Unsortierte Gedanken #12: Drei Facetten von Immersion

In der taz ist am 1. August ein Text von mir erschienen, in dem ich beschreibe und reflektiere, wie ich angefangen habe, mit meinem Kind gemeinsam zu larpen. Wir machen das beim Verein Spektakulus in Niedersachsen, der LARPs speziell für Kinder anbietet, in denen die Erwachsenen die NSCs sind. Im Artikel geht es also auch darum, was diese Fokus-Verschiebung mit den Erwachsenen macht.

Der Artikel steht als Meilenstein eines längeren Prozesses, in dem ich neu angefangen habe, mich wieder in (Live-)Rollenspiele einzudenken, und der im letzten Frühjahr begonnen hat, wie man im Blog nachlesen kann. Ich habe regelmäßig die Zeitschrift LARPzeit gelesen sowie ein paar Grundsatztexte, die mir das LLM empfohlen hat, und ich habe den exzellenten Podcast Spielend Subversiv von Lena Falkenhagen und Marina Weisband gehört, der LARP-Themen auf hohem Niveau bespricht.

Der ursprüngliche Kerngedanke des Artikels im Gespräch mit meinem Redakteur war: Hier machen Erwachsene etwas gemeinsam mit Kindern, in dem Kinder normalerweise besser sind – nämlich das, was im Englischen “pretend play” heißt, also “so tun als ob”. In meinem Fall trifft das, wie auch im Artikel steht, zu hundert Prozent zu. Mein Kind versinkt im Charakter, ich schaue uns beiden von außen zu. Obwohl ich lange Theater gespielt habe, larpe seit ich 16 bin und mich regelmäßig mit immersiven Medien wie VR beschäftige, bin ich selbst überhaupt nicht gut darin, mich in etwas zu verlieren. 

Zum Glück habe ich bei Spielend Subversiv gelernt, dass Immersion auch nur für einen Teil der Larper:innen tatsächlich das Ziel ist und zum Beispiel Lena Falkenhagen auch keine immersive Spielerin ist. Sie verfolgt stattdessen das Ziel, die Immersion möglichst für andere zu schaffen. Ich fahre Anfang September das nächste Mal auf ein LARP und gehe auf jeden Fall mit einem ganzen Rucksack voll neuer Ideen und Ansätze rein, die ich hoffentlich zum Teil auch umsetzen kann.

Übrigens ist der taz-Text insgesamt erfreulich gut angekommen. So gut sogar, dass ich eingeladen worden bin, zum Thema LARP am 28. August in Hildesheim beim Reporter Slam teilzunehmen. Ich bin sehr gespannt und hoffe, ich kann was Gutes draus machen.

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In meinem Urlaub ist es mir nach vielen Jahren endlich gelungen, die Phantastische Bibliothek in Wetzlar zu besuchen. Dort lagern über 330.000 Bücher aus den Bereichen Fantasy, Science-Fiction und Horror sowie angrenzenden Genres, die man auch fast alle ausleihen kann. Ich wurde sehr freundlich begrüßt, bekam direkt am Tresen eine kleine Einführung und konnte mir dann eine knappe Stunde selbst den Bestand anschauen.

Ich kämpfe ein wenig damit, in Worte zu fassen, was mich an der Phantastischen Bibliothek so fasziniert. Die Bibliothek als solche ist in der Phantastik traditionell ein aufgeladener Ort. Selbstverständlich schreiben Autor:innen gerne mit Verve über die Orte, die ihnen vermutlich selbst einmal sehr wichtig waren. Ich denke sofort an die Bibliothek von Babel bei Jorge Luis Borges, an die Bibliothek und den Bibliothekar der Unseen University bei Terry Pratchett, die Stadt der Träumenden Bücher von Walter Moers, aber auch an die endlosen virtuellen Bibliotheken und Datensammlungen aus der Science-Fiction. Alles irgendwie mythische Orte, an denen nichts so ist, wie es scheint; wo große Geheimnisse und Abenteuer schlummern.

In gewisser Weise ist die Phantastische Bibliothek natürlich so ein Ort. Wer im richtigen Alter ist, findet hier einen nicht enden wollenden Schatz an Geschichten und Abzweigungen zu neuen Geschichten. Aber sie ist gleichzeitig auch einfach eine städtische Bibliothek, in der es ein bisschen muffig riecht, und in der viele ausgeblichene Taschenbücher aus den 90ern stehen, die auf mich heute einen etwas wunderlichen Eindruck machen, weil sie auch im Cover-Design nicht so schrecklich gut gealtert sind.

Ich musste erneut an Die unendliche Geschichte denken, die etwa zur gleichen Zeit entstanden ist wie die Phantastische Bibliothek, und die für mich den zentralen Widerspruch der Phantastik auch aus meiner Kindheit abbildet: Phantásien, die Welt aus der Unendlichen Geschichte ist ein wunderbarer Ort, an dem alles möglich ist und die kuriosesten Dinge passieren. Aber er ist das Fantasiegebilde eines nerdigen Jungen, der auf einer staubigen Turnmatte im schlecht beleuchteten Speicher seiner Schule liegt und liest. Die wichtigen Orte der Phantastik enthalten zu einem gewissen Grad immer beides. Wären sie nur perfekt immersive Erlebnisse wie Disneyland, würde ihnen etwas fehlen: die Menschen, die dahinter stehen und die sich die ganzen phantastischen Welten erst ausdenken.

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Regelmäßige Leser:innen meiner Blogs wissen um meine komplizierte Beziehung zu elektronischer Musik. Während ich als Tween sehr gerne Eurodance gehört und generell noch ein Gefühl von “Techno als Musik der Zukunft” gepflegt habe, wurde ich Ende der 90er zeitweilig zum Rockisten und verpasste somit genau die Zeit, in der ich jung und ausdauernd auf Techno-Partys hätte gehen können. Über die Jahre jedoch ist mein Interesse an Techno und seinen diversen Genres wieder erwacht – weil ich in Berlin lebe, weil ich Bücher gelesen habe, weil ich einige Leute kenne, die mit Clubkultur groß geworden sind oder sogar selbst auflegen.

Musik ist immer der eine Space gewesen, in dem mir das “sich selbst verlieren” tatsächlich gelingt. Ich habe mich selten so frei von störenden Gedanken gefühlt, wie am Schlagzeug, beim gemeinsamen Spielen mit anderen. Und das ist es auch, was mich immer am meisten an Techno und Clubkultur fasziniert hat: das Ziel, tanzen zu gehen weniger um gezielt Songs zu hören und sich dazu zu bewegen, sondern um hypnotisiert zu werden und sich selbst im stetigen Wummern der Bässe und im Wogen der Körper zu vergessen.

Vor kurzem habe ich mir ein Herz gefasst und bin endlich mal ordentlich auf eine Technoparty gegangen (es gab verschiedene Versuche vorher, über die ich besser den Mantel des Schweigens breite). Über eine Anzeige war ich auf die Reihe “Feiern wie früher … nur früher” gestoßen, die sich gezielt an ein älteres Publikum richtet, das keinen Bock mehr hat, erst um 1 Uhr den Club zu betreten. Die Party im Berliner Lokschuppen ging von 16 bis 22 Uhr. Das erschien mir übersichtlich.

Ich hatte nicht ganz damit gerechnet, dass die gesamte Veranstaltung einen so starken 90er-Vibe haben würde. Vor allem die Musikauswahl mit hoher BPM-Zahl und sägenden Synthies roch schwer nach Love Parade 1999. Das Publikum war vielfach noch älter als ich und größtenteils entspannt, mit Ausnahme von zwei immer betrunkener werdenden Männern, die allen auf die Nerven gingen. Ich war schwer beeindruckt von den DJ-Künsten von Anna Reusch, deren Set von Anfang an enorme Energie aufbaute und perfekte Dramaturgie lieferte. Dass sie unironisch das zum Meme gewordene “Sandstorm” von Darude spielen konnte und dafür beglücktes Johlen aus dem Publikum erntete, hat mich besonders gefreut.

Mir ist klar, dass ausgerechnet diese Party wohl kaum als Prototyp für heutige Clubkultur taugt, aber ich war doch von einigen Dingen überrascht. Etwa, dass die versammelte Gästeschar sich auf das DJ-Pult ausgerichtet tanzte und jeden Drop gemeinsam aufbaute und feierte, wie bei einem Konzert. Eine Entwicklung der letzten 20 Jahre, wie mir Eingeweihte verraten haben.

Das Schönste war aber, dass es tatsächlich geklappt hat, mich wie erhofft in Musik und Bewegung zu verlieren. Nicht von Anfang an, nicht durchgängig und nicht mit Plan, logischerweise. Aber zeitweise. Und das war dann doch ziemlich cool. Bis dann der Gedanke “Merk dir diesen Moment!” wieder dazwischenschoss. Danke auch, Hirn.

MetropolCon: SF-Fandom und unterschiedliche Zugänge zu Literatur

Am 4. Juli war ich zum ersten Mal auf einer Science-Fiction-Convention. Die MetropolCon fand nach 2023 zum zweiten Mal hier in Berlin statt und bot vier Tage lang Talks, Stände und Gemeinschaft im Silent Green Kulturquartier. Ich hatte leider nur einen Tag Zeit vorbeizuschauen.

Was ich vorher nicht wusste: Die MetropolCon war diesmal auch gleichzeitig die EuroCon, also die Dach-Convention der Europäischen Science-Fiction-Society, die jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt stattfindet – nächstes Jahr zum Beispiel in Lissabon. Das Publikum war entsprechend international, viele Talks waren auf Englisch und – wenn ich das aus Gesprächen korrekt abgeleitet habe – alles war ein bisschen größer als beim letzten Mal.

Der Besuch der MetropolCon hat bei mir einige Gedanken in Gang gesetzt, die ich laut nachdenkend in diesem Post versuchen will zu ordnen. Sie berühren Themen, um die ich seit vielen Jahren kreise, die mit Fandom, Subkulturen und Gemeinschaften, aber auch mit Phantastik allgemein, meinem Leben und seinen Einflüssen und meinem immer wieder formulierten persönlichen Anspruch an das Sprechen und Schreiben über Kultur zu tun haben.

Die organisierte Szene

Ich habe sie immer wieder aus dem Augenwinkel wahrgenommen, aber nie im Detail erforscht: Das, was ich die “organisierte” Phantastik-Szene in Deutschland nenne. Darunter verstehe ich das lose Konglomerat aus Clubs (wie dem Science-Fiction-Club Deutschland), Zeitschriften (wobei ich Nautilus zu Printzeiten lange und Geek! auch eine Weile gelesen (und beobachtet) habe), Preisen (wie dem Seraph und dem Kurd-Laßwitz-Preis), Bestenlisten, Kleinverlagen und eben Conventions – Cons – in dem sich Phantastik-Fans bewegen können, die sich explizit auch so nennen möchten. Für mich hat diese Szene merkwürdigerweise immer wenig Zugänglichkeit und viel Spießigkeit und  “Vereinsmeierei” ausgestrahlt, ein eher altmodisches Bild von Phantastik (das ich in Deutschland vor allem mit Perry Rhodan verknüpfe) und das typische Gatekeeping, das Nerds ja traditionell gerne betreiben.

Ich kann nicht sagen, ob dieses Gefühl jemals berechtigt war – es ist mindestens 20 Jahre alt – und sich einfach viel verändert hat, weil die gesamte Phantastik-Szene offener, queerer und progressiver geworden ist, oder ob es immer schon ein typisches Vorurteil ward. Auf der MetropolCon hat es sich jedenfalls nicht bestätigt. Auch wenn man für die Con keine Tickets sondern nur “Memberships” kaufen konnte und die “Institutionen” der Szene alle mit Ständen oder Panels vertreten waren – sämtliche Leute, die ich angesprochen habe, waren offen, freundlich und für Gespräche zu haben. 

Traditionen

Geduldig haben Sie mir alles erklärt, was die Szene eben doch noch an Traditionen pflegt: WorldCons gibt es seit 1939 (!!!), EuroCons seit 1972. Die “Members” der Cons wählen teilweise selbst, wo die nächsten Austragungsorte sein sollen. Seinen Support für bestimmte Ideen und Conventions zeigt man mit Badge Ribbons. Zeitschriften wie Phantastisch! und Exodus sind nach wie vor wichtiger Publikationsort für Kurzgeschichten, wobei mir eine Person am Exodus-Stand verriet, dass in der Szene das alte Bonmot gelte, es gäbe mehr Autor:innen als Leser:innen.

In dieser Aussage liegt eine wichtige Wahrheit verborgen, die ich auf der MetropolCon auch live beobachten konnte: Autor:innen sind hier nicht nur Gäste, sondern (wenn sie möchten) auch selbstverständlicher Teil der Community. Überhaupt gehört es fast zur Normalität, dass man viele Hüte aufhat, gleichzeitig Fan und Autor:in, Verleger:in und Con-Organisator:in ist. Die Szene lebt von Leidenschaft und Engagement. Ehrengästin Becky Chambers mag in einem Moment auf der Bühne sitzen und zu ihren Bestsellern interviewt werden. Sie rauscht aber danach nicht ab, sondern sitzt beim nächsten Panel selbst im Publikum. Eigentlich ist es gar nicht so viel anders, als auf einer re:publica. Aber es ist eben wie jede Szene eine Subkultur mit eigenen Codes, kollektiven Erinnerungen und Legenden, an denen man erst richtig teilhaben kann, wenn man länger dabei ist.

Ein gemeinschaftlicher Zugang

Dennoch ergibt sich aus genau der Struktur und Geschichte der Szene meiner Ansicht nach ein Zugang zu Literatur und Kultur, den ich interessant finde, aber zu dem ich wahrscheinlich immer eine gewisse Distanz haben werde. Es ist, soweit ich das herauspuzzeln konnte, ein sehr gemeinschaftlicher Zugang, der von viel Spezialwissen lebt.

Mir bekannt waren vorher grundsätzlich drei Zugänge: Erstens der akademische Zugang, der sich bemüht, in seiner Auseinandersetzung neue Erkenntnisse zu Tage zu fördern, neue Ideen zu entwickeln, meistens basierend auf anderen Ideen, die andere Akademiker:innen zuvor hatten. Meist ist es ein sehr enger, aber dafür tiefer Zugang.

Zweitens der journalistische und/oder feuilletonistisch-kritische Zugang. Weniger tief, für ein Publikum geschrieben, das im Zweifelsfall nicht viel Vorwissen mitbringt, aber dafür mit weitem Blick auf den Zeitgeist und andere Trends, die gerade in der Luft liegen. Es dürfte keine Überraschung sein, dass dies mein Lieblingszugang ist, wobei ich gute akademische Texte als Grundlage dafür auch sehr schätze.

Drittens der Fan-Zugang, wie ich ihn bisher kannte, und wie man ihn vor allem bei großen Medien-Franchises antrifft. Dieser Zugang ist leider eng mit dem Kapitalismus verknüpft, woraus eine Spannung aus Passivität (Ich muss nehmen, was ich bekomme) und Anspruchsdenken (Ich habe ein Recht auf meine Wunschversion) entsteht. Natürlich muss das nicht so sein – es gibt eine große transformative Fan-Szene von Cosplay bis Fanfic – aber der Konflikt ist im Machtungleichgewicht der Produzent:innen und Konsument:innen prinzipiell angelegt.

Erlaubt ist, was sich richtig anfühlt

Was aber, wenn – wie beschrieben – Produzent:innen und Konsument:innen von vornherein gar nicht so viel unterscheidet? Wenn sich beide zumindest vage in den gleichen Netzwerkstrukturen bewegen, die außerdem noch historisch immer abseits des Mainstreams gestanden haben. Dann entsteht ein weiterer Zugang, der vor allem im Austausch von persönlichen Eindrücken entsteht. Es gibt keine strenge externe Instanz (akademische Disziplin, Medium, IP-Halter), die über die Qualität des Zugangs wacht. Erlaubt ist, was sich richtig anfühlt. Und richtig fühlt sich an, was mit dem größten Teil des eigenen Vorwissens und dem Wissen der Gemeinschaft resoniert.

Positiv bedeutet das, dass man sich genauso tief in ein Thema eingraben und Erstaunliches zutage fördern kann wie jemand, der sich akademisch damit auseinandersetzt. Oder dass man eine eklektische Mischung aus Interessen einbringen kann, um sich einen ganz neuen Zugang zu einem Thema zu suchen. Oder dass man sein Feld von vielen verschiedenen Seiten kennenlernt – als Leser:in genauso wie als Autor:in oder Verleger:in.

Auf der anderen Seite heißt es aber auch, dass es wenig Kontrolle gibt. Dass es keinen Standard an Vorwissen oder Fähigkeit gibt, den man erfüllen muss, um mitzumachen. Oder sogar: dass die enge Verflechtung und das Engagement der Szene dazu führt, dass man im Zweifelsfall lieber unkritischer ist, weil man niemanden verprellen möchte. Es geht weniger darum, Urteile zu fällen, als einen gemeinsamen, partizipativen Gesprächsraum zu eröffnen.

Terror and Wonder

Ein Panel hat mir das auf der MetropolCon deutlich gezeigt. Bei “Terror and wonder – Michael Ende’s The Neverending Story” saßen vier Personen auf der Bühne, die alle – wie ich – große Fans von Michael Endes wegweisendem Roman sind. Ich hatte mir neue Erkenntnisse und Perspektiven versprochen, aber die vier hatten sich kaum vorbereitet, sie hatten keine Ideen dabei, die sie einbringen wollten und hatten sich auch nicht mit der Geschichte der Entstehung des Buchs beschäftigt. Die Begeisterung und Liebe für das Werk war ihnen genug. Und tatsächlich entstand auch gerade im Austausch mit dem Publikum am Ende eine wohlige Wertschätzungs-Session, die vor allem durch die internationale Zusammensetzung eine besondere Qualität hatte.

Nun mag dieses Panel ein extremer Ausreißer gewesen sein. Ich war ja wirklich nur einen Tag da. Aber ich meine, auch in einigen anderen Talks eine ähnliche Mischung aus Leidenschaft und Selbstvergessenheit wahrgenommen zu haben, wie sie einfach typisch für Amateure (nicht Laien!) ist. Manchmal konnte ich mich davon mitnehmen und tragen lassen, manchmal wünschte sich mein Journalistenherz mehr Struktur und Ordnung. Am wertvollsten fand ich die Con dort, wo sie nicht nur in der reinen Innenperspektive blieb, sondern eine Außenperspektive hinzukam. Etwa im Panel “Quo Vadis, Cyberpunk: Sind wir schon da?” in dem die Medientheorie-Professorin Jiré Gözen zwei Autor:innen, Tom Hillenbrand und Svenja Knisel, interviewte. Nicht wenige Fans sind sowieso Fans und Wissenschaftler:innen, genau wie Henry Jenkins (“Aca-Fan”), dessen Geist ohnehin über diesem Text schwebt.

Beobachter-Teilnehmer

Und damit stehe ich nach sehr viel geschriebenen Zeichen eigentlich wieder am Anfang des Textes. Ich merke, dass ich ganz persönlich, wie so oft bei diesem Thema, innerlich gespalten bin. Einerseits wäre ich gerne länger geblieben und hätte das Gesamtgefühl einfach mehr genossen. Andererseits bleibe ich auch diesmal wieder lieber in der Rolle des Beobachter-Teilnehmers, der aus dem Zirkel hinein- und hinaustreten kann, wie er möchte.

Auf jeden Fall aber werde ich dieser Szene noch eine Weile nachspüren. Vielleicht auf Cons, auf jeden Fall aber bei Lesungen im Otherland und nächste Woche endlich mal in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar.

Ich fand dieses Podcast-Gespräch mit Con-Chefin Claudia Rapp als Hintergrund ergänzend sehr interessant.

Unsortierte Gedanken #9: Nils Westerboer, Keine Dystopie, Millennial Music

Ich habe jetzt zwei Bücher des deutschen Science-Fiction-Autors Nils Westerboer gelesen. Sein jüngstes, Lyneham, wurde mir vom Buchladen meines Vertrauens so lange angepriesen, bis ich nachgegeben habe. Und noch während ich dabei war, es zu lesen, kam die Ankündigung, dass David Wnendt den Roman Athos 2643, den Vorläufer von Lyneham, verfilmt hat, also musste ich den natürlich auch noch lesen.

Westerboer schreibt sehr gute Science-Fiction-Romane. Verkopft, zwar, aber mit dreidimensionalen Charakteren, eingebettet in glaubwürdiges und dennoch immer leicht ungreifbares Zukunfts-Worldbuilding. Westerboer ist im Hauptberuf Lehrer an einer progressiven Schule in Jena und hat sowohl Film- und Medienwissenschaft als auch Germanistik und evangelische Theologie studiert, wirkt also fast ein bisschen, als wäre er in einem Reagenzglas gezüchtet worden, um zu mir zu passen.

Athos 2643 ist ein wirklich guter Roman über Mensch-Maschine-Interaktion, über unsere Zuschreibungen von Persönlichkeit an Künstliche Intelligenzen und darüber, was uns dennoch unterscheidet – verpackt in einen spannenden Krimi. Lyneham ist ein Buch über Eltern, Kinder und Terraforming, das mich ebenso gefesselt hat.

Wenn ich eine Kritik an Westerboers Schreiben habe, dann dass seine Bücher auf mich sehr bewusst geplottet wirken. Lyneham ist auf zwei Zeitebenen erzählt und hat mich wahnsinnig gemacht mit dem Vorenthalten von Informationen. Athos 2643 hat nach zwei Dritteln der Handlung einen dieser typischen Thriller-Twists, der einen alles Vorherige neu bewerten lässt. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich von Autor:innen so manipuliert werde, pendle ich immer zwischen Anerkennung und Wut. Und es hat mich gewundert, dass Westerboer nach eigener Aussage eher jemand ist, der einfach anfängt zu schreiben. Wobei er gleichzeitig zu seinen Romanen immer tolle Making-Of-Collagen veröffentlicht, die seinen Prozess und seine Inspiration zeigen.

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Wenn über unsere Gegenwart gesprochen wird, höre ich immer wieder das Wort “Dystopie” und “dystopisch”, zuletzt von Sascha Lobo und in einem Deutschlandfunk-Feature, und es nervt mich kolossal. Die Bezeichnung impliziert, dass wir schon an irgendeiner Art von Endpunkt angelangt sind, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

Wer die Jetztzeit bereits als dystopisch betrachtet, hat sich nach meinem Empfinden wenig mit Dystopien auseinandergesetzt und legt auch eine erstaunliche Geschichtsvergessenheit an den Tag. Noch ist die Klimakatastrophe nicht eingetreten, noch haben Faschisten nicht überall die absolute Herrschaft übernommen und noch beherrschen wir die Technologie, die wir geschaffen haben, und nicht umgekehrt. Wenn ein bisschen schlechtes Wetter, gemeine Umfragewerte, leicht verteuertes Benzin und etwas zu viel Doomscrolling für Leute schon “Dystopie” sagt, was machen die eigentlich, wenn wirklich ein Krieg auch in Deutschland stattfindet (wie ihn meine Großeltern noch erlebt haben) oder diverse Klima-Kipppunkte erreicht werden? Können wir mal mit diesem vorauseilenden Gehorsam aufhören?

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Ich habe lange nicht mehr aufgeschrieben, wo ich außerhalb dieses Blogs unterwegs war. Es ist schon ewig her, dass ich mit Sascha im PewCast zu 28 Years Later: The Bone Temple gesprochen habe. Und im März war ich endlich mal im Podcast Tasty MTG meiner beiden Magic-Buddies Martin und Geis zu Gast und habe über das Magic x Teenage Mutant Ninja Turtles Crossover und meine eigenen Turtles-Kindheitserinnerungen gesprochen.

Meine Blogosphären-Präsenz auf der re:publica hat dazu geführt, dass ich zur Abschlussrunde bei Töne Texte Bilder eingeladen wurde. Und am letzten Wochenende ist ein erster Text von mir in der gedruckten taz erschienen, übrigens die Extrapolation eines Absatzes aus meinem KI-Nutzungs-Artikel hier im Blog.

Gerade in Podcasts lasse ich mich übrigens immer gerne einladen. Schreibt mir einfach.

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Ich fahre kommendes Wochenende nach Wiesbaden zu einem Treffen meines Abi-Jahrgangs zum 25. Jahrestag unseres Abiturs. Die meisten der Leute, die dort kommen, habe ich mindestens seit 15, einige wahrscheinlich sogar wirklich seit 25 Jahren nicht mehr gesehen. Der Song, den ich am meisten mit unseren Abi-Feierlichkeiten 2001 verbinde, ist “One More Time” von Daft Punk. Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie ich im Party-Teil des Abiballs in den Morgenstunden mit meinen Jahrgangskamerad:innen dazu getanzt habe. Die Jungs hatten ihre Sakkos und die Mädchen ihre hohen Schuhe ausgezogen, und dann gab es so einen “Erinnerungs-Festhalte-Platte-Spring”-Moment in meinem Kopf wie am Ende von Absolute Beginner.

Ich erzähle das, weil NPR Music gerade in einem Podcast über den “defining Millennial Song” gesprochen hat. Ich bin Jahrgang 1983, also am älteren Rand der Millennial-Generation und merke immer wieder, dass es mir schwer fällt, mich dieser Generation wirklich zuzuordnen. Viele meiner prägendsten kulturellen Erlebnisse stammen genau aus der Zeit knapp vor 9/11. Als die Dinge passierten, über die Hazel Cills und Sheldon Pearce im Podcast sprechen – Cringe, Emo, Finanzkrise, iTunes-Hits, YouTube, EDM – war ich mit dem Studium quasi schon fertig. Gleichzeitig bin ich nicht alt genug, um so richtig den Generation-X-Moment in den 90ern mitgenommen zu haben, den ich ja auch für prägend für die Blogosphäre halte.

Was mir noch aufgefallen ist: Die bei NPR geschilderten Erfahrungen sind trotz des Claims der “ersten globalen Generation” ziemlich amerikanisch! EDM war in Europa schon längst passé als es in den USA groß wurde, die Finanzkrise kam hier anders an, und Hot Topic haben wir hier gar nicht.

Außer “Elder Millennial” gibt es für meine Mikro-Alterskohorte auch den Begriff X-Ennial, dem ich mich am ehesten zugehörig fühle. Und eine Musik, die sehr gut zu uns passt, hat der Creator David Percy vor kurzem als “Matrix Music” bezeichnet, also Musik, die im Film The Matrix laufen könnte, den ich für einen definitiven Text der Xennials halte. Darin steckt sowohl 90er-Electronica wie The Prodigy oder The Chemical Brothers, als auch späte Grunge-Ausläufer und Brit Pop. Das ist Musik, die ich damals selbst kaum gehört habe, bei denen ich aber wirklich das Gefühl habe, sie haben sich in mich eingeschrieben.

In London hatte ich die Gelegenheit, die sehr tolle Ausstellung “The Music is Black” im frisch eröffneten V&A East Museum zu sehen, und das Erleben dort passt wiederum sehr zum Gefühl der europäischen Perspektive, die immer anders ist, als die amerikanische. Beim Durchwandern der Ausstellung habe ich mich mit viel Freude an Schwarze britische Artists erinnert, die ich schon in meiner Jugend gefeiert habe, und die ebenfalls sehr gut Matrix Music sein könnten, allen voran Massive Attack und Skunk Anansie.

Foto von Patrick Perkins auf Unsplash

Unsortierte Gedanken #7: Hyperinterpretation, Fortsetzungen, James Camerons Epic-Fantasy-Erbe

Das erste Buch, was ich im neuen Jahr gelesen habe, ist Annekathrin Kohouts Hyperreaktiv – Wie in sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft wird, und ich fand es ziemlich gut. Nicht alles, was darinsteht, ist völlig neu oder klar mit Daten belegbar, aber Kohout entwickelt ein Konzept sehr ausführlich, das ich überzeugend fand. Sie nennt es “Hyperinterpretation”.

In einer Social-Media-Welt, die User durch ihre Aufmerksamkeitsmechanismen zum Reagieren auf Ereignisse zu zwingen scheint, ist die Hyperinterpretation eine besonders perfide Art der Reaktion. Sie kapriziert sich strategisch auf einzelne Aspekte von Bildern oder Ereignissen, dekontextualisiert sie und setzt sie in Windeseile in neue Zusammenhänge, garniert mit historischen Referenzen und wissenschaftlich erscheinenden Daten. Dafür sammelt sie Beifall aus der Followerschaft ein, und bald schon hat die hyperinterpretierte Reaktion in Reichweite und Auslegung das Ursprungsereignis überholt.

“Was einst als Ideal der kritischen Medienrezeption galt – die aufmerksame Analyse von Inhalten, das Hinterfragen von Motiven –, hat sich in ein zynisches ‘Alles-Durchschauen’ transformiert. Der kritische Impuls, der im Idealfall auf Emanzipation zielt, wird in der Hyperinterpretation zu einem Instrument der Machtausübung pervertiert.”

Wie Kohout darlegt, wird dieses Mittel sowohl von rechts als auch von links eingesetzt – ihr zufolge mit unterschiedlichen Motivationen (Zynismus und Moralismus). Es ist mir in Internet-Diskursen schon öfter aufgefallen und sauer aufgestoßen. Da ich nicht so viel in rechten Bubbles unterwegs bin, ist es mir stärker von links begegnet, oft in einer Haltung von “Natürlich spricht natürlich wieder niemand darüber, wie PROBLEMATISCH das ist – educate yourself!” Selbst wenn es wahr ist, dass dahinter oft ein echter, moralisch getriebener Aufklärungswille steckt, ist es dennoch eine auf maximale Empörung optimierte Reduzierung.

Kohout beschreibt, dass sich auch Journalist:innen oft in die hyperinterpretative Logik treiben lassen und regt am Ende dazu an, dem Drang zu widerstehen, selbst auf alles reagieren zu müssen. Das kann ich nur unterschreiben.

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Im Dezember habe ich William Gibsons zweite Romantrilogie, die sogenannte “Bridge-Trilogie” (Virtual Light, Idoru, All Tomorrow’s Parties) aus den 1990ern beendet, und ich habe mich gefreut, dass er darin wieder die Sequel-Logik einsetzt, die ich schon an seiner “Sprawl-Trilogie” bewundert habe. Jedes der Bücher steht für sich, auch wenn einzelne Figuren und Hintergrund-Stränge sich hindurchziehen.

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A propos Fortsetzungen: Seit den 2010er Jahren begleite ich hier im Blog die diversen Verrenkungen Hollywoods beim Am-Leben-erhalten erfolgreicher “Intellectual Properties” mit immer neuen Filmen und Serien. Mein Lieblings-Film-YouTuber Patrick Willems hat sich dem Thema in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ausführlich gewidmet. Warmgelaufen hat er sich mit einem Video zum James-Bond-Franchise im August, aber besonders gut fand ich seine zwei Videos zu “Legacy Sequels” im November und Dezember.

Legacy Sequels – Fortsetzungen, die viele Jahre nach dem Original unter Mitwirkung der gealterten Schauspieler:innen entstehen –  folgen einer bestimmten Formel. Sie versuchen, gleichzeitig die Nostalgie der Fans am Ursprungswerk zu bedienen und eine neue Generation an Protagonisten zu etablieren, die das Franchise fortsetzen können. Meistens klappt das nur mittelmäßig.

Willems dröselt in seinen Videos sehr gut auf, wie es überhaupt dazu kam, dass dieses Format so populär wurde, und welche Auswüchse es inzwischen angenommen hat. Dass er T2 Trainspotting als positives Gegenbeispiel nennt, hat mich dann natürlich endgültig überzeugt.

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In der jüngsten Ausgabe des Slate Culture Gabfest debattiert die Kritiker:innen-Crew mal wieder das alte und beliebte Thema, ob die Avatar-Filme von James Cameron einen kulturellen Fußabdruck hinterlassen haben. Die Argumente sind alle nicht neu – die Filme sind visuelle Spektakel, es fehlt ihnen aber an originellen narrativen Ideen und erinnerungswürdigen Charakteren, die sie über den Kinobesuch hinaus relevant erscheinen lassen. Michael Schulman vom New Yorker vergleicht sie mit Planetariums-Shows, was ich einen guten Vergleich finde.

Nachdem ich Fire and Ash, den jüngsten Avatar-Teil gesehen hatte, war mir ein anderer Vergleich in den Kopf geschossen, den ich auch auf Letterboxd festgehalten hatte: Fantasy-Buchzyklen aus den 90er Jahren. Meine erste Referenz ist natürlich Robert Jordans The Wheel of Time, aber ich erinnere mich auch an Tad Williams’ Memory, Sorrow and Thorn und Terry Goodkinds The Sword of Shanarra. Viele habe ich auch nie gelesen, etwa von Robin Hobb oder Kate Elliott (oder auch A Game of Thrones, das 1999 erschien), aber die Art von Buch hat mich geprägt.

Die Merkmale waren immer ähnlich. Die Bücher waren dick (600+ Seiten). Sie standen nie für sich allein. Während man drinsteckte, fühlten sie sich toll an. Ihr Worldbuilding setzte ähnliche Bausteine (jugendliche Helden, alte Prophezeiungen, magische Sekten, legendäre Waffen) immer neu zusammen, ihre Plots bewegten sich oft in Gletschergeschwindigkeit vorwärts, und letztendlich waren sie ziemlich austauschbar – obwohl kommerziell durchaus erfolgreich. Und da die 90er eine andere Zeit waren, sind viele der Tropes des Genres aus heutiger Sicht nicht gut gealtert, gerade wenn es um Geschlechterbilder oder die Darstellung von “exotischen” Kulturen geht.

James Camerons imperiale Dekade waren die 90er – zwischen Terminator 2 und Titanic. Ich finde es nicht verwunderlich, dass seine Filme bis heute diesen Geist atmen. Seht ihr das ähnlich?

Foto von eleonora auf Unsplash

Von Richard Bachman zu Hans Fallada (Unsortierte Gedanken #6)

Vor einigen Wochen sagte meine Frau Katharina zu mir: „Stell dir vor, ich lese als nächstes ein Buch von Stephen King. Es spielt im Jahr 2025, und es geht um einen Mann, der gejagt wird.“ Wir brauchten etwas Hin und Her und ein paar Internetsuchen, um festzustellen, dass

  • a) der Roman von 1982 mit dem „deutschen“ Titel Manhunt im Original The Running Man heißt,
  • b) King den Roman unter seinem Pseudonym Richard Bachman geschrieben hat,
  • c) er tatsächlich die Vorlage für den Film mit Arnold Schwarzenegger von 1987 ist, den ich als 12-Jähriger viel zu früh gesehen habe und
  • d) diese Verfilmung aber nur wenig mit dem Roman zu tun hat und Edgar Wrights Film The Running Man, der diese Woche startet, sich enger am Buch orientiert.

Diese ganze Kombination aus Erinnerungen und aktuellen Anlässen fand ich interessant genug, dass ich The Running Man auch gelesen habe. Er spielt in einer nahen Zukunft, in der die Luft in den Städten verpestet ist und die Quasi-Regierung der Vereinigten Staaten vom Fernsehsender „Games Network“ gestellt wird. Die Armen, die außer den verpflichtenden Fernsehern in jedem Haushalt kaum etwas besitzen, melden sich dort freiwillig, um in martialischen Game Shows wie „Treadmill to Bucks“ und „Swim the Crocodiles“ gegeneinander anzutreten. Zur Unterhaltung der Massen und in der Hoffnung auf den großen Gewinn. Die Hauptfigur, ein wütender Draufgänger namens Ben Richards, dessen 18 Monate alte Tochter eine Lungenentzündung hat, meldet sich beim Network und wird für das Kronjuwel der Gameshows ausgewählt: den „Running Man“, in dem er vogelfrei durch die USA zieht, verfolgt von professionellen „Jägern“, die ihn töten wollen. Jede Stunde, die er überlebt, bringt ihm Geld ein.

No smell but the decaying reek of this brave year 2025.
(aus The Running Man)

Eigentlich nichts Neues, möchte man meinen. Ein typisches Gewächs der späten 70er und frühen 80er im Geist, den Neil Postman 1985 in Amusing Ourselves To Death final einfing. Ich musste an Network (1976) denken und an den deutschen Fernsehfilm Das Millionenspiel von 1970, der auf Robert Sheckleys Kurzgeschichte The Prize of Peril von 1958 basiert und ein fast identisches Setup hat. Ich war aber doch überrascht, wie nihilistisch der Roman ist. Er strotzt nur so vor Verachtung der gesamten Gesellschaft, hat wenig Raum für Optimismus, geschweige denn für Heldentaten und mündet in einem ziemlich düsteren Ende – ganz anders als die Schwarzenegger-Verfilmung, in deren Finale der Protagonist Ben Richards und seine Verbündeten eine Art Medienrevolution starten und das Games Network als Lügner anklagen.

Ein Teil dieses Nihilismus lässt sich sicher mit der allgemeinen „No Future“-Stimmung der Zeit nach Vietnam, Watergate und Co erklären, aber Stephen King sah sein Alter Ego Richard Bachman irgendwann ja auch ganz bewusst als seine „dunkle Seite“ an. Ursprünglich geschaffen, um einfach mehr Bücher publizieren zu können – die Verleger waren der Meinung, mit mehr als einem Buch pro Jahr würden sich Kings Verkäufe kannibalisieren – wurde Bachman schnell zu einem Ventil, in dessen Romanen King seinen eigenen pessimistischen Impulsen freie Bahn lassen konnte. Bachmans erstes Buch Rage (1977) hatte King sogar zu großen Teilen geschrieben, als er noch in der High School war –  also die Zeit, in der viele Menschen einen Hang zum Nihilismus entwickeln. (Das doppelte Spiel wurde einige Jahre später enttarnt und King schrieb einen Roman namens The Dark Half, in der ein Autor von seinem düsteren Pseudonym gefangen genommen wird.)

King hat diese innere Transformation später in Vorworten zu den Bachman-Romanen reflektiert und schlussgefolgert, dass es gut ist, einen inneren Bachman zu haben:

„There’s a place in most of us where rain is pretty much constant, the shadows are always long, and the woods are full of monsters. It is good to have a voice in which the terrors of such a place can be articulated and its geography partially described, without denying the sunshine and clarity that fill so much of our ordinary lives. For me, Bachman is that voice.“
Stephen King, „The Importance of Being Bachman“

Nun ist The Running Man nicht die einzige Bachman-Verfilmung, die dieses Jahr ins Kino kommt. Im September ist auch The Long Walk gestartet, den ich nicht gesehen habe, aber der The Running Man auch in seiner Struktur ähnelt: Ein grausames, tödliches Spiel, das einen großen Gewinn verspricht, aber  – soweit ich weiß – in einem Pyrrhussieg endet. Und natürlich frage ich mich, inwiefern die heutige Zeit die Ära der Bachman-Romane so spiegelt, dass sie wieder populär werden.

Natürlich lassen sich Zeiten nie 1:1 aufeinander übertragen, das wäre viel zu einfach, aber wie in den 70ern das Fernsehen metastasierte passt schon zur gesellschaftlichen Polarisierung, die heute Social Media zugeschrieben wird. Genauso wie die dystopische Desillusionierung mit dem Politikbetrieb. Heute – mit dem Faschismus an der Türschwelle – vielleicht sogar schlimmer als damals.

Normalität im Angesicht der Katastrophe

So weit, so einfach und küchenpsychologisch. Was mich an dem Thema aber nicht losgelassen hat, ist die Wechselwirkung mit einem andern Phänomen, über das ich schon länger nachdenke. Ich habe hier im Blog schon einmal über das paradoxe Gefühl der Normalität im Angesicht der Katastrophe geschrieben. Anfang des Jahres ist es mir erneut eindrucksvoll begegnet, als ich Hans Falladas Kleiner Mann, was nun? von 1932 gelesen habe (auf den ich – intertextuelle Serendipity – auch nur gekommen bin, weil ich Saša Stanišićs Herkunft gelesen habe und der Erzähler darin den Roman in einem Nebensatz entdeckt).

Die Kurzform: Wir können nur erahnen, ob wir in später mal historisch bedeutsamen Zeiten leben. Manchmal gibt es deutliche Indikatoren (Pandemie), meist ist es aber nur ein diffuses Hintergrundrauschen (Klimawandel, Faschismus). Wenn in einigen Jahrzehnten ein Highlight Reel unserer Zeit zusammengeschnitten würde, mag man dasitzen und denken „Was waren das für krasse Zeiten, in denen ständig unglaubliche Sachen passiert sind“, aber das entspricht nicht dem, wie es sich anfühlt, wenn man mittendrin steckt.

Das mag man als Abstumpfung sehen, aber ganz viel davon ist auch einfach die Tatsache, dass das Leben ja weitergeht. Jeden Tag schlage ich mich, genau wie die meisten anderen Menschen, mit ganz normalen Problemchen im Job, in der Familie, in der Freizeit herum. Und, wie King ja auch zurecht schreibt, gibt es gleichzeitig mit den weniger schönen Dingen, die passieren, auch nach wie vor ganz viel „sunshine and clarity“ im Alltag. Ein ständiger historischer Alarmzustand ist nicht durchhaltbar. Umso erstaunter bin ich über Social-Media-Accounts vieler Aktivist:innen, die nicht müde werden, mir jeden Tag vor Augen zu führen, welche schlimmen Sachen ich heute schon wieder größtenteils ignoriert habe.

Kleiner Mann, was nun? hat dieses Gefühl für mich perfekt verkörpert. Der Roman erzählt die Geschichte eines Paares in den Jahren, in der er auch geschrieben wurde, also kurz vor der Machtergreifung der Nazis. Die Unruhen der Zeit – SA-Aufmärsche in den Straßen, wachsende politische Instabilität – tauchen in der Geschichte immer wieder im Hintergrund auf, geben ihr sogar das eine oder andere Mal einen leichten Schubs. Im Mittelpunkt aber steht der Alltag von Johannes und Emma, die versuchen, in einer immer prekärer werdenden finanziellen Situation ein Baby in Liebe großzuziehen. Dabei erleben sie angsteinflößende, aber auch schöne Momente. Aber sie haben keine Zeit, keine Energie, um sich mit den historischen Umwälzungen ihrer Zeit zu beschäftigen, weil sie viel zu viel Alltag zu bewältigen haben. 

Ich will meine Situation nicht mit der eines 1932 in Armut lebenden Paares vergleichen. Mir geht es nur um das Bewusstsein, dass große Katastrophen und banaler Alltag gleichzeitig passieren und ich nicht weiß, ob es einen „angemessenen“ Umgang damit gibt. Stephen Kings Weg, die eigene Überforderung in wütende, nihilistische Kunst zu gießen – oder vielleicht auch diese zu konsumieren – ist eine Möglichkeit. Es kann gut tun, die Wut in sich am Leben zu erhalten, weil sie einen vielleicht früher oder später doch ins Handeln bringt.

So wie in Hans Fallada letztem Roman Jeder stirbt für sich allein, den ich gerade lese. Auch hier geht es wieder um die „kleinen Leute“, die eigentlich genug Alltag zu bewältigen haben, um sich mit der historischen Ungerechtigkeit zu beschäftigen, die rund um sie herum passiert. Aber man merkt, dass Jeder stirbt für sich allein 1940 spielt, acht Jahre nach Kleiner Mann, was nun?, und noch einmal sechs Jahre später, also nach Kriegsende, geschrieben wurde. Fallada besitzt also bereits die Fähigkeit zur Rückschau. Allerdings basiert der Roman auch recht genau auf realen Ereignissen. Erneut geht es um ein Ehepaar, das sich bisher vor allem um sich selbst gekümmert hat. Als ihr einziger Sohn aber im Krieg fällt, platzt im Kopf des Mannes etwas und gemeinsam entscheiden sich die beiden, einzelne Postkarten mit aufrüttelnden Botschaften auszulegen. Ein kleiner Akt des Widerstands, der ihnen zwar kurze Zeit später zum Verhängnis wird, aber sie weniger gebeugt schlafen lässt.

Mir ist klar, dass ich hier vage und vielleicht schwer nachvollziehbare Verbindungslinien ziehe. Zu einer klaren These oder gar Handlungsaufforderung möchte sich die ganze Gemengelage auch in meinem Kopf nicht verdichten. Ich stelle nur immer wieder fest, wie mir Kunst hilft, aus unterschiedlichen Winkeln auf die gleiche Welt zu blicken, und manchmal vielleicht sogar etwas daraus mitzunehmen. Belassen wir es für heute dabei.

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Glow-Ups, Arbeitsversionen und bevorstehende Katastrophen (Unsortierte Gedanken #5)

Als ich vor kurzem den Robbie-Williams-Film Better Man gesehen habe, fiel mir ein Thema wieder ein, über das ich schon lange mal schreiben wollte: Jukebox Musicals, also Musicals, die keine Originalkompositionen verwenden, sondern auf bereits existierende Popsongs zurückgreifen. Oft aus einem bestimmten Genre (Rock of Ages) oder, meistens, von einer bestimmten Künstlerin oder einem bestimmten Künstler. Das bekannteste ist vermutlich Mamma Mia mit der Musik von Abba. Ich hoffe ja sehr, dass ich irgendwann noch die Gelegenheit bekomme, Joyride zu sehen, das Roxette-Jukebox-Musical.

Handlungsmäßig sind diese Musicals meist ziemlich an den Haaren herbeigezogen – logo, schließlich hängen die genutzten Songs ja ursprünglich überhaupt nicht zusammen – aber ich finde immer wieder interessant, was in ihnen musikalisch passiert. Denn die Lieder werden in der Regel ganz neu arrangiert und insbesondere wenn Hollywood involviert ist, sorgt das oft dafür, dass man sie noch mal ganz neu hören kann. Selten wird dabei ein wirklich kreativer Ansatz gewählt wie in Across the Universe, in dem Julie Taymor und Elliot Goldenthal die Musik der Beatles wirklich gut dekonstruieren und neu zusammensetzen. Aber auch die gehörige Schippe Bombast, die das Arbeiten mit großen Orchestern und Hollywood-Musikproduzenten, ermöglicht, sorgt bei diesen Popsongs oft für ein Glow-Up, das mir gefällt.

Der YouTuber Patrick Willems hat gerade erst herausgearbeitet, dass Musik-Biopics und Jukebox-Musicals zurzeit eine Allianz eingegangen sind, die der ganzen Form gut tun. Statt das Leben eines Musikers nur als bloßes Reenactment von Begegnungen und Konzerten anhand einer sehr standardisierten Dramaturgie zu verfilmen, werden Musical-Sequenzen mit den Songs der Hauptfigur eingefügt, die es erlauben, die Realität zu verlassen und stilisierter zu erzählen. So geschehen in Rocket Man, Elvis (selbst noch nicht gesehen) und jetzt auch in Better Man.

Die Musik bekommt dann jedes Mal auch das entsprechende Musical-Bombast-Treatment, aber meiner Meinung nach selten zum Schlechten. Einzelne Songs vom Soundtrack von Rocket Man (den Titelsong, aber auch “Saturday Night’s Alright for Fighting“) höre ich immer wieder gerne. Und die Version von “Rock DJ” aus Better Man, in der einfach alles ein bisschen fetter ist als vor 25 Jahren und zwischendurch eine Marching-Band-Sektion eingefügt ist, lohnt sich auch auf jeden Fall, zumal Robbie Williams selbst singt – am besten guckt man sich gleich dazu die Sequenz aus dem Film an, die die gesamte Karriere von Take That in einer beeindruckenden Choreografie nachbildet. (Und noch ein Tipp aus dem Glow-Up-Space: Emiliana Torrinis Version von Jefferson Airplanes “White Rabbit” aus dem ansonsten furchtbaren Sucker Punch kann ich auch immer wieder hören.)

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Der Song “Take on me” von A-Ha gehörte früh zu meinen Lieblingssongs und ist es bis heute geblieben. Im Podcast Song Exploder hat A-Ha-Mitglied Paul Waaktaar-Savoy vor kurzem die Entstehungsgeschichte des Songs erzählt, der viele verschiedene Demos und sogar veröffentlichte Versionen durchlief, bevor er zu dem Hit werden konnte, der er bis heute ist. Ich finde solche Geschichten immer spannend, weil sie zeigen, dass es manchmal eben doch Details sind, die einen Unterschied machen.

Tatsächlich finde ich auch, dass “Take on me” ein Song ist, der nur in seiner Originalversion, mit dem stampfenden aber zwischendurch auf half-time wechselnden LinnDrum Schlagzeug und den Synthiesounds der Zeit, so richtig funktioniert. Ich habe bis heute kein Cover gehört, das mir wirklich gefällt – also das genaue Gegenteil des eben beschriebenen Phänomens.

Trotzdem habe ich eine Version, die ich lieber mag als den Song, den man aus dem Radio kennt: die extralange 12″-Version gönnt sich ein fast religiöses Intro und einen erweiterten Instrumentalteil in der Mitte, die beide eigentlich nur einen Zweck haben: auf das totale Wegbrechen aller Instrumente hinzuarbeiten, damit das ikonische Anfangsriff so richtig strahlen kann.

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Kathryn Bigelows A House of Dynamite ist ein sehr spannender Thriller über einen Atomraketenangriff aus unbekannter Quelle auf die USA, der es ziemlich sicher Ende des Jahres unter meine Lieblingsfilme schaffen wird und seit vorgestern auf Netflix ist. (Am Ende dieses Abschnitts kleinere Spoiler, wenn man gar nichts über den Film weiß.)

Ein Aspekt, der mir beim Sehen (im Kino) auffiel ist, wie sehr A House of Dynamite ein Film über Menschen ist, die wirklich gut in ihrem Job sind. Er spielt eigentlich nur an Arbeitsplätzen – vor allem in Kommandozentralen und “Situation Rooms”. Die dort sitzenden Personen treffen Entscheidungen in Minuten. Immer wieder fallen Sätze wie “We have trained for this a million times”. Auf dem Bildschirm ist die geballte Expertise eines Staatsapparats zu sehen.

Besonders Hollywood-Filme erzählen ja gerne Geschichten davon, wie Expert:innen versagen, weil ihnen über ihr Expertentum die Menschlichkeit verlorengegangen ist (gerade erst wieder in Jurassic World Rebirth gesehen, in der eine eigentlich sehr überschaubare Operation durch fanatischen Leichtsinn schiefläuft, und am Ende nichts ohne romantisierte Normalos läuft). In A House of Dynamite machen die Expert:innen alles richtig und können die bevorstehende Katastrophe dennoch nicht verhindern. Nur die schwerwiegendste Entscheidung, nämlich über einen möglichen Gegenschlag liegt dann wieder bei jemandem, der eigentlich ein Laie ist: dem US-Präsidenten.

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Ich arbeite mich seit einigen Jahren stückweise, Jahr für Jahr, durch die History of Middle Earth, Christopher Tolkiens zwölfbändige Aufarbeitung der Papiere seines Vaters, in der man ähnlich wie in Song Exploder die diversen Versionen seiner Werke lesen kann, die nicht veröffentlicht wurden.

Gerade habe ich Band V, The Lost Road and Other Writings, beendet. Allerdings lese ich die Bücher in einer Reihenfolge, die ein bisschen an die Star Wars-Filme erinnert, nämlich I, II, VI, VII, VIII, IX, III, dann Tolkiens Briefe, IV, V. Mit The Lost Road habe ich nun also zu den Bänden VI bis IX aufgeschlossen, die die Geschichte des Herrn der Ringe erzählen.

Mein Plan ist, als nächstes X, XI und XII zu lesen und dann noch einmal die Unfinished Tales, die ich zuletzt vor über 20 Jahren gelesen habe – somit wäre ich 2029 fertig. Ich lese diese Bücher, weil Tolkiens Romane mich geprägt haben wie kaum ein anderes Werk, aber auch, weil ich diese einmalige Aufstellung einer Rekonstruktion des gesamten Schaffensprozesses eines Menschen nach wie vor – unabhängig vom Inhalt – schrecklich faszinierend finde. Wo sonst gibt es das, dass man einen Menschen quasi beim literarischen Nachdenken über die gleichen Geschichten durch ein ganzes Leben hindurch begleiten kann? (Unter anderem in Adam Moss’ großartigem Buch The Work of Art, das ich auch Stück für Stück lese und sehr empfehle.)

Dennoch gebe ich zu, dass ich ein bisschen Angst davor hatte, in diesem Band ein weiteres Mal alle Geschichten des Silmarillion zu lesen. Mit minimalen Abweichungen gegenüber der publizierten Ausgabe, mit Detailabweichungen in Namen und Geografie, die ich mir sowieso nicht merken kann. Tatsächlich habe ich zwischendurch überlegt, den Teil zum Quenta Silmarillion einfach zu überspringen, nachdem ich die Geschichten des ersten Zeitalters in den vorausgehenden Bänden schon mehrfach gelesen hatte.

Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe. Denn nicht nur ist die Version des Silmarillion, die Tolkien 1937 schrieb – kurz bevor er den Herrn der Ringe begann – eigentlich ganz angenehm zu lesen. In ihrer Lektüre erschloss sich mir auch, dass diese Art von Sagen ihre wahre Wirkung wirklich erst entfalten, wenn man ihnen immer wieder ausgesetzt ist. Gerade die vage Erinnerung an die vorhergehenden Versionen und das grobe Wissen zu jedem Zeitpunkt darüber, welche Ereignisse noch kommen werden, machte mir das Lesen und Verstehen leichter als zuvor. Zudem enthält dieser Teil des Buchs einige interessante Reflexionen von Christopher Tolkien über seine eigene kuratorische Arbeit, etwa dass er heute einige seiner Entscheidungen beim Zusammenstellen des veröffentlichten Silmarillion bedauert.

Ein noch größeres Geschenk ist aber tatsächlich das Fragment The Lost Road, von dem Christopher Tolkien mit Recht schreibt, es sei „among the most interesting and instructive of my father’s unfinished works“. Nicht nur ist es, anders als die Silmarillion-Sagen, in Romanform angelegt, die zeigt, dass J. R. R. Tolkien zwar ein altmodischer, aber wirklich kein schlechter Erzähler war. Es erhellt wirklich wie wenige andere seiner Schriften sein Denken über seine Geschichten als zeitlose Wiedergeburten von Ur-Erzählungen. In diesem Fall über die Ignoranz einer dekadenten Menschheit im Angesicht einer drohenden Katastrophe, wie im Atlantis-Mythos und seiner Mittel-Erde-Version, dem Untergang von Númenor.

In The Lost Road hatte er vor, diese Variationen über die Zeitalter hinweg zu einem großen Narrativ zu vereinen, das zeigt, wie sehr die Geschichte und die aus ihr entstehenden Mythen sich wiederholen und reimen. Quasi J. R. R. Tolkiens Everything Everywhere All At Once. Ich weiß nicht, ob das Ergebnis gut gewesen wäre, aber ich hätte es mit Sicherheit gerne gelesen. (Diesen Text habe ich zuerst in ähnlicher Form auf Goodreads veröffentlicht)

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