ist schwer zu beschreiben, aber so funktioniert mein Verstand nunmal.

Als ich die Frage tatsächlich mal jemandem gestellt habe, sagte mir diese Person, sie stelle sich die Zeit eher vor wie einen Kalender; ihren Kalender. Ich fand das schräg. Da hat man die unendliche Gestaltungsmöglichkeit seines Verstandes zur Auswahl, und man entscheidet sich für Skeuomorphismus und modelt seine Vorstellung nach einem realen Objekt.

Mein innerer Stadtplan

Doch dann fiel mir auf, dass ich es bei meiner Vorstellung von Raum genauso mache. Wenn ich an einen neuen Ort komme, beginne ich, in meinem Kopf einen Stadtplan anzulegen. Mir gibt das Sicherheit und es hilft mir bei der Orientierung. Ich gehe oder fahre eine Straße hinunter und diese Straße – im Bezug zu anderen Straßen und Orten drumherum – wird dann in meinem Kopf geloggt und meinem inneren Stadtplan hinzugefügt. In Berlin war ich mir lange unsicher, wie genau sich Zoo, Potsdamer Platz und Alexanderplatz eigentlich genau zueinander verhalten, weil ich immer nur mit der U-Bahn von Ort zu Ort gefahren war und U-Bahnen töten jede räumliche Orientierung. Erst seit ich hier wohne, die Strecke auch mal per Bus zurückgelegt und mit Stadtplänen verglichen habe, besitze ich eine ungefähre Vorstellung.

Berlin sieht jetzt für mich ungefähr so aus. Ich kenne die Innenstadt einigermaßen, die Ecke unten links wo ich jetzt wohne und die Ecke unten rechts, wo ich mal längere Zeit verbracht habe. Ich habe quasi keine Ahnung was außerhalb des S-Bahn- und Autobahnrings passiert und das Zentrum von Kreuzberg ist ein Mysterium.

© Google Maps

Screenshot: Google Maps

Allerdings, möchte ich einwenden, ist ein Stadtplan natürlich auch wirklich nur eine Abstraktion dessen, was wir sehen, wenn wir eine Stadt tatsächlich aus der Luft betrachten. Der Skeuomorphismus in meinem Kopf geht also auf die Realität zurück, im Gegensatz zu einem Kalender, der weniger die Zeit selbst repräsentiert als das, was sie repräsentiert.

Die Situation in New York

Bei New York war die Situation ein bisschen anders. Ich kannte New York aus hunderten Filmen, Serien und Büchern, die mir immer wieder Eindrücke der Stadt gezeigt hatten. Hinzu kommt, dass New York so unfassbar einfach aufgebaut ist, dass es eigentlich ein Leichtes sein sollte, einen inneren Stadtplan zu zeichnen. Manhattan ist ein langer Zapfen, oberhalb davon ist die Bronx, oben rechts ist Queens, unten rechts ist Brooklyn. In der Mitte ist der Central Park. Die Straßen sind durchnummeriert und rechtwinklig! Einfacher geht es gar nicht.

Ich wusste trotzdem nicht, wie New York ist, bis ich 2011 dort war. Ich wohnte bei Bekannten in Queens, fuhr jeden morgen mit der Bahn in die Stadt und schritt große Teile Manhattans zu Fuß ab. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, an all diesen Orten vorbeizukommen, die einem scheinbar so bekannt vorkamen: Brücken im Central Park, die Billboards am Times Square, Battery Park am Fuß der Halbinsel, wo die Fähren ablegen, das Museum of Natural History, 30 Rock.

A Couple of Blocks Away

Aber es war notwendig, einmal wirklich dort gewesen zu sein, um ein Gefühl für die räumlichen Dimensionen zu bekommen. Wie weit ist “just a couple of blocks away”, was man immer wieder in US-Medienerzeugnissen hört. Wie hoch sind die Gebäude entlang der Madison Avenue wirklich? Wie riesengroß ist der See im oberen Teil des Central Park. Wieviel kleiner wirkt Manhattan, wenn man plötzlich durch das East Village spaziert, obwohl es direkt neben den protzigen Bürotürmen des Financial District liegt. Und wie titanenhaft sind bitteschön diese Brücken über den East River?

Einmal dort gewesen jedoch klickte plötzlich alles zusammen wie ein gigantisches Puzzle. Nur eine gute Woche nach meinem New York-Besuch sah ich Nick and Norah’s Infinite Playlist im Fernsehen, ein netter kleiner Indiefilm, in dem die Titelcharaktere eine Art Road Trip durch New York erleben. Und nicht nur rief ich plötzlich ständig “Da war ich” (zur unendlichen Freude meiner Mitzuschauer, da bin ich mir sicher), sondern ich hatte plötzlich auch das Gefühl, mich viel besser in den Film hineindenken zu können. Ich konnte die zweidimensionalen Bilder auf dem Bildschirm übersetzen in dreidimensionale Bilder in meinem Kopf.

Real Virtuality

Filme konstruieren künstliche Räume, das ist eine der ältesten Erkenntnisse der Filmtheorie. Wer nacheinander einen Menschen zeigt, der von links nach rechts läuft, einen weiteren Menschen, der von rechts nach links läuft, ein Gebäude und dann zwei Arme, die einander die Hand geben, wird dadurch in 90 Prozent aller Menschen den räumlichen Eindruck erwecken, die beiden Menschen seien aufeinander zugegangen, um sich vor dem Gebäude die Hand zu schütteln – auch wenn die Aufnahmen an völlig unterschiedlichen Orten entstanden sind, das Gebäude ein Modell ist und die Hände anderen Menschen gehören als den zuvor gezeigten. Diese künstlichen Räume existieren allerdings nur innerhalb des Films, wir können sie nicht betreten, weil sie nicht existieren. Auch nicht, wenn wir alle oben genannten Drehorte nacheinander besuchen würden.

Unter anderem deswegen finde ich so spannend, was zurzeit im Bereich Virtual Reality passiert. Die dort erschaffenen Räume sind auch nicht real, sie sind digitale Simulationen. Aber sie besitzen die gleiche Räumlichkeit wie ein realer Ort. Ich kann mir die Brille aufsetzen und den Ort erfahren, so wie ich damals 2011 nach New York geflogen bin, um den Ort zu erfahren. Das bedeutet auch, dass wir vom gleichen Ort reden werden, wenn wir über unsere VR-Erlebnisse sprechen. Es wird nicht mehr so sein, wie wenn wir über Filme reden, wo sich jeder einen eigenen künstlichen Raum zusammenbaut. Wie wenn wir über Zeit sprechen, dass der eine einen Kalender sieht und die andere ein Band im endlosen Weltall. Es wird hoffentlich wie Theater, wo wir alle mittendrin stehen. Real Virtuality. Ich kann es kaum erwarten.

Passenderweise gibt es übrigens inzwischen ein VR-Produkt namens Real Virtuality, das mehreren VR-Nutzern erlaubt, gleichzeitig die gleiche Simulation zu erleben. Ich habe mein Blog also genau richtig benannt.

Meet the Bloggers – Berlinale 2016

Letztes Jahr konnte ich leider nicht dabei sein, aber dafür dieses Jahr umso mehr! Zum vierten Mal gibt es während der Berlinale ein Treffen für alle, die irgendwas mit Film und Internet machen. Das Haus der 100 Biere/Mommsen-Eck liegt günstig in der Nähe der Festivalkinos am Potsdamer Platz und bietet genug Raum für einige Blogger_innen, Podcaster_innen, YouTuber_innen und alle anderen, die bei einem Getränk Freundschaften für’s Leben schließen wollen.

Am 13. Februar 2016 ist ab 17 Uhr ein Tisch auf den Namen “Peschel” reserviert. Hier könnt ihr auf Facebook euer Kommen ankündigen.

Sollten Agenturen oder sonstige professionelle Blogger-Kontaktmenschen Interesse haben, zu diesem Treffen zu kommen oder etwas dazu beizutragen, dürfen Sie sich gerne bei mir melden.

Real Virtualinks 5/16

Dieses Blog wird bald auch wieder “echte” Artikel enthalten. Bis dahin müsst ihr euch mit diesen Links begnügen, in denen es immerhin auch um “Echtheit” geht.

Welcome to the divergence

Ich habe mich aus voller Überzeugung längst vom “Erfahrungen sind wichtiger als Zeug”-Mantra anstecken lassen – aber wenn ich wieder Zeug kaufen muss, um Erfahrungen zu haben, bin ich doch wieder nur einem Marketing-Schachzug zum Opfer gefallen, oder?

Hollywood’s Turn Against Digital Effects

Bryan Curtis’ Artikel ist wunderbar, denn er gibt dem Echtheitswahn aktueller Effektfilme Kontext: “Bobbajo was in all of about two shots in “The Force Awakens.” He didn’t have a line. Did he add to Abrams’s garbage-picker milieu? Well, maybe a little. Did he work as a sop to us fans who demand “reality” as it was delivered at multiplexes thirty years ago (…)? Absolutely.”

Auf, auf und davon!

Ich bin ja schon lange ein Freund davon, das Internet nicht nur für kurzen Clickbait, sondern auch für lange und multimediale Auseinandersetzungen zu nutzen. Christian Steiner, bekannt aus dem “Second Unit”-Podcast, hat so etwas gerade begonnen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt

Und… los geht’s!

Deutschland hat ein Podcastlabel: Viertausendhertz. Und wie bei Gimlet gibt es auch einen Metapodcast über die Gründung eines Podcastlabels. Dabei wird schon klar: Hier sind Radioprofis am Werk, die aber trotzdem eine echte Liebe zu Podcasts mitbringen. Ich bin sehr gespannt und werde die verschiedenen Formate bald mal durchtesten.

Real Virtualinks 4/16

To Attract New Listeners, Podcasts Need to Move Beyond Sound

Hinter der paradoxisch klingenden Überschrift steckt die Frage, wie Podcasts “sharable” werden können, auf die bisher noch niemand eine gute Antwort hat. Ich habe mir bisher die Web-Inhalte von Serial nicht angesehen. Nutzt ihr solche Zusatzangebote?

Uhrenvergleich

Wer eine Idee hat, die er oder sie gut findet, sollte davon ausgehen, dass sie auch andere haben. Und genauso wie ich seit Jahren darüber sinniere, die absurden Auswüchse der Bahnhofskiosks unter die Lupe zu nehmen, scheint es auch Peter Breuer getan zu haben. Für “Übermedien”, die neue Website von Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz, schreibt er als erstes über das Uhrenmagazin “Chronos”.

Die Glorifizierung von Psychopathen als Helden, unterlegt mit “Bohemian Rhapsody”, ist

Meine erste Twitter-Umfrage zum neuen Trailer für Suicide Squad der ausgerechnet mein Lieblingslied mit einer für meine Begriffe absurd pubertären Vorstellung von “Coolness” koppelt (siehe auch Harley Quinn Art Contest). Immerhin hat die tendenziöse Fragestellung einige Mitmenschen zur Diskussion angeregt.

Where’s Rey?

Laut einem “Insider” wurde Rey gezielt aus Star Wars-Produkten ferngehalten, weil sich weibliche Figuren bei Jungs nicht verkaufen – schon länger bekannt. Dieser Artikel fasst das alles noch mal zusammen und setzt es auch in einen historischen Kontext.

„Komplexer soll die Welt nicht werden.”

In der Woche, in der die Grimmepreis-Nominierungen bekannt gegeben wurden, habe ich in den Tiefen meiner Pocket-Liste dieses fantastische Gespräch zwischen Frédéric Jaeger und Robert Bramkamp entdeckt, in der sich mal wieder die gesammelte Wut über Kino und Fernseh-Verquickung in Deutschland Bahn bricht. Ich würde nicht alles, was Bramkamp sagt, so unterschreiben, aber “Retrorealismus” ist einfach ein grandioser Begriff, der sehr genau mein eigenes Unwohlsein mit dem deutschen Filmkomplex zusammenfasst.

Real Virtualinks 3/16

Inside Out and the ‘Science’ of Emotions

Ich bin mir nicht sicher, was ich von diesem Artikel halten soll. Auf der einen Seite wird moderne Neurowissenschaft belächelt mit dem Verweis auf 100 Jahre alte, unbewiesene Theorien, in deren Schwitzkasten die Psychologie bis heute an vielen Ecken zu stecken scheint. Auf der anderen Seite öffnet sich ein wissenschaftstheoretischer Korridor gegen die vollquantifizierte Wahrnehmung des menschlichen Geistes. Lesen darf man ihn also auf jeden Fall und auch diesen sehr guten Kommentar von Jochen Ecke dazu.

Lexical Analysis: Lex Luthor on disrupting the vigilante industrial complex

Batman v Superman: Dawn of Justice kommt schon am 23. März in die Kinos und allein wegen der Hybris und Produktionsgeschichte ist es einer der Filme, auf die ich dieses Jahr am meisten gespannt bin. Das “Wired Brandlab” ist dazu Mit-Urheber einer cleveren Werbekampagne – ein Interview mit Filmbösewicht Lex Luthor im Gewand eines “Wired”-Artikels. Seine Meinung zu Batman? “You want to clean up the streets? Dress up like the boogeyman, switch on a fog machine and lower your voice.”

The Nine Lives of Leo DiCaprio

Ich war nicht übermäßig begeistert von The Revenant, aber die Kameraarbeit hat mich beeindruckt. Ich hatte vor allem einen Gedanken, den Leonardo DiCaprio in diesem unterhaltsamen Interview witzigerweise auch wieder aufgreift: “This movie is a little like virtual reality.” Fallen euch weitere Filme ein, in denen man durch filmische Techniken so stark in einen Raum eintaucht?

Werner Herzog Talks Virtual Reality

“It’s a form of space that we haven’t experienced yet. It is a form of space that occurs in our nightmares.” Ich kann es nicht erwarten, was die VR-Welt uns durch Menschen wie Herzog bringen wird.

Eine Frage der Zeit – Gibt es zu lange Filme?

Ich glaube, ich habe selbst oft genug behauptet, Film XY wäre “zu lang”. Lucas Barwenczik geht der Behauptung auf den Grund und versucht wie immer, provokant und versöhnlich zugleich zu sein.

Star Wars: The Force Awakens – VFX Breakdown

Was VFX-Breakdowns angeht ist dieses zehnminütige Video zu The Force Awakens ganz vorne mit dabei, weil es tatsächliche Vergleichsmöglichkeiten bietet, statt (wie gerne) selbst ein Budenzauber zu sein. Allerdings sieht man auch sehr gut, dass die im Vorhinein oft beschworene Echtheit der Sets und Effekte vor allem eins war: Marketing. Zählt mal, wie oft ihr “Full Digital Shot” lest. The Force Awakens hat auch nicht weniger CGI als ein durchschnittlicher Peter Jackson-Film. (Neuer Link. Danke, Fabian in den Kommentaren)

How Queen and David Bowie wrote “Under Pressure

Selten, dass Musiker_innen mal einen so präzisen Einblick in den kreativen Prozess hinter der Entstehung eines Songs geben. Wer sich, wie ich, für so etwas interessiert, sollte das hier unbedingt lesen, egal ob er den Song mag oder nicht. “The procedure was each of us went into the vocal booth consecutively, without listening to each other, and, listening to the track, vocalised the first things that came into our heads, including any words which came to mind, working with the existing chord structure. At this point Freddie laid down his amazing De Dah Day bits, very unusual, which actually made it to the final mix.”