In eigener Sache: Real Virtuality verkauft seinen Körper

In der kommenden Woche werde ich in diesem Blog erstmals Posts veröffentlichen, für die ich bezahlt worden bin. Bisher habe ich mich immer dagegen gesträubt, weil meine journalistische Ehre genauso dagegen spricht wie der ursprüngliche Plan, dieses Blog eher als Visitenkarte und als Auffangbecken für anderswo unpublizierbare Gedanken zu nutzen. Eigentlich will ich mit diesem Blog also gar kein Geld verdienen, es ist aber eine Zeit herbeigekommen, wo ich es a) kann und b) “muss”. “Muss” in Anführungsstrichen, weil ich natürlich auch an anderer Stelle Geld sparen, meinen Job wechseln, in eine kleinere Wohnung ziehen oder sonstige Dinge tun könnte, um am Ende des Monats im Plus zu sein, aber formulieren wir es einfach mal so: Ich kann das Geld im Moment trotz day job gut gebrauchen.

Mir ist wichtig, dass ich hier wirklich nur meinen Körper, das heißt: dieses Blog, verkaufe und nicht meine Seele. Die bezahlten Posts werden transparent als solche gekennzeichnet sein. Es werden nicht viele Posts sein und ich werde das Ganze nur einen gewissen Zeitraum machen. Wer trotzdem “Ausverkauf!” schreien möchte, dem sei noch in Erinnerung gerufen, dass ich bisher komplett darauf verzichtet habe, dieses Blog mit vergleichsweise einfachen aber Klickzahlen-mäßig sehr effektiven Einträgen wie Trailern oder Gewinnspielen zu füllen und nur mit Einträgen meinen jetzigen Status erreicht habe, in denen viel Zeit, Schweiß und Recherche steckt.

Ich hoffe auf euer Verständnis.

Nachhaltigkeit (III)

Das Internet mag ein ewiges Langzeitgedächtnis haben, doch sein Kurzzeitgedächtnis ist miserabel. In der Rubrik “Nachhaltigkeit” gehe ich zurück zu meinen Blogeinträgen der letzten Monate und verweise auf interessante Entwicklungen in den angerissenen Themen.

Cinematic Universes

First things first. Mein Lieblingsthema, das Marvel Cinematic Universe, erfährt dieser Tage einen harten Backlash. Wobei, es ist nicht einmal das MCU, dass beschimpft wird, sondern die Studios, die jetzt alle versuchen, das Prinzip zu kopieren. Egal ob Universal Monster, Robin Hood oder Ghostbusters. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben mit Filmen, die das Avengers-Modell kopieren, das Marvel so viel Geld eingebracht hat. Und wie immer scheitern die Nachahmer. Dracula Untold, der Film, den Universal noch nachträglich zum ersten Franchise-Film umgebaut hat, muss einsamer Mist sein und jetzt ist mehreren Kritikern der Kragen geplatzt. Peter Sciretta, Chef von “/Film” hat in seinem Artikel 9 Current Movie and Television Trends I hate die Universen gleich an erste Stelle gepackt – und direkt seine Kollegin Angie Han zitiert.

Bei “The Dissolve” hat Scott Tobias sogar eine längere Abhandlung namens “The Case Against Cinematic Universes” verfasst und ganz klar die Schwächen solcher Filmreihen benannt: Die Filme müssen sich ähneln, sie müssen Szenen enthalten, die eigentlich nicht in den Film gehören, und sie werden schwerfälliger, weil sie Zukünftiges aufbauen müssen. Tobias hat natürlich absolut recht. Ich glaube trotzdem, dass diese Art Filmemachen – wenn es clever angestellt ist – dennoch seinen (popkulturellen) Wert haben kann. Aber wann hat der Kopierwahn in Hollywood jemals zu etwas Gutem geführt? Sam Adams hatte schon im August festgestellt, dass die After-Credit-Scene in Guardians of the Galaxy noch der beste Kommentar auf Marvels Synergiebemühungen ist.

Ein weiterer Aspekt dieser Art von Franchising, den ich schon vor zwei Jahren aufgeschrieben hatte, ist, dass Filme durch die über den einzelnen Film hinaus geplante Produktion, stärker wie Fernsehserien werden. Für den “Hollywood Reporter” hat Richard Greenfield das Argument vorgebracht, dass sich das noch verstärken sollte.

In a sense, movie studios will need to morph into television studios, which tell ongoing stories. This is a logical evolution for a movie industry that is now obsessed with the creation of “franchises,” with increasingly little to no interest in midbudget films. How many wannabe Jedis and their families would pay for an everything Star Wars subscription? Avengers? Frozen? Spider-Man? Batman? Avatar? Whereas the movie industry has resisted change in the past decade(s), major change over the next decade feels inevitable.

Eigentlich eine schreckliche Vorstellung.

Das neue Star Wars Universum

Das einzige Medienuniversum, dem die Kritikerinnen noch etwas zuzutrauen scheinen, liegt in den Händen der “Lucasfilm Story Group”. Es geht natürlich um Star Wars, dessen neue Serie Rebels ich ja in einem Podcast besprochen habe. Außerdem hat Lucasfilm ja in diesem Jahr das alte Expanded Universe dichtgemacht und durch einen neuen, zentral gesteuerten Kanon ersetzt. Hierzu sehr lesenswert: “The Star Wars Expanded Universe: A Eulogy“, John Jackson Millers Bericht über seinen Weg zum ersten Roman im neuen Kanon, A New Dawn sowie der erste Teil des Interviews mit Simon Kinberg, einem der Masterminds in der Story Group.

Über Dawn of the Planet of the Apes schreibend habe ich versucht zu erfassen, wie Prequels funktionieren können, nämlich indem sie möglichst indirekt auf ihren Ur-Text Bezug nehmen. Noel Murray hat auf “The Dissolve” allgemeiner auf “The Problem with Prequels” hingewiesen und sie vor allem vom Flashback abgesetzt. Warum steht das hier noch unter der Star Wars-Überschrift? Weil Rebels den Schuss anscheinend nicht gehört hat.

Einheitstheorien

Ich habe in der berüchtigten “Pixar Theory” ja eine Sehnsucht nach einem gemeinsamen Universum gesehen, in dem sich unsere fiktionalen Helden begegnen könnten. Nicht nur hat die Pixar Theory vor kurzem durch ein YouTube-Video neuen Aufwind bekommen, sondern auch einen ebenso genialen Cousin: Die Stan-Lee-Theorie.

Diese Theorie postuliert, dass Stan Lee – der in jedem Marvel-Film einen Cameo-Auftritt hat – in Wirklichkeit immer die gleiche Figur spielt. Die Theorie existiert in zwei Varianten. Eine Möglichkeit ist, dass Lee den “Watcher” spielt, eine schräge Figur aus dem “kosmischen” Teil des Marvel-Universums, die alles beobachtet, aber nie eingreift. Viel besser finde ich Variante Nummer zwei: Stan Lee ist ein ganz normaler Typ, der Superhelden scheinbar magisch anzieht und darüber nicht gerade glücklich ist. Hochamüsant.

Internet im Film

Mein Artikel vom letzten Jahr, “Unser vernetztes Leben ist im Kino nur eine Randnotiz” bekommt dieser Tage wieder Aufwind, weil Jason Reitmans Film Men, Women and Children in den USA gestartet ist. Darin geht es um mehrere Geschichten, die sich um Kommunikation, Beziehungen und das Internet drehen und der Film scheint in die gleiche technophobe Kerbe zu hauen, die man seit Jahren im Hollywood-Kino beobachten kann. (“Hackers and Nerds” ist übrigens Punkt 8 auf Scirettas Hassliste). Kate Erbland fragt auf “Screencrush” zurecht: “Why are Movies still afraid of the Internet?

Der reinen Darstellbarkeit von moderner Kommunikationstechnologie hat sich auch Tony Zhou angenommen, dessen Videoserie “Every Frame a Painting” sich zunehmend zu einer der “Must Watch”-Dinge für Filmfans entwickelt.

A Brief Look at Texting and the Internet in Film from Tony Zhou on Vimeo.

Und außerdem

David Bordwell sieht Filmarchive mit anderen Augen als ich (logo). Während ich bei jeder Gelegenheit für mehr Humor in Comic-Verfilmungen plädiere, hat Warner/DC tatsächlich eine No Jokes Policy. Zu meinem Rant über das Kritikerspiel passt ganz gut David Bordwells Sammlung von Erste-Welt-Problemen großer Kritiker. (Außerdem werde ich übrigens im November zum Thema in einer Podiumsdiskussion sitzen.)

Und noch habe ich keinen Job bei “Wired”. Aber ich habe dank der App Timehop diesen Facebookpost von vor 5 Jahren wiedergefunden. Ich liebe das Heft wirklich.

Geburt

Es war still im Blog in den letzten Wochen. Der Grund: Ich habe fieberhaft an einem der wichtigsten Projekte meines bisherigen Berufslebens gearbeitet. Das hat mich nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Nerven gekostet. Ich habe die letzten zwei Wochen kaum eine Nacht richtig geschlafen, mich stattdessen stundenlang hin- und hergewälzt und meine Neurodermitis gekratzt, weil ich eine Riesenangst hatte, dass ich nicht rechtzeitig fertig und damit zum Gespött der Welt werde. Ich konnte mich nicht aufraffen, in meiner Freizeit dann auch noch kreativ zu sein – obwohl noch ein paar Ideen in der Schublade warten – und habe lieber The Good Wife geguckt.

Er ist dann aber mit nur wenigen Einschränkungen doch noch rechtzeitig fertig geworden, der Relaunch von kirchentag.de. Ich habe inzwischen kein Gefühl mehr dafür, ob er schön geworden ist und praktisch – wie geplant – oder nur eins von beidem oder keins. Aber er ist jetzt fertig und live. Und ich bin sehr erleichtert.

Und nächste Woche fange ich dann vielleicht auch wieder an zu bloggen.

Blick in die Blogosphäre (VII): Filmfest München, “Ein Film – viele Blogger”, Seeßlen

Ich bin ja sehr glücklich, und gebe mir sogar ein klitzekleines bisschen Credit dafür, dass es einige Blogger_innen-Kollegen gibt, die sich meinen Völkervereinigungs-Gedanken angeschlossen haben und völlig unabhängig von mir Aktionen ins Leben rufen, bei denen Blogs zusammenfinden können. (Ich selber muss mich ja eher dafür schämen, dass ich es nicht einmal geschafft habe, einen Film Blog Group Hug in der ersten Jahreshälfte zu organisieren.)

Besonders fruchtbar scheint dieses Jahr das Filmfest München gewesen zu sein. Jan Peschel von “CineCouch” hatte dort dieses Jahr, in der Tradition der Berlinale-Bloggertreffen, zum Meet the Bloggers eingeladen. Und wenn man dem Bild, das diesen Post ziert, sowie Jans Bericht Glauben schenken kann, hat es sich gelohnt:

Man unterhielt sich über das Festival, den allgemeinen Filmgeschmack, über eigene Projekte und auch immer wieder über die Blogosphäre, Ideen zu Kooperationen und die Frage, ob man finanziell nicht auch mehr mit Blogs erreichen könnte. Hoffentlich können einige Anstöße weitergetragen werden.

Gemeinschaftspodcasts

Ein erstes Gemeinschaftsprojekt, das in München entstanden ist, ist die Sonderausgabe des Podcasts “Die Abspanner”, in der sich “Cinema Forever”-Blogger Conrad Mildner mit “Filmosophie“-Frontfrau Sophie Rieger zusammengesetzt hat, um das Festival Revue passieren zu lassen. Eine ähnliche Konstellation also, wie beim Klassiker der Filmfestival-Podcasts – dem Videopodcast von “kino-zeit.de” mit Joachim Kurz und Beatrice Behn. Und da “Rocky Balbea” ja jetzt auch eine Filmfreundin ist kann man den also auch gleich unter den Blog-Kooperationen einordnen. “Schöner Denken” hatte übrigens schon im Juni Sano von “Eskalierende Träume” in einem Nippon-Connection-Podcast zu Gast.

Ein Film – Viele Blogger

Globaler und langfristiger angelegt ist das Projekt des Intergalactic Ape-Man, das auf den Namen “Ein Film – Viele Blogger” hört. Der Plan: bis zu einem gewissen Stichtag schreiben alle, die wollen, eine Rezension zu einem vorher festgelegten Film, die der Ape-Man anschließend sammelt. So soll Dialog und Austausch entstehen. Ich warte bereits gespannt auf das Ergebnis der ersten Runde zu The Elephant Man. Ich selbst habe leider nicht teilgenommen, mir fiel zu spät ein, was ich gerne geschrieben hätte (einen Abgleich zwischen Realität, Film und der Musical-Version in The Tall Guy) – aber vielleicht mache ich ja bei einer der nächsten Runden mit. Der Ape-Man hat die Übersicht.

Filmkritisches

Währenddessen läuft übrigens die “Hard Sensations” Interviewreihe mit Filmschreibern weiter. Und der Kritikerverband VdFk lädt, in Person von “Negativ”-Blogger Dennis Vetter schon zum zweiten Mal zum Kritiker-Stammtisch diesen Donnerstag in Frankfurt am Main.

In einer “Keynote” hat Filmkritik-Altmeister und Blogger Georg Seeßlen im Dezember 2013 Bilanz über das Kino als Gesamtgefüge gezogen und es zum stärkeren Nomadendasein aufgefordert. Das insgesamt lesenswerte Manifest wurde heute veröffentlicht und enthält folgende denkwürdigen Sätze:

Andrerseits erleben wir die Abwanderung der Kritik ins Netz, wo sie einerseits Konsumenten- und Millieukonform ist und sich perfekt für eine Mikrostruktur der Vermarktung durch Streuung und Manipulation von Nachrichten eignet, andrerseits aber […] extrem intelligente „Inseln“ des Diskurses bildet. Diesen Inseln gelingt indes nur sehr selten eine Verbindung zum Festland.

Die Inseln untereinander, scheint es mir, sind inzwischen schon streckenweise ganz gut durch Brücken verbunden. Auf geht’s, erobern wir das Festland!

Weitere Hinweise über filmblogosphärische Aktionen nehme ich gerne unter kontakt@alexandermatzkeit.de entgegen

Alles auf einmal. Sofort! [Update: Mit Reaktion auf die “Creative Europe”-Zahlen]

Jakob Lass hatte Love Steaks, seinen »Mitte des Studiums«-Film an der HFF Potsdam, nicht zuletzt deshalb ohne Fördergelder gedreht, weil ihn der Bewilligungsprozess zu viel Zeit gekostet hätte. Nach dem Filmfest München im Sommer 2013, wo Love Steaks vier Preise gewann, war der Regisseur damit in der einmaligen Position, einen potenziell erfolgreichen deutschen Film in der Tasche zu haben, der in der Distribution an keine gesetzlichen Vorgaben gebunden war. »Es haben sich einige große Verleiher für den Film interessiert«, sagt Lass, »aber wir haben gedacht: Wir nutzen die Gelegenheit und bringen den Film selbst raus.« Love Steaks startete im März 2014 deutschlandweit mit 33 (digitalen) Kopien im Kino. Ursprünglich wollte Jakob Lass aber viel weiter gehen. Sein Plan war es, den Film mit dem Kinostart im Internet abrufbar zu machen.

Weiterlesen auf epd-film.de

Update: In einem Eintrag auf Programmkino.de weist die Redaktion darauf hin, dass die Zahlen der “Creative Europe”-Studie, die sie “europe creative” nennt und die auch ich in meinem Artikel zitiere, mit Vorsicht zu genießen sind. Die Prozentzahlen aus der Pressemitteilung wirken nämlich nicht mehr so beeindruckend, wenn man die absoluten Zahlen dagegenhält. Speziell der zitierte Zugewinn von bis zu 181 Prozent bedeutet lediglich, dass ein Film 488 Kinobesucher hatte und 881 Downloads dazukamen. Als Zahl natürlich alles andere als repräsentativ. Ich gehe davon aus, dass folgendes Zitat aus der Meldung auch an mich gerichtet ist:

Diese außerordentlich positive Einschätzung aus Brüssel wird mittlerweile von zahlreichen Journalisten zitiert, verbunden mit Kritik an traditionellen Vertretern der Filmwirtschaft. Dabei machen sich diese Journalisten nicht einmal die Mühe, die Studie selbst zu lesen.

Ich muss mich in diesem Fall zu einem Bruch journalistischer Sorgfalt bekennen. Da die Studie erst sehr knapp vor Abgabe des Artikels erschien, habe ich sie tatsächlich nicht ganz gelesen und mich stattdessen auf die Zahlen der Pressemitteilung verlassen. Das war, wie ich jetzt einsehe, ein Fehler.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Zahlen natürlich auch für andere Auslegungen kaum repräsentativ sind, ändern sie meiner Ansicht aber nichts an den anderen Sachverhalten, die der Artikel schildert und in dem die “Creative Europe”-Zahlen nur ein Rausschmeißer am Schluss sind. Von den Ereignissen rund um Love Steaks mal abgesehen, bei denen ich wirklich außer Sturköpfigkeit keine andere Motivation dafür feststellen konnte, dass hier ein interessantes Experiment mit merkwürdigen Methoden verhindert wurde (zumindest ist das meine Meinung nach den Gesprächen, die ich geführt habe): Wenn programmkino.de am Ende schreibt,

Bei allen Filmstarts waren die VoD-Downloads also tatsächlich so gering, dass man sich fragt, was die am Modellversuch beteiligten Filmverleiher und VoD-Portale mit der finanziellen Unterstützung in Höhe von 2 Mio. EUR angestellt haben. Mit dem Betrag hätten in Europa 20 Kinos mit einer Anschubhilfe von je 100.000 EUR wiederbelebt oder neu gegründet werden können.

zeigt sich eben doch nur wieder, dass auf Seite mancher Kinobetreiber einfach kein Wille dafür vorhanden ist, irgendetwas zu ändern. Sich hinterher hinzustellen und zu sagen: Haben wir doch eh gesagt, das Geld hättet ihr auch uns geben können, ist die wohlfeilste Methode unter den billigen Kritiken. Ich habe mich im Artikel bemüht, darzustellen, dass “Day-and-date”-Releasing weit davon entfernt ist, ein Allheilmittel zu sein, dem wir alle in die Arme rennen müssen. Aber es existiert und einige Menschen haben gute Erfahrungen damit gemacht, also muss man sich doch als Branche damit auseinandersetzen, vor allem, wenn man gegen die mächtigen Medienkonzerne aus den USA sowieso kaum eine Lobby hat.

Davon abgesehen kaufe ich die reine “Kinos sind wichtig, ohne Kinos wird Film dahinsiechen”-Argumentation, die gebetsmühlenartig in diesen Kontexten wiederholt wird, niemandem mehr ab. Und keine Branche hat einen Anspruch darauf, unverändert durch alle Zeitenwenden hindurch bestehen zu dürfen. Wie so oft empfehle ich ergänzend Rajko Burchardt.

Game of Thrones entert die deutsche Zeitschriftenlandschaft

Mit “Ygritte” (die mir in den letzten Tagen mehrere tausend Hits auf dem Blog verschafft hat und bisher 130 mal bei Facebook geteilt wurde) fing alles an. Aber die Idee war zu gut (oder zu blöd), um sie nicht zu variieren. Hier ist die gesamte Galerie der mir bekannten Cover. [Ergänzung: Inzwischen gibt es eine zweite Folge.]

Hodor


Montage: Slow Pulse Boy

Eltern (Jaime und Cersei-Ausgabe)


Montage: Alex Matzkeit

Brienne


Montage: Marc Exner

Dany


Montage: Alex Matzkeit

Ygritte


Montage: Alex Matzkeit

Crowsmopolitan


Montage: Henrik Tersteegen

Nachhaltigkeit (II)

Das Internet mag ein ewiges Langzeitgedächtnis haben, doch sein Kurzzeitgedächtnis ist miserabel. Tweets und Blogposts, die man heute liest, hat man morgen wieder vergessen. Die Sau, die diese Woche durchs Dorf getrieben wird, mampft nächste Woche schon wieder unbehelligt in ihrem Stall. Das entspricht weder meiner Gesinnung als Journalist, noch als Geisteswissenschaftler. Unter dem Label “Nachhaltigkeit” gehe ich zurück zu meinen Blogeinträgen der letzten Monate und verweise auf interessante Entwicklungen in den angerissenen Themen.

Godzilla

Mit der Debatte, die Gareth Edwards’ Film Godzilla angestoßen hat, ließe sich ein eigenes Blog füllen. Das Absurdeste an der Kritikerlandschaft, die ich beobachten konnte, ist natürlich nicht, dass manche den Film mochten und andere nicht, sondern dass selbst diejenigen, die nach eigener Aussage Spaß im Kino hatten, sich in der Folge gerne daran beteiligen, die schwergängige Taktung, die logischen Löcher und die flachen Charaktere des Films auseinanderzunehmen. Beispiele: /filmcast und “Slate” Spoiler Special. Bei mir hat das den Eindruck hinterlassen, dass eigentlich doch niemand den Film als Ganzes so richtig mochte – auch Tim Slagman nicht, der eine direkte Replik auf meinen Blogpost “Erst durch Godzilla werdet ihr merken, was ihr an Pacific Rim hattet” schrieb.

Umso mehr eignet sich der Film als Grundlage für diverse Diskussionen: Ist Godzilla tatsächlich der erste Blockbuster, der keine Menschen braucht? Was sagt er über sogenannte Calling Card Movies wie Monsters aus, mit denen sich junge Regisseure in Hollywood bewerben (siehe auch “epd film“)? Forrest Wickman nahm auf “Slate” das Datenzepter in die Hand und bewies, dass eigentlich sogar die meisten Monsterfilme ihr Monster erst nach etwa einer Stunde ganz zeigen.

Wie ich arbeiteten sich einige Autoren am Vergleich mit Pacific Rim ab, unter anderem Annalee Newitz bei “io9” (“Why Godzilla kicked Pacific Rims Ass at the Box Office“) und Orlindo Frick beim “Moviepilot”-Aufreger der Woche. Die interessanteste Debatte ist aber meiner Ansicht nach die darüber, was Godzilla über die “Ernsthaftigkeit” des Blockbusterkinos aussagt. Darren Franich schrieb in “Entertainment Weekly” einen Call for an End of Serious Blockbusters, am härtesten schlägt aber wahrscheinlich Lee Weston Sabo bei “Bright Lights” zu. Für ihn ist Godzilla Teil der “Gentrifizierung von Pulp“, was ich für einen interessanten Gedanken halte. Enden wir auf einem Zitat aus Sabos Artikel:

Godzilla, the King of the Monsters, has been stripped of personality and dressed up in a taciturn action blockbuster just like any other, perfectly acceptable for a middle-class audience to enjoy without feeling low-brow. It even has Bryan Cranston fresh off the success of Breaking Bad, and middle-aged character actors David Strathairn, Sally Hawkins, Ken Watanabe, and Juliette Binoche show up in bland cameos to give it some arthouse credibility. It’s just like a “real” movie!

X-Men und Ant-Man

In meinem Gespräch mit Sascha über die Opfer, die konsistentes Worldbuilding verlangen kann kam unter anderem X-Men: Days of Future Past vor. Zwei tolle Interviews sind seitdem aufgetaucht, die einige der Aspekte beleuchten, über die wir im Podcast nur mutmaßen konnten. Bryan Singer beweist, dass er für jeden Continuity-“Fehler” zwischen The Last Stand und Days of Future Past eine Erklärung hat. Und Simon Kinberg erzählt im zweistündigen Interview mit Jeff Goldsmith einiges zu den Hintergründen für bestimmte Entscheidungen und bestätigt tatsächlich, dass eine der Motivationen für den Film war, The Last Stand ungeschehen zu machen. Nachdem außerdem bekannt wurde, dass der niemals besonders aufgefallene Peyton Reed Edgar Wrights Zügel bei Ant-Man übernehmen wird, hat Sidney Schering sehr ausgewogen zusammengefasst, wie die Gesamtsituation jetzt aussieht: Marvel und die Yes Men.

Thinkpieces

Während ich im Best Blog Award-Stöckchen versucht habe, zu umreißen, welche Art von Artikel ich am liebsten schreibe, hat Nick Pinkerton auf “Film Comment” bei einer generellen satirischen Abrechnung mit dem Internet-Filmjournalismus eine fiese, aber natürlich in Teilen auch treffende Definition des “Thinkpieces” formuliert:

The review was an unwieldy format that allowed for the cacophonous interplay of multiple ideas, some of which could seem to directly contradict one another. What a nightmare! This flawed and antique form, I am happy to announce, has been replaced by the thinkpiece, which puts forth a single, strong argument about contemporary culture, which gains force through bypassing historical context, eliminating niggling details which problematize the thesis or isolating them to a passing thought, and strawmanning fellow writers.

Ich hoffe doch, dass ich zumindest ab und zu auch einigen Fallen aus dem Weg gehe in meinen “Thinkpieces”, die ja durchaus auch als bewusste Zuspitzung und Provokation gedacht sind.

Und außerdem

Die beste Ergänzung zu meinem re:publica-Fazit hat Patricia Cammarata alias “Das Nuf” formuliert, die ebenfalls ein bisschen das Positive, Zusammenschweißende vermisste.

Der Magic: The Gathering-Film hat jetzt einen Drehbuchautor: Bryan Cogman, vor allem bekannt durch seine Arbeit an Game of Thrones. Klingt doch interessant …

Und dann war da noch The Wolf of Wall Street. Meine Kritik am Film wurde unter anderem direkt im “Kontroversum”-Podcast und von Sophie Charlotte Riger in ihrer “Biss zum Abspann”-Kolumne aufgegriffen. Die Debatte um das Thema zog sich jedoch durch sämtliche Medien, weil ich nicht der einzige war, der bemängelte, dass Scorsese versucht, gleichzeitig zu kritisieren und zu genießen. “Indiewire” fasst die Diskussion im englischsprachigen Raum zusammen, noch besser fand ich aber das Gespräch bei “Cargo”. Inzwischen bin ich fast überzeugt, dass der Film mehr ist, als er auf den ersten Blick scheint, aber ich müsste ihn wohl noch einmal sehen, um sicher zu sein.

Bild: Flickr Commons

Kostenlose Publicity (I)

Mit dem Erfolg meines Blogs ist auch die Menge an Anfragen gewachsen von Leuten, die möchten, dass ich in diesem Blog für ihre Projekte werbe. Zugegeben: Es sind immer noch recht wenige, und deswegen fällt es mir zurzeit noch sehr schwer, sie einfach rundheraus abzulehnen – vor allem, wenn sie mich nett und persönlich anschreiben. Stattdessen habe ich mich für diese neue Rubrik entschieden – und dafür, alles so transparent wie möglich zu machen.

1. W.

Aus einer E-mail von Film Blog Group Hugger Jens Prausnitz an mich:

heute trete ich dir (und vielen anderen) mit einem sehr persönlichen, und doch öffentlichen Anliegen nahe. Denn wenn Fernsehredakteure mehr als zwei Seiten über ein Projekt lesen, kann man als Autor schon froh sein. Dabei fängt hier hinter den Kulissen das an, was hinterher von Journalisten als Qualitätsfernsehen diskutiert wird. Wenn sich daran etwas ändern soll, dann muss die Debatte von Anfang an geführt werden, bei uns leider(?) sogar öffentlich, denn anders ist an den Seilschaften in den Sendern kein Vorbeikommen.

Was uns fehlt sind Journalisten, die mehr als diese zwei Seiten lesen.

Entweder wir maulen weiter über den Dreck der am Ende raus kommt, oder wir machen es besser – zum Beispiel mit einer crossmedial im Netz entwickelten Drama-Mystery-Serie, die einerseits deutscher nicht sein könnte, und andererseits seit mindestens 20 Jahren überfällig ist.

Ich habe leider einfach wirklich keine Zeit, mich tiefer mit dem Projekt zu befassen. Sollte bei der Serie mit dem Arbeitstitel “W.” (bezieht sich auf den fiktiven bayrischen Ort “Woipating”) mal etwas herauskommen, schaue ich es mir aber gerne an – aber ich fordere natürlich jeden anderen auch gerne auf, mitzuschreiben.

Beteiligen könnt ihr euch auf dem Blog zum Projekt oder bei “Moviepilot”.

2. Fonotune

Mir schreibt Tobias Fleischer

Mit ein paar Kumpels aus Berlin haben wir seit einiger Zeit schon an unserem Film FONOTUNE gearbeitet, einem Independent-Science-Fiction/Arthouse-Film, der stark von japanischem Kino, Grafikdesign, Comics und Musik beeinflusst ist. Dahinter steht als kreativer Kopf hauptsächlich Fabian Huebner, der mit seiner Webserie Avant*garde schon sehr erfolgreich war.

Inzwischen haben wir auch ein paar richtig tolle Leute an Bord, u.a. ganz neu die Legende Guitar Wolf (“Wild Zero”). Und einen Großteil des Film haben wir bereits (selbstfinanziert) in Tokio und Berlin gedreht, aber zur Fertigstellung haben wir uns jetzt (auch wegen unseren eigenen hohen Qualitätsansprüchen) für eine Kickstarter-Kampagne entschieden:

Wir sind zwar schon recht erfolgreich gestartet, aber wir hoffen natürlich weiterhin auf rege Beteiligung und Unterstützung.

FONOTUNE sieht heiß aus. Irgendwo zwischen Anime und Alphaville, mit Endzeit-Gefühl und guter Musik. Die “Avant*garde”-Webserie kannte ich noch nicht, werde ich aber mal ansehen.

Hier ist der Trailer

Fonotune 「Teaser」 from Jon Britt on Vimeo.

Die Zusammenfassung:

Fonotune is an electric fairytale set during a single strange day in an undefined future. It follows the street hooker Stereo, the lo-fi cowboy Analog and the wordless drifter Mono on their odyssey through a weird world, as they deliver a cassette tape to a mysterious person. They have all kinds of strange encounters, but as mankind has grown indifferent to what’s happening around them, one major thing seems to have gone unnoticed: It’s the last day on earth.

In the final hours of this day, the protagonists break through the city wall and step onto the vast white desert plains, where they finally meet Blitz, the guy who wants the tapes. He turns out to be quite a character! But why on earth did he want those tapes?

Ich finde die Kickstarter-Perks etwas überteuert, aber sonst ist das Projekt sicher unterstützenswert.


Die Rubrik “Kostenlose Publicity” ist ein Versuch, mit freundlichen E-mails umzugehen. Bitte betrachtet sie nicht als Aufforderung, mir eure Projekte zu schicken.

Leiden für die Kunst (I)

Kein Hollywood-Film ohne Pressetour. Mehrere Tage in abgedunkelten Hotelzimmern sitzen, kein Tageslicht sehen, keine eigenen Entscheidungen treffen und in einem Interview nach dem anderen die immer gleichen Fragen beantworten. (Hier eine schöne Beschreibung des Prozesses von einem Kritiker, der sein erstes Drehbuch geschrieben hat). Dabei immer freundlich zu lächeln und zu winken ist schon schwer genug, aber das kann man gut bezahlten Hollywood-Stars schon mal abverlangen. Sie wollen ja, dass ihr Film Geld macht.

Ob sie jedoch wirklich auch noch Erniedrigungen wie die oben gezeigte (713.000 Abonnenten!) über sich ergehen lassen müssen, die hart an die Erfahrungen von Bill Murray in Lost in Translation erinnern, ist fraglich. Dagegen ist Tom Hanks mit lustiger Mütze in “Wetten, dass …?” ein Zuckerschlecken. Und weil ich diese Seite des Geschäfts faszinierend finde, werde ich unter dem Titel “Leiden für die Kunst” an dieser Stelle in loser Folge ähnliche Beweise sammeln und freue mich auch über Hinweise auf neue Exemplare.

(mit Dank an Sascha)

Stöckchen: Best Blog Award

Ich stecke blogtechnisch manchmal in einer gewissen Zwickmühle. Einerseits möchte ich den Aufbau einer Blogosphäre und den Austausch von Bloggern untereinander fördern, andererseits aber verfolge ich in mit meinem Blog einem irgendwie vage journalistischen Anspruch und versuche daraus, eben keine Ego-Show zu machen, die nur nach dem Prinzip “Ich finde xy gut/schlecht” funktioniert. Es sollte euch eigentlich egal sein, was mein Lieblingsfilm (2001: A Space Odyssey) oder mein Favorit unter den neuen amerikanischen Serien (Mad Men) ist, solange ihr euch an meinen Thesen und Argumenten reiben könnt und euch von mir informiert fühlt.

Die typischen Vernetzungs-Mechanismen von Blogs wie Blogparaden und Stöckchen aber stellen genau diesen Ich-Aspekt in den Vordergrund – und fühlen sich nicht zuletzt deswegen manchmal an, wie ein Relikt aus einem anderen, dem Livejournal-Zeitalter, als Blogs eben wirklich noch Online-Tagebücher waren und nicht einfach nur eine Publikationsform unter vielen. Darum habe mich ihnen bisher fast immer verweigert (genauso wie dem “Media Monday”, obwohl ich ihn bei anderen gerne lese).

Ein paar Ausnahmen gibt es: Ich habe mal an der This is How I Work-Parade teilgenommen und mir vor zwei Jahren mal den Luxus gegönnt, meine Medienkonsum-Gewohnheiten aufzuschreiben. Weil es in diesem Stöckchen auch hauptsächlich um die Beschreibung der eigenen Arbeit geht und ich hoffe, dass irgendjemand daraus tatsächlich einen Mehrwert ziehen könnte, und weil mich der Intergalactic Ape-Man so nett gefragt hat und mir schmeichelhafter Weise einen “Best Blog Award” verliehen hat, mache ich eine weitere Ausnahme.

Warum sollte man deinen Blog deiner Meinung nach lesen und welchen charakteristischen Artikel auf deinem Blog sollte unbedingt jeder kennen?

Ich habe mir die bewusste Aufgabe gestellt, mich von anderen Filmblogs zu unterscheiden, indem ich keine Kritiken schreibe. Das ist ganz praktisch, weil ich auch der Meinung bin, dass ich nicht gut darin bin, Kritiken zu schreiben. Stattdessen schreibe ich, wenn ich nicht gerade neue Formate ausprobiere, das, was im englischsprachigen Raum gerne “Thinkpieces” genannt wird, im Grunde kleine Essays, in denen ich eine These vertrete, die oft (fürchte ich) genauso viel über das Untersuchungsobjekt wie den Autoren aussagt. Das ist zum Teil auch etwas, was ich aus meiner Uni-Zeit behalten habe. Ich habe einfach sehr gerne Hausarbeiten geschrieben, mich auf einen Aspekt eines Werkes konzentriert und diesen in einen größeren Kontext gestellt. Und so gehe ich heute noch an Filme heran. Das Endergebnis kommt manchmal einer Kritik recht nahe, ist aber nie so konzipiert.

Man sollte mein Blog also lesen, wenn man bereit ist, meinen Blick auf die Filmwelt zu akzeptieren, das ist im Grunde der Blick eines Möchtegern-Medienwissenschaftlers. Der erste Artikel, in dem sich mein heute favorisiertes “Format” kristallisiert hatte, war meine Statt-Kritik zu The Perks of Being A Wallflower, “Die Annehmlichkeiten des Mauerblümchendaseins” im Oktober 2012. Ansonsten fällt mir immer wieder meine merkwürdige Rechtfertigung von Star Trek Into Darkness ein, in der sich viele meiner Obsessionen widerfinden. Der Artikel heißt “Star Trek Into Darkness ist eine faszinierende Studie des Butterfly Effects (und deswegen besser als ihr denkt)“.

Hast du deinen ersten veröffentlichten Artikel für deinen Blog geschrieben und wovon handelte er?

Mit Sicherheit nicht für mein Blog. Wahrscheinlich für eine Schülerzeitung, aber ich kann mich nicht genau dran erinnern. Mitte der 90er hatte ich bereits eine eigene Website und auch da habe ich schon Artikel und Kritiken geschrieben. Ich glaube meine erste war eine Krtik zu Lost in Space, dem gräßlichen Remake von 1998. Zum ersten Mal von einem “erwachsenen” Medium veröffentlicht wurde ich wohl 2003, als ich ein Praktikum beim “Wiesbadener Kurier” gemacht habe – in dem Artikel ging es um die Hitzewelle des Sommers.

Was motiviert dich, einen Blogpost zu schreiben und was hält dich davon ab?

Mich motiviert die Tatsache, dass ein einmal aufgeschriebener Artikel nicht mehr in meinem Kopf rumspukt und mich abends nicht einschlafen lässt. Und die Tatsache, dass ihn vielleicht jemand liest und sich dann damit auseinandersetzt. Abgehalten werde ich höchstens durch Alltagszwänge – ich habe ja schließlich auch ein Berufs- und ein Privatleben sowie ein paar andere Hobbies.

Was waren die letzten drei Themen, über die du einen Artikel schreiben wolltest, es aber nicht getan hast?

Noch nicht getan hast. Nach meiner Enttäuschung über Rush wollte ich etwas über Peter Morgan schreiben und warum ich seine Art, Realität zu dramatisieren (auch in The Queen und Frost/Nixon) unzureichend finde, aber die These hat sich in mir nicht genug verhärtet und dann war der Moment vorbei, wo der Artikel jemanden interessiert hätte. Ich hebe sie aber für seinen nächsten Film auf. Dann hatte ich irgendwann etwas über virtuelle Produktplatzierung gelesen und wollte der Absurdität dieses Begriffs nachgehen, habe es aber zeitlich nicht geschafft. Und ich hätte sehr gerne etwas über die Schrift im Bild von The Great Gatsby gemacht, die in der deutschen Fassung auch deutsch war. Mich hätte interessiert, wie die Firma, die das gemacht hat, gearbeitet hat – hat sie Fitzgeralds Sätze neu übersetzt oder eine existierende Übersetzung genommen? Wie sahen die unfertigen “Plates” aus, die sie von der VFX-Firma geliefert bekommen haben? Hat die deutsche Sprache ein anderes Arbeiten verlangt, oder ging es relativ einfach? Leider sind meine Recherchen, wer die Lokalisierung eigentlich vorgenommen hat, nach mehreren Kontakt-Versuchen immer irgendwo versandet.

Zu welcher Tageszeit und in welcher Stimmung schreibst du Blogposts und veröffentlichst du die dann auch gleich?

Ich schreibe dann, wenn ich nicht arbeiten muss. Das heißt unter der Woche abends und am Wochenende. Stimmungen können dafür unterschiedlich sein, aber wenn ich richtig schlecht drauf bin, lasse ich es eher. Meistens veröffentliche ich die Artikel sofort, außer es gibt irgendwelche dringenden Gründe (Presse-Embargos, zum Beispiel), die mich daran hindern. Ich bin schon recht eitel und möchte sofort sehen, welche Reaktionen kommen.

Was ist das Teuerste, worüber du gern schreiben würdest oder geschrieben hast?

Ich bin nicht so ganz sicher, wie das Wort “teuer” hier zu verstehen ist. “Teuer” im Sinne von “mir am Herzen liegend” wird es immer, wenn ich über Musik schreibe. Film liebe ich, aber mein Verhältnis dazu ist recht analytisch. Musik hingegen geht bei mir häufig direkt ins Herz, deswegen freue ich mich immer, wenn ich mal beides verbinden kann, wie bei meinem jüngsten Artikel über Moulin Rouge! oder über den “echten” Gesang im Film.

Wenn es um Geldwert geht, sind die Blockbuster, über die ich mit Vorliebe schreibe, sicher ganz vorne dabei. Etwas besonders teures, über das ich gerne mal schreiben würde, fällt mir spontan nicht ein.

Wenn du dir einen Interviewpartner aussuchen könntest, wer wäre es?

Lange Zeit wäre das Danny Boyle gewesen, über den ich mal promovieren wollte, aber Amy Raphael hat mir das mit ihrem tollen Interviewband dankenswerter Weise abgenommen. Heute würde ich mich natürlich am allerliebsten einmal ausführlich mit Kevin Feige, dem Präsidenten von Marvel Studios, unterhalten. Mich interessiert wirklich, wie er tickt und was ihn antreibt. Ich hoffe sehr, das sich die Gelegenheit zumindest für ein Kurzinterview eines Tages mal ergibt. Ganz abwegig ist das ja zum Glück nicht, wenn Marvel weiter Deutschlandpremieren veranstaltet.

Wie denkst du über Promoagenturen, Rezensionsexemplare und Sponsored Posts?

Da ich hauptberuflich PR-Arbeit mache, sehe ich das Ganze als ein Ökosystem, in dem sich einfach unterschiedliche Interessen professionalisiert haben. Im Idealfall funktioniert dieses Ökosystem zum Vorteil für alle. Obwohl es einen als Journalist oft stört, wenn man statt mit seinem eigentlichen Untersuchungsobjekt mit einer Agentur zu tun hat, kann man sich genauso häufig genau darüber glücklich schätzen, denn so wird man wenigstens professionell betreut und viele Dinge werden erst möglich gemacht.

Ich habe mich für mein Blog bisher noch entschieden, auf Promo-Aktionen und Sponsored Posts zu verzichten, weil ich mich nicht davon abhängig machen möchte. Ich denke immer wieder darüber nach, aber es ist mir im Moment noch wichtiger, für mein Schreiben wahrgenommen zu werden, als mit dem Blog Geld zu verdienen. Rezensionsexemplare nehme ich, aber nur wenn ich auch wirklich drüber schreiben will. Wie gesagt: ich will nicht, dass Abhängigkeiten entstehen, solange das hier nur Hobby, Spaß und Selbstverwirklichung und nicht Teil meines Jobs ist. Bei anderen stören mich all diese Dinge nicht, solange sie sich im Rahmen halten. Ich weiß ja in der Regel, was dahinter steckt.

Viele Blogs überleben die ersten zwei Jahre nicht, ein Großteil schläft nach ein paar Jahren ein. Wo siehst du deinen Blog bzw. deine Schreibtätigkeit in fünf, in zehn und in zwanzig Jahren?

Mein Blog ist in den fünf Jahren, die es jetzt existiert, stetig gewachsen und hat eigentlich vor anderthalb Jahren erst so richtig Fahrt aufgenommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das noch eine Weile so weitergeht – allerdings gibt es auch Dinge die dazwischen kommen könnten, etwa das Kind, das ich vielleicht irgendwann haben werde. Ich werde mit Sicherheit immer schreiben, vielleicht auch mal über andere Dinge als Film und Medien, und ich denke immer wieder darüber nach, auch mal wieder zu versuchen, es zu meinem Hauptberuf zu machen, aber derzeit ist mir das Risiko dafür zu hoch. Im Moment geht es mir mit “Real Virtuality” wirklich gut, aber es könnte auch nur eine Phase in meiner generellen Entwicklung als Autor sein. In zwanzig Jahren bin ich 51. Ob es dann noch Blogs gibt, wir uns längst alle Gedanken gegenseitig direkt in die Köpfe beamen oder in einer post-apokalyptischen Wüste Jagd auf mutierte Kaninchen machen, wer kann das schon sagen?

Wieviel Zeit verbringst du im Internet und würdest du dich als abhängig bezeichnen?

Ich bin, seit ich ein Smartphone besitze, eigentlich immer online. Mein Beruf hat mit Internet zu tun, also verbringe ich sicher gute acht bis zehn Stunden täglich aktiv im Netz. Abhängig fühle mich nicht. Mir fehlt nichts, wenn ich kein Internet habe, solange ich Ersatz habe für die Informationen und die Kommunikation, die dort stattfindet – also zum Beispiel Freunde und Bücher oder Filme. Aber ich bin sicherlich insofern abhängig als dass ich für viele Alltagsaufgaben aufs Netz angewiesen bin und sie neu konstruieren müsste, wenn es wegfiele.

Was bewegt dich derzeit am meisten und warum?

Es gibt viele verschiedene Wege auf diese Frage zu antworten, aber ich will nicht zu privat werden. Also bleibe ich mal dabei, dass mich interessenstechnisch nach wie vor die verschiedenen Aspekte meines geplanten Buchprojekts “Continuity” umtreiben. So sehr, dass mich bestimmte Filme inzwischen fast mehr aufgrund des Drumherums interessieren, als wegen ihres Inhalts (so geschehen bei The Amazing Spider-Man 2). Ich finde das besorgniserregend und hoffe, dass ich den Dämon bald bannen kann, indem ich tatsächlich mal mit dem Schreiben anfange. Außerdem: Die Gefühle von Zugehörigkeit und Gemeinschaft, über die ich gerade mit Blick auf die re:publica geschrieben habe beschäftigen mich weiterhin, vielleicht weil ich mich selbst zurzeit auch ein bisschen neu verorte und sich in einem guten Jahr sowieso wieder viele Achsen in meinem Leben neu ausrichten werden.

Zu Blog-Stöckchen gehört es eigentlich, das man sie weiterwirft und neue Mitmacher nominiert. Hier sollen es elf sein, die man für unterrepräsentiert hält, und elf neue Fragen. Mir fällt aber niemand ein, den ich nominieren könnte, der/die nicht a) schon nominiert wurde und von dem ich b) glaube, dass er/sie mitmachen würde. Daher belasse ich es mal dabei, es haben ja auch schon fast alle teilgenommen.

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